Essen & Trinken

Journal Dienstag, 3. November 2026 – #Uralub Tag 3 mit Schwimmen, Arztpraxen, Pasta-Kochkurs

Mittwoch, 4. November 2026

Sehr lang geschlafen, das fühlte sich sehr urlaubig an.

Das Draußen ließ voll den November raus, inklusive Kälte – das bin ich vom November gar nicht mehr gewohnt.

Tagespläne: Schwimmen, Cordhosen-Check, Rezepte in Arztpraxen holen, Pasta-Kochkurs.

Für die Umsetzung meiner Schwimmpläne ließ ich mich zum Olympiabad fahren, Herr Kaltmamsell kam auf meine Anregung mit.

Es war wirklich unangenehm kalt.

Doch auf den Bahnen war herrlich wenig los (das war meine Hoffnung gewesen: Schulferien geben Bahnen frei, die sonst möglicherweise mit Sportunterricht belegt sind), Schwimmen lief recht gut, bereitete mir aber nur in den mittleren tausend Metern echten Genuss. Schön hingegen Menschliches: Als eine Turboschwimmerin auf der Bahn merkte, dass sie mich mit ihrer Rollwende erschreckt hatte, bat sie von Herzen um Verzeihung – ich lachte und versicherte ihr, dass wir schon miteinander zurecht kommen würden. Als ich sie bei einer späteren Wende vorlassen wollte, erklärte sie: “Ich hab erst noch Pause.” Und überholte mich dann erst auf der nächsten Bahn. So mag ich das, wenn aufeinander geschaut wird.

Schwimmen macht schön.

Ich wünsche mir für diesen Winter eine braune oder grüne Cordhose und hatte einer Bemerkung entnommen, dass Uniqlo solche anbietet, die ja seit einiger Zeit einen echten Laden in München haben. Meine Rückfahrt führte daran vorbei, ich stieg also an der Münchner Freiheit aus und spazierte hin. Das Ladengeschäft erwies sich als vollgestellt mit Ware in engen, hohen Regalen, und wirkte sehr voller Kundschaft (ich kann nicht beurteilen, wie viel dieser Wirkung dem unglücklichen Ladenbau geschuldet war). Cordhosen fand ich der obigen Bemerkung folgend in der Herrenabteilung, doch sie wirkten minderwertig und so billig wie ihr Verkaufspreis, die wollte ich nicht. Ein wenig Umsehen beim Rausgehen verstärkte den Eindruck der Windigkeit aller Ware, die dort angeboten wird. Aber wie praktisch, dass ich das in einem echten Laden herausfinden konnte.

Daheim gab es zum Frühstück kurz vor zwei ein restliches Sellerieschnitzel vom Vorabend, außerdem Skyjolei.

Nächster Programmpunkt: In der Praxis meiner Gynäkologin und in der Hausarztpraxis holte ich mir die Rezepte für meine Dauer-Medikamente – dank Urlaub in aller Ruhe und nicht gehetzt nach Feierabend oder in einer Mittagspause. Beim Heimkommen nahm ich aus dem Keller Wintermantel und -jacke mit, im Ledermantel war es mir auf meinen Wegen zu kalt gewesen.

Vor dem abendlichen Kochkurs mit Abendessen brauchte ich noch Überbrückungsnüsse, ich war schon wieder hungrig. Nämlich: Ich hatte Herrn Kaltmamsell einen Pastakurs für zwei im Eataly geschenkt, in Form von Gutscheinen. Und er war so freundlich, als +1 mich mitzunehmen. Die Umwandlung der Gutscheine in eine Kursanmeldung hatte ihn viel Zeit und Mühen gekostet, online, telefonisch und mit Besuch vor Ort – das scheint nicht wirklich vorgesehen zu sein.

Aber wir schafften es, gestern Abend für den Kurs “Carbonara, Cacio e Pepe & Amatriciana” eingelassen zu werden. Und so ließen wir uns beibringen, wie man Eierpasta auf dem Brett zubereitet (hatten wir bislang immer mit der Küchenmaschine gemacht – ich fand es als durchaus Lebens-abhakend, mal die Pastamach-Fotos aus den Kochbüchern selbst umzusetzen), ließen uns die Arbeitsschritte hinter den Titel-gebenden Zubereitungen erklären und vorführen (Cacio e Pepe: eine Paste aus geriebenem Pecorino, Parmiggiano, Pfeffer mit Pasta-Kochwasser anrühren!).

Das alles in sowas Ähnlichem wie Englisch von den beiden italienischen Vorköchen, so war der Kurs auch angekündigt gewesen. Die drei Reihen mit Arbeitsplätzen für den Kurs waren fast voll besetzt, angenehme Stimmung mit u.a. Freundinnen-Paaren, Lebenspaaren, betagter Vater mit zwei erwachsenen Söhnen, Mutter mit Teenager-Tochter.

Anschließend gab es die Pasta dann zu essen, dazu Wein.

Cacio e Pepe

Carbonara (ebenfalls mit Eigelb und Käse als Paste mit Kochwasser angerührt), und dann noch Amatriciana (OHNE Peperoncino in der Sauce).

Schmeckte sehr gut, allerdings fand ich schon immer Eiernudeln dafür unpassend: Sie werden für meinen Geschmack immer zu dick und hart (ich besaß bereits als Studentin meine eigene Nudel-Walzmaschine). Wenn überhaupt selbstgemachte Pasta, dann bevorzuge ich die ohne Ei aus Hartweizengries – am besten passt meiner Ansicht nach für alle diese drei römischen Klassiker gekaufte, getrocknete.

