Essen & Trinken

Journal Mittwoch, 10. April 2019 – Pizza und die Wirksamkeit von Selbstverpflichtung statt Quote

Donnerstag, 11. April 2019

Sehr müde aufgewacht. Ich brauchte bis nachmittags, um richtig da zu sein.

Ein grauer, kühler Tag, nicht mehr mild.

Doch nochmal Menstruation. Seit Jahren denke ich bei jeder, das könnte doch jetzt mal die letzte sein. Diesmal kam ich mit ein paar Tagen PMS-Brustschmerzen davon – er kann es noch, der Zyklus. Zumindest werden die Abstände länger. Und um Krämpfe bin ich die letzten Male auch rumgekommen.

Auf dem Heimweg kam ich wieder an diesem Wohlplakat vorbei, wieder lächelte ich.

Ich finde, Die Partei hat der Europapolitik gut getan und sich deutlich konstruktiver als nur als Hofnarr gemacht, der halt alles sagen darf, auch mal die Wahrheit.

Im Vollcorner eingekauft: Birnen, gemischte Nüsse fürs Büro, Darjeeling, Dickmilch, Joghurt.

Langsamer Abschied von der Magnolienblüte.

Zum Nachtmahl durfte ich aus dem Dienstagabend angesetzten Teig Pizza machen (sonst hat Herr Kaltmamsell meist schon andere Ideen ausgebrütet, bis ich den Vorschlag Pizza anbringen kann).

Schmeckte gut, das nächste Mal Temperatur auf 280 Grad hoch und von Anfang an in der Mitte einschieben – dann könnte auch der Teig richtig gut werden.

§

Vielleicht erinnern Sie sich: Die damalige Familienministerin Kristina Schröder hatte 2011 eine Frauenquote für DAX-Konzerne abgewendet, indem sie eine freiwillige Selbstverpflichtung einführte, nach der Konzerne eine „verbindlicher Zielvorgabe“ für Frauenbeteiligung in ihren Vorständen vorlegen müssen. Sie hatte sich gegen die damalige Arbeitsministerin Ursula von der Leyen durchgesetzt.

Die Albright-Stiftung hat sich diese Zielvorgaben für 2019 angesehen und festgestellt, dass zahlreiche Konzerne die verbindliche Selbstverpflichtung erfüllen, indem sie als Zielvorgabe einfach Null eintragen. Keine Pointe.

Und das geht quer durch alle Branchen und Unternehmensarten, da können sie sich noch so hip und offen geben. Sogar das Handelsblatt meint:
„Start-ups sollten auch bei der Frauenquote Vorreiter sein“.

via @fraeulein_tessa

Die Gründer, alles junge, weiße Turnschuhträger, können sehr schön präsentieren, wie sie mit ihren Produkten die Welt, mindestens aber eine ganze Branche revolutionieren wollen. Sie scheren sich nicht um Dresscodes oder übermäßige Regeln. Wenn sie es nicht schaffen, ein längst überholtes Rollenmodell umzukrempeln, wer denn dann?

(…)

Gründe dafür gibt es viele. Einer davon ist, dass auch die Geldgeber zum überwiegenden Teil männlich sind. Die Investoren waren früher oft selbst Gründer, sie haben an den gleichen Unis studiert wie die Männer, an deren Ideen sie glauben. Sie vermitteln einander Deals, Jobs und das gute Gefühl, es schon alles richtig zu machen. Es ist ein Buddy-Netzwerk, so, wie das bei ihren Vätern schon war.

Sie können nichts dafür, sagt die Psychologie, es ist der „unconscious bias“, der Männer und übrigens auch Frauen in Stereotypen denken lässt. Aber, Moment mal: Wer eine Künstliche Intelligenz programmieren kann, der wird doch wohl einen Bias in den Griff kriegen.

Der muss doch begreifen, dass er auch die Frauen braucht, wenn er die besten Ergebnisse erzielen will. Und dass er die Guten nur gewinnt, wenn er eine Kultur schafft, in der sie sich wertgeschätzt und beteiligt fühlen. Und auch auf der obersten Ebene repräsentiert sehen.

