Mit Ende 40 einen neuen Job suchen –
große Brocken

Donnerstag, 11. Juni 2015 um 6:55

Nach 18 Monaten, 65 Bewerbungen und 8 Vorstellungsgesprächen habe ich also eine neue Stelle. Jetzt traue ich mich, von meinen Erfahrungen in dieser Zeit zu berichten.

Um eines gleich mal klar zu stellen: Ja, das habe ich mir selber eingebrockt (mit einer Kündigung aus einem sicheren Job, der mir Anerkennung und gutes Gehalt bot, aus reinem GEHT NICHT MEHR). Aber ich wurde davon überrascht, wie groß die Brocken waren.

Diese Zeit hat mich in vielerlei Hinsicht verändert. Eine Folge des langen vergeblichen Bewerbens: Über die Monate sah ich meine Selbstsicht bestätigt. Ich bin tatsächlich so unfähig, wie ich das immer gesehen habe. Das war gar kein impostor syndrom, sondern schlicht Realismus.
Na gut, formulieren wir es neutraler: Ich habe ein wenig Demut gelernt.

Die Ausgangsbasis: Was alles an meinem bisherigen Berufsleben nicht mehr ging, war mir klar und benannt. Doch wie ich mir die Alternative wünschte, fand ich deutlich mühsamer heraus.

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Hoffnungsfroher Anfang und langsamer Absturz

Systematisch auf der Suche war ich ab Dezember 2013, in erster Linie über StepStone. Erst später abonnierte ich auch die Stellennewsletter von Arbeitgebern, die ich mir wünschte, und Indeed.
Anfangs suchte ich in der Jobrichtung Kommunikation, Schwerpunkte PR, Corporate Publishing, Online-Medien (Social Media gehört für mich per Definition dazu), als Arbeitsorte stellte ich München und Umgebung ein (also S-Bahn-Gebiet), zudem Berlin.

Und das ließ sich gut an: Eine Agentur für Change Management suchte jemanden, der Social Media in interne Kommunikation integriert. Ich wurde gleich zum Bewerbungsgespräch eingeladen, und auch das verlief eigentlich sehr erfreulich. „Eigentlich“ deshalb, weil der konkrete Einsatz zu 90 Prozent allein beim Kunden vor Ort stattfinden sollte und weil sich bei der konkreten Branche, dem konkreten Kunden und dem konkreten Einsatzort alles in mir sperrte: Um auf diese Weise, zu diesem Thema, bei denen und dort zu arbeiten, hätte ich persönlichkeitsverändernde Medikamente gebraucht. Ich sagte noch vor der nächsten Gesprächsrunde ab.

Doch dann kam mehrere Monate lang: nichts. Ich bewarb mich im Schnitt alle zwei Wochen, ausschließlich auf Stellen, die ich wirklich haben wollte. Für alle war ich geeignet, bei allen betonte ich durch Angabe meiner Gehaltsvorstellungen, dass ich nicht so teuer war, wie mein Lebenslauf aussah. Drei dieser Ausschreibungen passten so genau auf mein Profil (Kenntnisse, Erfahrungen, Branche), dass eigentlich nur noch meine Name als Anforderung fehlte. Auf die erste bewarb ich mich tatsächlich noch mit der Haltung: „Na, dann tun wir denen halt den Gefallen einer Bewerbung.“ Doch diesen drei und allen anderen Bewerbungen war gemein, dass man mich nicht mal kennenlernen wollte. Ich flog bereits durch den ersten Anblick meiner Unterlagen raus.

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Reality Check

Als auch beim dritten 150-prozentigen Job eine kurz angebundene Absage kam, war ich bestürzt: Offensichtlich verkannte ich die Situation; vielleicht war ich schlicht wirklich unbrauchbar.

Doch zum einen überlegte ich, dass das im Grunde das erste Mal in meinem Leben war, dass ich mich ganz regulär bewarb. Von allen Stellen davor hatte ich über persönliche Tipps erfahren, für alle Stellen davor war ich ein persönlicher Tipp gewesen. Ich begann, bei Bekannten herumzufragen, ließ mir Tipps geben, schrieb Headhuntereien an, die auf meine Branche spezialisiert sind.

Sogar an meinen früheren Chef wandte ich mich. Der Gute war weiterhin zugewandt und hilfsbereit, obwohl ich ihm die Jobtüre ins Gesicht geworfen hatte. Er schilderte mir die Situation aus seiner Warte des Einstellers. Man mache halt, so erklärte er, aus den eingehenden Bewerbungen drei Stapel:
1 – Passt sehr gut zum Jobprofil.
2 – Passt sehr gut bis überhaupt zum Jobprofil – die sehen wir uns an, wenn in Stapel 1 niemand geklappt hat.
3 – Wie um Himmels Willen kommen die auf die Idee sich zu bewerben?!
Aufgrund meines Alters und meiner Überqualifikation landete ich seiner Einschätzung nach immer auf Stapel 2 – nur dass bei der Art Job, auf die ich mich bewarb, wahrscheinlich bereits eine passende Kandidatin in Stapel 1 war.

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Was nicht mehr geht

Einmal wurde ich selbst angeschrieben: von einem Headhunter, für eine Führungsposition in einem Großunternehmen, die sehr gut auf mein Profil passte. Ich ließ mich darauf ein, da ich mich nicht schon wieder anstellen wollte, es kam bis zum großen Vorstellungstermin: Ein Desaster.

Mir war anschließend bis ins Mark peinlich, dass ich nicht hatte glauben wollen, wie sehr manche Großunternehmen all die bösen Dinge sehenden Auges tun, ohne den leisesten Anspruch, damit auch auf eine gesellschaftliche Verbesserung einzuzahlen. Schaun Sie: Wäre ich in solch einem Unternehmen eine kleine Mitarbeiterin am IT-Helpdesk, könnte ich mir vielleicht noch einreden, dass das nichts mit mir zu tun hat. Das kann ich aber auf keinen Fall, wenn ich für das Unternehmen sprechen soll.

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Das bizarrste Erlebnis

Das bizarrste Erlebnis hatte ich mit einer großen, internationalen Agentur mit Hauptsitz in Paris. Sie hatte eine Stelle „Content Manager“ ausgeschrieben, laut Stellenbeschreibung ging es um das Redigieren von Inhalten für und das Befüllen einer Website (dass „Content Management“ heutzutage alles von Chefredaktion bis Copy/Paste heißen kann, lernte ich ebenfalls in diesen 18 Monaten). Ich wurde Anfang August 2014 zum Vorstellungsgespräch eingeladen und bekam dort einen 40-minütigen Vortrag übers Unternehmen. Dann wurde mir kurz die Stelle geschildert. Sie interessierte mich, auch wenn die Branche des betreffenden Kunden überhaupt nicht das Meine war.

Es folgte wenige Tage später ein zweites Gespräch mit zwei anderen Menschen: Jetzt wurde mir ein anderer Job in dieser Agentur angeboten. Dieser klang rundum spannend, hochtechnische Themen, interessanter Kunde aus interessanter Branche, Umstrukturierungsprojekt, Online-Kommunikation, international, Projektleitung nach wenigen Monaten. Ich war begeistert. Die Schwierigkeit lag in meiner Kündigungsfrist, ich hätte innerhalb weniger Tage einen Vertrag gebraucht, um die sechs Wochen zum nächsten Quartalsende noch zu schaffen und zum 1. Oktober zu wechseln. Die direkt Beteiligten riefen mich regelmäßig an und hielten mich auf neuestem Stand, doch das klappte dann knapp nicht.

Es meldete sich wieder ein Mensch aus dem ersten Gespräch: Eigentlich sehe man bei mir ohnehin noch viel weiter reichende Einsatzmöglichkeiten, ich solle mich am besten mal mit der Geschäftsführung unterhalten.

