Journal Freitag, 14. März 2025 – Heimarbeit und Besuch

Samstag, 15. März 2025 um 7:31

Gestern war alles anders, eine so willkommene Abwechslung im Arbeitsalltag, dass es sich fast wie Wochenende anfühlte.

Ich erwachte nach gutem Schlaf im Bett von und neben Herrn Kaltmamsell: Wir würden einen sehr erfreulichen Übernachtungsgast haben, der zu einer Fortbildung in München war, das zog Organisationsdinge nach sich. Deshalb arbeitete ich ausnahmsweise daheim, eine weitere Abwechslung: Herr Kaltmamsell würde den ganzen Tag aushäusig verbringen, so konnte ich seinen Schreibtisch nutzen – deutlich komfortabler als der Esstisch.

Am Morgen nahm ich mir mehr Zeit, räumte schonmal ein wenig, baute meinen Rechner an Herrn Kaltmamsells Schreibtisch auf, kochte aber wie im Büro auch eine Tasse Tee zum Starten. Das Draußen war abweisend düster und kalt mit hin und wieder Regenspritzern.

Spannend wurde wieder, wann mich das Homeoffice-Frieren erwischen würde, gegen das ich mich mit zwei Paar Wollsocken in Winterpantoffeln und zwei dicken Pullis übereinander wappnete. Ergebnis: Eisfüße nach anderthalb Stunden. Allerdings entdeckte ich erst dann, dass die Heizung im Zimmer von Herrn Kaltmamsell über eine Zeitschaltuhr geregelt war und jetzt die Zieltemperatur 17 Grad ansteuerte. Das änderte ich.

Blick auf einen Schreibtisch vor einem großen Fenster mit Blick aus einem Obergeschoß auf kahle Bäume und entferntes Klinikgebäude, darunter Parkettboden, auf dem Schreibtisch ein aufgeklappter Laptop, ein großer, dunkler Bildschirm, rechts vom Laptop eine große Tasse

Ich weiß, wir sind ca. fünf Jahre über Guck-mal-mein-Homeoffice-Arbeitsplatz raus, aber für mich ist das immer noch Guck-mal.

Emsiges Wegarbeiten, dazwischen Handgriffe für Brotbacken. Meinen Mittagscappuccino kochte ich selbst, verlässliche Qualität.

Zwei Laibe, dunkles, etwas aufgerissenes Brot auf Kuchengitter auf schwarzerm Kochfeld

Das Brot gelang gut (70/30 Roggenmischbrot nach Brotdoc), mit reichlich Roggenvollkornmehl ist es genau mein derzeitiger Geschmack.

Später gab es zu Mittag einen Apfel und eingeweichtes Muesli mit Joghurt.

Pünktlich wie verabredet um zwei klingelte der Übernachtungsgast. Einweisung in Hausabläufe (nicht den Duschkopf vor Wasseraufdrehen hochhängen), Plausch. Gast ging zum Anlass seines München-Aufenhalts, ich zurück an die Arbeit. Gegen Ende des Arbeitstags wurde es nochmal zackig, zumal ich es nicht spät werden lassen wollte.

Pünktlicher Feierabend, jetzt wollte ich aber raus an die frische Luft – der Marsch in und von der Arbeit fehlte mir sehr. Auf die angedachte Laufrunde hatte ich zwar keine Lust, aber auf Gehen. Ich spazierte Richtung Isar, dort ein Stück entlang zur Innenstadt.

Winterliche Grünanlage vor einem modernen Bürogebäude rechts: ansteigener gepflasterter Weg, darin ein Kustwerk aus großen, runden Steinen, an die Strohballen gebunden sind

An der rotem Fußgängerampel am Patentamt wunderte ich mich über die Strohballen an Kunst – bis mir klar wurde, dass die niedrigen Grashügel drumrum sehr wahrscheinlich zum Schlittenfahren genutzt wurden und das Stroh die Kunst schützte. Stadtkinder haben keine große Auswahl.

Ich legte meinen Weg über den Viktualienmarkt, im steigenden Anteil Eateries, Snack- und Weinbars wurde das Wochenende eingeläutet. Ich fragte mich (sehr leise nur), warum ich nicht jemand bin, der jetzt dort gesellig sitzt – die Leute sahen durchgehend glücklicher aus als ich.