Abschließend gab es noch italienisches Mürbe-Gebäck, das sehr gut und hausgemacht schmeckte.

Um halb elf waren wir daheim im Bett, ich ließ mich noch eine Weile von Andreu Martíns Don Jesús ins Katalonien der frühen 1990er nehmen (und hatte bereits beim Pasta-Abend Herrn Kaltmamsell vorgeschwärmt, wie darin geschickte Erzähltechniken funktionieren – im Gegensatz zum ärgerlichen Als Großmutter im Regen tanzte).

Journal Montag, 2. November – #Uralub Tag 2 mit Abwandern am Tegernsee

Dienstag, 3. November 2026

Noch vor Weckerklingeln nach guter Nacht von Krähen-Geplärr aufgeweckt worden. Wecker weil Wanderpläne: Ich wollte herausfinden, wie sich der Tegernseer Höhenweg, beide Teile, in die Gegenrichtung der bisherigen anfühlte, also vom Ort Tegernsee aus am See entlang und dann das doofe Stück an der vielbefahrenen Straße am Anfang der Wanderung, ab Rottach-Egern hoch zum Höhenweg und über Galaun zum Tegernseer Bahnhof, von dort den nördlichen Teil des Höhenwegs nach Gmund.

Fast hätte ich mich in der Zeit bis Aufbruch vor neun verrechnet; zum Glück bemerkte ich meinen Irrtum beim Aufgießen einer großen Tasse Grüntee – ich goss ihn um in meine Thermoskanne und steckte ihn in den Wanderrucksack. Erwies sich bei der gestrigen Kälte als willkommene Wärmequelle.

Wander-Funktionskleidung unterwegs sendet vielleicht das gegenteilige Signal von “Tracht” auf Volksfesten. Statt gewünschter Zugehörigkeit zu Ortsansässigen sagt sie: “Ich bin hier fremd und nur zu Besuch, gehöre nicht dazu und will einfach nur hier wandern.”

Draußen war es novemberlich und kalt, das Tegernseer Land liegt noch höher und würde noch das eine oder andere Grad kälter sein, nur wenig über null. Also wärmere Mütze und Halstuch, Handschuhe und warme Fleecejacke überm Shirt und unter der Wanderjacke eh.

Der Zug nach Tegernsee war wie erhofft trotz Schulferien nur locker genutzt, höchstens ein Viertel erkennbare Wandersleut.

Bei Ankunft bekam ich sogar noch ein wenig blauen Himmel und kalte Sonne, ab dann verdüsterte sich der Himmel immer mehr.

Es wurde eine schöne Wanderung, diese Richtung möchte ich auf jeden Fall nochmal bei schönem und wärmerem Wetter machen. Bei aller Freude an der Wanderung war mir (!) nämlich zu kalt: Ich genoss jede Steigung, die mich wärmte, wenn sie mich zu sehr wärmte und ich ins Schwitzen kam, fröstelte ich beim nächsten Abstieg und sorgte mich gleich. Außerdem schränkt Kälte für mich (!) die Ausruh- und Brotzeitbequemlichkeit ein: Hinsetzen ist eigentlich nicht möglich.

Doch ich habe möglicherweise endlich die ideale Nutzung meiner neuen Wanderstiefel gefunden: Dünne (!) Einlagen zu dicken Wandersocken, jetzt fühlte sich das Wandern darin superbequem ohne jedes Drücken an. Bevor ich das als echte Erkenntnis akzeptiere, ist aber noch Wiederholung nötig.

Das größte Vergnügen breitete mir schlicht meine Körpertüchtigkeit: Dass ich mal wieder einfach so lange wie ich wollte hoch und runter wandern konnte. Nur zu gut sind mir die Zeiten in Erinnerung, als ich das wegen kaputter Hüfte nicht konnte – und aktuell dachte ich an Herrn Kaltmamsell, dem das körperlich verwehrt ist. Oder an meine wander-begeisterten Eltern, denen das Alter irgendwann dieses Vergnügen genommen hat. Wird mir nie selbstverständlich sein.

Der Schnee war schon da, man sieht ihn hier auf dem Wallberg hinter Rottach-Egern.

Jetzt aber rauf. Die nächsten beiden Stunden hatte ich den Weg so gut wie ganz für mich, nur zweimal kamen mir andere Wandersleute entgegen.

Damit ich nach einer Weile runter auf Rottach-Egern schauen konnte.

Schnee am Galaun.

Hinunter nach Tegernsee über die Sonnleiten – zufällig erwischte ich unter den unerwartet zahlreichen ausgeschilderten Wegen von Galaun hinunter den, auf dem ich die vergangenen beiden Male hochgewandert war.

Brotzeit machte ich um zwei in der Wartehalle des Tegernseer Bahnhofs – die nicht nur beheizt ist, sondern ebenso wie die am Bahnhof Gmund über ein öffentliches, kostenlose Klo verfügt (Tipp!). Es gab zwei Äpfel, die mir die liebe Schwägerin mit meinen Eltern mitgeschickt hatte (herrlich sauer-aromatisch – kann es sein, dass richtig absichtlich saure Äpfel immer weniger werden?), Trockenfeigen und Mischnüsse. Weniger als geplant, weil ich mich nach den beiden Äpfeln unerwartet schnell voll fühlte.

Weiter Richtung Norden, jetzt begegneten mir immer wieder Spaziergänger*innen, viele mit Hund.

Schon um drei wurde es Dämmerungs-düster.