Dieses Gespräch mit der Geschäftsführung Ende September (es war dann doch ich, die dem Termin hinterherjagen musste) verlief angenehm und konstruktiv, mir wurde eine konkrete Stelle angeboten, wir waren uns einig. Man bedauerte lediglich, dass ich erst zum 1. Januar würde antreten können, eigentlich würde ich früher gebraucht. Die Personalabteilung schickte mir einen Personalbogen, ich schickte ihn ausgefüllt und mit weiteren erbetenen Unterlagen zurück und wartete auf den Arbeitsvertrag. Und wartete. Und wartete. Als sich der Termin näherte, zu dem ich für einen Wechsel zum 1. Januar kündigen musste (Mitte November), rief ich mich per E-Mail an die Personalabteilung in Erinnerung. Diese beschied mir, das sei alles kompliziert, man verhandle zu meiner Stelle noch mit der Zentrale. Wenige Tage vor meiner Kündigungsfrist hakte ich nochmal nach: Ich bat um Auskunft zum Stand der Dinge, auch dann, wenn inzwischen eine Entscheidung gegen meine Einstellung gefallen sei. Es folgte: mehrtägiges Schweigen. Ich schluckte Stolz und Trotz hinunter und versuchte den Kontakt hartnäckig telefonisch: Vergeblich, laut Telefonzentrale war die Personalabteilung durchgehend in Besprechungen. Endlich bekam ich Antwort per E-Mail: Das sei weiterhin alles sehr kompliziert, und es mache ja auch nichts, wenn ich erst zum 1. April anfinge.

Mittlerweile sah ich ein, dass ich von dieser Agentur nie wieder etwas hören würde – und dass ich in einem Unternehmen, das bereits vor Einstellung so mit Menschen umgeht, sehr wahrscheinlich nicht arbeiten mochte.

Zu meiner großen Überraschung meldete sich einige Monate später noch mal der Herr aus dem ersten Gespräch, völlig unbefangen, ob wir uns nochmal treffen könnten, er hätte da was für mich. Ah. Nee.

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Methode Schrotgewehr

Nun war das aber das Licht am Horizont des Jahres 2014 gewesen, ich musste wieder von Vorne anfangen. Nach dem Scheitern von gezielten Bewerbungen auf Stellen, die ich wirklich wollte und zu denen ich wirklich passte, änderte ich meine Taktik: Ich bewarb mich auf alles in den Bereichen Assistenz, Sekretariat und Kommunikation, was mich betreffen könnte. Ziel: Mindestens zwei Bewerbungen pro Woche. Ich ließ meine Abos auf Jobportalen weiterlaufen, stellte aber auch mein Profil bei Jobportalen Münchner Großunternehmen und bei Personaldienstleistern ein. Ob ich den Job wirklich wollte, konnte ich mir immer noch überlegen, wenn ich zum Gespräch eingeladen würde.

Da ich mir auf keinen Fall mangelnden Einsatz nachsagen lassen wollte, hängte ich mich in alle Bewerbungen richtig rein: Recherche über die Firma, Abgleich meiner Eigenpräsentation im Anschreiben und im Lebenslauf mit den Anforderungen aus der Stellenanzeige, hie und da, wenn es passte, kleine Kreativitäten (zum Beispiel zusätzliches Foto in dem Look, in dem sich Mitarbeiterinnen auf der Firmenwebsite präsentierten). Ein paar Monate lang war ich also an sportfreien Morgen und am Wochenende gut beschäftigt. Am schnellsten gingen noch Bewerbungen an Zeitarbeitsfirmen, weil die ja den konkreten Einsatzarbeitgeber nicht nennen und ich nicht allzu konkret werden konnte.

Das Ergebnis waren fünf weitere Vorstellungsgespräche in sechs Monaten.

Allerdings wurde mir durch die intensive Beschäftigung mit einer Vielzahl von Unternehmen und Stellen tatsächlich immer klarer, was ich mir eigentlich wünschte: Einen Posten, in dem ich wirklich hilfreich sein kann, aber in unterstützender Funktion, ohne zentrale Verantwortung, in einem anständigen Unternehmen. Vor allem aber in einer thematisch wirklich spannenden Umgebung. Dazu ein Gehalt, das mir wieder ein wenig Zurücklegen erlaubte.
Das Feuer, das mich so lange und bis vor wenigen Jahren ständig auf immer neue große Projekte anspringen ließ und das eher im Nebeneffekt zu einer Karriere geführt hatte, ist einfach weg. Inzwischen glaube ich nicht, dass es zurück kommt. Ich bin immer noch im Prozess zu verarbeiten, dass das ok sein kann.

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Das Sonderthema Jobportale

Eine der Expertisen, die ich mir in diesen 18 Monaten erworben habe: Umgang mit Jobportalen von Unternehmen und Arbeitsvermittlern. Mittlerweile weiß ich, dass nicht ein einziges davon die Bewerberin im Blick hat, sondern alle ihre eigenen Personal- und Bewerbungsprozesse sowie ihre eigene Unternehmensstruktur.
Ich habe also eine ganze Liste von Passwörtern für Jobportale und kenne verschiedenste automatisierte Bewerbungsprozesse. Manche davon sind derart komplex, dass deren Überwindung offensichtlich bereits die erste Qualifikation darstellt.

Dabei erlebte ich unter anderem:

  • Seite gar nicht erreichbar
  • Unsichtbare Pflichtfelder
  • Anleitungen, die ich vorher brav durchlas (ja, ich bin das), die aber nicht dem tatsächlichen Prozess entsprachen. Zum Beispiel Anleitungen, die mich hießen, alle meine Unterlagen zu einem PDF mit höchstens so vielen MB zusammenzufassen. Gefolgt von einem tatsächlichen Prozess, bei dem ich jede einzelne Unterlage Schritt für Schritt hochladen musste.
  • Pflichteingabe des Lebenslaufs, dabei jede einzelne Station mit eigenen Fenstern für:
    • Zeitraum
    • Arbeitgeber
    • Stelle
    • Tätigkeit

    Wenn man mehr als 20 Jahre emsige Berufstätigkeit auf dem Buckel hat, oft mehrere Jobs gleichzeitig, sitzt man daran bei 12 Stationen schon ein gutes Stündchen.

Es war offensichtlich: An meiner Stelle des Arbeitslebens gehört man nicht mehr zur Zielgruppe solcher Portale. Bei Leuten wie mir wird davon ausgegangen, dass sie bleiern auf ihren Arbeitsstellen sitzen oder höchstens noch über Headhunter wechseln.

Das merkte ich allein schon an den drop-down Auswahlangeboten dieser Portale: Mein Studienabschluss Magister war dort meist gar nicht mehr verzeichnet.

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Demut und Dankbarkeit

Weitere Folge: Über die Monate vergeblichen Bewerbens wurde ich dankbar für meinen Job. Dass ich überhaupt einen hatte. Da mag die „Beruf und Karriere“-Seite der Süddeutschen sich noch so sehr darauf konzentrieren, wie sehr sich Unternehmen heute anstrengen müssen, gute Leute zu bekommen: Mittlerweile hege ich den begründeten Verdacht, dass diese unternehmensseitigen Anstrengungen notwendig sind, weil alle dieselben 0,5 % haben wollen, die nicht nur in puncto Fertigkeiten und Branchenhintergrund zu 99,5 % aufs Profil passen, sondern auch jung genug sind, nicht fortpflanzungsgefährdet, im richtigen Gewichtsbereich, 100 % körpertüchtig.

Dass die deutsche Wirtschaft ein Diversity-Problem hat, liest man nicht erst seit gestern. Wie sehr dazu auch fehlende Diversity in der Altersstruktur gehört, wurde mir erst jetzt bewusst. Inklusive der damit einher gehenden Sterotypen: In einem der Vorstellungsgespräche ließ ich meine Internetbewohnerschaft fallen und sah an den entgeisterten Mienen der Gesprächspartnerinnen, dass sie in Verbindung mit meinem grauen Haarschopf bereits von mittelgutem Umgang mit der Serienbrieffunktion von Word beeindruckt gewesen wären.