Abschließend Einkäufe im Alnatura, bis daheim war ich zumindest eine Stunde zu Fuß unterwegs gewesen. Yoga-Gymnastik, dann verarbeitete ich Radicchio zu Abendessen, schüttelte mit Saft einer wunderschönen Amalfi-Zitrone, die mir beim Einkaufen begegnet war, Whiskey Sours zum Feiern des Wochenendes.

Nachtmahl war das frisch gebackene Brot (sehr gut, vielleicht etwas mehr Salz) mit Butter und Käse, Radicchio-Salat, etwas Kartoffelgratin aus Ernteanteil. Dazu ein Restl Weißwein von der Einladung vergangenen Samstag. Nachtisch Schokolade.

Wieder früh ins Bett zum Lesen, der Übernachtungsgast würde spät von seiner Fortbildung kommen und war selbstversorgt.

die Kaltmamsell

Journal Donnerstag, 13. März 2025 – Die Bürogerüche feuchter Mäntel

Freitag, 14. März 2025 um 6:25

Aufgestanden zu düsterem Wetter und nassen Straßen.

Renovierte, schlichte Villa vor dunklem Himmel, davor ein großer Magnolienbaum mit aufplatzenden Knospen

Die amtierende Referenz-Magnolie an der Villa Wagner ist deutlich weiter, als ich erwartet hatte.

Im Büro wie geplant gleich mal losgeackert (im Gegensatz zu ungeplant), aber sehr, sehr müde.

Trotz düsterem Draußen wollte ich auf einen weiter weg gelegenen Mittagsscappuccino – hatte allerdings nicht mitbekommen, dass es mittlerweile regnete. Ließ mir das egal sein und lief nicht nochmal hoch für einen Regenschirm – was mit immer stärkerem Nass von oben kommentiert wurde. Dann wurde ich halt recht feucht, bekam bei dieser Gelegenheit aber heraus, dass ich in diese Richtung fast die Hälfte der 20 Minuten Fußmarsch unterirdisch durch zwei U-Bahnhöfe und damit trocken zurücklegen konnte.

Noch bin ich unschlüssig, was den unangenehmeren Bürogeruch verursacht: Ein feuchter Wollmantel oder ein feuchter Wildledermantel.

Mittagessen: Gelbe Kiwis, eingeweichtes Muesli (bisschen zu viel Wasser erwischt) mit Joghurt.

Der Nachmittag verlief überraschend chop-chop; unter anderem hing das damit zusammen, dass ich aus Gründen am Freitag von daheim aus arbeiten würde und alles vom Tisch haben wollte, wofür ich Drucker und Bürodinge brauchte. Den Heim-Tag wollte ich zudem zum Brotbacken nutzen: Ich musste also rechtzeitig Feierabend machen, um noch vor sechs, also zu Öffnungszeiten, im Hofbräuhausmühlen-Laden Mehle zu kaufen.

Ich schaffte alles, mittlerweile hatte auch der Regen aufgehört: U-Bahn zum Odeonsplatz, von dort zum Mühlenladen – es war wieder winterlich kalt geworden. Auf dem Heimweg besorgte ich noch Käse fürs Abendbrot.

Zu Hause so viele Häuslichkeiten, dass es mir für Yoga-Gymnastik zu eng wurde. Nachtmahl servierte ich: Feldsalat aus eben geholtem Ernteanteil mit Kürbiskernöl-Dressing, Pekannüssen, wachsweichen Eiern, außerdem Käse und restliches aufgetautes Balkanbrot. Nachtisch Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, sehr frühes Lichtaus weil müde.

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Die Prognose, dass die Zukunft der deutschen Industrie nach dem Totalversagen der Automobilindustrie in Sachen Weitsicht bei Rüstungsgütern liegt, hätte vor drei Jahren noch Teeren und Federn provoziert. Irre Zeiten.

Mag nicht jemand einen satirischen Roman oder eine SitCom über diese Entwicklung schreiben? Ausgangssituation: Die Marketing-Abteilung von Audi wird en bloc zu Rheinmetall verschoben? (Meine Idee war ursprünglich eine Verschiebung zu Krauss-Maffei, doch jemand erinnerte mich daran, dass die einst deutsche Traditionsfirma 2016 von einem chinesischen Staatskonzern übernommen wurde.)
Korrigierender Nachtrag: Die Erinnerung war falsch. Chinesisch ist seit 2016 der Maschinenbauer Krauss-Maffei (den ich von der S-Bahn nach Karlsfeld aus sah, heute ist der Schriftzug durch “Siemens” ersetzt). Das Unternehmen mit den Panzern ist Krauss-Maffei Wegmann, heute ein Unternehmen der deutsch-französischen Wehrtechnikgruppe KNDS. Der Scherz steht also noch.

