Journal Samstag, 19. September 2026 – Verschiedene Oktoberfestwunder, vor allem aber Wandern am Tegernsee
Sonntag, 20. September 2026Ausgeschlafen, parallel zum Bloggen Kuchen gebacken, nämlich Zwetschgenkuchen aus den sauren Früchten vom Markt.
Dem Oktoberfest-Start wollte ich sehr gern durch eine Wanderung ausweichen, und zwar den Tegernseer Höhenweg ab Gmund und über Galaun, wie beim letzten Mal. Doch diesmal wanderte ich die Tour ohne Herrn Kaltmamsell, der weiterhin orthopädisch unpässlich ist.
Mit den festeren, neuen Wanderstiefeln: Zum einen, um sie weiter einzulaufen, zum anderen stellte ich mir gerade für steile Passagen harte Sohlen nützlich vor. (Für Wanderstöcke bin ich ja leider zu blöd.) Es war herrliches Wetter mit Höchsttemperaturen wenig über 20 Grad angekündigt. An sich hatte ich ja kalten Regensturm fürs erste Oktoberfest-Wochenende bestellt, aber wenn ich den nicht kriegte, war perfektes September-Wanderwetter das Nächstbeste.
Allerdings hing bis gestern morgen in der Luft, ob ich statt Wandern nicht eine Kaffee-Verabredung mit einer Durchreisenden haben würde. Doch als WhatsApp still blieb, machte ich mich fertig – sogar besonders zackig, weil ich nach dem Kuchenbacken die Chance sah, einen früheren Zug zu erwischen. Schminken ließ ich einfach weg; nicht dass ich mich ungeschminkt unansehnlich fühle oder so, es gehört lediglich zu meinem Draußen-Ich. (Gerade bei Gesprächen über plastische Chirurgie oder weniger invasive Eingriffe mit Ziel Verjüngung des Äußeren merke ich: Ich bin dermaßen einverstanden damit, wie ich aussehe und dass man mir mein Alter ansieht, dass ich zu zweifeln beginne, ob ich mich in unserer Gesellschaft überhaupt als Frau bezeichnen darf.)
Überraschung über ein weiteres Oktoberfestwunder auf dem Weg zu meinem Zug am Starnberger Flügelbahnhof: Die breite Passage in der Bahnhofshalle wurde wiedereröffnet. Jetzt sorge ich mich weniger um die Oktoberfest-Menschenmassen dort.
Der Zug war voll, aber nicht übervoll, im Zugteil zum Tegernsee musste niemand stehen. Ich bekam eine Auseinandersetzung mit, weil Passagiere Sitze reservierten für Leute, die auf der Strecke zusteigen würden; ein anderer Passagier akzeptierte das nicht und setzte sich auf einen dieser Plätze: In der Regionalbahn gebe es keine Reservierungsmöglichkeit, wer zuerst komme, habe halt einen Sitzplatz. (Ich schwanke in meiner Meinung dazu.)
Ankunft im Idyll Gmund.
So lang vom Bruckerl geschaut, bis ich eine Forelle entdeckte – und was für eine mächtige!
Gelassenes Loswandern, tiefe Atemzüge in herrlicher Luft. Für die Strecke brauche ich inzwischen keine Beschreibung oder Schilder. Es waren viele weitere Wanderer unterwegs, ganze Familien, außerdem reichlich Elektro-Radler*innen.
Hinter Gmund lautes Muhen: Die Rinder rechts von der Straße muhten laut zu den kleineren Rindern links – die allerdings völlig ungerührt waren.
Erstes Ziel: Der Käseautomat. Ich kaufte einen Camembert und ein Stück – *checks Kühlschrank* – Hirschberger.
Mittagscappucino und Klobesuch am Bahnhof Tegernsee.
In ruhigem Tempo wanderte ich weiter, zweigte vom Höhenweg nach links hoch Richtung Galaun.
Dieser Weg war sehr ruhig: Über eine halbe Stunde davon sah und hörte ich keinen anderen Menschen. Jetzt kam ich richtig zur Ruhe und intensiven Wanderfreude, war tief dankbar für die Körpertüchtigkeit, die mir das ermöglichte – ich werde sie nie als selbstverständlich empfinden.
Kleine Eintrübung: In den festen Wanderstiefeln wurden meine Zehen immer wieder taub, fühlten sich beengt an, schmerzten dann auch. Was mir ein Rätsel ist, nachdem ich sie doch vor dem Kauf doch so gründlich getestet hatte.