Da behaupten die Unternehmen nach Diversity zu streben und merken nicht, dass sie mit Anforderungen wie „Muss aber in unsere Unternehmenskultur passen“, „Muss sich ins Team einfügen“ doch immer nur mehr vom selben in die Firma holen.

Ja, die Arbeitswelt hat sich ganz schön verändert in den vergangenen 30 Jahren. Das schließe ich vor allem aus den Bewerbungsgeschichten von sauber qualifizierten Hochschulabgängerinnen. Ausprobieren, ein Einlassen auf Persönlichkeiten, denen man das Jobspezifische dann schon noch beibringt – das scheint so gut wie verschwunden zu sein. Möglicherweise ist die Vielfalt in Unternehmen dadurch in den vergangenen Jahrzehnten in vieler Hinsicht sogar geringer geworden.

Dass jemand in meinem Alter Sehnsucht nach Neuem hat, auf einer neuen Stelle noch ganz viel lernen möchte, ist trotz allem Gekrähe über „Lebenslanges Lernen“ eher nicht vorgesehen.

§

Ende gut

Doch nun weist sehr viel darauf hin, dass meine Wünsche zu großen Stücken erfüllt werden. Der Job und der Arbeitgeber passen wie eigens für meine Suche erfunden. Zudem freut es mich, dass ich wider einige Unkenrufe durch eine reguläre Bewerbung auf eine reguläre Stellenanzeige rangekommen bin.

Selbstverständlich behalte ich weiterhin einen Schluck Zweckpessimismus – aber warum sollte es denn bitte NICHT gut gehen?

die Kaltmamsell

59 mal Beifall zu “Mit Ende 40 einen neuen Job suchen –
große Brocken”

  1. Elfe meint:

    Ein großes DANKE für diese offene Bilanz – wie ich gerade feststellen durfte, gilt ein Großteil Ihrer Erfahrungen bereits für Mittdreißiger …

  2. Sammelmappe meint:

    Es wird gut gehen. Ganz sicher!

    Dem Dank der Elfe möchte ich mich anschließen. Es tut gut in diesem Netz, das sich manchmal als Netz der Besser- und Alleswissenden versteht, eine demütige Stimme zu lesen.

    Alles, alles Gute!
    Beharrlichkeit ist eine unterschätzte Tugend.

  3. Tim meint:

    Das Hauptproblem erscheint mir: „ohne zentrale Verantwortung“. Ich erlebe derzeit ähnliches. Bewerber mit Ende 40/Anfang50 werden nur auf Stellen mit Verantwortung für Budget und Personal und/oder Kunden besetzt. Gründe? Keine Ahnung. Ob der Vorgesetzte Angst vor Mitarbeitern hat, die gleich alt oder älter sind? Ob die Unternehmen die Leistungsbreitschaft und Motivation generell in Frage stellen und Verantwortung mit Nachprüfbarkeit gleichsetzen? Generell habe ich den Eindruck, dass es auch was zu tun hat mit der Risikoaversion der Unternehmen. Eher wird eine Stelle nicht besetzt, als mit einem Bewerber von dem nicht alle Verantwortlichen 100% überzeugt sind. Es geht gar nicht darum, dass alle die selben Traumkandidaten haben wollen, eher geht es um Konsens und Absicherung.

    Das Gesagte zu Job-Portalen, Unternehmens-Bewerbungsseiten und Headhuntern kann ich nur unterstreichen. Sehr ineffizient. Ein Wunder, dass trotzdem Leute eingestellt werden und die Wirtschaft irgendwie läuft…

    Ergebnis. Ich werde wohl in der mir verhassten Branche „dark side of the force“ bleiben müssen. Immerhin werden dort händeringend Leute mit entsprechender Qualifikation gesucht, und auch schon mal Junior-Stellen mangels geeigneter Bewerber zu Senior-Positionen aufgewertet. Trotzdem in dem Alter mühsamer Weg zum neuen Job.

    Die Alternative wäre der auf den Karriereseiten der Medien gerne beschriebene Ausstieg. Mit Anfang 50 endlich das machen, was man immer wollte. Bio-Eis produzieren, Non-Profit-Organisation gründen oder Drachenboote bauen… In 20 Jahren werde ich bereuen das nicht gemacht zu haben, aber die Angst und Unsicherheit würde mit krank machen.

  4. Sabine meint:

    Auch ich schließe mich dem Dank für diese sehr interessante und offene Beschreibung der Jobsuche an. Ich sitze ja selbst im verbeamteten Ententeich, wo zwar auch absurde Regeln für die Vergabe von Stellen herrschen, die wiederum der Außenwelt kaum vermittelbar sind. Aber es ist eben nur ein Ententeich, verglichen mit der offensichtlich rauen See der Arbeitssuche in der freien Wirtschaft. Der Mann des Hauses hat sich mit den Jahren in seiner Branche in die 0,5% Spezialqualifizierten spezialisiert, so dass auch seine gelegentlichen Jobwechsel in eher ruhigem Fahrwasser stattfanden.

    Hut ab für die Ausdauer und Sorgfalt!

    Leider dauert es bei den meisten Menschen wohl bis ins mittlere Alter, bis sie merken, dass geistige Beweglichkeit und Spannkraft keineswegs verloren gehen, wenn der Körper altert, sondern sich bei vielen erst noch richtig schärfen, wenn sie die 40 hinter sich gelassen haben. Ich schließe mich selbst da gar nicht aus. Aber nicht mehr junge Menschen haben dringend eine Imagekampagne verdient.

  5. Usul meint:

    Aber ich wurde davon überrascht, wie groß die Brocken waren.

    Das ist bei vielen Dingen das Problem: Personen, die etwas nicht selbst erlebt haben, können sich nicht vorstellen, wie es ist. Meine Gedankenübung dann immer: Wie würde ich meinem damaligen, unwissenden Ich erklären, was mein heutiges Ich weiß, weil es das selbst erlebt hat? So ein Blogeintrag hier ist dafür eine gute Wahl. Wahrscheinlich lesen es auch nur wieder nicht die richtigen.

    Was ich mich bei Personaleinstellungen schon immer gefragt habe: Wenn eine Personalabteilung (oder wer auch immer das tut) jemanden ungeeignetes einstellt, bekommt man das mit: In der Regel ist dann nach der Probezeit Schluß, und die Verantwortlichen merken, das da was nicht gepasst hat. Aber: Wie merken es Personalverantwortliche, dass sie die richtige Person nicht erkannt und ziehen lassen haben? Das merken die in der Praxis doch so gut wie nie, also können sie diese Art Fehler doch gar nicht bemerken und daraus lernen.

  6. lihabiboun meint:

    OMG – das war ja die Ochsentour, Hut ab vor Ihrem langen Atem! Und nochmals Glückwunsch zu dem perfekten Ergebnis!
    Da ich schon absolut jenseits von Gut und Böse bin (60), hüte ich mich fein, nochmals von irgendjemandem eingestellt werden zu wollen, auch wenn mir meine Arbeit intellektuell oft zu unfordernd ist. Bereits mit 40 habe ich die Erfahrung gemacht, daß auf meiner Bewerbungsmappe beim Einstellungsgespräch nichts anderes stand als „40“. Fett und groß…
    Alles Gute, verehrte Kaltmamsell!

  7. Uschi aus Aachen meint:

    Ein gutes Ende – ich wünsche es Dir von Herzen!

    Ich weiß noch einen großen Brocken: als Freibruflerin in Werbung/PR mit Mitte 50 neue Kunden finden… Meine Challenge, seit vor anderthalb Jahren mein damals größter Kunde plötzlich verstarb und sein Verlag geschlossen wurde.