§

Obst-Witze – vielleicht sind unsere Zeiten nicht die schlechtesten.

via @heibie

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 12. März 2025 – Verdüsterung von Wetter und Stimmung

Donnerstag, 13. März 2025 um 6:24

Eigentlich endlich mal wieder eine gute Nacht ohne anstrengende Träume, aber so gerne hätte ich schon lang nicht mehr bei Weckerklingeln weitergeschlafen (meine Default-Einstellung bei Wecken ist: Zack! Aufstehen!).

Jetzt war der Wetterumschwung aber wirklich da: Geschlossene Wolkendecke und trübes Licht auf dem Weg in die Arbeit.

Sehr emsiger Arbeitsmorgen. Trotz der Trübe zog es mich raus auf einen Mittagscappuccino im Westend. Es roch wieder eher winterlich.

Mehr Emsigkeit, als Mittagessen gab es Joghurt mit Leinsamenschrot, Granatapfelkerne. Danach fühlte ich mich sehr müde und hatte Kopfweh.

Dennoch musste halt Arbeit weg, ich nahm mich zusammen. Und dann ärgerte man mich auch noch! Von verschiedenen Seiten. Ich weiß nicht, ob ich die Energie aufbringe, mir das egal sein zu lassen, in einem Fall etwas dann halt an die Wand fahren zu lassen (nicht zuständig, nahezu null Einfluss), in dem anderen mich ab sofort für nicht zuständig zu erklären (was ich mich ohnehin lange Zeit selbst gemacht hatte, weil ich halt Dinge sehe und wichtig finde – ich könnte das zu einem Übungsprojekt machen für Klappe-halten-und-wegducken-bis-sich-jemand-anders-kümmert).

Sehr erhöhter Blick über eine Großstadt, im Vordergrund Bahngleise und Bürohäuser, darüber dunkelgraue Wolken

Draußen begann es zu regnen, doch als ich mit ausgesprochen mieser Laune das Bürohaus verließ, war gerade Regenpause. Nächster Ärger (gestern brauchte es dazu aber wirklich nicht viel): Der große Edeka Schwanthalerhöhe hatte keinen weißen Tequila, wegen dem ich extra hingegangen war. Führte laut Regalaufschrift eh nur eine Sorte, und die war gerade aus. Da sind doch AUCH die Grünen dran schuld!

Also nur kurz in den Vollcorner, Laune beim Heimkommen entsprechend, ich fauchte Herrn Kaltmamsell aus dem Weg. Eine Einheit Yoga-Gymnastik (ich ersetzte die Freestyle-Abschlussfolge von Adrienes 30-Tage-Programm “Center” durch eine durchgepromptete von Jessica Richburg – tat gut), dann durfte Herr Kaltmamsell mir zumindest wieder Abendessen servieren: Ernteanteil-Pastinaken aus dem Ofen mit Parmesan, gebratener Reis, Kimchi – alles gut. Nachtisch Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, zwei interessante Granta-Geschichten.

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Vielleicht greife ich doch nochmal zum Strickzeug.

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 11. März 2025 – Wenig erwähnenswerter Dienstag

Mittwoch, 12. März 2025 um 6:17

Und auch diesmal in der letzten Schlafphase vor Weckerklingeln: Blöder Traum. Diesmal musste ich zu einem Bewerbungsgespräch (ein Job, der mit KI zu tun hatte, werfe meinen Träumen niemand vor, nicht tagesaktuell zu sein!) an der Uni Augsburg. Ich hatte direkt davor in einem der Büros dort zu tun gehabt, dabei eine interessante Frau kennengelernt, doch der Weg zum Bewerbungsgespräch führte durch die Hallen eines ehemaligen Stahlwerks, das jetzt für Kunstaktionen genutzt wurde und in denen ich mich verlief – ich würde es niemals pünktlich zum Termin schaffen. Die Situation versetzte mich im Traum keineswegs in Panik, ich fühlte mich nur sehr müde und erschöpft dabei. Genau wie beim Klingeln des Weckers.

Der Morgen brach hell an und wurde sonnig, auf der Theresienwiese wieder eindeutige Spuren von Frost.

Im Büro erstmal ein Riesenwelle aus dem Postfach und live – aber nach 45 Minuten Wirbeln konnte ich den ersten Schluck Tee nehmen (gestern Jasmin-Grüntee). Danach ging’s etwas geordneter weiter.

