Essen & Trinken

Journal Samstag, 7. Mai 2022 – Regensamstag mit Drinnensport und Kochen

Sonntag, 8. Mai 2022

Alles aus dem guten Nachtschlaf rausgeholt: Beim Aufwachen kurz nach fünf den Rollladen ganz heruntergelassen, um Nacht zu spielen, bis fast acht Uhr geschlafen. Im letzten Abschnitt träumte ich dabei höchst interessant: In einem Traum war ich Personenschützerin/Personal Assistant von Ursula von der Leyen, die mich “altklug” rügte. In einem anderen hatte ich Laurie Penny zu Besuch in München, ging mit ihr Essen, konnte aber leider nicht mit Tipps zum Nachtleben helfen. Und in einem weiteren geriet ich auf der Suche nach irgendwas in einer gotischen Kirche in einen Erstkommion-Gottesdienst und versuchte nicht zu stören. Danke, Unterbewusstsein, da war ja so richtig was geboten!

Als ich den Schlafzimmer-Rollladen hochzog, blickte ich auf regennasse Straßen. Doch der Himmel schien aufzuhellen. Ich startete Bettzeug-und-Handtücher-Waschmaschinen, bloggte über meinem Milchkaffee. Sportplan für gestern war Schwimmen im Olypmpiabad, so weit und lange mich eventuelles Frieren und Krampfen halt ließen. Doch nach Aufhängen der ersten Waschmaschinenladung setzte ernsthafter Regen ein, der laut Regenradar auch bis Mittag nicht aufhören würde. Radeln mochte ich so nicht, auf U-Bahn zum Olympiapark hatte ich auch keine Lust. Gleichzeitig konnte ich mir keinen Samstag mit ungenutzter Sportgelegenheit vorstellen.

Es wurde dann eine 90-Minuten-Folge Fitnessblender mit einmal alles. Die knappe Stunde HIIT (High Intensity Interval Training) absolvierte ich lieber in Low Impact: Ich erinnerte mich, dass mir beim ersten Durchturnen dieser Nummer vor Jahren von dem vielen Wechseln zwischen Bodenlage und Hochhüpfen schlecht geworden war. Mit nur wenig Springen hatte ich damit genauso wenig Probleme wie mit dem Hantel- und dem Rumpfteil. Inklusive zusätzlichem Warm-up, Werbepausen und Unterbrechung für Wäsche-Aufhängen (so sportlich wie möglich) kam ich auf zwei Stunden Training und war ordentlich durchgeschwitzt.

Zum Semmelholen steuerte ich den Bäcker Wünsche in der Hofstatt an – den Wünsche kenne ich seit Kindertagen aus Ingolstadt, ist heute eine Großbäckerei in Gaimersheim – mit, wie ich gerade feststelle, rühriger Unternehmenskommunikation inklusive lebendigem und abwechslungsreichen Blog.

Auf dem Weg fiel mir ein, dass mir zum abendlichen Ossobucco der passende Wein fehlte (aus der Auswahl daheim wollte mir keiner wirklich dazu gefallen), also bog ich in den Delinat-Laden in der Kreuzstraße. Der Herr darin nahm sich sehr viel Zeit mich zu beraten und mit mir fachzusimpeln, er ließ mich drei Vorschläge probieren (auf nüchternen Magen und nach zwei Stunden Sport ein echter Knaller), und so kam ich mit je einer Flasche spanischem Gewürztraminer/Muskateller Viña Llopis (den gibt’s zum nächsten Curry oder Kreuzkümmel) und südfranzösischem Chardonnay Limoux Delmas (zum Ossobuco) raus sowie einer Weinbar-Empfehlung.