§

Den Klimawandel zu bremsen oder gar zu stoppen, wird sich auf viele unserer Annehmlichkeiten auswirken. Der Spiegel hat die Geldseite von einigen ausgerechnet:
„Forderungen von „Fridays for Future“
Langstreckenflüge würden bis zu 2000 Euro teurer“.

Fernreisen, Benzin, Fleisch: Die von „Fridays for Future“ geforderte CO2-Steuer würde klimaschädliche Güter drastisch verteuern. Was würde das für Verbraucher bedeuten?

§

Jetzt aber noch was Schönes: Es gibt eine Web-Application, die alle blühenden Bäume in Washington anzeigt.

Journal Dienstag, 9. April 2019 – Maja Lunde, Die Geschichte der Bienen

Mittwoch, 10. April 2019

Wieder sehr gut geschlafen, selbst nach einem Klogang Viertel nach fünf nochmal bis sechs tief eingeschlafen.

Nach einem Arbeitstag mit viel Manuellem in milder Luft nach Hause spaziert. Dieser Frühling hat nach zwei Jahren Sommer im März und April endlich wieder angemessene Temperaturen, es wärmt sich langsam und mit Rückschlägen auf.

Daheim nur kurz pausiert und gewerkelt, dann mit Herrn Kaltmamsell zum Treffen unserer Leserunde spaziert. Es gab wieder gut zu essen.

Frühlingssalat mit gekochten Kerndln, Spargel und Karotten aus dem Ofen mit Knusperpolenta und Ziegenkäse.
Wichtiger Nachtrag: Dazu gab es großartige Geschichten über Autounfälle und Polizeibegegnungen in Deutschland und Australien.

Geredet wurde über Maja Lunde, Ursel Allenstein (Übers.), Die Geschichte der Bienen, das ich in England gelesen hatte – an einem Tag, denn es sieht nur dick aus, hat aber wenige Buchstaben pro Seite. Und ist inhaltlich dann doch dünner, als man bei der Beschreibung vermuten möchte: Drei Bienengeschichten zu drei verschiedenen Zeiten werden ineinander geschoben. Eine spielt in der Viktorianik und dreht sich um einen Ich-Erzähler, der ein neuartiges Bienenhaus entwickelt. Die zweite spielt in unserer Gegenwart in den USA bei einem hauptberuflichen Bienenzüchter, der das Aussterben der Bienen miterlebt. Die letzte in einer nicht zu fernen Zukunft in einem dystopisch gemeinten China, in dem alle Arbeitskraft in das manuelle Bestäuben von Blüten gesteckt wird, damit die Bevölkerung nicht verhungert.

Wozu diese Handlungsstränge abwechselnd erzählt werden, erschloss sich mir nicht, denn sie beleuchten einander nicht (erst am Schluss stellt sich heraus, wodurch sie zusammenhängen, und selbst dann wird das nicht ganz klar), man hätte sie auch hintereinander hängen können. Und dann sind die Szenerien und vor allem die Personen platt und holzschnittartig. Als Leserin rollte ich nicht nur über die Kurzsichtigkeit der Ich-Protagonisten die Augen, sondern auch über die plumpe Vermittlung derselben. Sogar ärgerlich machte mich die Schilderung des Zukunfts-Chinas: In der zweiten Hälfte dieses Handlungsstrangs soll ein oppressiver Staat geschildert werden – der allerdings in seinem Totalitarismus hinter dem heutigen China zurücksteht und im Grunde das Individuum freier sein lässt als heute. Das wies für mich auf eine peinliche Unkenntnis bestehender Verhältnisse hin.

Der Empfehler des Buches blieb bei seiner Empfehlung, der Rest der Runde war sich einig, dass der Roman überflüssig ist. Aber: Jetzt habe ich auch mal norwegische Literatur gelesen.

Nächtlicher Spaziergang nach Hause, immer noch in angenehm milder Luft.
Daheim noch Pizzateig mit wenig Hefe für Mittwochabend angesetzt.

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Don Reisinger entdeckt, dass das Internet aus Menschen besteht:
„I Thought I Understood Facebook. Then My Dad Died“.

via @tknuewer

Wir uralten Hasen des Pleistozän-Web wissen das. Es ist rührend zu lesen, wie jemand das nachträglich erkennt.

Journal Montag, 8. April 2019 – Grau mit Fehlern

Dienstag, 9. April 2019

Gut und schmerzfrei geschlafen! Früher Wecker für Frühsport, der dann auch angemessen anstrengend war.