Besprechungen, Feuerlöschen, Geselligkeit, Abarbeiten. Draußen schien zu meiner Überraschung weiterhin die Sonne, ich sorgte dafür, dass ich über eine Spazierrunde nach Mittagscappuccino bei Nachbars etwas davon mitbekam – mit offenem Mantel, herrlich.

Später Mittagessen am Schreibtisch: Rote Paprika, Äpfel, Grapefruit – dann war mein Bauch zwar voll, ich schob dennoch einen Not-Eiweißriegel hinterher, damit die Mahlzeit länger als eine Stunde sättigte. Klappte mittel.

Das Wetter blieb unangekündigt wunderbar, ich genoss den Sonnenschein nachmittags aus dem Augenwinkel. Auf dem Heimweg kaufte ich ein wenig Obst im Süpermarket – eigentlich hatte Herr Kaltmamsell ein Lebensmittelkauf-Moratorium verhängt, bis die reichlichen Reste vom Samstag weggegessen sind, doch ich hatte eine Ausnahme rausgeschlagen.

Zu Hause Häuslichkeiten, Yoga-Gymnastik. Als Nachtmahl hatte Herr Kaltmamsell den Ernteanteil-Wirsing angemessen tot gekocht, dazu gab es Sahnelinsen und Ernteanteil-Kresse – eine hochwillkommene Fleisch-Pause. Nachtisch war der Rest Pekanuss-Karamell-Happen von Samstag, weitere Schokolade.

§

@CucinaCasalinga hat herausgefunden: Jawohl, das Zirkuszelt auf der Theresienwiese ist ein neues des Circus Krone, hier die Vorstellung.

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Hahaha, wer Büroarbeit nicht gewohnt ist, hat einen wunderbar frischen Blick darauf:
“Typing loudly, wearing AirPods: ‘taskmasking’ is how gen Z pretends to work at the office”.

Ist “taskmasking” bereits eine schöne Bezeichnung, gefällt mir “Larping your job” (von LARP – life action role-playing) noch besser.
Möglicherweise habe ich das ganz von Anfang meines Beruflebens gemacht: Es war während meines Zeitungsvolontariats, als ich mit dem Rauchen anfing, denn zu meiner Vorstellung von einer Journalistin gehörte, dass sie in der einen Hand eine Kaffeetasse hält, in der anderen eine brennende Zigarette, im Schreibtischstuhl lehnend mit den Füßen auf dem Schreibtisch, die Tastatur auf dem Schoß. (Dass niemand so tippen oder auch nur telefonieren kann, war mir schon auch klar.)

die Kaltmamsell

Journal Montag, 10. März 2025 – Fahrradzukunft

Dienstag, 11. März 2025 um 6:36

Gut geschlafen, allerdings auch in dieser Nacht mit seltsamen, eher unangehmen Träumen. Ist jetzt da mal Ruhe im Unterbewusstsein?

Wie angekündigt hatte sich das Wetter verdüstert (wir brauchen dringend Regen), aber noch war die Luft auf meinem Marsch in die Arbeit mild.

Arbeitsvormittag mit häufigem Wechsel zwischen Stehen und Sitzen: Derzeit spielt meine angeboren krumme und immer arthrotischere Lendenwirbelsäule Schmerz-Verfang mit der Hüfte, manchmal bis in die Knie ausstrahlend.

Zu Regen reichte es nur kurz, ich spazierte raus auf einen Mittagscappuccino.

Holzfäche vor Fenster, darauf ein Metalltablettchen mit Cappuccino und kleinem Wasserglas, draußen düsteres Licht auf einer Straße und Bürohäusern

Ziemlich geordnetes Abarbeiten von Dingen. Zu Mittag gab es Avocados (von Crowdfarming und ganz hervorragend) und Grapefruit.

Etwas wirrer Nachmittag, an dessen Ende aber weniger Arbeit auf der Liste stand als am Anfang.

Für den Feierabend hatte ich einen Einkauf vor: Der Nagellack, den ich mir bei der jüngsten Pediküre ausgesucht hatte, gefällt mir so gut, dass ich ihn als Farbe des Jahres kaufen wollte. Genau die Farbe hatte ich bei keinem der Anbieter gefunden, die dm führt, also wollte ich das Original von OPI – zu meiner Freude werden deren Produkte laut Website von Douglas gehandelt. Vor Ort wollte ich sicherstellen, dass die vermutete auch genau die wunderschöne Farbe auf meinen Zehen war. Doch wieder musste ich im “Flagship Store” von Douglas in der Kaufingerstraße feststellen: Gibt es dort nicht, kann man nur in deren Online-Shop bestellen. An mir geht völlig vorbei, wozu ein (auch diesmal ziemlich unaufgeräumt wirkender) “Flagship Store” gut sein soll.