Daheim gab’s angeschickert Semmelfrühstück und eine Orange. Nein, daytime drinking ist echt nichts für mich, die Wirkung des Alkohols (von drei Probierschlücken) empfand ich als unangenehm. Seit einiger Zeit mag ich ja auch unter der Woche abends keinen Alkohol – vor allem weil ich lieber klar im Kopf nach Feierabend lese, gucke, halt wahrnehme. Freitagabend, oft auch Samstag genieße ich die entspannende Wirkung, das Feiern, das Freihaben. Am liebsten, so wurde mir klar, mag ich Alkohol als Teil von Geselligkeit: Im Restaurant mit Herrn Kaltmamsell, auf Familientreffen, auf Partys – als Bestandteil von Fröhlichkeit und Spaß mit Menschen (wobei er keineswegs im Umkehrschluss Bedingung dafür ist, all das geht auch ganz wunderbar ohne Alkohol). Ganz allein hatte ich schon seit Jahren keine Lust mehr darauf: Als ich mir zuletzt allein ein Glas Wein einschenkte, war ich richtig verärgert über die Benebelung.

Gestern war ich fürs Abendessen zu ständig, ich begann um halb fünf mit den Vorbereitungen des Ossobuco (die Zutaten hatte Herr Kaltmamsell schon am Freitag eingekauft). Während es im Ofen schmorte, las ich Wochenend-Zeitung.

Aperitiv war der Rest Maibowle, zum Schmorgericht servierte ich cremige Polenta.

Für mich beruhigend: Nicht nur war alles ausgezeichnet gelungen (ich kann es also noch), sondern hatte auch Spaß gemacht. Und der Wein war nicht nur eine echte Entdeckung (leichtes Holz und Rumrosinen in der Nase, dennoch Frische), sondern passte wirklich perfekt zum Gericht, entfaltete sich in der Kombination so richtig. Es passte nur noch wenig Schokolade hinterher.

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Unser Kartoffelkombinat ist mit acht zusätzlich gepachteten Hektar Anbaufläche weiter gewachsen und kann deshalb weitere Genossenschaftler*innen aufnehmen. Vielleicht wollen Sie sich das mal anschauen und solidarische Landwirtschaft in und um München ausprobieren? Unser Ziel ist ja nicht weniger, als Einfluss auf die Versorgungs-Infrastruktur der Millionenstadt München zu nehmen.

Hier sind Basisinformationen zum Mitmachen zu finden.

Warum ist das Kartoffelkombinat keine Gemüse-Abokiste? Warum machen wir die Dinge, wie wir sie machen? Wie hat alles angefangen und wo stehen wir heute? Diese Fragen beantwortet Daniel (kurz) in einem Video und (länger) in einem Podcast.

Video und Podcast gibt es hier.

Journal Freitag, 6. Mai 2022 – Hochzeitstagerinnerung

Samstag, 7. Mai 2022

Bis halb fünf richtig tiefer Schlaf mit nur einer Unterbrechung – das war schön.

Die Nacht hatte allerdings den blauen Himmel geschluckt, ich stand zu Regen auf. Auf den Weg in die Arbeit traute ich mich trotzdem ohne Schirm und bekam auch nur ein paar Tropfen ab. Zur Abwechslung nahm ich die Route um die Theresienwiese herum und fotografierte Frühlingsfest.

Gestern im Büro hatten ein paar der regelmäßigen Glutattacken eine solche Wucht, dass ich bei dem Ärger-/Gereiztheitsgefühl, mit dem sie sich bei mir ankündigen, ernsthaft mit mir schimpfte, WAS DENN JETZT SCHON WIEDER IST? (weil absolut kein Anlass zu Ärger oder Gereiztheit vorlag), und dass mich die eigentliche Glut zum Fenster stürzen ließ, um die kühle Regenluft zu nutzen.

Nach vielen Monaten mal wieder ein echter Fresstag: Ich machte früher Mittagspause, weil ich solchen Hunger hatte. Und dann reichten mir Pumpernickel mit Butter, Apfel und Birne nicht: Ich brauchte noch den Notfall-Flapjack aus der Büroschublade, damit ich mich satt fühlte.