Der Tag war grau und kühl, die meiste Zeit brauchte es im Büro künstliches Licht.

Zu Mittag ein gewaltiges Butterbrot aus dem sonntags gebackenen Laib; genau so stellte ich mir etwas vor, das woanders „Butterbemme“ heißt.

Nachmittags festgestellt, dass ich in der Vorwoche einen Fehler gemacht hatte; wo genau ich mich verhauen hatte, kann ich nicht sagen, aber das Resultat war ein Serienbrief, der mit der falschen Adressdatei verknüpft war (die aber den richtigen Namen trug). Nichts, was nicht korrigierbar wäre, aber ausgesprochen unangenehm, noch dazu nicht nur für mich.

Auf dem Heimweg noch schnell meine Referenzkirschbäume fotografiert, bevor sie Blütenblätter regnen.

Daheim große Lust auf einen Schluck Wein; es wurde ein spanischer Macabeo. Herr Kaltmamsell verarbeitete den Sellerie aus Ernteanteil zu Schnitzeln, ich komplettierte den am Vorabend hergestellten Kartoffelsalat (Kartoffeln aus Ernteanteil) mit zugekaufter Gurke. Die selbst angebaute Petersilie mischte ich auch unter – eine gute Idee.

Früh ins Bett, um noch zu lesen.

Journal Sonntag, 7. April 2019 – Ruhetag mit Brotbacken

Montag, 8. April 2019

Müde aufgewacht, diesmal hatte ich bis zwei Uhr morgens vor Beinschmerzen nicht einschlafen können.

Zu einem sonnigen Tag aufgestanden, erst mal Brotteig geknetet. Ausführlich und mit Hintergrundrecherchen gebloggt, dazwischen um den Brotteig für einen 7-Pfünder gekümmert.

Sehr gut gelungen. Drei Viertel davon fror ich ein.

Geplant hatte ich eine Schwimmrunde, doch dann sehnte ich mich doch mehr nach Ruhe und Zeit fürs Bügeln und Lesen.

Aus dem Haus ging ich nur, um Semmeln fürs Frühstück zu holen. Danach also Bügeln, Apfeltaschenbacken (ich hatte noch Blätterteig im Kühlschrank), Wochenendzeitung mit Blick auf Balkon – trotz leicht bewölkter Sonne war es zu kühl für offene Balkontür.

Zum Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell Biergulasch mit Böhmischen Knödeln.

Als Abendunterhaltung schalteten wir zu Hitchcocks Über den Dächern von Nizza – außer den Kleidern von Grace Kelly und der Eleganz von Cary Grant deutlich weniger gut, als ich ihn in Erinnerung hatte – da halfen all die schönen Bilder von der Riviera nichts (superplumpes Drehbuch).

§

Bei Spiegel online ein Interview mit Andreas Knie, dem Leiter der Forschungsgruppe Wissenschaftspolitik am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB).
„‚Parken müsste 15 Euro am Tag kosten. Jeden Tag'“.

Knie: Die Menge der Radfahrer hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Die Radwege sind nur ein paar Prozent mehr gewachsen. Wir haben Staus auf Radwegen, wir erzeugen praktisch täglich gefährliche Situationen.

SPIEGEL ONLINE: Also ist das Auto als Verkehrsträger in Deutschland in der Planung überrepräsentiert?

Knie: Viel zu stark. Wir kommen aus einer Rechtsordnung, in der das Auto immer Vorrang hat. Den müssen wir ihm nicht überall, aber in vielen kleinteiligen mobilen Welten nehmen. Das heißt, es muss mehr Platz für andere Verkehrsteilnehmer geschaffen werden und diese Verkehrsteilnehmer müssen sich dann wiederum auch an Regeln halten – in diesem Fall die Radfahrer.

Journal Samstag, 6. April 2019 – Wandern am Starnberger See um Berg

Sonntag, 7. April 2019

Von langer Hand hatte Herr Kaltmamsell einen Wochenendtag von Arbeit freigeschaufelt, damit wir endlich mal wieder wandern konnten. Ich bat um den Samstag, denn am Samstagen ist erfahrungsgemäß deutlich weniger auf den von München gut erreichbaren Wanderstrecken los als an Sonntagen. (Die Größe meiner Erleichterung, dass die Wanderhose mindestens so bequem saß wie vor einem halben Jahr, war mir peinlich, aber halt unausrottbar.)