Zu meiner Überraschung war der Käse-Verkaufautomat über Gmund (Ortsteil Gasse) noch in Betrieb, ich hatte mit Winterpause gerechnet. Also kaufte ich dort Almkäse, Camembert, Butter – und suchte nicht nach dem Rewe in Gmund, den mir die Betreiberin des Automaten bei einer Begegnung vergangenes Jahr als weitere Verkaufsstelle der Käserei Tegernseer Land genannt hatte.

Ankunft am Bahnhof Gmund kurz nach Abfahrt eines Zugs nach München, ich sah noch die Rücklichter. Machte nichts, auch in diesem Bahnhof konnte ich mich in einen beheizten Wartesaal setzen, und schon eine halbe Stunde später kam der nächste Zug nach München.

Gut 5 Stunden war ich unterwegs gewesen, hatte dabei 19 Kilometer und 170 Stockwerke (mein Schrittzähler kann keine Höhenmeter) zurückgelegt, gähnte auf der Heimfahrt immer wieder recht herzhaft. Ich rechnete damit, dass sich beim Aussteigen am Münchner Gleisende meine Beine schwer anfühlen würden und ich den letzten Kilometer nach Hause eher humpeln müsste. Aber nein: Ich marschierte zu meiner Überraschung federleichten Schrittes, tätigte unterwegs noch ein paar Lebensmitteleinkäufe, fühlte mich weiterhin fit.

Daheim hatte bereits Herr Kaltmamsell die Wohnung beheizt: Er war vom Rollenspielen zurück, hatte den Tag über seine Eltern bei der Zubereitung von Quittengelee unterstützt.

Nach einer Runde Rückengymnastik gab es Alkohol. Leider erwies sich auch die dritte Flasche des 6er-Kistls Ziereisen Grauburgunder als oxidiert und verdorben, ich werden den Händler anschreiben müssen. Doch es gab eine Alternative.

Griechischer Malagousia Vourvoukeli 2024, der genau richtig eigen und komplex schmeckte.

Zum Nachtmahl verarbeitete Herr Kaltmamsell Ernteanteil zu Sellerie-Schnitzeln, ich machte den restlichen Zuckerhut nochmal mit Orangen-Haselnussmus-Dressing an.

Nachtisch Schokolade. Merke: Es sind nicht zu viele Süßigkeiten im Haus, wenn man sie in einem Gang von der Küche auf den Esstisch tragen kann.

Früh ins Bett zum Lesen – vor lauter Müdigkeit dann aber gleich Lichtaus ohne Lesen.

Journal Freitag, 30. Oktober 2026 – #Uralub Tag 1 mit Wanderung über der Pupplinger Au

Samstag, 31. Oktober 2026

Rückblickend war das ein ganz schön voller Tag – das hatte sich aber echt ehrlich nur so ergeben, Programm war eigentlich nur eine Wanderung.

Wieder wurde ich aus tiefem Schlaf geweckt – allerdings war mir im Traum gerade mein Handy gestohlen worden, auf dem Weg zum Schwimmen, und ich steckte in angestrengtem Nachdenken über das weitere Vorgehen: Diese Unterbrechung war willkommen. Wecker, weil ich einen letzten Morgenkaffee mit Herrn Kaltmamsell trinken wollte und weil um halb acht der Heizungshandwerker angekündigt war, der sich um den seit drei Wochen tropfenden Heizkörper kümmern sollte.

Der Tag startete mit Hochnebel; ich war schon sehr gespannt, wie das Wetter in der Wolfratshauser Gegend aussehen würde, in der ich wandern wollte.

Der Heizungshandwerker kam (mit einem niedlichem Praktikanten), fröhlich – und erstaunt, mich statt Herrn Kaltmamsell anzutreffen: Schraube an Leitung neben Ventil festgezogen – kein Tropfen mehr. Er testete dann auch gleich das Ventil, diesmal wurde die Heizung NICHT warm. Also nahm er die Abdeckung ab, klopfte auf dem Ventil herum (mit Erklärungen an den Praktikanten), jetzt funktioniert auch die Heizung.

Gefrotzel beim Gang durch unseren Flur:
Praktikant: “Sie haben aber viele Bücher.”
Ich: “Ja, wir lesen halt gern.”
Heizungshandwerker: “Hab ich mal probiert, aber wieder aufgehört.”
Ich: “Ist wie’s Fahrradfahren: Das verlernt man nicht. Können Sie jederzeit wieder anfangen.”

Wenig nach neun fuhr meine S-Bahn nach Icking, nachdem ich herausgefunden hatte, dass sie am Starnberger Flügelbahnhof stand und nicht unterirdisch die Stammstecke fuhr, saß ich auch drin (Deutschlandticket ist super!). Unterwegs wurde der Himmel immer düsterer.

Erster Ausblick. Egal, das ist ja das Großartige an Herbstwanderungen: Das bunte Laub bringt Farbe selbst in den grauesten Tag.

Doch das änderte sich immer wieder. Kalt war und blieb es, ich wanderte die erste Hälfte mit leichter Mütze und Handschuhen. Doch der Himmel veränderte sich ständig – und ließ immer wieder Sonne durch. Es folgen sehr viele Bilder: Ich sammelte Farben für den grauen langen Winter.

Blick durch den Garten eines der großzügigen Anwesen in Schlederloh aufs Loisachtal.

Die Pupplinger Au von Schlederloh aus – immer wieder schön, ich hatte mich sehr darauf gefreut.

Aussicht auf die Loisach in Wolfratshausen.

Die Durchfahrt Dorfen war gesperrt: Dort wurde die Hauptstraße gerade neu asphaltiert. Ich spazierte an beeindruckenden Geräten und Fahrzeugen vorbei, traute mich aber nicht zu fotografieren.