  8. Maria Hofbauer meint:

    „In einem der Vorstellungsgespräche ließ ich meine Internetbewohnerschaft fallen und sah an den entgeisterten Mienen der Gesprächspartnerinnen, dass sie in Verbindung mit meinem grauen Haarschopf bereits von mittelgutem Umgang mit der Serienbrieffunktion von Word beeindruckt gewesen wären.“

    Mittlerweile erschrecke ich manche Menschen absichtlich mit meiner Netz- und Computeraffinität.

    Was Ihren Text angeht: Danke, danke, und nochmals danke! Meine Suche ist noch nicht zu Ende, aber spätestens jetzt schiebe ich die Schuld für die auftretenden Schwieirigkeiten nicht mehr ausschließlich auf mich selber.

  9. Nina meint:

    Danke für diese Bilanz. Ich wage aber zu behaupten, dass es nicht nur an Ihrem Alter lag, dass Sie länger gesucht haben. Ich bin Mitte 30, habe einen akademischen Abschluss, beherrsche mehrere Fremdsprachen fließend und verfüge über Arbeitserfahrungen. Bei mir dauerte die Jobsuche bis zur erfolgreichen Unterzeichnung eines (befristeten!) Arbeitsvertrages 11 Monate, beinhaltete 80 Bewerbungen und ich war zu 2 Vorstellungsgesprächen eingeladen. Ihre Bilanz ist in meinen Augen also ganz gut. Nach vielen Selbstzweifeln denke ich inzwischen, dass an den Strukturen des Arbeitsmarktes grundsätzlich etwas nicht stimmt. In meinem Umfeld gibt es so viele Menschen, denen es so geht wie mir oder Ihnen. Und das mit der Diversity scheint irgendwie alle Merkmale zu betreffen: zu alt, zu jung, zu sehr im Alter, wo man als Frau gar nicht erst zum Vorstellungsgespräch eingeladen wird, da man im gebärfähigen Alter ist, zu wenig Arbeitserfahrungen oder überqualifiziert für die Stelle etc. ich halte inzwischen die Strukturen für unmenschlich (und zwar nicht nur in der freien Wirtschaft, sondern auch im Non Profit- und im akademischen Bereich) und diese Jobsuche für ein einziges großes Glücksspiel.

  10. Dentaku meint:

    Danke für die sehr ausführliche Schilderung. Vor allem, weil ich selbst auch den „Standardprozess“ um an einen Job zu kommen bisher noch nie durchlaufen habe.

    Und viel Spaß in dem neuen Job!

  11. Bastian meint:

    Vielen Dank für diesen Bericht. Ich durchlebe momentan das gleiche Prozedere mit 49. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf. Wie meine weise Oma immer sagte: „Dann sollte das wohl nicht so sein. Wer weiß wofür es gut gut war.“
    Grüße

  12. percanta meint:

    *schluck* (aus Gründen)
    Aber auch: Ende gut! Hurra, hurra, hurra! Ich freue mich für Dich!

  13. gerriet meint:

    ******************KOMMENTAROMAT**********************

    Gerne gelesen

    *******************************************************

  14. Erzangie meint:

    Exakt so war es bei mir, inklusive der Jobbeschreibung und der Wege, die ich gegangen bin. Es ist so genau wie bei mir, dass es mich sehr verblüfft. Allerdings Bewerbungszeitraum unter 10 Monaten und ich habe meinen Job schon geschmissen, so dass extremer finanzieller Druck noch on top kam. Zum Glück mit Happy End: ab 15.07. bin ich Onlinemarketing Managerin bei einem Wunsch-Arbeitgeber :-)

  15. Tim meint:

    Nachtrag. Wenn ich dann solche Elogen auf das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten lese,
    http://www.brandeins.de/archiv/2015/talent/johnny-haeusler-empfehlungen-eines-autodidakten-weil-ich-es-will/
    könnte ich kotzen. Nichts gegen den Autor. Aber sowas geht nur, weil andere sich den Zwängen der Arbeitswelt aussetzen und täglich Kompromisse eingehen. Nicht besser als die Besserwisser auf den Karriereseiten von SPON, Süddeutsche, Brigitte & Co.

  16. Julia meint:

    Herzlichen Dank für diese Bilanz, die sich aktuell 1:1 mit meiner Erfahrung deckt (gerade mal 40 geworden). Ganz besonders ärgern mit die Standard-Absagen „haben jemand besser geeignetes gefunden“. Da möchte ich immer brüllen: „DEN will ich sehen! Sagt doch gleich: billiger!“. Ich freue mich für Sie, dass Sie jetzt die beschriebene Stelle gefunden haben. Ist doch manchmal gut, nicht gleich den 1. Strohhalm zu nehmen. Von Herzen alles Gute im neuen Job!!!

  17. Thilo meint:

    Ich habe diese Odysee auch hinter mir, allerdings incl. ALG1, HartzIV und allem was dazugehört. Hunderte Bewerbungen, etc… Auch ich habe wieder einen neuen Job.
    Ich wollte das auch alles einmal aufschreiben und weißt Du was …das mach‘ ich jetzt auch!

  18. Frau-Irgendwas-ist-immer meint:

    Danke dafür und Glückwunsch zum neuen Job!
    Was ich als besonders belastend, in der Phase des Suchens, in Erinnerung habe, dieses Gefühl nach einer Absage, das man/Frau nicht gut genug ist. Irgendwann glaubte ich wirklich das ich ein schlechter/ungenügender Mensch bin. Für mich sehr belastend. Und für mein Umfeld auch.
    Aus dieser Erfahrung heraus würde mich interessieren wie Herr Kaltmamsell die Zeit beschreiben würde, so als Co-Arbeitssuchender.

  19. Tanja meint:

    Auch von mir von ganzem Herzen „Danke“ für diesen tollen Blogeintrag. Und auch ein „Danke“ an alle die bis jetzt kommentiert haben – es tut so gut, zu lesen, dass man nicht alleine ist und die Schuld nicht bei einem selbst liegt.

    Auch ich stecke wieder mitten in der Jobsuche. Von Juli 14 bis März 15 über 70 Bewerbungen, gerade mal eine Handvoll Bewerbungsgespräche. Dann augenscheinlich einen Traumjob gefunden, der sich nach zehn Wochen eher als Alptraum herausgestellt hat. Um diesem zu entkommen, eigene Kündigung, damit Sperre beim Arbeitslosengeld. Zusätzlich zu der Frustration, wieder arbeitslos zu sein kommt jetzt die verdammt enge finanzielle Situation dazu. Und das Wissen, dass man jetzt entweder auf eine Bewerbung wieder keine Antwort bekommt (was ich persönlich eine Frechheit ohne Ende finde) oder die schon genannte Absage besser (billiger). Das demotiviert.

  20. Claudia meint:

    Hach ich bin über 50 und erlebe exakt dasselbe. Es tut gut zu hören, daß man nicht allein mit diesen Erfahrungen da steht. Ergänzen möchte ich noch die von mir implizierte Denke der Mitarbeiter von Arbeitsvermittlungsgenturen. Von dort erhalte ich häufig 1-2 Tage nach der Bewerbung eine Absage. Daraus lässt sich für mich nur schließen, daß man ishc nicht traut meine Bewerbung an den Kunden überhaupt weiterzureichen. Alle Firmen die den Bewerbungsprozess auslagern fördern mit ihren Anforderungen an den Vermittler und dem Wettbewerb unter den Vermittlern diesen Prozess.

  21. Tim meint:

    @Claudia
    Den Prozess fördern Bewerber, die kein Stellenprofil lesen können und sich bewerben, wenn nur ein Stichwort irgendwie auftaucht. Ich nenne das hashtag-Aktionismus. Das bedeutet für die Unternehmen viel Aufwand. Und damit Markt für Dienstleister, wie Headhunter, Personalverleiher oder die Arbeitsagentur, die Vorauswahl zu steuern.