Ich hatte länglich geschlafen, was auch deshalb gut war, weil mich Beinschmerzen lang nicht hatten einschlafen lassen. Benebelt fühlte ich mich dennoch.

Kurz vor zwölf nahmen wir eine S-Bahn hinaus nach Starnberg: Ich hatte eine Runde um Berg herausgesucht. Seit Oskar Maria Grafs Das Leben meiner Mutter hatte ich mir die Gegend ansehen wollten. Wegbeschreibung gab es keine, doch die GPS-Karte auf dem Smartphone reichte – wir waren ja nicht in Wildnis unterwegs.

In der Bahn frühstückten wir Laugenzopf und Nussschnecke, bei Ankunft war das Wetter sonnig, auch wenn über dem See Dunst hing. Mir fiel auf, dass ich noch nie am Bahnhof den Weg links um den See eingeschlagen hatte.

Wir kamen an vielen hübschen Häusern vorbei, an schönen Ortsnamen wie Percha und Leoni. Letzteres ist bereits ein Ortsteil von Berg; da der Name für die Gegend doch recht ungewöhnlich ist, recherchierte Herr Kaltmamsell dessen Ursprung. Und siehe da: Anfang des 19. Jahrhunderts hieß die Siedlung noch Assenbuch. An einer Stelle, an der das Ufer im Bogen in den See ragte (der damals noch Würmsee hieß), ließ Staatsrat Franz von Krenner ab 1810 eine Villa errichten, die er nach seinem frühen Tod dem verehrten Bassisten der königlichen Hofoper Giuseppe Leoni vermachte. Leoni baute die Villa in eine Pension mit Gasthaus um.

Leoni stellte sich als talentierter Gastwirt heraus und seine Frau Rosina war eine bemerkenswerte Köchin, der ihr Mann wohl die hohe Kunst der italienischen Küche beigebracht hatte. Bald kamen viele Gäste aus der Residenzstadt München angereist um am Starnberger See zu speisen.

Durch den technischen Fortschritt der Zeit (Kutschen erreichten Geschwindigkeiten von bis zu 4 Stundenkilometern!) war der Ort ja von München aus mittlerweile in gerade mal fünf Stunden zu erreichen.

Es verging nicht viel Zeit bis man im allgemeinen Sprachgebrauch nicht mehr in die Assenhausener Puech oder nach Assenbuch fuhr um erstklassig zu essen, sondern nach „Leonihausen“ oder einfach und kurz „Zum Leoni“. Beide Namen waren eine Ehrerbietung an das Wirtepaar und das hervorragende Essen, welches serviert wurde. Der Name „Zum Leoni“ setzte sich in den Köpfen der Gäste und der Einheimischen derart fest, dass der Ort viele Jahre später auch offiziell in Leoni umbenannt wurde. So wurde aus der Assenhausener Puech und Assenbuch Leoni.

Orte, die nach Wirtschaften benannt sind – das gefällt mir, siehe Münchner Stachus.

Essen planten wir erst am Schluss unserer Runde, am Ufer bis Leoni waren wir vor allem mit schönen Ausblicken und Mückenschwärmen beschäftigt. Wir erinnerten einander mehrfach daran, dass im derzeitigen Insektensterben jeder Mückenschwarm Grund zur Freude ist, mussten uns aber schon mit Anstrengung und viel Gefuchtel zu dieser Freude zwingen.

Wir wanderten vergnügt, besichtigten die Votivkapelle und die Stelle, an der König Ludwig II. 1886 tot aufgefunden wurde, den mächtigen Bismarckturm (?!) überm See, spazierten gemütlich durch Dörfer, grüßten Pferde, Laufenten, Stare, Spatzen, Reiher und viele, viele blühende Bäume. Die Temperaturen waren hoch genug für kurze Ärmel, nur auf windigen Anhöhen griff ich zur Jacke. Selbst lief ich locker und nur am Ende mit Schmerzen, Herrn Kaltmamsell, der nicht ganz so gut im Training ist wie ich, schnaufte an der einen oder anderen Stelle ein bisschen mehr.