Kurz vor Wolfratshausen wurde es sehr katholisch.

Im Wolfrathshausen kam ich zur perfekten Zeit für Mittagscappuccino an: halb zwölf.

Jetzt kam die Sonne immer häufiger raus, ich legte Mütze und Handschuhe ab.

Hinauf zum Riemerschmid-Park.

Und wieder hinunter zur Loisach.

Überraschung nach Einbiegen auf das letzte Wegstück nach Ebenausen: Ein riesiges ungeerntetes Sonnenblumenfeld, das im Sonnenlicht wie ein Tupfenmuster wirkte.

Auf diesem Feld brachte mir die App Flora incognita bei:

Rainfarn-Phazelie (Gründüngung).

Nach vier Stunden und gut 14 Kilometern gelangte ich an den Bahnhof Ebenhausen. Auf die Rückfahrt wartete ich nur gut zehn Minuten, jetzt um zwei nutzte ich das für Frühstück: Letzter Apfel der Sorte Fräulein aus dem Markt-Einkauf in der Vorwoche, ausgesprochen köstlich. Ein paar Trockenpflaumen, und in der S-Bahn gab es noch ein paar Hände voll Mischnüsse.

Zurück in München erledigte ich auf dem Heimweg die Lebensmitteleinkäufe für den Abend und fürs Wochenende.

Daheim traf ich zu meiner Überraschung noch auf Herrn Kaltmamsell, wir nutzen die Anwesenheitsüberschneidung für Erzählen über die vergangenen Tage. Gleichzeitig bereitete ich mein Abendessen vor: Während ich sonst nur für mich den Ernteanteil ja eher effizient und mit wenig drumrum wegesse, hatten mich die Gelben Bete auf Ideen gebracht. Herr Kaltmamsell beobachtete misstrauisch meine ernährerische Selbständigkeit, versucht er mich doch völlig von seinen Kochkünsten abhängig zu halten.

Dazwischen (und nach Verabschieden von Herrn Kaltmamsell in seine Rollenspiel-Tage) aber noch Friseur-Termin: Ich ließ meine Haare wieder auf Ganzkurz bringen.

Vorher

Nachher
(Ich habe immer noch keinen Selfie-Kurs gemacht.)

Jetzt aber Finalisierung des Abendessens, ich war sehr hungrig.

Belugalinsen mit Gelben Beten, gerösteten Mandelstiften, Ernteanteil-Ruccola, Orange (Schale, Saft), Thymian, dazu Mozzarella. Schmeckte sogar so gut, wie ich mir das vorgestellt hatte! (Mozzarella hätte es nicht mal gebraucht.)

§

Sandro bittet auf instagram: Denkt doch bitte auch mal an die armen Kürbisse.

Journal Freitag, 23. Oktober 2026 – Die Bloglesung braut sich zusammen

Samstag, 24. Oktober 2026

Nach einer guten Nacht klingelte der Wecker viel zu früh für mein Schlafbedürfnis – das ist ungewöhnlich.

Emsiger Morgen mit Vorbereitungen der nächsten Tage. Ich hatte bereits damit gerechnet, dass ich später als sonst loskommen würde, und so war es dann auch.

Noch begleitete mich dunkelgoldene Morgensonne über dunkelpinkem Morgenrot auf dem Weg in die Arbeit, dann setzte die angekündigte Düsternis ein.

Arbeitsvormittag auch mit ärgerlichen Themen, da half alle gründliche Vorbereitung nicht. Zum Ausgleich schmückte ich mit einer Leidensgefährtin Gewaltfantasien aus, bis wir vereinbart hatten, wer festhalten würde und wer zutreten.

Mittagscappuccino aus der Cafeteria, weil gerade noch so viel zu tun war. Dafür aber ein Mittagsmarsch um die Blöcke.

Zur Brotzeit gab es einen am Markt erworbenen Bodensee-Apfel (Sorte Fräulein – ich erinnerte mich richtig, wie sich beim spritzenden Reinbeißen erwies, dass die besonders saftig sind) und Skyjolei.

Überraschend emsiger Arbeitsnachmittag, ich kam nicht ganz so pünktlich raus wie geplant – nicht so schlimm, der Wochenendgast hatte bereits beträchtliche Bahn-Verspätung durchgegeben. Auf dem Heimweg letzte Lebensmitteleinkäufe fürs Wochenende.

Und kurz nach mir traf sie ein, Vanessa, seinerzeit angetreten als die liebe Nessy – Fortsetzung meiner über 20 Jahre andauernden Serie “Blogger*innen übernachten bei Blogger*innen”, seinerzeit begonnen mit Lyssa und Isabo. Erstes Plaudern, erstes Einrichten, dann trafen wir uns in der Maxvorstadt mit den anderen Beteiligten der Bloglesung heute Abend.

Teilweise (von meiner Seite) sehr emotionale Wiederbegegnungen.

Zu den Fleischpflanzerln aus Wild bestellte ich Herrn Kaltmamsell und mir eine Flasche Lemberger, die wir beide sehr mochten, hier zum Merken.

Gute Pflanzerl (ich hatte für die angereisten übersetzen müssen – die deutsche Küche ist herrlich regional), hervorragender frischer Kartoffelbrei, guter Kürbis. Zum Nachtisch bestellte ich Apfelkücherl und war sehr zufrieden.

Dazu angeregteste Gespräche durcheinander, letzte Anweisungen für den heutigen Abend, Austausch der Tagespläne bis dahin.

Spät nahmen wir eine U-Bahn zurück zum Sendlinger Tor, im Bett um Mitternacht.