  22. Sanníe meint:

    ******************KOMMENTAROMAT**********************

    Gerne gelesen

    *******************************************************

  23. creezy meint:

    Was soll ich sagen? (Außer danke für die offenen Zeilen, so „häßlich” es jetzt klingen mag, aber mir hilft es gerade ein Stück weit zu lesen, dass es Frauen mit deutlich höherer Qualifizierung, als ich sie habe, auch nicht anders geht. Naja, man sich wohl immer auf eigener Ebene selber klein.)

    Ich drücke Dir alle Daumen für Deine neuen Aufgaben, dass Du Dich dort wohl fühlst und Dein berufliches Leben so führen magst, wie Du es Dir für Dich wünschst! Und das so lange, wie es eben geht!

  24. creezy meint:

    @Tim
    Sorry. Das ist nicht #hashtag-Aktionismus. Das ist alleine und nur und ausschließlich Jobcenter-Druck und die Verzweiflung dieser Arbeitslosen.

  25. giardino meint:

    Sehr gerne gelesen. Ich hab ja die ganze Zeit immer ein wenig mitgefiebert, über die Herabsetzungen geärgert, und freue mich, dass es mit der Entwicklung wieder aufwärts geht. Dass es so langwierig werden könnte, hätte ich aber nicht gedacht. Nochmal alles Gute im neuen Job!

    Aber das wäre doch mal eine Idee für eine spannende wissenschaftliche Arbeit: Online-Arbeitsvermittlung und Diversität: Implizite Selektion durch Job-Portale (oder so – vielleicht gibt’s das ja auch schon). Ich würde mich nicht wundern, wenn hier bei näherer Betrachtung entlang aller möglicher Achsen (Alter & Ausbildungs-/Berufsbiographie, Migrationshintergrund, Behinderung, soziales Milieu etc.) Bewerber aus den vorgegebenen Rastern fallen, unabhängig von ihrer eigentlichen Eignung.

  26. Franziska meint:

    Spannender als ein Krimi! Und: Es wird gut gehen!

  27. Sylvia meint:

    Vieles was dort steht kann ich nachvollziehen und bestätigen.

    Unternehmens-Bewerbungsportale: sie sind eine Pest. Denn obwohl man alles penibel dort rein geschrieben hat, soll trotzdem ein Lebenslauf mitgeschickt werden. Doppelt-gemoppelt. Ein normaler pdf-Lebenslauf reicht völlig aus. Den Bewerber und das eigentliche Jobprofil hat man damit nicht mehr im Auge.

    Stellenanzeigen sind oftmals ein wünsch-Dir-was, was sich gut anhört, aber oftmals gar nicht die tatsächlich sinnvolle Beschreibung wiederspiegelt. Und entsprechend dieser Beschreibung sortieren dann die Personaler. Sie filtern also oft am tatsächlichen Bedarf vorbei. Und gerade Charakterpersonen, die eben nicht stromlinienförmig sind, kommen gar nicht in die nähere Auswahl. Obwohl gerade die in der Ausschreibung nichtbenannten Charaktereigenschaften oftmals tatsächlich wichtig gewesen wären.

    Unternehmen wollen niemanden einarbeiten. Nur zu 99,5 % passende Bewerber werden in die Auswahl gezogen. – Die natürlich auch die anderen gerne hätten. – Zudem eine riesige Angst der Entscheider (und dadurch der Personaler) sich dafür rechtfertigen zu müssen etwas Zeit in die Einarbeitung von 95%-Kandidaten zu stecken. Dass ein 90%-Kandidat vielleicht das Projekt/Team/Unternehmen viel weiter bringen könnte, eben weil er andere Erfahrungen hat, ist zwar teilweise bekannt, aber birgt angeblich ein viel zu großes Risiko. Der Rechtfertigungsdruck für den „normalen“ Entscheider muss enorm sein. So viel Charakter/Rückrat haben viele Stromlinien-Entscheider nicht…

  28. Sylvia meint:

    Nachtrag: es freut mich sehr, dass Sie nun die Wunschstelle beim Wunscharbeitgeber haben! Ich wünsche Ihnen, dass sich arbeitstechnisch nun alles so gestaltet, wie Sie es sich vorstellen!!!

  29. Ulrike meint:

    (K)ein Trost, aber hoffnungsvollem Nachwuchs geht es ähnlich. S2 wartet seit dem Vorstellungsgespräch im Januar, absolvierten Praktikum etc immer noch auf seinen von allen Beteiligten zu unterschreibenden Arbeitsvertrag.

    Und herzlichen Glückwunsch zum Durchhaltevermögen und zum neuen Job

  30. Henrik Zaborowski meint:

    Auch von meiner Seite herzlichen Dank für diese offene Schilderung. Leider kann sich in der Tat niemand diese Situation vorstellen, der sich nicht selber mal erlebt hat! Meistens wird die Schuld beim „Bewerber“ gesucht. Der macht halt was falsch. Stimmt aber in der Regel nicht. Ich habe einen ähnlichen Bericht mal auf meinem blog veröffentlicht. Von einer Vertreterin der GenY.
    http://www.hzaborowski.de/2013/10/12/follow-up-von-warum-unsere-personalauswahl-nichts-taugt-und-bruche-die-neuen-geraden-sind/

    Inzwischen hat sie auch einen Job, aber es war ein seeehr langer Weg.
    Herzlichen Gruß,
    Henrik

  31. TGBaudson meint:

    Ich freue mich sehr für Sie, dass es geklappt hat! Das hier:

    „Mittlerweile hege ich den begründeten Verdacht, dass diese unternehmensseitigen Anstrengungen notwendig sind, weil alle dieselben 0,5 % haben wollen, die nicht nur in puncto Fertigkeiten und Branchenhintergrund zu 99,5 % aufs Profil passen, sondern auch jung genug sind, nicht fortpflanzungsgefährdet, im richtigen Gewichtsbereich, 100 % körpertüchtig.“

    trifft den Nagel auf den Kopf. Ich arbeite im Bereich Begabungsforschung und -förderung und mache mir daher schon berufsbedingt viele Gedanken zum Thema „Normalität“ – ein sehr kluger Gedanke, den ich so pointiert noch nirgends gelesen habe. Vielen Dank dafür!

  32. wortschnittchen meint:

    Huh. Ich freu mich für dich!!! Und ich denke auch, dass das passt wie Deckel und Topf. Weg mit dem Zweckpessimismus!

  33. vered meint:

    Herzlichen Glückwunsch, Frau Kaltmamsell! Ihr Durchhaltevermögen bewundere ich schon lange und freue mich übers happy end (oder wohl richtiger den happy start).
    Und grossen, grossen Dank! Sie und in Ihrem Gefolge alle KommenatorInnen haben mir einen Blick in eine Welt geöffnet, von der ich bis jetzt keinen Schimmer hatte. Jetzt erst weiss ich, wie grosses Glück ich hatte, dass ich mich nie auf diese Weise bewerben musste. Viele andere Schwierigkeiten gab es, ja, auch wir haben ziemlich viel „Stroh gekaut“, aber diese automatisierten Raster, die alles, was nicht gestromt und genormt ist, im Vorherein aussieben – das ist mir erspart geblieben. Vered (über 80)

  34. Siegfried meint:

    *Grins*
    Ich bin Ende 50 und habe etwa 4 Jahre nach einer Arbeit gesucht. Diesen Mist kenne ich also sehr gut aus eigener Erfahrung. Seit 2 Jahren habe ich wieder Arbeit. Und das in einer Firma, in der ausser mir auch noch Andere in meinem Alter dabei sind. Es gibt also noch Firmen, in denen lebenslanges Lernen und Diversity keine hohlen Floskeln sind.

  35. Antje meint:

    Als Frau mit Anfang 30 schwebt immer ungefragt die Kinderfrage im Raum, mit Mitte 30 dann die kleinen Kinder. Ende 30 sitzt man dann schon viel zu lange in der (mit Glück) mäßig erträglichen Teilzeitstelle und fragt sich ernsthaft ob einem überhaupt irgendwann nochmal jemand eine Chance gibt.
    Ich verstehe ihre Frustration sehr gut und übe mich weiterhin in Demut.
    Die neue Stelle wird sicher toll! Viel Erfolg.

