Schlaf in der Ehe

Freitag, 4. November 2005 um 11:34

Regelmäßige Leser wird nicht überraschen, dass mir klassische Erwartungen an Verhalten in der Ehe egal sind. Ich kapier das mit dem Ehering nicht und habe deshalb keinen. Ich sehe eine Partnerschaft nicht als Anlass, ein Alias anzunehmen und den eigenen Namen abzulegen. Ich trete keineswegs nur im Plural auf, sehe – obwohl ich der weibliche Teil bin – meinen Partner nicht als Einkommensquelle, spiele keine Zickenspiele, fühle mich im Gegenteil sogar sehr verstanden und genieße, dass mein Partner seit mehr als zwölf Jahren mein Leben bereichert.

Und ich bin noch nie auf die Idee gekommen, mein eigenes Schlafzimmer aufzugeben. Oh, ich liebe die körperliche Nähe des geliebten Menschen. Aber beim Schlafen mache ich sie lieber zur Ausnahme: Am tiefsten und entspanntesten schlafe ich, wenn ich allein im Zimmer bin. Schon immer.

Als ich also vor neun Jahren zum ersten Mal im Leben mit jemandem zusammenzog, nämlich mit dem Mitbewohner, stand ohne große Erklärungen fest, dass es zwei Schlafzimmer geben würde. Seines dient ihm gleichzeitig als Arbeitszimmer, in meinem steht der gemeinsame Kleiderschrank.

Auf dieses Thema gebracht hat mich die Geschichte (oder halt, neuerdings scheint man so was „Stück“ zu nennen) „When the Z’s You Get Aren’t Yours“ in der New York Times. Es geht um schnarchende Männer in Partnerschaften und die daraus resultierende Peinlichkeit, wenn Eheleute zugeben müssen, dass sie nicht das Schlafzimmer teilen. Da erinnerte ich mich, dass getrennte Schlafzimmer gerne als untrüglicher Beweis für mangelnde Zuneigung / körperliche Anziehungskraft, wenn nicht sogar für das Scheitern der Partnerschaft gesehen werden.

Sehr lustig. Ich tu mich ja schon schwer, auch nur das Atmen eines anderen Menschen im Schlafzimmer nicht als Störung zu sehen. Schnarchen aber gehört zu den Geräuschen, die mich garantiert um den Schlaf bringen, egal in welcher Lautstärke, von wem und in welcher Phase meines Schlafs. Schon als Kind durchwachte ich Nächte, die ich bei einer meiner schnarchenden Großmütter verbringen musste.
So trifft es sich wunderbar, dass ich ohnehin mein eigenes Schlafzimmer habe: Der Mitbewohner schnarcht. Bis vor Kurzem konnte ich ihn durch wiederholtes Rempeln fast jedes Mal ruhig stellen, mittlerweile immer seltener. Ich bin sehr froh, dass ich einfach Zimmer und Bett wechseln kann.

Der Artikel in der New York Times nennt auch die brenzligsten Umstände einer Schnarcher-Partnerschaft:

Snorers and their mates dread vacations, especially if it means going to a hotel, for the simple reason that there is no easy escape. “I’ve seen people who have reported sleeping in bathtubs,” Dr. Thorpy said. “You would be surprised how many times that happens.”

Zu solcher Drastik musste ich glücklicherweise noch nicht greifen, was daran liegen mag, dass ich selten mit dem Mitbewohner verreise. Aber ich hatte eine Schnarchpartner-geplagte Arbeitskollegin (zu Hause mit zwei Schlafzimmern), die mehrfach die Nacht auf einem Sofa in der Hotellobby verbrachte.

die Kaltmamsell

9 Kommentare zu „Schlaf in der Ehe“

  1. TH meint:

    Ich schwöre da einfach auf gute Ohrstoppel. Helfen sogar bei Extremschnarchern

  2. kid37 meint:

    Getrennte (Schlaf-)Zimmer sind ein Muß. Ich kenne das gar nicht anders.