§

Ich freue mich sehr, dass mein Blogstöcken zu Kindheitserinnerungen aufgegriffen wird, weil ich andere Kindheiten und andere Leben kennenlerne (allein schon, dass manche die Stofftiere ihrer Kindheit über Jahrzehnte aufbewahren!). Hier eine kleine Sammlung:

– Mumien, Analphabeten, Diebe.
– Vogelsfutter
– irgendwie jüdisch
– Frau Bruellen
– Sinn und Verstand
– joel.lu
– crocodylus
– Ich tu, was ich kann
– Dancer on sand
– iberty
– Teetrinken
– Alltägliches und Ausgedachtes

§

Dies war die Woche, in der ganz viele Menschen lernten, was PHP ist: Eine (bereits entdeckte) Sicherheitslücke hatte dazu geführt, dass zahlreiche Unternehmen, Behörden, Organisationen, Privatleute ihre Websites offline stellten, um möglichen Angriffen zuvorzukommen. Auch ich ließ mir von Herrn Kaltmamsell am Mittwochabend PHP erklären, wie nahezu hinter allen Websites diese freie und offene Software steht und was sie dort tut (ich gebe das lieber nicht wieder, sonst müsste ich wahrscheinlich die Illusion fahren lassen, ihn verstanden zu haben).

Auf netzpolitik.org erklärt Bianca Kastl, was das Besondere an PHP ist und im Grunde das gute alte Internet:
“PHP-Sicherheitslücken:
Wir stehen auf den Schultern vieler kleiner Giganten”.

§

Wie ich einmal aus einem Blogpost über ein selbst hochgezogenes, winziges Fimlfestival lernte, wie Filmfinanzierung funktioniert:
“Eine Beerdigung, ein krankes Herz und das 7. deutsche Filmfestival in Cannes”.

Ich beziehe mich auf den Absatz unter dem YouTube-Clip “Gerhard Gundermann Linda Alexandra Scheer”.

§

Auf instagram erzählt eine alte Frau @advancedstyle (Ari Seth Cohen) lachend wie es war, als ihre Brüste verschwanden – sehr niedlich.

Journal Montag, 19. Oktober 2026 – König Lear am Residenztheater: Mangelndes Shakespeare-Vertrauen

Dienstag, 20. Oktober 2026

Gut und tief geschlafen, aber bei Weckerklingeln war es definitiv nicht genug gewesen.

Unter anderem war mir wie zu erwarten beim Einschlafen die König Lear-Inszenierung vom Sonntagabend im Kopf herumgegangen. Das eigentliche Stück hatte mich an diesem Abend eher unberührt gelassen, angekommen waren bei mir vor allem die Bühnenmittel (Bühne Marlene Lockemann). Und hier spielte die beeindruckende Hauptrolle der kreisrunde Bühnen-füllende Ring mit Landschaft oben und Räumen in Gestellen unten, in ständiger, langsamer Bewegung, eingeführt im zweiten Akt durch den vertriebenen Edgar, der die Pfade oben entlang taumelt und dabei seine Verwandlung in Tom erzählt. Davor schon war es eine Wand mit in vielen Richtungen beweglichen Drehtüren gewesen, die riesig vor dem Zuschauerraum auf der Bühne stand und für die verschiedenen Verbindungen der Personen und Handlungsstränge genutzt wurde.

Doch Regisseurin Elsa-Sophie Jach beließ es nicht dabei. Dass nahezu durchgehend Live-Musik vom Bühnenhintergrund erklang, muss heutzutage wohl so, inklusive zweimal Live-Gesang. Aber dass immer wieder verschiedene Leinwände herabgelassen wurden, Live-Video-Projektionen aus Bühnenwinkeln darauf übertragen – über die vielen Jahre seit Einführung als Erzählmittel auf den Bühnen gerät das in meinen Augen zur inhaltsleeren Marotte, vor allem hier: Das Mittel der Soliloqui IST doch bereits ein Ins-Zentrum-Stellen einer Figur und ihrer Gedanken, da brauche ich ihr sprechendes Gesicht nicht auch noch acht mal fünf Meter groß gefilmt auf eine Leinwand projiziert.

Nicht nur deshalb habe ich den Eindruck, dass der Inszenierung das Vertrauen in Shakespeare fehlte, der eigentliche kraftvolle und bilderreiche Text ging fast unter. Immer noch eine Interpretationsebene, immer noch eine Vermittlungstechnik – die vielen Ansätze und Ebenen führten unterm Strich zum Eindruck der Unentschlossenheit. Lasst die Figuren doch mal in Ruhe reden! Ja, der gefeierte Manfred Zapatka als Lear bekam oft Raum für seine Worte, aber selbst er nicht immer, weil Kostüm oder Filmung sie überlagerten. Vielleicht hatte Vincent zur Linden als Narr da sogar mehr Texteskraft (die Doppelbesetzung auch als Edmund gefiel mir sehr gut).
Schauspielerisch beeindruckte mich am meisten Pia Händler als Regan: Sie lebte den Text statt ihn vorzutragen – das mag ich als Kind der 80/90er-Renaissance-Theatre-Company halt (damals war es Inszenierungs-Mode, den Blankvers nahezu zu ignorieren).
An den Besprechungen der Inszenierung gefiel mir die von Christoph Leibold für den Bayerischen Rundfunk:
“Seltsam unpolitisch: Der neue ‘Lear’ am Residenztheater”.