Daheim das Übliche: Yoga-Gymnastik, Brotzeitvorbereitung.
Unüblich: Umzug meines Online-Bankings, meine Bank Sparda hat den Dienstleister gewechselt. Obwohl ich von meiner Sorgfalt überzeugt war, scheiterte ich zunächst, und erst Herr Kaltmamsell wies mich auf die eine Zeile in der Anleitung hin, die ich übersehen hatte. Dann funktionierte alles.

Als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell kalte Reste: Lammbraten vom Samstag, Käse, Brot, außerdem Kimchi und Essiggurken. Nachtisch Schokolade.

Nachdenken über Fahrraddinge.
Mein Fahrrad ist 25 Jahre alt, heißt “ADLER” (das steht zumindest drauf, und ich finde das wunderschön), ist perfekt auf meine Maße und Bedürfnisse eingestellt. Vom Lenker ist über die Jahre der gesamte schwarze Lack abgebröselt, der Gummi an den Griffen hebt aber noch zu 90 Prozent. Ich fahre es nicht oft, vermutlich im Jahresdurchschnitt drei- bis viermal im Monat: Es ist reines Transportmittel in der Stadt, denn Spazierfahrten oder Fahrradausflüge machen mir leider keinen Spaß. Alles unter einer Stunde Fußweg in der Stadt gehe ich lieber, und auf längeren Wegen ist mir die schnellere U-Bahn lieber.

Auf den jüngsten Fahrradfahrten stellte ich fest, dass die Gangschaltung mal wieder überholt werden müsste (von möglichen 15 Gängen nutze ich ohnehin seit Anfang höchstens 5, meist wechsle ich zwischen 3), außerdem quietschen die Bremsen verdächtig. Zeit also, das Radl nach ca. drei Jahren mal wieder zum vertrauten Schrauber in der Hans-Sachs-Straße zu bringen. Oder aber: Seit einigen Jahren habe ich Geld für ein neues Fahrrad beisammen und zur Seite gelegt, das meiste davon hat mein Vater mir geschenkt (seit meiner Geburt mein Fahrrad-Patron). Soll ich mir also ein neues Fahrrad kaufen?

Beim letzten Anlauf konsultierte ich besagten Fahrrad-Schrauber, der auch Neu-Fahrräder verkauft. Ganz Experte stellte er erstmal ein paar Fragen. Genauer nur eine: “San’S denn z’friedn mit Ihrm Radl?” Ja, antwortete ich, eigentlich sei daran alles daran genau richtig für mich. Experten-Folgerung: “Dann bracha’S koa neis Radl.”1 Das ist jetzt etwa zehn Jahre her. Und tatsächlich möchte ich im Grunde exakt mein jetziges Radl, nur in Neu und Schön (ok, und wenn Veränderung, dann mit nur den fünf Gängen, die ich tatsächlich verwende).

Wobei bei Neukauf unweigerlich ein zentrales Feature dieses für mich perfekten Fahrrads verloren ginge: Es sieht alt und überhaupt nicht Diebstahl-würdig aus. Zwar sperre ich es bei jedem Abstellen mit einem massiven Schloss ab, bemühe mich aber nicht um Anketten an verbauten Gegenständen, denn: Das will (in München) eh niemand. Höchstens achte ich darauf, es neben ein besonders schickes Fahrrad zu stellen: “Stiehl nicht meines, stiehl DAS!”

§

Ich arbeite immer noch die vielen interessanten Artikel rund um den Frauentag auf, darunter auf standard.at einen darüber, was Männer von Feminismus halten (zwei unzulässige Verallgemeinerungen im letzten Satzteil, der Artikel differenziert zum Glück).2
“Vincent-Immanuel Herr: ‘Bei Sexisten lässt sich wenig tun'”.