  36. kelef meint:

    nun, es hat sich nichts geändert. ich habe ähnliche – um nicht zu sagen gleiche – erfahrungen gemacht: allerdings schon vor über 20 jahren, mit 41 , und ich hatte erfahrung nicht nur für den gewünschten job, sondern auch weit darüber hinaus, ich hatte die passende ausbildung, ich hatte einen guten ruf, usw. usf..

    auch ich habe ziemlich genau 18 monate gebraucht. im nachhinein trifft man die leute von der konkurrenz ja wieder bei verschiedenen workshops, meetings, diskussionen etc., und fragt dann nach.

    des rätsels lösung war sehr oft, dass die abteilungen, in die ich wollte, gar nix von meiner bewerbung wussten, die hatten dem personalbüro ihre anforderungen mitgeteilt, und es dabei belassen. da hat das personalbüro schon vorher ausgesiebt, nach eigenem gutdünken. erst als ich begonnen hatte, die abteilungsleitungen selber zu kontaktieren, hätte ich auf einmal innerhalb von 2 monaten drei jobs – zusätzlich zu dem, den ich schon hatte – bekommen. und noch nach einem jahr wurde ich immer wieder gefragt, ob ich denn auch ganz sicher ganz glücklich und zufrieden sei dort, wo ich gelandet sei, und ob ich mir nicht doch einen wechsel überlegen wolle.

    an alle, denen es so oder ähnlich geht: vielleicht in besonderen fällen auch einmal die abteilung, in die man vermutlich kommen soll, kontaktieren, ein gespräch anbieten. an der reaktion auf dieses angebot kann man dann auch ganz gut einschätzen, bei wem genau man sich da bewirbt.

  37. Maria Hofbauer meint:

    Frau kelef, auf solche Gedanken kommt ja ein normalverzweifelter arbeitssuchender Mensch gar nicht – danke fürs Insiderwissen!

  38. Claudia Hümpel meint:

    Wow, was für ein toller Blogartikel, der viele meiner Erfahrungen mit hochqualifizierten Bewerbern auf der einen und lieblos agierenden Unternehmen auf der anderen Seite bestätigt.
    Es gibt leider viel zu viele Menschen, denen es wie Ihnen geht.
    Ich habe vor einiger Zeit dazu ein Interview mit einer engagierten und super qualifizierten Frau geführt, die ich während eines Recrutingauftrags kennengelernt habe und die mit Anfang 50 ähnliche Erfahrungen gemacht hat wie Sie.
    http://www.headworx.net/herausforderungen-bei-der-jobsuche-mit-50-interview-mit-roswitha-minardi/
    Ich gratuliere Ihnen zu Ihrem Durchhaltevermögen und wünsche Ihnen für Ihren neuen Job alles Gute und viel Erfolg.
    Und danke, dass Sie uns an Ihren Erfahrungen teilhaben lassen.

  39. Schneeflocke meint:

    Ich bin 45 (bald 46) und suche auch. Gottseidank aus einer festen Position heraus, also ohne Druck und Stress. Ich bekomme nichts als Absagen, auch bei Jobs, die wirklich zu mir passen und wo ich mehr mitbringe als die geforderten Qualifikationen. Wenn ich an meine Bewerbungsphase von 2008 zurückdenke, da war es wirklich einfacher, obwohl es wirtschaftlich in Deutschland nicht rosig aussah.

    Diversity wird in Unternehmen definitiv nicht gelebt. Alt = unflexibel = versteht nichts von Social Media = ist oft krank …

    Wenn ich immer wieder diese jungen Hühner in den Personalabteilungen sehe, da fallen Sätze wie „ich setz mir doch da keine 40jährige hin“ oder „wenn ich die Wahl habe, einen Senior einzustellen oder einen Absolventen, dann nehme ich den Absolventen, der ist lernwillig und der Senior nach x Berufsjahren eben nicht“ … tja, schade … im stillen denke ich dann immer: „Ihr werdet auch mal alt“

    ich studiere übrigens nebenbei noch an der Uni, um in ca. 1 jahr zu promovieren – ich kennen niemanden Junges, der dies tut.

    ich bin genervt von diesen vielen Vorurteilen – mit 20 zu jung, mit 30 Gefahr der Schwangerschaft, mit 40 zu alt … ich bin gespannt, wo ich mal lande …

  40. Martina Diel meint:

    Dankeschön, ein interessanter Artikel, wie gewohnt angenehm differenziert zu lesen.
    Da verzeihe ich es auch leichten Herzens, dass unser Mailwechsel vor einiger Zeit zum selben Thema „versandet“ ist. ;-)

  41. kelef meint:

    @maria hofbauer: man kommt wirklich nicht leicht dahinter, wie manche dinge ablaufen. und das ist meiner meinung nach sehr schade – für die arbeitgeber ebenso wie für die arbeitnehmer.

    im personalbüro gerne junge, blonde, blauäugige mädelchen von max. 1,60 m körpergrösse, nicht über 25 jahre alt. die keine ahnung davon haben was in einer abteilung überhaupt vor sich geht. und die dann den ersten siebdurchgang bei den bewerbungsunterlagen vornehmen. und für die alles über 40 sowieso schon in der kategorie grosseltern rangiert. und die glauben, mit 50 bereitet man sich nur mehr auf die pension vor.

    ich hab firmen erlebt, die haben mit anforderungen gesucht die sage und schreibe weit über 20 jahre alt waren, weil: damit haben die damals ja auch gute erfahrungen gemacht, die kollegin geht halt jetzt in pension … pc brauchte man damals auch keinen, daher: wurde auch nicht verlangt.

    oder: konzernsprache englisch. wer matura hat, kann englisch. muss man also nicht erst verifizieren wie gut. und dass wissenschaftliches englisch und colloquial english zwei paar schuhe sind, war zum personalbüro nicht durchgedrungen.

  42. Nina meint:

    Ich verstehe Ihrer/Eurer aller Frustration ob dieses Themas nur zu gut, ich finde es aber dennoch keinen Grund von Frauen als „jungen Hühnern“ und „jungen, blauäugigen, blonden Mädelchen“ zu schreiben! was haben denn Haut- und Haarfarbe und Körpergröße mit dem Thema zu tun? Das finde ich sexistisch und auch alterdiskriminierend. Es ist heutzutage wirklich auch für junge Menschen überhaupt nicht leicht, einen Job zu finden. Ich finde es nicht gut, den Spieß einfach umzudrehen und auf den Jungen rumzuhacken.

  43. Tina meint:

    Gleiches Problem Anfang 30, hier sieht dann plötzlich jeder Arbeitgeber die Gefahr der Schwangerschaft (auch wenn kein Kinderwunsch besteht) aber fragen darf man ja nicht mehr.

  44. kelef meint:

    @nina: ich hacke hier auf gar niemandem herum.

    mit anderen worten: ich habe tatsächlich erlebt dass man in nicht nur einem personalbüro bewusst junge mitarbeiterinnen anstellte, die diesen kriterien entsprachen. mit der begründung, die könnten sich im zweifelsfall blöd stellen und besser herausreden. die armen dinger wussten logischerweise nix, kannten weder die unternehmensstruktur noch die jobs, wenn es über schreibkraft oder bestellannahme hinausging. trotzdem mussten sie die erstsortierungen und fallweise auch die erstgespräche machen, und telefonische rückfragen beantworten. die direktive kam übrigens von der konzernzentrale aus ganz weit weg.

    und ich weiss, dass es heutzutage für niemanden leicht ist, eine passende arbeit zu finden, weder für die jungen noch für die alten. aber wie ich schon schrieb, war das vor mehr als 20 jahren auch nicht anders.

    und sexistisch? ich bin selber eine frau, wenn auch in der zwischenzeit schon eine in allen ehren pensionierte. ich kann also durchaus auf einen gewissen erfahrungsschatz zurückgreifen.