Außerdem zum Festhalten: Was anders ist am Resi als an den Kammerspielen. Am Resi gab es ein aufwändiges Programmheft zu kaufen, für die 2,50 Euro steckten sogar ein paar Postkarten mit Fotos aus der Inszenierung dabei. An dem Kammerspielen ist das gedruckte Programmheft mittlerweile eher dünn und kostenlos, die Informationen findet man breiter und ansprechender online auf der Website. An den Tischen für Programmheftverkauf wurde auch Merchandise angeboten, sehe ich mir nächstes Mal genauer an.

§

Überraschen mild dampfiger Weg in die Arbeit.

Die kopfwehige Benommenheit wurde mir am Arbeitsplatz bald doch zu doof, ich griff zu Ibu.

Geschäftiger und unruhiger Arbeitsvormittag, Mittagscappuccino aus der Cafeteria, damit ich in der Mittagspause raus auf Einkäufe gehen konnte: Der riesige HIT in Fußweite bot auch die Cocktailkrischen an, die auf der Einkaufsliste standen.

Zu Mittag gab es Ananasstücke aus derselben Quelle, außerdem Skyr mit Joghurt und Leinsamenschrot. So ganz wach und munter wurde ich einfach nicht.

Entsprechend zäh fühlte sich der Arbeitsnachmittag an.

Nach Feierabend war es deutlich kälter geworden. Ich ging über Lebensmitteleinkäufe beim Vollcorner heim.

Zu Hause hatte ich trotz müder Benommenheit Lust auf Pilates, das nochmalige Üben meines Bloglesungstexts aber verschob ich auf Dienstagabend.

Als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell die Ernteanteil-Karotten auf meinen Wunsch als Laksa, als würzige chinesische Suppe – eine sehr aufwändige Suppe mit vielen nur aufwändig zu bekommenden Zutaten.

Blöderweise schmeckte das ganz ausgesprochen köstlich, ich werde das wieder essen wollen.

Nachtisch Schokolade.

Sehr früh ins Bett zum Lesen und frühen Lichtaus.

Journal Samstag, 17. Oktober 2026 – 1000-Teile-Puzzle-Oktoberfarben

Sonntag, 18. Oktober 2026

Unruhige Nacht, benommenes Aufstehen. Milchkaffee und Ibu 400 richteten das aber schnell.

Wir finden und töten weiterhin Mehlmotten und ihren Nachwuchs in der Wohnung, auch abseits der Küche. Herr Kaltmamsell hat mittlerweile ein kleines Vermögen in schicke Mepal-Plastikdosen investiert, kaufte gestern für weitere Vorräte nach.

Für meinen Isarlauf hatte ich mir etwas Neues ausgedacht, das nur zur Hälfte klappte. Die U-Bahn-Verbindung nach Thalkirchen ist ja jetzt nach Oktoberfest-Magie wieder wegen Bauarbeiten unterbrochen, meine Idee war: Von daheim aus bis Pullach laufen, von dort mit der S-Bahn zurückfahren. Was klappte: Von Haustür über gewohnte Wege an der Isar bis zum S-Bahnhof Pullach lief ich (mit zahlreichen Foto-Stopps) gut 90 Minuten (Selbstbeschränkung, weil ich auch am Sonntag laufen will), das machte selbst unter düsterem Himmel richtig Spaß. Was dann nicht so toll war: 20 Minuten Warten auf S-Bahn, 30 Minuten Fahrt bis – wegen Bauarbeiten Stammstrecke – Endstation Hauptbahnhof, zusätzliche 15 Minuten Fußweg nach Hause. Auf diese Relation Joggen-Heimfahrt werde ich wohl nicht oft Lust haben.

Doch der Körper spielte hervorragend mit, die Ibu mag geholfen haben (anfängliches Zwicken an der linken Kniescheibe durch Quadrizeps-Dehnen wegbekommen), und der Oktober ist gerade in seiner 1000-Teile-Puzzlemotiv-Phase.

Die Flosslände für den Winter abgelassen.

#ÖPNVStarren

Daheim war ich dann doch irgendwann, meine Frühstückssemmeln hatte ich in einer Pullacher Bäckerei während der Wartezeit auf die S-Bahn besorgt. Frühstück noch vor zwei: Trauben, Feigen, Körnersemmeln, eine davon mit einer letzten sensationellen gelben Tomate aus Ernteanteil.

Und dann raffte ich mich zum Backen auf! Das interessanteste Rezept ist ja immer das zuletzt entdeckte, und das war von David Lebovitz: Miso walnut chocolate chip cookies. Las sich am Donnerstag beim Entdecken abgefahren und machbar, ich setzte die Zutaten umgehend auf die Einkaufsliste. Miso, das wusste ich, hat Herr Kaltmamsell eh immer im Haus, allerdings, so lernte ich am Freitag, immer nur eine Farbe, und die ist derzeit braun. Er überzeugte mich, dass auch dunkles Miso für das Rezept taugte, riet allerdings zu einer geringeren Menge.

Die Walnüsse hatte ich schon vor dem Isarlauf mit Miso karamelisiert, jetzt machte ich den Rest. Und stieß dabei auf ein Zeichen der Zeit und ein ganz neues Risiko beim Backen: Ich war auf 80-Gramm-Tafeln Schokolade reingefallen. Im Vollcorner hatte ich zu meiner üblichen 70-Prozent-Backschokolade von Vivani gegriffen und nicht gemerkt, dass diese nicht mehr 100 Gramm schwer sind. Also ab sofort KEINERLEI gewohnte Standard-Größe mehr voraussetzen, merke ich mir für den Zutatenkauf für die Weihnachtsbäckerei. Ich möchte hier @daszeiserl zitieren: “80g Schokotafeln sind ehrlich wahr der Untergang des Abendlandes.”