  3. Tanja meint:

    Mit der Schalfzimmerzahl ist es für mich wie mit der Kinderzahl: Ich habe keine Ahnung, was richtig ist und es würde mir nicht einfallen, bei irgendwem meinen Senf dazu zu geben.

    In meinem Bekanntenkreis kann ich aber beobachten, dass getrennt Schlafzimmrige sich immer rechtfertigen müssen. So wie auch die mit Familienbett. Und irgendwie schwingt dann immer – unterschwellig nur – die Frage nach dem Sex mit.

    Ich finde das peinlich und schwitze bei solchen Gesprächen an die Hände, selbst wenn sie nicht mich betreffen.

  4. arboretum meint:

    Schnarchen weckt in mir die Mordlust. Zum Glück hat keiner meiner Freunde geschnarcht.

    Wer es sich leisten konnte, hatte früher getrennte (Schlaf-)Zimmer. Ein Narr, wer dahinter Verklemmtheit vermutete. Wenn’s nach mir ginge, gäbe es auch immer getrennte Badezimmer.

  5. L9 meint:

    Ich darf das jetzt nach ein wenig Wein und Wochenausklang: es gibt wenig Menschen auf der Welt, mit denen ich mich so verwandt fühle, wie mit Frau Kaltmamsell, die aber dennoch so völlig anders sind. Abgesehen davon, dass Kinder bei mir das Bedürfnis nach Dauerknuddeln auslösen, obwohl ich selber keine habe, bin ich Vollblutkuschlerin, weshalb bei mir getrennte Schlafzimmer seit nunmehr FAST (gell, ich bin nicht alt) 20 Jahren noch nicht mal ansatzweise eine Option sind, was aber häufig zu solchen Nächten führt.

  6. arboretum meint:

    Getrennte Zimmer und Vollblutkuschlerin schließen sich nicht aus, lassen einem nur mehr Wahlmöglichkeiten, genau das gefällt mir so daran.

  7. generator-in meint:

    Meine schnarchenden Exes waren doch immer etwas beleidigt, wenn ich nächtens aufs Sofa ausgerückt bin. “Oh, war ich wieder so laut?” – könnte man übersetzen mit “Liebst du mich nicht mehr?”. (Sie müssen sich das ja auch nicht anhören.) – “Nein, Schatz, ich möchte dich nur nicht eines Tages mit dem Kissen ersticken…”

  8. ExZivi meint:

    puh, ich hab mal gelesen, das ein Geräuschpegel von 80 Dezibel bei Schnarchern durchaus möglich ist. ziemlich heftig oder was meint ihr?

  9. Sorayah meint:

    Wir schlafen seit 25 Jahren getrennt, weil ich einfach nach der Geburt meiner Tochter nicht mehr schlafen konnte. Auch im Urlaub buchen wir immer 2 Zimmer oder bleiben lieber Zuhause. Der Schlaf ist uns beiden wichtig, damit wir uns auch weiterhin entspannt lieben können und die Beziehung ausgeschlafen frisch bleibt. Im Schlaf braucht man niemanden und wie es davor oder danach aussieht ist eine andere Sache. Ich liebe meinen Mann und mein eigenes Schlafzimmer – kann ich doch lesen so lange ich will, früher oder später als mein Mann ungestört ins Bett gehen wenn mir danach ist, das Licht brennen lassen, das Fenster geschlossen halten oder weit offen, Musik hören, im Bett essen (auch wenns nicht gesund ist) oder trinken usw. Kein Schnarchen oder unruhiges Sichbewegen kann mich stören – Gott sei Dank gibt es das eigene (Ehe)schlafzimmer. Das eigene Schlafzimmer ist eine Insel der Ruhe und besuchen kann man sich ja, oder? :)

    Übrigens: auch ich bin eine Kuschelkatze, aber wie gesagt, dazu gibt es 1000 Möglichkeiten VOR dem Schlafen…..

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