Essen & Trinken

Journal Sonntag, 28. Mai 2017 – Grillen bei Eltern

Montag, 29. Mai 2017

Vierter Tag der Himmelfahrtsferien – Hochsommer.

Ich begann den Tag nach wohligem Ausschlafen mit dem ersten Balkonkaffee des Jahres. Die Amseln beschwerten sich lautstark über die Störung auf ihrem Futterbalkon. Wir werden uns aneinander gewöhnen müssen. (Ja, die Palme links stirbt wohl.)

Sommerkleid, erster Einsatz der Saison für die Bandelettes (ich erinnere alle Menschen, die unter wundreibenden Oberschenkeln leiden, sehr gerne an diese großartige Abhilfe).

Mit dem Zug zur Grilleinladung bei meinen Eltern, die lieben Schwiegers waren auch da. Es gab:

Dazu fröhliche Gespräche und Ausweichen vor der sengenden Sonne.

Die Zugfahrt nach Hause vermieste eine junge Frau, die das Großraumabteil die gesamt Stunde lang mit ihrem lautstarken Telefonat beschallte. Bis gestern dachte ich, die Parodien auf Themen und Sprache junger Frauen seien albern und aus der Luft gegriffen. Nach unzähligen Details über die jüngsten Erlebnisse der Telefonpartnerin („Vor allen Leuten? VOR ALLEN LEUTEN?! Sch’glaub’s nicht!“), Luis („Er stellt mich schon, so, als seine Freundin vor, aber, weißt du was ich meine?“), Begegnungen beim Tanzen („Die war voll hässlich, keine Ahnung, aber hat irgendwie voll so geschaut, weißt du was ich meine?“) oder eine bestimmte karierte Bluse, die von der Trägerin drei! Tage! hintereinander! getragen wurde, musste ich zugeben: Die gibt’s wirklich. Nach den ersten Minuten hatten Herr Kaltmamsell und ich uns immer wieder mahnend nach ihr umgesehen – keine Reaktion. Als sie wenige Minuten später ins Telefon rief: „Hey, jetzt hör mal auf zu reden, du nervst!“, reckten wir ihr unsere Daumen entgegen – half nicht. Da ich zu feige für Konfrontation war (ich stellte mir lediglich vor, mich mit Detailfragen einzumischen), setzte ich Kopfhörer auf und beschallte mich mit Musik gegen.

Auf dem Heimweg vom Bahnhof war es in München immer noch heiß.

Abends im Dunkeln hörte ich heftiges Rascheln vorm Balkon: Eindeutig Igel, nichts ist derart unbekümmert laut. Es waren zwei ordentlich große, ich sah sie, als sie in den schwachen Schein der Hinterhoflampe krabbelten.

Journal Freitag, 26. Mai 2017 – Sommertag mit Backen, Schwimmen, Schuhkauf, Kochen

Samstag, 27. Mai 2017

Frühsommermorgen mit knallblauem Himmel. Nach Milchkaffee und Bloggen machte ich mich ans Cheesecake-Backen. Den Kopf darüber geschüttelt, dass Frischkäse mittlerweile in 175-Gramm-Packungen verkauft wird – was soll das bitte für eine Einheit sein? Die Rezeptangabe 750 Gramm kommt wahrscheinlich noch aus Zeiten (*Krückstockgefuchtel*), in denen Frischkäseportionen 250 Gramm wogen – wie Quark halt auch.

Ich plante abends Ossobucco, ging für Zutaten zum Süpermarket Verdi. Der Laden war mehr als gut besucht – ich fürchte ja um die gesamte Kultur des Südlichen Bahnhofsviertels, nachdem alle Hinterhofmoscheen geschlossen haben. Nach langem, langem Warten an der Fleischtheke (die fünf Herren dahinter waren gut beschäftigt mit Fleischzerteilung, Beratung, Abwiegen, Streitschlichten wegen Vorwurfs des Vordrängelns) gab es aber keine Kalbsbeinscheiben, auch nicht Rinderbeinscheiben. Da ich alle anderen Zutaten bereits in meinen Korb gelegt hatte, schaltete ich blitzschnell auf Lamm um – was das mit dem Gericht machen würde, sollte der Praxistest zeigen. Ich nehme das Ergebnis vorweg: Dieses Rezept ergibt mit Lammbeinscheiben ein wohlschmeckendes Gericht, das allerdings nichts mit Ossobucco zu tun hat.

Anruf meiner Mutter: Am Sonntag sind wir bei meinen Eltern zum Grillen eingeladen.