Von meinem Bürofenster aus wirkt der Neubau am Heimeranplatz fast fertig, doch als ich ihn gestern aus einer ungewohnten Perspektive sah, erwies sich das als Irrtum.

Blitzartige Erkenntnis beim Blick aufs Datum, die zu dieser Twitter-DM an Herrn Kaltmamsell führte:

(Hier die Geschichte dazu.)

Freitäglich früher Feierabend. Für Espressobohnenkauf testete ich mal einen anderen Laden am Weg, geriet dabei an einen leicht g’schnappigen Verkäufer – und schon werde ich sicher nicht mehr dorthin gehen (ist in München wie mit Restaurants: das Angebot ist so groß, dass es keine zweite Chance gibt).

Daheim setzte ich sofort den Drink des Abends an: Maibowle. Dazu verwendete ich das Töpfchen Waldmeister vom vergangenen Jahr, das ich über den Winter gerettet und das erneut ausgetrieben hatte – allerdings so blass, dass ich dem Aroma der Blätter nicht recht traute (am Vorabend abgeschnitten und zum Antrocknen aufgehängt). Schmeckte dann tatsächlich auch nur sehr leicht nach Waldmeister.

Herr Kaltmamsell überrascht mich damit, dass er tatsächlich Flieder aufgetrieben hatte, endlich.

Denn aus den früheren Jahren hatten wir gelernt: Flieder wird an den Blumenstandeln deutlich vor der Fliederblüte angeboten, die wir am Wegesrand und in den Münchner Vorgärten wahrnehmen. Herr Kaltmamsell hatte sich also schon vor Wochen erkundigt – und bekam die Auskunft, es gebe noch keinen. Nun sehe ich schon seit drei Wochen in München den Flieder blühen, doch am Viktualienmarkt war keiner zu bekommen – bis gestern. Und wie der duftete!

Ich hatte gemütlich Zeit für eine Runde Yoga, turnte nochmal eine Morgen-Einheit nach Yogamour, tat gut. Dann gab’s Maibowle in der Küche, Herr Kaltmamsell kochte und briet, ich erzählte von meiner Arbeitswoche.

Nachtmahl war ein Stück Flat-Iron-Steak (ganz ausgezeichnet mit Erntenanteil-Wurzeln aus dem Ofen und grünem Mojo aus der Flasche. Nachtisch Eiscreme (Griechischer Joghurt mit Honig) und Osterschokolade.

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@mirabilia7 futtert sich derzeit durch die Gastronomie an der langen Rosenheimer Straße in München, hier auf Twitter Lokal für Lokal nachzulesen. Eine sehr charmante Idee – ob ich das mit der Lindwurmstraße versuchen könnte?

Journal Mittwoch, 4. Mai 2022 – Die vergessene Trinkflasche

Donnerstag, 5. Mai 2022

Noch eine Nacht mit reichlich Schlaf, auch wenn er nicht besonders tief war. Beim Aufwachen hatte der Regen aufgehört.

Auf der Theresienwiese sah ich sogar Pfützen in den un-asphaltierten Bereichen!

Bei Ankunft im Büro Bestürzung beim Auspacken meiner Brotzeit aus der Arbeitstasche: Ich hatte vergessen, zu meinen Sportsachen für den Abend die Wasserflasche einzustecken. Ein Teil meines Hinterhirns war also den ganzen Tag mit den riesigen und unzähligen daraus resultierenden Problemen beschäftigt (Einfach nichts trinken, so schlimm ist eine Stunde Crosstrainer bei kühlen Temperaturen nicht? In der Cafeteria eine Flasche Apfelschorle kaufen und mitnehmen? Ach nee, ist aus Glas, könnte ich bei meinem legendären Ungeschick zerdeppern. Kleinen Umweg auf dem Weg zum Verein über Supermarkt machen, dort Apfelschorle in Pfandplastikflasche kaufen?).