Vincent-Immanuel Herr und Martin Speer besuchen Organisationen und Unternehmen, um dort über Geschlechtergerechtigkeit zu sprechen, oft auch in rein männlichen Gesprächsrunden. Trotz einer umfassenden Datenlage zu Diskriminierung von Frauen meinen viele Männer: Ach, der Alltag von Frauen ist gar nicht so anders als meiner. Ich wurde doch auch schon mal von einem Mann angemacht – war doch nicht so arg! Dieses ganze Genderzeugs nervt gewaltig, und bald werden nur mehr Frauen befördert, weil sie halt Frauen sind. Für viele Männer ist Feminismus also noch immer ein rotes Tuch und ruft viele Ängste hervor. Genau über diese müssen wir endlich ehrlich reden, sagt Vincent-Immanuel Heer.

(…)

So könnten Männer darauf achten, von wem sie Artikel oder Bücher lesen, wem sie in sozialen Medien folgen. Sie könne sich fragen: Welche Stimmen lasse ich in mein Leben? Viele werden feststellen, dass das vor allem männliche Stimmen sind.

Das ist erst einmal nicht schlimm, Männer schreiben tolle Sachen. Doch wenn man nur Männer liest, nur Männern als Experten auf Panels zuhört oder nur Männern in sozialen Medien folgt, dann braucht man sich nicht wundern, wenn man nur eine Perspektive hat.

§

@cracked enthüllt: Die Stiefmutter in Schneewittchen war nie das eigentliche Problem.

via @343max

  1. Übers. “Sind Sie denn zufrieden mit Ihrem Fahrrad?” – “Dann brauchen Sie kein neues Fahrrad.” []
  2. Warum “Not all men” dennoch als Argument gegen strukturelle Kritik untauglich ist, kann man unter anderem hier nachlesen. []
die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 9. März 2025 – Sonnensonntag

Montag, 10. März 2025 um 6:17

Wenig erholsame Nacht mit zerstückeltem Schlaf, der zu früh endete. Dafür und nach dem vielen Alkohol am Vorabend stand ich aber recht munter auf.

Vor dem Morgenmilchkaffee Aufräumen bis zur Wiedererkennbarkeit des Wohnzimmers. Gemütliches Bloggen, Gläserspülen (werden auch in dieser Geschirrspülmaschine matt und müssen deshalb handgespült werden), Internetlesen.

Draußen strahlte nochmal die Sonne, ich öffnete bald die Fenster zu sehr milder Luft. Für meinen Isarlauf ließ sie mich erstmals im Jahr zur kurzen Hose greifen.

Spiegelselfie eines Menschen mit hellblauer, knielanger Laufhose, roter Jacke, Kappe und Sonnenbrille, links von ihm Tür mit Blick in ein sonniges Wohnzimmer

Und ich nahm das Fahrrad raus zum Friedensengel. Schon auf diesem Weg stellte ich fest, dass ich zu warm angezogen war: Nicht nur war die Jacke unnötig, es hätte auch ein kurzärmliges Oberteil getan. Der Lauf wurde anstrengend, aber vermutlich nicht in erster Linie wegen meiner Kleidung, ich bin wohl derzeit einfach nicht allzu fit.

Wasserstand der Isar sehr niedrig, es muss dringend regnen. Ich bekam ganz viele Frühlingsblümchen zu sehen.

Sonnenbeschienener Pfad, rechts davon eine Mauer, hinter der ein Fluss, links kahle Bäume

Blick auf sonnenbeschienenen FLuss hinter kahlen Bäumen, im Fluss viele Steine, auf dem gegenüberliegenden ein barocker Kirchturm

Kanal mit sonnenglitzerndem Wasser, rechts grasbewachsener Damm, links davon kahle Bäume und ein Kirchturm, darüber blauer Himmel und Sonne

Blick aus einer Unterführung mit Graffiti, in den sonnigen Ausgang joggt gerade ein Läufer

Unter der Max-Joseph-Brücke.

Beim Zurückradeln waren Rad- und Fußwege voll, die Ufer der Isar schwarz vor Menschen.

Daheim trank ich erstmal viel Wasser, so durstig war ich schon lang nicht mehr vom Laufen gekommen. Zum Frühstück um halb drei gab es einen großen Teller aufgewärmte Gemüsereste vom Vorabend mit Balkanbrot, außerdem Blutorangen.

Nachmittag mit offenen Fenstern und Balkontüren im sonnigen Wohnzimmer: Zeitunglesen, Bügeln.

Nach Sonnenuntergang mal wieder Yoga-Gymnastik: Die Einheit mit nur ruhigem Dehnen war genau richtig. Brotzeit- und Arbeitstagvorbereitungen.

Zum Nachtmahl Reste: Lammbraten und Gemüse, es blieb immer noch etwas übrig. Nachtisch Pekanuss-Karamell-Happen.