Das Berggasthaus Riederstein am Galaun war gut besucht, beim Abstieg zurück zum Tegernseer Höhenweg begegnete ich auch regelmäßig anderen Wandersleuten.
Die markante Silhouette des Wallbergs. Zu weit oben, um auf dem Foto sichtbar zu sein: Zwei Dutzend Paraglider, die wie ein Stubenfliegeschwarm den Gipfel umkreisten.
Kurz vor halb drei setzte ich mich auf ein Bankerl zur Brotzeit: ein riesiger, köstlicher Apfel, ein Stück von Herrn Kaltmamsells Geburtstags-Marmorkuchen.
Dooferweise endet diese Wanderung mit einer Stunde die viel befahrene Uferstraße entlang (darauf eine Protzauto-Dichte wie auf der Münchner Leopoldstraße), vor dem nächsten Mal suche ich intensiver nach einer alternativen Strecke. Zwar gibt es außer im Winter auch eine Wasserverbindung per Fähre von Rottach-Egern nach Tegernsee, doch ich wollte halt gehen.
Wallberg, Rottach-Egern, Tegernsee, Kaltmamsell.
Durchaus verstörend diesmal oben auf dem Höhenweg: Zweimal musste ich meine Ohren wegen LALÜ! zuhalten. Auch das der Verkehrssituation zwischen Rottach-Egern und Tegernsee geschuldet: Da gibt es nur die eine Straße, die gerade mal so Platz hat zwischen Berg und See.
Sehr auffällig: Meine LWS muckte überhaupt nicht, an keiner Stelle, bei keiner Bewegung. Gehen -> gut. Aber halt auch Sitzen -> schlecht: Schon nach einer halben Stunde im Zug (wunderbares Timing, er fuhr elf Minuten nach meiner Ankunft am Bahnhof ab, genug Zeit, um noch bequem einen Sitzplatz zu bekommen) stach es wieder böse vom Kreuz bis ins Bein. Hin und wieder muss ich aber sitzen!
Strecken-Statistik: Gut fünf Stunden mit zwei Pausen, laut Schrittzähler gut 17 Kilometer und mehr als 100 Stockwerke.
Angenehme Zugfahrt zurück, gegenüber saßen eine Frau und ein Mann in Wanderkleidung, nur wenig älter als ich, und unterhielten sich freundlich, zugewandt, interessiert, tief und lang verbunden, waren aber ganz klar kein Paar – so dass mir zum einen das Herz aufging, ich sie zum anderen als liebende Geschwister einsortierte. Und gern gewusst hätte, ob ich richtig lag, doch eine Nachfrage wäre viel zu aufdringlich gewesen.
Nächstes Oktoberfestwunder: Die Baustellen-Unterbrechung der U6 war aufgehoben. Ich konnte schon am Harras aussteigen und eine U-Bahn heim zum Sendlinger Tor nehmen (darin überraschend wenig Oktoberfest-Cosplayer*innen, vielleicht hat sich die Wiedereröffnung der U-Bahn-Linie noch nicht rumgesprochen). Ich kam streichfähig entspannt zurück, Ausruhen auf dem sonnigen Balkon.
Zum Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell den Spaghettikürbis aus Ernteanteil, er testete ein Rezept mit Speck-Sahne-Sauce (das ich nie “Carbonara” nennen würde, drohendes Einreiseverbot nach Italien).
Und siehe da: Damit hat der geschmacksneutrale, lediglich als Textur interessante Kürbis meiner Ansicht nach seine Bestimmung gefunden, er ist das perfekte Gegengewicht zur schweren Sauce. Künftig also kein Augenrollen mehr, wenn der Ernteanteil Spaghettikürbis bringt. Als Wein öffnete ich den letzten Rosé im Bestand, Pittnauer Dogma – weiterhin ein ein Liebling.
Beim Lesen im Bett ließ ich das Fenster noch offen, ließ die Geräusche von Oktoberfest-Passant*innen herein, die Musik-Bedudelung der Rikschas. Zum Schlafen musste ich das Fenster natürlich schließen. Dieses Jahr kann ich ja dann herausfinden, ob Oktoberfest die Brüllerei im Park verstärkt oder mindert. All for science.


























