Über den Vormittag gut machbare Arbeit.

Mittags gab es Birnen sowie Sahnequark mit Dosenpfirsichen (Rest von vor zehn Tagen). Dazu nochmal Regen, hurra. Er prasselte mit Vehemenz gegen die Fenster, vielleicht wusch er endlich den Saharastaub vom März fort.

Ich machte pünktlich Feierabend für Crosstrainer-Strampeln im Verein, Umweg über Supermarkt für Getränkkauf. Auf der Fitnessgalerie hörte ich mit Blick auf ein Basketballtraining (was mich immer an meinen Basketballtrainer-Bruder denken lässt) den Podcast Fix und Vierzig:
“11. Was müssen wir über die Wechseljahre wissen, Sheila de Liz?”
Zwar habe ich dann doch ein deutlich anderes Frauenbild als die interviewte Gynäkologin/Bestsellerautorin, und ihre nicht-medizinischen Verallgemeinerungen über “die Frauen” stießen mir wie alle solche unangenem auf (Grüße von einer Mittfünfzigerin, die weiße, kurze Haare saucool findet, siehe Jamie Lee Curtis). Doch ich bekam einige Informationen aus Jen Gunter’s Menopause Manifesto aufgefrischt, werde meinen Termin bei einer weiteren Gynäkologin nächste Woche mit konkreteren Fragen und Bitten antreten. Und ich lernte, dass der Facharzt Gynäkologie keineswegs tieferes Wissen über Hormone umfasst, dass Gynäkolog*innen wohl nur für die Fortpflanzungsfunktion des weiblichen Körpers ausgebildet werden.

Während meiner Sporteinheit ging draußen ein weiteres Gewitter mit Hagel und heftigem Regen herunter, ich sah die Spuren beim Verlassen der Sporthalle, musste tiefen Pfützen ausweichen. In fortgesetztem Regen ging ich nach Hause und wurde mittelnass.

Herr Kaltmamsell servierte zum Abendessen Kartoffel-Käse-Brei Aligot mit gebratenen Paprikaschoten und grünem Spargel aus der Pfanne – ganz wunderbar. Nachtisch Osterschokolade, im Fernsehen ließen wir Twelve Monkeys laufen, Brad Pitt und Bruce Willis in Höchstform. Aber an einem Arbeitstagabend habe ich nicht die Ruhe für einen ganzen Spielfilm, ich ging gewohnt früh ins Bett.

§

Laurie Penny veröffentlicht ein Kapitel aus ihrem Buch Sexual Revolution zur kostenlosen Lektüre, weil die dort gesammelten Fakten (für alle führt sie Quellen an, in den Ausschnitten unten habe ich die Fußnoten entfernt) und Gedanken zur Abtreibungsdebatte erschreckend akutell und relevant geworden sind.
“Do women have a Right to Life?”

Every year, in Great Britain, 10,000 people are treated for post-traumatic stress disorder as a result of giving birth, and tens of thousands more are injured in the process of delivery. One study found that several months after enduring labour, 29 per cent of women had fractures in their pubic bones and 41 per cent had tearing and severe damage to their pelvic floor muscles. For human beings, pregnancy and childbirth are dangerous, risky, exhausting, terrifying and painful. Even with modern medical advances, about one woman in 10,000 still dies in childbirth, and many more will be permanently and seriously injured. Women frequently emerge from pregnancy and childbirth with permanent nerve damage, lifelong pain or PTSD. In context, that’s about the same risk an American soldier takes on when he or she signs up for a tour of duty in a foreign war. Pregnancy and childbirth are brutal. And forcing them on anyone against their will is barbaric.

(…)

As the debate about a woman’s ‘right to choose’ to terminate pregnancy rages around the Global North, as sadistic restrictions on abortion access continue to be written into law by all-male committees around the world, the physical realities of pregnancy and birth are almost never discussed.