§

Wie Frauen ihre Wechseljahre erleben, ist so unterschiedlich wie Frauen – ÜBERRASCHUNG! – nunmal sind. Deshalb finde ich die individuellen Geschichten auch so interessant, weil sie meistens ganz anders sind als meine. Zum Beispiel die von Silke Burmester:
“Wechseljahre
Ich glaube, ich mag mich so sehr wie noch nie”.

Etwas ungehalten werde ich folglich bei Verallgemeinerungen – wie die im selben Artikel:

Die 40er bringen ein neues Selbstbewusstsein mit sich. Sie sind die Zeit der gekonnten Umsetzung. Wir realisieren und bringen zur Blüte, was wir seit Jahrzehnten vorbereitet haben: Karriere, Familie oder was wir uns sonst unter Glück vorstellen.

LOL HELL NO. Don’t you “wir” me!

§

Noch ein aktueller, persönlicher Text über das Erleben der Wechseljahr, dieser im Blog Mira Corvino:
“Der Wechsel”.

Noch dazu mit einem wundervollen Zitat der verehrten Ursula Le Guin am Ende.

In diesem Blog übrigens auch eine sehr interessante Besprechung von Mareike Fallwickl, Die Wut die bleibt.

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 8. März 2025 – Gäste zu mallorquinischem Essen

Sonntag, 9. März 2025 um 9:02

Als ich mich nach Klogang kurz vor fünf wohlig ins Bett kuschelte, weil noch so viel schöner Schlaf vor mir lag, rechnete ich nicht damit, dass er mir einen besonders unangenehmen Traum bringen würde: Komplizierte Bahnreise in den Urlaub mit meiner Mutter, auf der ich schließlich beim Umsteigen meinen Tagesrucksack (darin Handy, Unterlagen, Geldbörse) mit einem anderen verwechselte, was ich erst bei einem weiteren, besonders komplizierten Umsteigen bemerkte (der Bahnhof bestand nur aus Baustelle, wir hetzten endlose Gleise bis in ein Gebäude entlang – wer braucht bitte journalistische Träume?). Erkenntnis, dass der Urlaub hiermit gestorben war. Ich wachte völlig entmutigt und erledigt auf.

Ein weiterer Sonnentag mit Wärme, früher als sonst radelte ich zum Olympiabad. Vor zehn brauchte ich schon noch Stirnband und Handschuhe. Das Schwimmbad war voller als erwartet, aber wir vertrugen uns. Leider fühlte ich mich eher steif und unfit, war diesmal wirklich stolz auf meine 3.000 Meter (und lobte mich innerlich immer wieder für das Erreichen von Zwischenzielen). Beim Heimradeln waren die Temperaturen spürbar gestiegen, ich sah immer mehr kurze Ärmel an den Menschen auf den Straßen.

Nochmal ein Einkaufsabstecher für die Abendeinladung mit mallorquinischem Essen. Herr Kaltmamsell und ich waren nach der langen Pause umgehend in unseren Gastgebemodus gefallen: Er hatte für die fünf Esser am Tisch beim Herrmannsdorfer ein halbes Schaf gekauft, mich plagte die Sorge, dass das Gemüse fürs Tumbet als Vorspeise nicht reichen könnte und ich besorgte zusätzliche Auberginen und rote Paprikaschoten.

Daheim aber erstmal Frühstück um halb zwei (nach Aufreißen der Balkontür, um Luft und Wärme hereinzulassen): Sandwichtoast mit Butter und Marmelade, Mango mit Sojajoghurt.

Den Nachmittag verbrachte ich in der Küche und mit Wohnungherrichten: Das Gemüse fürs Tumbet (ich verwendete neben Kartoffeln Auberginenscheiben und Paprikastreifen) wird vorgebraten, und ich hatte mich rechtzeitig daran erinnert, dass Paprikaschoten immer länger fürs Weichwerden brauchen, als man meint. Daraus schichtete ich mit Tomate frito aus dem Tetrapack das Tumbet in Einzelschüsselchen (gekauft über die Jahre als Büffeljoghurtbehälter im Süpermarket), die mit etwas gehacktem Knoblauch drüber bei Ankunft der Gäste noch eine Weile in den Ofen kamen.

Auf einem grauen Backblech fünf Tonschüsselchen gefüllt mit rotem Gmüse und roter Sauce, dahinter eine offene Balkontür ins Sonnige

Währenddessen duftete die Wohnung bereits nach Lammbraten: Herr Kaltmamsell hatte Teile seines Einkaufs für viele Stunden bei niedriger Temperatur in den Ofen geschoben.

