Journal 1. Juni 2009

Dienstag, 2. Juni 2009 um 6:31

Ich ziehe die Bezeichnung „Journal“ vor, „Tagebuch“ impliziert zu sehr Seelenentblößung und Vertraulichkeiten.

Es ist keineswegs das Internet, das meine sozialen Kontakte beschneidet, sondern Sport. Das Pfingstwochenende bescherte mir drei freie Tage am Stück, die sich geradezu aufdrängten als Möglichkeit, Menschen zu besuchen (ich winke nach Bern, nach Wien, nach Düsseldorf, Essen, Hamburg, Berlin). Internet hätte ich ja mitnehmen können. Doch beim Aufkommen der Idee einer Reise, dachte ich sofort: Aber dann kann ich ja nicht Schwimmen, Isarlaufen, Stepaerobic-Hüpfen!

Heute also mittags Aerobic, davor in der medizinischem Muckibude ein wenig Gewichteheben. Mein Fitnessstudio schüttelt zwar den Kopf über diese Zweigleisigkeit, ich könne das Krafttraining doch auch bei ihnen absolvieren, doch in dieser Hinsicht leiste ich mir kapriziösen Aberglauben: Die medizinische Muckibude hat mich von Rückenschmerz und Bandscheibenvorfallsangst erlöst, mich zudem stark genug für eine Wiederaufnahme regelmäßigen Schwimmens gemacht – das bedeutet was.

Zu meinem großen Bedauern kam ich nicht radelnd an die Sportstätten: Am Freitag war das Bremsseil meines Fahrrads gerissen (beim Bremsen vor einer roten Ampel – mein Schreckjuchzer müsste bis zu den Alpen getragen haben), mein samstäglicher Reparaturversuch gescheitert. Und so musste ich mich daran erinnern lassen, dass feiertags die U-Bahn ganz besonders schräge Gestalten transportiert.

Ein wenig crosstrainiert (ich bevorzuge die Geräte am Fenster und genieße den Ausblick), in der Stepaerobicstunde die üblichen Meschuggenen angetroffen, die sich an einem sonnigen Feiertag nichts Schöneres als Stepaerobic denken können.

Wie geplant kam ich genau nach Ablauf der 20 Stunden Gehzeit für das Topfbrot nach Hause. Ich kann ekelhaft durchorganisiert sein.

Nahrung: Café con leche, Spargel vinaigrette, Bananen mit Joghurt, Walnusszopf, Weinbrot mit Ziegenbutter, Schokolade, Lammkoteletts mit Blattsalat und frischem Topfbrot, Crème brûlée mit Limbeck Chardonnay Beerenauslese Reserve 1995
Wetter: englisch bunter Himmel mit langen sonnigen Episoden, Jackentemperatur, trocken

die Kaltmamsell

5 mal Beifall zu “Journal 1. Juni 2009”

  1. Alice meint:

    Chardonnay Beerenauslese Reserve 1995

    So stelle ich mir kein langweiliges und spießiges Leben vor – aber ich kenne München zu wenig…

  2. Lu meint:

    genau so kenne ich das auch.
    und dann dieser grundzufriedene seufzer, wenn man durchorganisiert alles ‚geschafft‘ hat, um diese doppelsonntage richtig zu nutzen.

    (der besuch wäre natürlich ebenfalls sehr gern gesehen gewesen, aber so tage kommen auch wieder.)
    ((hoffentlich bald!))

  3. Hande meint:

    Ach, und wie war der Beerenauslese 1995?

    PS: Ich biete Schwimmen im Mittelmeer, Tiberlauf und (nicht medizinische) Mucki- und Hüpfbude (Gastpassierschein!) an. Wenn erwünscht alles mit Begleitung (err, nicht immer meiner, dafür kompetent). Biete eigentlich noch mehr an, aber nur mal um so die Sportmöglichkeiten zu betonen….

  4. Stefan meint:

    Schön, dass Sie das Wort »die Meschuggenen« am Leben erhalten!;-)

  5. Petra S. meint:

    Verleser: grunzzufrieden anstatt grundzufrieden – auch schön, finde ich.

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