(“Drei Stücke, Obelix.”)

Nachmittag mit Bloglesungsvorbereitung und Zeitunglesen, draußen versuchte es ein wenig zu regnen.

Eine halbe Stunde Pilates, bevor ich die Drinks des Abends rührte. Herr Kaltmamsell hatte sich Manhattans gewünscht, ich verrechnete mich bei den beiden Wermut-Zugaben – gab es halt doppelte Manhattans.

Aber dann sonst keinen Alkohol mehr. Hicks.

Basis des Nachtmahls war der Mangold aus Ernteanteil, den Herr Kaltmamsell mit Belugalinsen als Spaghgettigericht servierte, sehr gut.

Zum Nachtisch jeder einen der Riesen-Cookies: Waren auch mit 15 Gramm weniger Schokolade wegen Schummel-Tafeln sehr gut geworden, allerdings schmeckte ich nicht viel Unterschied durch das Miso (im Vergleich zu den eh schon sensationellen Chocolate Chip Cookies von David Lebovitz).

Im Bett begann ich die nächste Lektüre, auf die ich durch einen Hinweis in This Is How You Lose the Time War gestoßen war: Naomi Mitchison, Travel Light, veröffentlicht 1952.

§

Donnerstagabend hatte ich Siri Hustvedt, What I Loved ausgelesen und bin sehr beeindruckt von dem Roman. Nur: Eigentlich habe ich gelernt und bin stolz darauf, meine Reader Response nachvollziehbar erklären zu können; in diesem Fall fühle ich mich hilflos. Ich weiß nicht recht zu sagen, warum ich dieses Werk so außerordentlich gut finde. Mich beeindruckte, dass Hustvedt aus der Ich-Perspektive eines Mannes schreibt, durchwegs glaubwürdig. Wie ich alle Figuren der Handlung glaubwürdig finde: Seine Frau Erica, das befreundete Paar Bill und Violet.

Ich begleitete diese Menschen durch einige Jahrzehnte ihres Lebens in New York, durch ihre Elternschaft, durch ihre Berufe, die alle mit der einen oder anderen Form des Kunstschaffens zu tun haben. Besonders beeindruckten mich die Beschreibungen vieler, vieler fiktiver Kunstwerke, dazu die der Kunstwelt, in der sie rezipiert werden. Ich lebte beim Lesen Alltag mit und ihre Randfiguren, Körperlichkeit, Trauer und andere tiefen Gefühle. Das tat ich in den Romanen von Sigrid Nunez auch, und doch sind sie völlig anders. Obwohl die Werke beider Frauen verbindet, dass ihre sprachlichen Mittel im Hintergrund bleiben.

Dann gebe ich mein Scheitern bei der Vermittlung meiner Begeisterung halt zu. Wenn Sie sich für Menschen interessieren und für Kunst, hohes literarisches Handwerk mögen – dann ist dieser Roman vielleicht etwas für Sie.

§

Leben in hohem Alter – taz-Autorin Laura Catoni recherchiert, wie Menschen ohne Kinder oder sonstige nahe Angehörigen das machen.
“Gemeinschaft im Alter
Was kommt vor dem Tod?”.

Journal Freitag, 16. Oktober 2026 – Lerchenschwumm, griechischer Wein in Schwabing

Samstag, 17. Oktober 2026

Wieder einmal zu oft aufgewacht für eine Nacht, die sich wirklich erholsam anfühlt. Etwas früherer Wecker, weil ich bei angekündigt schönem Wetter vor der Arbeit im Freibad Dantebad schwimmen wollte.

Zeitunglesen in der U-Bahn zum Westfriedhof – zumindeste den Teil, den mich die Anzeigenabteilung lesen ließ. Die schafft es offensichtlich immer noch den Anzeigenkunden einzureden, dass diese Werbung wirkt? (Die Karte lässt sich nie Riss-frei ablösen. Wenn ich sie falte, verdeckt sie nur eine Spalte, abreißen zerstört Text auf zwei Seiten.)

Es wurde ein schöner Schwumm, zwar nicht ganz so enthusiasmierend wie auch schon, dafür komplett Krampf-frei. Auch sonst körperlich durch und durch erfreulich. Der Tag brach merklich später an als vor einer Woche, erst auf den letzten 500 Metern erreichte der Sonnenschein dunkelgolden die Baumkronen.

Zunächst war unter erstem Morgenrosa recht viel los auf meiner Schwimmbahn, nach 45 Minuten beruhigte sich die Lage. Erheiterung bekam ich auch: Jemand hatte einen Schwimmspielzeugladen leer gekauft und war unterwegs mit Mittelschnorchel, großen Handpaddeln UND Schenkelkissen. Na gut, an die Füße hätten noch Flossen gepasst – vielleicht legte sie die später an: Nach Abschluss meiner 3.000 Meter hatte ich rechte Mühe, über den Beckenrand aus dem Wasser zu kommen, weil dieser komplett mit Schwimmspielzeug vollgestellt war, darunter möglicherweise die Flossen der Geräteschwimmerin.

Dann kostet einmal Schwimmen im Dantebad halt 10 Euro, die Summe passt zur Größe des Vergnügens. Meine sportliche Bewegung wird mich dennoch nicht mehr als 60 Euro im Monat kosten (Dantebad-Schwimmen, für Fahrten zum und vom Laufen Deutschlandticket anteilig, Steady-Unterstützung an Gabi Fastner), damit liege ich wahrscheinlich immer noch unter den monatlichen Mitgliedsbeiträgen für Münchner Fitness-Studios. Auf jeden Euro achten kann ich in der Rente immer noch.

