Schlaf in der Ehe
Freitag, 4. November 2005Regelmäßige Leser wird nicht überraschen, dass mir klassische Erwartungen an Verhalten in der Ehe egal sind. Ich kapier das mit dem Ehering nicht und habe deshalb keinen. Ich sehe eine Partnerschaft nicht als Anlass, ein Alias anzunehmen und den eigenen Namen abzulegen. Ich trete keineswegs nur im Plural auf, sehe – obwohl ich der weibliche Teil bin – meinen Partner nicht als Einkommensquelle, spiele keine Zickenspiele, fühle mich im Gegenteil sogar sehr verstanden und genieße, dass mein Partner seit mehr als zwölf Jahren mein Leben bereichert.
Und ich bin noch nie auf die Idee gekommen, mein eigenes Schlafzimmer aufzugeben. Oh, ich liebe die körperliche Nähe des geliebten Menschen. Aber beim Schlafen mache ich sie lieber zur Ausnahme: Am tiefsten und entspanntesten schlafe ich, wenn ich allein im Zimmer bin. Schon immer.
Als ich also vor neun Jahren zum ersten Mal im Leben mit jemandem zusammenzog, nämlich mit dem Mitbewohner, stand ohne große Erklärungen fest, dass es zwei Schlafzimmer geben würde. Seines dient ihm gleichzeitig als Arbeitszimmer, in meinem steht der gemeinsame Kleiderschrank.
Auf dieses Thema gebracht hat mich die Geschichte (oder halt, neuerdings scheint man so was „Stück“ zu nennen) „When the Z’s You Get Aren’t Yours“ in der New York Times. Es geht um schnarchende Männer in Partnerschaften und die daraus resultierende Peinlichkeit, wenn Eheleute zugeben müssen, dass sie nicht das Schlafzimmer teilen. Da erinnerte ich mich, dass getrennte Schlafzimmer gerne als untrüglicher Beweis für mangelnde Zuneigung / körperliche Anziehungskraft, wenn nicht sogar für das Scheitern der Partnerschaft gesehen werden.
Sehr lustig. Ich tu mich ja schon schwer, auch nur das Atmen eines anderen Menschen im Schlafzimmer nicht als Störung zu sehen. Schnarchen aber gehört zu den Geräuschen, die mich garantiert um den Schlaf bringen, egal in welcher Lautstärke, von wem und in welcher Phase meines Schlafs. Schon als Kind durchwachte ich Nächte, die ich bei einer meiner schnarchenden Großmütter verbringen musste.
So trifft es sich wunderbar, dass ich ohnehin mein eigenes Schlafzimmer habe: Der Mitbewohner schnarcht. Bis vor Kurzem konnte ich ihn durch wiederholtes Rempeln fast jedes Mal ruhig stellen, mittlerweile immer seltener. Ich bin sehr froh, dass ich einfach Zimmer und Bett wechseln kann.
Der Artikel in der New York Times nennt auch die brenzligsten Umstände einer Schnarcher-Partnerschaft:
Snorers and their mates dread vacations, especially if it means going to a hotel, for the simple reason that there is no easy escape. “I’ve seen people who have reported sleeping in bathtubs,” Dr. Thorpy said. “You would be surprised how many times that happens.”
Zu solcher Drastik musste ich glücklicherweise noch nicht greifen, was daran liegen mag, dass ich selten mit dem Mitbewohner verreise. Aber ich hatte eine Schnarchpartner-geplagte Arbeitskollegin (zu Hause mit zwei Schlafzimmern), die mehrfach die Nacht auf einem Sofa in der Hotellobby verbrachte.