Vergangenes Jahr hatte ich daran gedacht, dieses Jahr schon wieder nicht: Auch im April erzeugt Sonne Sonnenbrand. Ungecremt leuchtete die Haut abends im Ausschnitt rot.

Querfeldein-Radelnde kamen uns nur selten ins Gehege, das lag aber sehr wahrscheinlich an der Jahreszeit: Im Sommer würde ich die größten Teile der Runde eher nicht gehen wollen, sie sehen nach Radlerrennbahn aus.

Für die abschließende Brotzeit steuerten wir nach gemessenen 24 Kilometern und fünf Stunden Gehzeit mit zwei Pausen in Starnberg den Tutzinger Hof an, den wir in sehr guter Erinnerung hatten und den wir ob seiner vielfältigen Speisenkarte von vegan bis fleischig deftig und ob seiner aufmerksamen Umkümmerung wieder empfehlen können.

ÖPNV-Starren.

Mückenschwärme bedeuten wohl auch: Festmahl für die Spinnen in Leoni.

Votivkapelle St. Ludwig

Bismarckturm in Assenhausen. Jetzt weiß ich also, dass Bismarck in München eine riesige Fangemeinde hatte, zu der unter anderem Franz von Lenbach gehörte.

Pause in einer Kapelle hinter Aufhausen. Ihre Schradligkeit und Vernachlässigung erzählte mir mehr von Volksfrömmigkeit im Lauf der Zeiten, als es jede der vielen prächtig aufgerüschten Kapellen im Oberbayern könnten.

Klosteranlage Aufkirchen.

Oskar Maria Graf-Denkmal vor der Oskar Maria Graf-Volksschule in Aufkirchen.

Auf dem Borttzeitbrettl für zwei war die Sensation der Obatzte, den ich hiermit zum besten (für meinen Geschmack) jemals erkläre: Grob stückig ganz offensichtlich selbst gebatzt, frisch und fast schon leicht, fein abgeschmeckt. Neuigkeit seit unserem letzten Besuch hier: für jeden ein Minilaib frisch gebackenes Sauerteigbrot.

Am Nebentisch ein höchstwahrscheinlich erstes Date. Beide Parteien ausgesprochen wohlwollend auf der Suche nach einem gemeinsamen Thema. Begeisterte Erzählungen von Vorlieben bei Film und Fernsehen – die das Gegenüber jeweils nicht kannte, dennoch versuchte, die Begeisterung ernst zu nehmen und nachzuvollziehen. Austausch von Koordinaten wie Herkunft und Berufsweg. Ich habe sowas ja nie gemacht, nehme aber an, solche Dates sind immer so anstrengend?

Gemütliche Rückfahrt mit der S-Bahn und schönen Anblicken vor dem Fenster, daheim Wäscheaufhängen, Ansetzen von Brotteig, Internetlesen.

Journal Donnerstag, 4. April 2019 – Fahrende Küche

Freitag, 5. April 2019

Noch vor dem Weckerklingeln aufgewacht, aus einem Traum, indem ich erfreulicherweise Fräulein ReadOn begegnete, allerdings auch zweimal eine Ratte über meinen Büroschreibtisch rannte (ich verständigte im Traum die Haustechnik).

Jetzt war der Temperatursturz eingetreten, ich hätte auf dem Weg in die Arbeit eine Mütze vertragen.

Auch in dieser Saison startet der Circus Krone sein Tourneeprogramm in der Heimat München auf der Theresienwiese. Das Zelt steht schon seit Wochen, gestern war Premiere. Und zu den Wagen, die nach und nach dazukamen, gehört seit einige Tagen die Zirkusküche. Sie steht am Rand, so dass ich morgens auf dem Weg in die Arbeit hineinsehe: Schon vor acht werden Schnitzel geklopft, wird Gemüse vorbereitet.

Zirkusleben kenne ich ja nur aus Kinderbüchern und Lokalzeitungsreportagen (kann es sein, dass letztere ein wenig aus der Mode gekommen sind?). Doch ein Zirkuswagen als Küche hat schon einen besonderen Zauber, vor allem wenn er so schön altmodisch aussieht. Eine Reportage über fahrende Zirkusköchinnen läse ich arg gerne.