Schwimmrunde im Schyrenbad. Ich hatte mir eine Reduzierung auf 2000 Meter vorgenommen: Um die Nackennerv-bedingten Schulterschmerzen zu vermeiden, könnte ich ja öfter, aber kürzer schwimmen. Doch Arm und Schulter blieben ruhig, ich konnte meine Strecke problemlos auf die gewohnten 3000 Meter ausweiten – und das auch noch mit Genuss. Bei jedem Luftholen der Anblick satt grüner und zum Teil blühender alter Bäume vor blauem Himmel, wenig Betrieb im Wasser: Ich verließ das Becken ausgesprochen vergnügt.

Nachholen der Einkäufe, an denen mich Samstag eine Fußballfeier gehindert hatte. In der sehr belebten Fußgängerzone war deutlich Sommer: Ich sah viele, viele wunderschöne Sommerkleider, in vielen Stilen, an allen Altern und Körperformen.

Für meine Suche nach roten Sandalen steuerte ich den Camper-Laden an und war schnell erfolgreich; ich freute mich an der aufmerksamen, freundlichen Bedienung, die sich umgekehrt über den spanischen Namen auf meiner Kreditkarte freute (wer vor dem Urlaub ein wenig Spanisch üben möchte, kann das ganz einfach in diesem Laden tun). Auch für Langstreckensandalen hatte ich bereits einen bestimmten Laden im Kopf. Im Gegensatz zum vorherigen Einkaufserlebnis musste ich die Angestellten dort allerdings geradezu zum Verkaufen zwingen. Als ich mir, Wunschschuhmodell in der Hand, endlich eine gefangen hatte, stellte sich heraus, dass der Laden das gewünschte Modell nicht in meiner Größe auf Lager hatte. Punkt. Nun, schlug ich vor, ich könnte es ja in einer anderen Farbe probieren und dann in der Wunschfarbe bestellen lassen? Die Sandale passte. Keine Reaktion der Angestellten. Ob ich, fragte ich, selbst online bestellen solle oder der Laden das erledige? Wortlos ging die Angestellte an die Kasse und tippte suchend herum. Ergebnis: In der Filiale in der Neuhauser Straße gebe es meine Größe noch. Ich dankte, bekam keinen Abschiedsgruß – und recherchierte draußen erst mal auf meinem Smartphone, wo diese Filiale genau war (auch wenn ich nur wenige hundert Meter entfernt wohne, führt mich keiner meiner Wege durch die Neuhauser Straße mit ihrer unübersehbaren Menge an Läden). Lohn für meine Mühen: Dieser Laden hatte gerade Räumungsverkauf, ich bekam Prozente auf meine neuen Langstreckensandalen. So oder so: Schuhkauf ist ganz schön anstrengend, das Hobby „Shoppen“ erschließt sich mir auch weiterhin nicht.

Den weiteren Nachmittag mit Kochen verbracht und mit der Entwicklung von Pokémon – das Level 34 wird mich noch Monate beschäftigen.

Journal Mittwoch, 24. Mai 2017 – Asiatische Köstlichkeiten

Donnerstag, 25. Mai 2017

Geschäftiger Tag, weil kurz vor einer Großveranstaltung. Ich verspürte den dringenden Wunsch, am anschließenden langen Wochenende New York Cheesecake zu backen und kaufte auf dem Heimweg die Zutaten im Supermarkt. Abends Einladung in Haidhausen zu köstlichen gemischten asiatischen Leckereien: Suppe mit Wan Tans und Gemüse, gegrillte Spießchen mit Erdnusssoße, Gyoza mit Crispy Chili Sauce, Sago-Pudding mit Mango. Weil von befreundeten Menschen serviert, konnte Herr Kaltmamsell lange Listen anfertigen, welche Zutaten dafür er wo kaufen kann.

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Auch ich bin immer wieder erstaunt, wie schwer man an Informationen über den Anfang heute noch eingesetzter Technik (Kabelfernsehen) oder eben erst verschwundene Technik gelangt. Zum Glück gibt es das Techniktagebuch, dass unsystematisch, aber gründlich Lücken füllt. So hat Kathrin Passig herausgefunden, wie in den 1970ern der Donauwasserstand telefonisch abrufbar sein konnte – mit Hilfe von Siegfried Brunner vom Wasserwirtschaftsamt Deggendorf und Mario M. Knott vom Bayerischen Landesamt für Umwelt, Dienststelle Hof:
„1970er und 80er Jahre sowie 2017
Wasserstände von öffentlichem Interesse: Der Anrufbeantworter der Donau“

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Mit Interpretationen und Schlussfolgerungen wäre ich extrem vorsichtig, aber allein schon die belegbare Beobachtung überraschte mich: Donald Trump, also der Mann, der heute keinen einzigen englischen Satz gerade herausbekommt, war mal eloquent und klang gebildet:
„Trump wasn’t always so linguistically challenged. What could explain the change?“

Journal Sonntag, 21. Mai 2017 – Rosentag

Montag, 22. Mai 2017

Gestern war der 24. Rosentag – zum Glück hat der vertraute Blumenladen am Alten Südfriedhof auch sonntagvormittags geöffnet.