Ich präparierte die Räume für Besuch und versteckte Papierstapel sowie Bügelwäsche (wir nennen es Aufräumen), deckte den Tisch, stellte Getränke bereit, bereitete alles für den Aperitif vor (Cocktail Rosita, dazu spanischen Chorizo, Käse vom adoptierten Crowdfarming-Schaf, gefüllte Oliven), zog mich um.

Vom Abend selbst leider keine Bilder, übers Gastgeben vergaß ich komplett zu fotografieren.
Die Gäste brachten wundervolle Frühlingsblumen, mallorquinischen Johannisbrotlikör (mit Mineralwasser und einer Scheibe Zitrone als Sommerdrink empfohlen), eingelegte Gurken aus Familienhand als Geschenke.

Der Tumbet geriet gut, Rezept gibt’s aber erst, wenn ich im Sommer die Originalversion mit frischen Tomaten ausprobiert habe. Die beiden Weine des Abends kamen vom selben, noch sehr jungen mallorquinischen Gut: Binigrau. Zur Vorspeise schenkte ich den weißen Nounat ein (Prensal Blanc und Chardonnay), später zum Lamm die rote Cuvée Eco negre aus Mantonegro- und Merlot-Trauben. Passten jeweils gut.

Ein gedeckter Tisch für fünf Personen mit grüner Tischdecke, in der Mitte eine tönerne Reine mit einem Stück Lammbraten am Knochen, das ein Gast gerade fotografiert, davor ein Korb mit Stücken Weißbrot

Eine von zwei Reinen voll Lamm, nur für Show im ganzen gezeigt, dann zerteilte Herr Kaltmamsell das Fleisch in der Küche in servierbare Stücke ohne Knochen (superzart) und brachte es wieder. Als Beilage hatte er Kichererbsen mit Spinat zubereitet: Das hatten wir bei unserem ersten gemeinsamen Mallorca-Urlaub im Winter dort kennengelernt.

Als Dessert hatte ich schon länger Orangen-Flammeri geplant und Freitagabend gekocht. Orangen passen ja zum malloquinischen Thema, da ich den Flammeri nie sturzfest hinbekomme, füllte ich ihn in kleine Glasschälchen. Ebenfalls am Freitagabend hatte ich dann dazu die Wedges of decadence gebacken, Pekanuss-Karamell-Happen. Dazu Espresso, Schnäpse, spanischer Brandy.

Ich genoss es, endlich mal wieder Gäste zu haben, wir saßen zu dritt (mit bravem Hund unterm Tisch) noch bis spät in die Nacht (ein Gast musste früher weg, Herr Kaltmamsell schnarchte auf dem Sofa). Nach allem Abschied nur noch wenig Speisensichern und Aufräumen, bis eine Ladung Geschirrpülmaschine eingeschaltet werden konnte, ich war zu müde. An den Resten des Abends werden wir noch viele Tage essen.

§

Spannender Longread im El País: Die Redaktion steckte 15 gebrauchte Kleidungsstücke mit Airtags in Altkleider-Container in ganz Spanien und verfolgte ihren Weg über elf Monate hinweg.
“Where do the clothes go after we put them in a recycling bin? An 11-month investigation covering thousands of kilometers”.

(Für mich immer wieder erstaunlich: So schauen Überschriften in spanischen Zeitungen aus – kürzer wird’s nicht. Im Grunde kennt der spanische Journalismus keine wirklichen Schlagzeilen, die man also als Zeitungsjunge rufen könnte.)

Hier die spanische Version:
“¿A dónde va el pantalón que tiramos a un contenedor de ropa usada? Once meses de investigación y miles de kilómetros recorridos”.

§

Sehr schöner Text im aktuellen Granta-Magazin von Clare Bucknell über “Real tennis”, also die Version, die vor “Lawn tennis” gespielt wurde, Letzteres Ende des 19. Jahrhunderts als Vereinfachung eingeführt, das auch Frauen ohne Verlust ihres Anstands spielen konnten. Und diese alte Form des Tennis (deren Schilderung und Bebilderung mich sofort an das spanische pelota erinnerte, doch Bucknell erwähnt das nicht) wird noch heute von einer kleinen Gruppe Nerds gepflegt, Spielfelder finden sich vor allem in alten Schlössern. Nur der Anfang kostenlos lesbar:
“Real tennis”.

die Kaltmamsell