  45. Martina Diel meint:

    Ich schließe mich Nina an: auch ich bin über die Wortwahl mti den Hühnern etc. gestolpert und finde, das muss nicht sein. Inhalte und Positionen kann man auch in weniger abwertender Sprache rüberbringen. Und Pauschalaussagen über Jüngere sind ebenso sehr oder ebensowenig hilfreich wie über Ältere.

  46. Tom meint:

    Das kommt mir alles sehr bekannt vor. Und ich bin ein Mann. Anfang 30. Promovierter Naturwissenschaftler. Arbeitserfahrung bei einer der renomiertesten und begehrtesten Firmen weltweit. Mit einem der härtesten Auswahlverfahren.

    Und meine Erfahrung beim Jobwechsel ist sehr ähnlich. Bewerbungmasken zum Abwinken. Bewerbungsmasken, die nicht auf meinen Lebensweg passen. Meine Promotion einer renomierten amerikanischen Institution ist nicht benotet – wie soll ich das denn eintragen? Als 1.0? Als 4.0? Beides wäre doch gelogen. Aber ich muss eine Note auswählen.

    Bewerbung auf gut passende Stellen von denen ich nie wieder etwas gehört habe.
    Nie mehr etwas hören lassen, auch nicht auf Nachfrage. Auf Nachfrage nach einem ganzen Tag mit Bewerbungsgesprächen. Das spricht nicht für die Fähigkeiten so manchen Managers. ich erwarte da auch nicht viel, eine formlose Absage hätte schon gereicht.

    Headhunter …. Sind nicht Dein Freund. Sondern eher sowas wie Makler. Sehr eloquente Headhunter überzeugen mich von einigen Stellen, die schon passen könnten. Ich fahre sehr motiviert in die Gespräche und stelle mal fest, dass es nicht passt. Mal finden die Gesprächspartner dass ich nicht passe. Gleichzeitig jammert die Personalchefin des Milliardenkonzerns meinem Headhunter die Ohren voll, dass sie keine guten Mitarbeiter findet. Gute Mitarbeiter mit genau meiner inhaltlichen und thematischen Qualifikation.

    Eine Firma hat einen Intelligenztest am Computer für mich auf Lager. Ich zweifle etwas an meiner Leistung. Man sagt mir, ich war in allen getesteten Dimensionen überdurchschnittlich oder weit überdurchschnittlich. Später machen wir ein Rollenspiel. Noch später sagt man mir, ich habe in dem Rollenspiel nicht zu 100% überzeugt. Eine angeblich „kritische Frage“ habe ich nicht souverän genug beantwortet.

    Fuer eine andere Stelle spreche ich mit 15 verschiedenen Personen, verteilt auf 3 Tage. Inklusive Psychologe. Ein spannendes, anregendes Gespräch. Selbst wenn ich die Stelle nicht bekomme oder nicht annehme eine interessante Erfahrung. Dachte ich. Zusätzlich schreibe ich ein Essay. Wieder eine Absage. Schlimmer: Keinerlei Feedback auf meinen Kompetenz-Striptease. Wenigstens hätte ich lernen wollen, wie man mich empfunden und wahrgenommen hat. Fassungslos nehme ich eine Woche später den Feedbackbogen der Personalabteilung zur Prozessverbesserung zur Kenntnis.

    Wenn echtes Interesse besteht, kann es schnell gehen. Keine Woche nach Abschicken einer Bewerbung – Ja, mit Bewerbungsmaske auf einer outgesourcten Webseite einer grossen Firma – Ja, mit Passwort zum Bewerberprofil. Passwort ungültig: Bitte mind. 8 Zeichen, davon mindestens eine Zahl und ein Sonderzeichen – bin ich zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Und keine zweite Woche später liegt der Vertragsentwurf auf meinem Tisch. Jetzt fehlt nur noch meine Unterschrift und der Bewerbungswahnsinn hat vorerst ein Ende.

  47. Sabine meint:

    Vielleicht höre ich ja zu oft den StartUp-Podcast, aber mir scheint, eine wirklich kluge Bewerbungsplattform mit sinnvollen, einheitlichen Masken und einer zusätzlichen persönlichen Betreuung könnte ein echter Erfolg werden. Na gut, dann wäre immer noch das Kompetenzchaos in den Firmen zu überwinden…

  48. Nicky meint:

    Danke Dir für diese ehrliche Zusammenfassung, ich habe sie gleich an zwei suchende Freundinnen weitergeleitet. Die bisher leider auch keine besseren Erfahrungen gemacht haben.

    Meine eigenen Bewerbungserfahrungen liegen lange vor meiner beruflichen Selbstständigkeit, sind aber nicht viel besser. Besonders negativ habe ich noch die mittelbaren Erfahrungen aus meiner Zeit in der Werbung abgespeichert. Zwei Agenturen teilten sich die Räumlichkeiten und ich tröstete mich damit, für die „menschlichere“ der beiden zu arbeiten. Die männliche Führungsriege der anderen Agentur besprach die Vorzüge der weiblichen Bewerberinnen regelmäßig in der gemeinsamen Kaffeeküche. Und dabei ging es mitnichten um fachliche Kompetenzen.

    Auch zur internen Kommunikation habe ich noch eine absurde Bewerbungsgeschichte, es ging damals um eine IT-Position bei einem bayrischen Autobauer in München: Mein Freund bewarb sich Anfang der 2000er Jahre auf Empfehlung eines Freundes, der seinerseits dort arbeitete. Nach der Eingangsbestätigung erfolgte Schweigen. Mehrfache Nachfragen per Mail, Nachfragen über den Bekannten, Nachfragen per Telefon. Man sei noch im Auswahlverfahren, man werde sich umgehend wegen eines Gesprächstermins melden. Und wieder Schweigen auf allen Ebenen. Er hatte das Thema schon lange abgehakt, als drei oder vier Monate später ein formelles Schreiben per Post kam, man würde ihn jetzt aus der Auswahl für die Position nehmen, da von seiner Seite ja offensichtlich kein Interesse mehr an der Position bestünde. Da fragt man sich dann zwangsläufig, was für fähige Mitarbeiter in diesem Unternehmen sitzen.

  49. Samiro meint:

    Vielen Dank für den ausführlichen Artikel und die vielen Kommentare, die mir aus der Seele sprechen. Auch ich bin seit Anfang 2014 auf der Suche nach einem neuen Job.
    Vorher hatte ich einen befristeten Vertrag für einen richtig tollen Job. Man sagte mir bis zwei Monate vor Ablauf meines Vertrages, dass es überhaupt kein Problem sei, diesen in einen unbefristeten Vertrag zu „verlängern“. Sei’s drum: durch interne Vorgänge, die ich nicht zu verantworten hatte (böses Wort „Umstrukturierung“!) erfuhr ich dann, dass ich ab Januar eben keinen Job mehr hatte.

    ALG 1, Hartz 4, an die 200 Bewerbungen (und ganze 3!!) Bewerbungsgespräche liessen mich sehr heftig an meiner Qualifikation zweifeln. Mit Anfang 50, einem akademischen Grad, jahrzehntelanger Berufserfahrung -inkl. Weiterbildung- fragte mich dann tatsächlich in einem Bewerbungsgespräch mein etwa gleichaltiger! Gesprächspartner, ob ich nicht langsam das Gefühl hätte, in die „Altersschere“ zu geraten. Zu all den Frustrationen über nicht beantwortete Bewerbungen, miserablen Online-Bewerbungsportalen, Existenzängsten, Selbstzweifeln dann auch noch so etwas. Manchmal bleibt einem nichts anderes übrig, als die Faust unter dem Besprechungstisch zu ballen und zu hoffen, dass die Hand nicht in Eigenregie handelt.

    Meine Hoffnung auf kompetente Personaler ist dahin – und die Kommentare, die ich hier gelesen habe, bestätigen dies auch weitestgehend.