Seine Geschichte.
Meine Geschichte.

Herr Kaltmamsell hatte sich zur Feier des Tages gewünscht, Gaisburger Marsch kochen zu dürfen: Er kennt das Gericht (Rindssuppe mit Wurzelgemüse, Kartoffeln und Spätzle) von daheim.

Der Tag sonst: Morgens zu Fuß zum Ostbahnhof ins Sportstudio, dort eine Runde Crosstrainer und ein Stündchen Stepaerobic. Spaziergang zurück durch Sonne und warme Frühlingsluft. Nachmittags Siesta, Zeitunglesen, Bügeln.

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Die Redaktion des Techniktagebuchs sammelt Folgen der Pokémonfangerei:
„Alles unter 2 km ist 0: Eine Pokémon-Zwischenbilanz“.

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Patrick Bauer nimmt Abschied von einer Partei, auf die auch ich einmal Hoffnung gesetzt hatte:
„Danke für die Störung, Piraten“.

via @ankegroener

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Apropos Anke Gröner: Zu meiner großen Freude hat sie die Freude am Draußenbewegen entdeckt. Trotz massiver Hindernisse.
„Mein rechter Fuß“.

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Und noch eine Bloggeschichte, diese zum Hinter-die-Ohren-schreiben:
„Aufforderung zum Tanz“.

(Vorsatz: Mich öfter verschenken.)

Journal Freitag/Samstag, 19./20. Mai 2017 – Schwieriges Bewegungstracken

Sonntag, 21. Mai 2017

Freitag war nochmal ein heftiger Arbeitstag.
Der Wetterumschwung, den ich für Donnerstagabend erwartet hatte, kam am Nachmittag: Dräuende Wolken, Unwetterwarnung, Temperatursturz. Auf dem Heimweg war es für meine kurzen Ärmel bereits deutlich zu frisch.

Herr Kaltmamsell hatte zum Nachtmahl aus Ernteanteil ein köstliches Spinat-Kartoffel-Curry mit Chapatis zubereitet.

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Am Samstagmorgen hatte sich das Wetter beruhigt, es war lediglich noch sehr kühl. Da ich keine Lust hatte zu bloggen, kam ich schon um neun zu meinem Isarlauf los:

Freitagabend hatte ich festgestellt, dass meine Bewegungs-App Moves nach dem donnerstäglichen Update nicht mehr funktionierte: Sie startete erst nach mehrfachen Versuchen, nur damit ich dann feststellte, dass meine Bewegungen nicht getrackt wurden. Das bestätigte sich auch nach Neuinstallation am Samstag: Moves kriegte nichts mehr mit und stürzte bei neun von zehn Startversuchen ab.

Also installierte ich doch Runtastic. Eine ganze Weile war ich damit beschäftigt herauszufinden, wo ich Meldungen und Benachrichtigungen ausschalte. Die Newsletterfunktion konnte ich erst nach den ersten erhaltenen wegklicken. Ich nehme an, dass ich wie bei Facebook erst über Wochen durch unerwünschte Mitteilungen auf die Spur ihrer Abmeldung komme.

Nach mittäglichem Frühstück ging ich in die Fußgängerzone für Einkäufe: Ich brauche zwei Paar Sandalen (ein Paar für Langstrecken – die alten sind eigentlich schon seit zwei Jahren nicht mehr vorzeigbar, ein Paar rote – die letztjährigen aus Brighton sind bereits kaputt), außerdem wollte ich mich nach einer wohlduftenden, edlen Körperlotion erkundigen. Doch ich kam nicht weit: Marienplatz und angrenzende Straßen waren für Fußballfans reserviert (das erklärte die Fußballspielerverkleidungen, die mir bereits auf dem Hinweg aufgefallen waren), ich hätte riesige Umwege laufen müssen, um zu den angestrebten Geschäften zu gelangen. Zähneknirschend verschob ich meine Einkäufe auf den freien Freitag, mein Groll auf das sensationell erfolgreiche Fußballmarketing der vergangenen 20 Jahre wuchs weiter.