In der Arbeit ein ziemlicher Tag. An dessen Ende ich fast jemanden gehauen hätte, weil er das Pech hatte, der eine zu viel zu sein. Für einen Job versteckte ich mich in einem leeren Fremdbüro, um mich wenigstens zehn Minuten darauf konzentrieren zu können.

Nicht alles geschafft, trotzdem Feierabend gemacht.

Zum Nachtmahl gab es Asiasalat und Radieserln (!) aus Ernteanteil, gekochte Eier und Käse, dazu einen Gin Tonic. Nachtisch war ein Eis der Geschmacksrichtung Schwarzer Sesam, das ich im Asiasupermarkt entdeckt hatte: Gut!

§

Eva Galperin geht ein vernachlässigtes Kapitel des Themas Computersicherheit an: Digitale Gewalt, häusliche digitale Gewalt.
„Hacker Eva Galperin Has a Plan to Eradicate Stalkerware“.

Eintrag ins Vokabelhaft: „spouseware, or stalkerware“.

Ahead of her talk, Galperin has notched her first win: Russian security firm Kaspersky announced today that it will make a significant change to how its antivirus software treats stalkerware on Android phones, where it’s far more common than on iPhones. Rather than merely flag those spy apps as suspect but label them with a confusing „not a virus“ message, as it has for most breeds of stalkerware in the past, Kaspersky’s software will now show its users an unmistakeable „privacy alert“ for any of dozens of blacklisted apps, and then offer options to delete or quarantine them to cut off their access to sensitive information.

via @hatr

§

Im New Yorker hat Miriam Posner untersucht, wie sich Enterprise Ressource Planning-Systeme (Marktführer: SAP) auf das Arbeitsleben auswirken, vor allem in der Produktion. Dafür hat sie unter anderem einen 40-Stunden Online-Kurs in SAP belegt.
„The Software That Shapes Workers’ Lives“.

In such a system, a sense of inevitability takes hold. Data dictates a set of conditions which must be met, but there is no explanation of how that data was derived; meanwhile, the software takes an active role, tweaking the plan to meet the conditions as efficiently as possible.

Wenig überraschendes Ergebnis: Arbeitsteilung auf einer neuen Ebene, die nochmal ein paar Stufen entfremdeter ist.

Could S.C.M. software include a “workers’-rights” component—a counterpart to PP/DS, incorporating data on working conditions? Technically, it’s possible. SAP could begin asking for input about worker welfare. But a component like that would be at cross-purposes with almost every other function of the system.

§

Weil weiterhin britische Parlamentarier Blödsinn über das Brexit-Referendum verbreiten, hat @EmporersNewC in einem großartigen Twitter-Thread und mit vielen Filmbelegen zusammengestellt, wie die Politik vor dem Referendum die Grundlagen für das Schlamassel gelegt hat.

Journal Montag, 1. April 2019 – Schlüsselblumen und Schminkverschmierung

Dienstag, 2. April 2019

Nachtrag zum Sonntagabend: In der Abenddämmerung die erste Fledermaus der Saison hinterm Haus gesichtet.

Montagmorgen erschlagen aufgewacht: Diesmal zu wenig Schlaf wegen Einschlafproblemen.

Sonniger aber sehr morgenfrischer Weg in die Arbeit.

Nächste Eskalationsstufe vor dem Theresienwiesenflohmarkt, das scheint ein Ritual zu werden.

Schlüsselblumen im Bavariapark, seit der Wanderung in den Cotswolds denke ich immer das englische cowslip mit.

Im Lauf des Vormittags stellte ich fest, dass ich dann doch ein kleines (wirklich kleines) Schminkproblem habe: Nach der vierten Anwendung erkenne ich einen typischen Verlauf (hihi: Verlauf). Zu dem wenigen, womit ich mich schminke, gehört flüssiger Lidstrich. Ich bin leider zu blöd für alle Werkzeuge zum Auftragen außer einem richtigen Pinsel; macht nichts, seit Jahren setze ich den Pinselstrich des Karlsfelder Herstellers Artdeco ein (buy local!). Als ich diesen letzte Woche nachkaufte, entdeckte ich, dass es ihn jetzt auch in der Geschmacksrichtung „waterproof“ gibt. Klang nach Fahrradtränen-Absicherung, kaufte ich. Doch leider, leider ist das Ergebnis auch beim vierten Einsatz nach nur wenigen Stunden eine Sauerei (Fachbegriff): Vielleicht ist er wasserfest, dieser Lidstrich, dann ist er halt nicht fettfest – er drückt sich großzügig auf dem Lid darüber ab, verteilt sich in den Augenwinkeln innen und außen, benötigt zur Entfernung beim Abschminken viele Tücher und grammweise Creme. Das war nix.