The public conversation around abortion still centres on the question of whether a fetus has human rights, whether a fetus can feel pain, whether a fetus is a person. The question of whether a foetus is a person is unanswerable by science. The question of whether a woman is a person, however, is not up for debate – and it is female personhood and female pain that ought to decide the issue. Sometimes, though, men get together in a room to decide otherwise.

(…)

Criminalising abortion makes female sexual agency a crime. That is what it is designed to do. It is very much the point. Give the Tony Tinderholts of this world some credit for candor: they’ve openly said that what they care about isn’t protecting babies but punishing sluts who think they can just have sex without social consequences. Consequences that could well include dying alone and in pain after a botched home abortion, or feeling your flesh tear and your bones break as you shove out nine pounds of raw, screaming need, delivered at gunpoint in the shadow of the electric chair.

(…)

Making abortion illegal doesn’t stop it from happening. Conservatives know that full well. In nations where abortion access is restricted, they don’t have fewer dead babies – but they have a lot more dead women. Around the world, 5 to 13 per cent of maternal mortality results from unsafe abortion. The point is to send a clear message that uppity hussies have been having their own way for far too long, and that there should be consequences. The point has never been that babies matter. The point is that women don’t.

§

Apropos: Hier eine rechtliche Einordnung des Entscheidungvorschlags des US Supreme Court zum Recht auf Abtreibung in den USA im Verfassungsblog. Autorin Sarah Katharina Stein ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Öffentliches Recht, Abt. 1: Europa- und Völkerrecht an der Universität Freiburg.
“Das Ende von Roe v. Wade”.

via @CucinaCasalinga

(Für solche Artikel habe ich mehr als ausreichend Leseenergie. Für “offene Briefe” von Künstler*innen zu ihnen komplett sachfremden Themen halt nicht. Menschen sind verschieden.)

Journal Samstag, 30. April 2022 – Schwimmen, Brotteig und Pizza

Sonntag, 1. Mai 2022

Nacht ganz ok, aber zu kurz, zur Abwechslung auch mal mit externer Störung: Um halb vier wachte ich von lautem Streit auf der Straße auf, musste das Fenster schließen.

Da ich schon um sechs wach war, kam ich besonders früh zum Schwimmen los und war noch vor halb zehn im Dantebad. Ich machte mir Hoffnung auf ein wenig beschwommenes Becken, da laut Google-Auslastungsanzeige samstags früher weniger los ist. Mein Denkfehler: Das Dantebad besteht aus Schwimm- und Plantschbereich (Wasserschnecke, Sprudeldüsen), früh kommen eher die Schwimm-Interessierten, erst später die Plantscher und Sprudlerinnen. Also teilte ich mir sogar mit besonders vielen die Schwimmbahn, zum Glück fast ausschließlich kooperative und rücksichtsvolle Menschen. Meine Waden ließen mich krampflos 3.300 Meter schwimmen.

Durch Aushänge erfuhr ich, dass das Dantebad ab Montag bis zum 13. Mai wegen Wartungs- und Reinigungsarbeiten komplett geschlossen ist. Ich könnte mal wieder im Olympiabad schwimmen; gestern fror es mich zwar auch im besonders warmen Wasser des Dantebads, aber auch das erkläre ich mir inzwischen mit den Klimakteriums-bedingten Temperaturschwankungen und versuche es zu ignorieren.

Auf dem Heimweg Bäckerstopp zum Semmelnholen. Daheim setzte ich erst mal Sauerteig und Autolyseteig für San Francisco Sourdough Bread an, das einen halben Tag Fürsorge braucht und deshalb seit Monaten als offener Tab auf seinen Einsatz wartet.