Nachmittags so schnell wie möglich Eduardo Mendoza, Peter Schwaar (Übers.), Katzenkrieg ausgelesen – wieder ein Reinfall: Einerseits seitenweise ermüdende Darlegungen der politischen Lage in Madrid kurz vor Ausbruch des Bürgerkriegs (verbrämt als Unterhaltung zwischen den Beteiligten oder gleich als Reden in politischen Versammlung), andererseits eine Handlung, deren Melodramatik mit Gefühlen nur in Extremen den englischen Romancen des 18. Jahrhunderts Konkurrenz machte.

Da der Rosentag dieses Jahr auf einen Sonntag fällt, zogen Herr Kaltmamsell und ich das Festessen dazu vor: Wir gingen ins Vinaiolo aus (die eigentlichen Wunschrestaurants waren bereits ausgebucht gewesen). Gut gegessen in schöner Umgebung.

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Sehr schöne Aktion, die auch mich ach so liberale weiße Großstädterin ihrer rassistischen Stereotypen überführt.
„These Profound Photos Masterfully Turn Racial Stereotypes On Their Head“.

Am falschesten sieht für mich das Fußpflegefoto aus – vielleicht weil es am ehesten mit meiner Lebenswirklichkeit zu tun hat?

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Musik zum Sonntag – ich habe mich sehr gerne erinnert.

Legendäre Reime.

Journal Dienstag, 16. Mai 2017 – Positive Überraschung

Mittwoch, 17. Mai 2017

Von einer Brüllamsel aus unruhigem Schlaf gerissen worden.
Da zeitlich keine Stunde Langhanteltraining in Gruppe drin war, trieb ich eine halbe Stunde Gymnastik mit Kelli und Daniel vor dem Fernseher.

Frühling, aber so richtig.

Positive Überraschung in der Arbeit, abends fix und fertig heimgekommen. Herr Kaltmamsell kochte: Eine ausgezeichnete Suppe aus den Ernteanteil-Pastinaken aus der Lameng, als gelungenes Experiment Halumi-Piccata (der Mann kann wirklich kochen). Ich hatte auf dem Heimweg große Berge Supermarkt-Schokolade besorgt, Teile davon waren Nachtisch. Früh ins Bett, beim Herablassen der Rollläden war der Himmel noch nicht ganz dunkel.

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Fräulein Read On hat mit dem Zündfunk über ihre Aufklärungsklasse für Flüchtlinge gesprochen – und die Reaktionen darauf:
„Let’s talk about sex“.

Journal Donnerstag, 11. Mai 2017 – Anschwimmen

Freitag, 12. Mai 2017

Genuss eines weiteren Urlaubstags, und dann schien auch noch die Sonne.
Ich genoss, dass ich wieder wie gewohnt nach dem Aufstehen in weiche Schlumpfklamotten schlüpfen konnte und den ernsthaften Tagesanfang mit Duschen und Anziehen steifer Draußenkleidung auf nach Kaffee, Bloggen, Internetlesen verschieben. Auch das ein Argument gegen Hotelübernachtung und für Ferienwohnung.

Bei meiner Sportplanung ließ ich mich von der Wettervorhersage leiten: Gut 20 Grad Höchsttemperaturen kurz nach Mittag? Da konnte ich doch ins Schyrenbad zum ersten Draußenschwumm des Jahres antreten. Ich ließ mir also von Herrn Kaltmamsell vor seinem Aufbruch in die Arbeit den Rücken mit Sonnenmilch eincremen, entwickelte Pokémon (Level 34!) und zog meine Einkaufsrunde vor – um den Temperaturen genug Zeit zum Steigen zu geben.

Für meinem Spaziergang zum Schyrenbad waren mir dann tatsächlich kurze Ärmel warm genug.

Durch den Südfriedhof.

Ans glitzernde Schwimmbecken.
Es schwamm sich gut im fast leeren Becken, auf den dritten tausend Metern zickte allerdings wieder der Schultergürtel. Vielleicht doch nach einem Rückenkraulkurs recherchieren.

Sport macht schön.

Wacholderdrosselfamilie in den Isarauen, wo ich sie oft beim Laufen höre.

Auf dem Heimweg holte ich mir noch heimische Bioerdbeeren, mit Bananen, Sahnequark und Joghurt wurden sie mein Frühstück. Um halb vier.

Die Süddeutsche des Tages las ich auf dem Balkon, abends machte ich mir Spargel satt (Herr Kaltmamsell war aushäusig.)

Wie, „dazu“?

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Morgens schrieb mich die Stadt München an und fragte ob ich zur Bundestagswahl im September wieder als Wahlhelferin verfügbar sei. Bin ich, kann ich als Erlebnis sehr empfehlen.

Wenn Sie auch möchten: Hier können Sie sich anmelden.

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Wie werden Jungtiere im Zoo gewogen? Auf Twitter gibt es eine kleine Fotoreihe (die Eule! der Panda!).