Müde benommener Arbeitstag. Mittagessen: Banane mit Joghurt, Marmorkuchen.

Auf dem Heimweg (kurzer Abstecher zum Vollcorner für Brotzeiteinkauf) Besuch bei meinen Referenzmagnolien.

Die Gästeliste für das große Fest füllt sich. Meine Haupangst „Oh mein Gott, es wird niemand kommen!“ legt sich.

Ernteanteil war weggegessen: Nachtmahl aushäusig. Ich hatte Lust auf TexMex, wir gingen in einen Laden an der Sonnenstraße – warum die Touristenfallen nur den Touristen überlassen.

Die Quesadilla war in Ordnung, der Cocktail stark.

§

Auch Hatice Akyün hat’s satt:
„Die Zukunft der Stadt muss autofrei sein“.

Unsere Kolumnistin ist in einem Mercedes groß geworden. Heute ist sie wütend über die vielen Autos in der Stadt.

Ja. Auch die Idee, das Autoabschaffen gezielt finanziell zu fördern – erst mal durch Streichung der finanziellen Förderung von Autoerwerb (welchen auch immer). („Aber die Arbeitsplätze!“ in drei – zwei – eins…)
Wieder der Hinweis von mir, wie Kopenhagen die Autos rausgekriegt hat: Indem der Autoerwerb mit bis zu 140 Prozent des Kaufpreises besteuert wird und eine exzellent Infrastruktur für urbane Mobilität ohne Autos geschaffen.

Letzthin wies Anne Schüßler darauf hin, dass für sie auch in einer Großstadt privater Autobesitz Komfort bedeutet:

Klar: Wie so vieles hängt das von persönlichen Prämissen und Prioritäten ab. Wenn die Priorität ist: Möglichst wenige Privatautos in der Stadt, weil das mehr Lebensqualität für die Mehrheit bedeutet – dann empfindet man möglicherweise eine längere Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Fahrrad nicht als Belastung. Selbst beschwert mich ja allein schon die Erinnerung an die tägliche Belastung des schieren Autobesitzes. Dieses riesige Ding unterbringen zu müssen, zu warten, zu füttern, zu versichern, zu behausen, schränkte mich so ein, dass ich Autolosigkeit als den Komfort empfinde, den für Anne Autobesitz darstellt.

Ja, mir werden Landgasthöfe und Wanderungen empfohlen, die nur mit Auto ohne großen Aufwand zu erreichen sind; die fallen halt einfach weg. Schmerzt mich nur sehr wenig, weil: Die Steigerung meiner Lebensqualität durch Autolosigkeit überwiegt.

Nur ist Aufgabe der Politik, in größeren Zusammenhängen zu denken: Wie soll die Mobilität der Zukunft aussehen, dass möglichst viele davon profitieren? Da mag eine einzelne (nicht Anne) eine tägliche U-Bahnfahrt als so unangenehm empfinden, dass sie sich lieber in einem riesigen SUV-Auto durch den Berufsverkehr staut. Doch sie verschlechtert damit halt Dutzenden Mitbürgerinnen und Mitbürgern deren Mobilität.

Sonntag vor einer Woche stand ich gerade in der Maxvorstadt mit meinem Fahrrad auf der Straße an einer roten Ampel, als mich aus dem offenen Beifahrerfenster eines Autos ein Herr höflich ansprach: „Entschuldigung, Sie tragen keinen Helm.“ Irritiert konstatierte ich: „Ja. Sie auch nicht.“ Er: „Ich sitze ja auch im Auto.“ Ich: „Das ist aber bedauerlich, dass Sie aufs Auto angewiesen sind.“
Ich weiß bis jetzt nicht, was das gewesen sein soll, klar wurde aber: Komplett verschiedene Prioritäten.


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