Einen Vorteil hatte das Timing meiner Schwimmrunde dann doch: Ich blieb beim Radeln trocken. Kurz nach meiner Heimkehr setzte nämlich der angekündigte Regen ein. Zum Frühstück gab es Semmeln und den gekochten Orangen-Mandel-Schoko-Kuchen (weitere Korrektur neben Reduzierung der Orangen-Kochzeit auf eine Stunde: es braucht eine Backform mit 24 cm Durchmesser, die 20-cm-Springform aus dem Rezept wäre gründlich übergelaufen).

Der Kuchen schmeckte ausgezeichnet.

Der Nachmittag war strukturiert von Brotteig-Handgriffen (gebacken wird erst Sonntagmorgen). In einer Geh-Phase legte ich mich zu einer Siesta hin, in einer anderen las ich Internet und Zeitung, in einer weiteren probierte ich Yoga von Yogamour aus, eine ausgesprochen zackige halbe Stunde – für eine Wiederholung lege ich mir dann aber doch endlich Yogablöcke zu. Und in noch einer stellte ich Lieblingstweets zusammen.

Fürs Abendessen hatte Herr Kaltmamsell in La Sophia reserviert, einer schicken Pizzeria am Kolumbusplatz. Wir spazierten unter vorübergehend aufgerissenem Himmel hin.

Das Denkmal für DIE MORDWEIHNACHT VON SENDLING! auf dem Alten Südfriedhof ist fertig restauriert. Im Vorbeigehen entdeckt (ich entdecke ja jedes Mal etwas auf dem Alten Südfriedhof):

Das Grab von Turmuhrmacher Johann Mannhardt – “ein Universalgenie und ein großer Erfinder”.

Johann Mannhardt soll insgesamt 1200 Türme öffentlicher Gebäude mit Uhren ausgestattet haben – darunter die Münchner Frauenkirche, das Berliner Rathaus und der Kölner Dom. Seine Präzisionsuhrwerke im Großformat exportierte er in alle Welt.

Im La Sophia wurden wir freundlich umsorgt, aßen gemischte Antipasti und Pizza (ok), tranken Rosato/Giesing Mule, ein Fläschchen Nachschlag vom fränkischen Weingut Stahl (sehr schön frisch).

Sehr satter und zufriedener Spaziergang nach Hause in leichtestem Regentröpfeln, daheim noch ein Glas edler spanischer Brandy.

Journal Freitag, 29. April 2022 – Alleiniger Freitagabend

Samstag, 30. April 2022

Nachtschlaf mit wenigen Unterbrechungen und keinen Lücken.
Zackiger Morgen mit Haushaltsdingen und Bloggen über den Film von Donnerstagabend.

Erst auf dem sonnigen, kalten Fußweg in die Arbeit merkte ich, wie schlecht es mir eigentlich ging: Ich war müde, benommen, mir war leicht übel, ich hatte Kopfschmerzen – im Grunde und trotz meins flotten Gangs schleppte ich mich ins Büro. Erst am Schreibtisch fiel mir die Option ein, dass ich hätte umkehren können und mich krank melden.

So quälte ich mich halt durch den Arbeitstag. Zu Mittag gab’s Pumpernickel mit Butter, einen Apfel, eine Orange.

Den Nachmittag über machte ich mich weiter nützlich, hatte aber fest vor Augen, mich daheim erst mal hinzulegen. Als ich nach kurzen Einkäufen beim Vollcorner heimkam in die leere Wohnung (Herr Kaltmamsell verbrachte den Abend aushäusig), musste ich allerdings erst mal die Orangen für den Orangen-Mandel-Kuchen aufsetzen, den ich mir bereits vor Monaten vorgenommen hatte: aus den letzten Orangen vom adoptierten Orangenbaum und Mandeln vom adoptierten Mandelbaum, also praktisch ein Crowdfarming-Kuchen. Doch dann war ich nicht mehr sterbensmüde, statt Hinlegen gab’s eine Runde Yoga (meine liebste Rücken-Einheit von Mady Morrison, nachdem’s mich seit zwei Tagen im Kreuz zwickt bis in die Hüften).