Auf dem Rückweg hatte ich so großes U-Bahn-Glück, dass ich für die Arbeit extrafrüh einstempelte. Auch gestern nutzte ich mein Büro zum Handtuchtrocken: Es war niemand da, den ich damit belästigt hätte.

Dafür gab’s reichlich Arbeit, ich las Korrektur und trieb mich in einer Datenbank herum.

Um die Mittagszeit aber RAUS in den schon wieder herrlichen Sonnenschein. Noch brauchte es meine Jeansjacke, doch ich schnaufte begeistert durch.

Die Heimeranstraße wirkte hier geradezu mediterran, sicher nicht wie Mitte Oktober.

Auferstehungskirche

Zu Mittag gab es erstmal Obst: Apfel (gut), Renekloden (nicht gut, weil alt und trocken), Feigen (gut), Trauben (schwarz, klein und mit Kernen – hervorragend). Trauben können also nach mehr als nur süß schmecken. Oder wie Herr Kaltmamsell es formulierte, dem ich die restlichen im Obstkorb daheim empfahl: “Sind so gut, dass sie bestimmt irgendwie heißen.” Tatsächlich stand auf dem Preisschild ein Name, nur hatte ich ihn mir nicht gemerkt. Und dann noch Hüttenkäse.

Emsiger Nachmittag, ich konnte alles Anliegende abschließen.

Weiterhin Freude über die Büroblumen, die ich nach Feierabend heim nahm. Ich legte meinen Heimweg nach Einkäufen im Vollcorner über den Süpermarket Verdi, um nach der köstlichen Traubensorte zu sehen.

Gemeint ist wahrscheinlich Muscat bleu. Wenn Sie die irgendwo sehen (und Trauben mögen): Empfehlung.

Zu Hause nur Auspacken und kurzes Frischmachen, abends hatte ich einen Tisch im griechischen Lokal Elia in Schwabing reserivert: Empfohlen von einer Leserin, weil dort auch Wein wichtig genommen werde.

Mit Herrn Kaltmamsell nahm ich eine Tram hinaus – und wurde bald unruhig, weil sie am Stachus (aka 7. Höllenkreis) im Autoverkehr feststeckte und ich deutliche Verpätung fürchtete. War dann gar nicht so schlimm.

Im Elia wurden wir freundlich empfangen. Wein hatte ich mir vorher bereits ausgesucht, in den Artikeln über die aktuelle Entwicklung des griechischen Weinbaus hatte mich der Xinomavro am meisten interessiert. Den bestellte ich gleich direkt.

Er wurde uns mit vielen Caveats eingeschenkt, der sei wirklich was ganz anderes und unerwartet, ausgesprochen gewöhnungsbedürftig, rufe gern mal heftige Reaktionen hervor. Ich weiß ja nicht, was die Gäste des Lokals sonst so trinken (um uns herum sah ich wenige Weingläser auf den Tischen, eher Longdrinks und Bier): Wir probierten einen angenehmen, eher leichten Rotwein, der eher durch Abwesenheit von typischen mediterranen Rotwein-Aromen wie Holz, Beeren, Tabak, Schokolade auffiel, dafür etwas Kräuter und Blumiges hatte.

Zu Essen bestellte ich Ziegenkäse auf Rote Bete zur Vorspeise (gut), Lammschulter als Hauptspeise – die tatsächlich nur mit Sauce serviert wurde, ich hätte die Nachfrage des Kellners nach Beilagen ernster nehmen sollen (Brotkorb nachbestellt). Besonders fein gewürzt war der Nachtisch Galaktoboureko – hatte ich schon sehr lang nicht mehr gegessen.

Durch immer noch nicht kalte Luft spazierten wir die Herzogstraße mit viel Außengastronomie lang zurück zur Tram, waren nicht zu spät im Bett.

§

Laut Vox ein Trend in den USA: Bürger*innen sehen ihre kommunalen Behörden als so untätig an, dass sie deren Jobs selber machen – zum Beispiel Zebrastreifen einrichten.
“What if making your neighborhood safer means breaking the rules?”

Across the country, such civic paralysis has compelled a legion of guerrilla urbanists to take their city’s matters into their own hands. In Boston, a group of cyclists used strips of green and white duct tape to build a bike lane at an intersection where a truck struck and killed 36-year-old Louisa Gag in July. In Nashville, Kansas City, and across the Bay Area, volunteers have built and installed their own public benches at bus stops where city officials had slowly removed places to sit, after years spent curating increasingly hostile public spaces.

(…)

“We see the fear of litigation and liability” so thoroughly sabotaging mundane municipal projects that “a crosswalk takes half-a-million dollars in five years to do when it’s really a bucket of paint in an afternoon,” said Anthony Garcia, a Miami-based urban planner who, with his longtime collaborator Mike Lydon, pioneered the study of tactical urbanism, or low-cost, quick-fix interventions often led by ordinary citizens themselves. Both Garcia and Lydon now advise cities nationally on how to integrate the practices of guerrilla urbanists into the ways they govern and pilot their own new policies. “You don’t have to hold a crosswalk to the same standard that you hold a bridge,” Garcia said.

(…)

Advocates tell me that in almost every case they would much prefer to work with their city governments than against them. And sometimes they do: For well over a decade, the local transit advocacy group Reconnect Rochester has partnered with Rochester, New York to lay out boxy, brightly colored “bus stop cubes” at transit corridors around the city. Critically, these boxes were permitted.

Hierzulande verwandelt die Leute ja laut einigen Analysen solcher Unmut in AfD-Wähler*innen. Ich weiß nicht recht, was mir lieber ist.