    Dennoch: ich gebe die Hoffnung nicht auf und arbeite emsig weiter daran, wieder einen Job zu finden, in dem meine Erfahrung und Qualifikation gefragt und geschätzt wird. Und der Streifen am Horizont erscheint auch gerade! Das wünsche ich allen anderen auch, die hier gepostet haben und Ihnen, liebe Frau Kaltmamsell, alles, alles Gute für Ihren neuen Job und nochmals vielen Dank!

  50. Joël meint:

    Vielen Dank für diese Schilerdung. Ich als Freischaffender, der immer nur projektbezogen und zeitbegrenzt arbeitet, kannte diese Seite der „Jobsuche“ nicht.

  51. anja meint:

    Ich kenne die Schilderung der Jobsuche schon. Habe auch schon sehr an mir gezweifelt, wenn wieder eine Absage kam.

    Nach einem Umzug suche in einer neuen Stadt, neuem Bundesland einen Job.

    Ohne entsprechendes Netzwerk und einem gewissen Alter sehr schwierig. Vielleicht schaffe ich es über Umwege. Da heißt es eben viele Abstriche machen und sich leider weit unter Wert verkaufen müssen.

  52. sense meint:

    Erst einmal herzlichen Glückwunsch und danke für den informativen Text! Als eifrige Blogleserin habe ich ebenfalls, wenn auch unbekannterweise, mitgefiebert und die Daumen gedrückt.
    Ich überlege gerade, ob mich der Blog und die Kommentare eher optimistisch oder pessimistisch für die eigene Jobsuche stimmen. Ich freue mich für alle, bei denen es letztlich geklappt hat, und es tröstet mich, dass nicht nur ich im Bewerbungsdschungel verschüttgegangen bin. Gleichzeitig bin ich bestürzt darüber, wie schwierig der Suchprozess offenbar insgesamt (geworden?) ist, wenn man nicht stromlinienförmig seit dem Kindergarten auf eine Karriere hingearbeitet hat. Ich selbst bin Mitte 30, und mein akademischer Hintergrund wirkt offenbar ganz wunderbar abstoßend auf prospektive Arbeitgeber in der freien Wirtschaft. 5 Monate, 80 Bewerbungen und lediglich drei (letztlich erfolglose) Vorstellungsgespräche später sind die Selbstzweifel jedenfalls größer als alles andere.

  53. Martina Diel meint:

    Als jemand, der sich beruflich mit dem Thema befasst, juckt mir in den Fingern, als Antwort auf Sense zu schreiben: keinesfalls an sich selbst zweifeln, unbedingt aber an den verwendeten Methoden.

  54. Annette meint:

    Danke für diesen ausführlichen Artikel. Es tut so gut, zu wissen, dass man in diesem Wahnsinn nicht alleine dasteht. Ich bin zwar noch keine 50, dafür mitten im Fortpflanzungsverdacht. Wünsche Ihnen alles Gute für den neuen Job!

  55. Kitty Koma meint:

    Das freut mich wirklich sehr, daß diese Tour de Force ein glückliches Ende genommen hat. Glückwunsch!

  56. M. Adrian meint:

    ******************KOMMENTAROMAT**********************

    Gerne gelesen

    *******************************************************

  57. oachkatz meint:

    Danke dafür.

  58. JeBa meint:

    Sehr guter Beitrag, in welchem ich mich aktuell
    mehr als einmal wieder finde.

    Mit fast 44 Jahren hatte ich es gewagt, ein neues Stellenangebot
    anzutreten. Es sagte mir leider nicht zu, so dass ich das
    ganze nach kurzer Zeit wieder beendete. Ein Zurück in die
    alte Firma gab es leider nicht mehr (ich habe sogar meine
    Nachfolgerin angelernt).

    Jetzt ergeht es mir so wie Ihnen anfangs.

    Man bewirbt sich auf Stellen, von denen man meint, dass sie
    passen könnten.

    Für die einen Stellen scheint man überqualifiziert und zu alt zu sein, man
    bekommt weder eine Empfangsbestätigung noch eine Absage.

    Für die Stellen des eigenen Berufswerdeganges kommt nach dem
    obligatorischen Zwischenbescheid dann ein Absageschreiben mit „nicht in den erweiterten Kreis“ obwohl das eigene Profil zumindest für eine Vorstellung reichen müsste.

    Dann stehen sie da und denken nach: es gibt doch den sogenannten Fachkräftemangel und außerdem sind regionale Unternehmen doch daran interessiert Fachkräfte in der Region zu binden statt diese in Ballungsgebiete ziehen zu lassen.

    Ist dies eine große „Lüge“, denn wenn man davon ausgeht, dass ein Unternehmen doch 5-10 Leute zu einer Vorstellung einlädt, müsste
    es im Umkehrschluss ja sehr viele arbeitslose Fachkräfte geben
    oder genug „formbare“ Schulabsolventen.

    Zu einem Vorstellungsgespräch habe ich es bislang zwar geschafft, hatte aber von vornherein nie den Eindruck eines echten Interesses an meiner Person (vielleicht wurde ich als älterer Vertreter nur eingeladen, weil der Betriebsrat an den Vorstellungen mit teilnahm).
    Trotz dass ich viele Jahre Erfahrung mit der dort eingesetzten
    Software habe, habe ich es nicht mal in Runde 2 geschafft (die 1 Woche später
    sein sollte).
    Im Gegenteil, ich hörte überhaupt nichts mehr, nicht mal eine Absage ist
    bislang gekommen.

    Wie im Ausgangspost beschrieben, bin ich nun auf dem Boden der Tatsachen angekommen – man kann es Erdung oder die erwähnte Demut nennen.
    Man kommt in die Versuchung zu denken „hätte ich nur“, was aber auch falsch wäre, Entscheidungen sind da um getroffen zu werden, dass Resultat ist erst
    später ersichtlich.

    Ich hoffe, dass auch ich (genau wie sie) am Ende noch eine weitere Chance bekomme, um mich beweisen zu können.

    Wie es Bastian gem. seiner Oma beschrieb „dann sollte es nicht sein oder ist zu was anderem gut“.

    Als letzten Strohhalm seh ich das Thema Zeitarbeit. Vielleicht kommt man über
    diese Schiene in eine feste Anstellung – Träumen darf man ja ;-)

  59. Tommaso meint:

    Nachdem ich aus dem Ausland zurückgekommen bin ,habe nicht mehr Fuß gefasst.
    Habe sowohl als Selbstständiger wie als angestellter in eine große Hotelkette gearbeitet ,bis ich auf eine Zeitarbeitsfirma mich bewarb und schnelle Zusage bekam ,hab sogar an dem gleichen Tag angefangen ,weil sie darauf mich darum gebeten hatten.
    Als ich das erste Geld bekam ,war die Bezahlung alles anders als wir vereinbart haben ,darauf hinaus erzählten sie mir das jeder Kunde den sie vermitteln ein anderen Preis zahlt.dazu kam das die jobs immer Weiter waren ,sogar über2 Stunden Entfernung,und das wurde nicht bezahlt,wunderbar bis ich an einem Tag 16 Stunden weg war und am nächsten Tag mich äußert,dann gefiel deren nicht so bekam ich die Kündigung nach 2 Monate und seitdem bekomme ich nur absagen von Hotels und Gastronomische Location . Ich denke das si Schlechte Referenzen über mich gemacht haben ,obwohl mein Job immer gut gemacht habe.
    Diese Firma fängt mir B an und ist in ganzen Deutschland vertreten,schade das die Menschen alles in nehmen deswegen werden wir immer schlechter bezahlt und ausgenommen,unbegreiflich aber war ,nach 200 Bewerbungen gebe ich auf,ich bekommen nur Arbeit durch bekannten und meisten wollen es auf die Hand zahlen.

    Falls jemanden Ähnliche Erfahrungen gemacht hat kann mir antworten .

    S.Grüße

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