Aus Erfahrung wusste ich, dass die Orangen anders als in fast allen Rezepten dieses mehlfreien Kuchens keine zwei, sondern nur eine Stunde zum Weichkochen brauchen (in einer weiteren Stunde werden sie nicht noch weicher, sondern höchstens geschmackfrei), ich konnte den Kuchen noch vor der Tagesschau in den Ofen schieben.

Abend ohne Herrn Kaltmamsell, also bekam ich den ganzen Salat aus Ernteanteil und den ganzen Schnittlauch. Ich beschloss Joghurtdressing: Salz, Pfeffer, Joghurt, ein Teel. Dijon-Senf, zwei Teel. Majo, ein Schwupp Sirup von den Pfirsichen im Glas (ich musste sehr alt werden, bis ich lernte, dass ans ideale Salatdressing immer etwas Süßes muss).

Dazu ein Stück Käse. Nachtisch in zwei Gängen: Eiscreme und Osterschokolade.

Früh ins Bett wegen Erschöpfung und zum Lesen, Octavia Butlers Parable of the Talents begann schon mal interessant.

§

Sarah Bosetti fragt zur Abwechslung mal nicht “Was darf Satire?” (Spoiler: Alles im Rahmen der Verfassung.), sondern: “Was muss Satire?” Und sagt sehr Kluges sehr gut formuliert über die Verantwortung, der sich Kabarettist*innen und Comedians mit großer Reichweite bewusst sein sollten.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/ghiknfwNnEo

Journal Montag, 25. April 2022 – Kokosjoghurt

Dienstag, 26. April 2022

Eine weitere Nacht mit genügend Schlaf und wenig Unruhe, ich traue dem Frieden noch nicht ganz.

Nach zwei Wochen Ferien stand Herr Kaltmamsell gestern wieder kurz nach mir auf. Die Draußentemperatur war aprilhaft kühl, doch immer noch gab es keinen echten Regen.

Das Test- und Impfzentrum auf der Theresienwiese verschwindet nach zwei Jahren Aktivität weiter.

In der Arbeit Geschäftigkeit, und zwar fast ausschließlich konstruktive, produktive – das fühlte sich sehr gut an.

Mittags gab es ein Stück Brot vom Selbstgebackenen, Apfel, Orange – und Kokosjoghurt, wenn ich ihn schon für die Tarte von Herrn Kaltmamsell gesucht hatte, wollte ich ihn auch mal so probieren: Inhaltsliste sah ok aus, die Geschmacksmischung aus leichtem Kokos und Joghurt-Säure mochte ich, war trotz zweifacher Energiedichte eines Vollmilch-Joghurts auch nicht zu mächtig. Allerdings hatte ich den Eindruck, dass er mir schwer im Magen lag – wie ich bereits seit einigen Jahren merke, dass ich Kokosraspeln nicht gut vertrage. Altwerden ist SO spannend!

Ein weiteres Stockwerk für den Neubau am Heimeranplatz.

Zu Feierabend setzte dann ernsthafter Regen ein, wie wir ihn für mindestens zwei Wochen bräuchten, ich griff zum Notschirm in der Schreibtischschublade. Heimweg über Einkäufe beim Vollcorner.

Zu Hause eine Runde Yoga, ich fühlte mich angenehm durchbewegt.

Zum Nachtmahl hatte Herr Kaltmamsell eine große Rote Bete und einen Apfel aus Ernteanteil in Heringsalat verwendet, briet dazu Bratkartoffeln, ebenfalls aus Ernteanteil.

Als Nachtisch teilten wir uns das letzte Stückchen Tahini-Tarte, ich ergänzte mit reichlich Osterschokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, ich wollte den Tag hinter mich bringen.

Journal Samstag, 23. April 2022 – Isarlauf statt Wandern

Sonntag, 24. April 2022

Nur mittelunruhig geschlafen, mittellang.

Noch vor dem Kaffeekochen knetete ich den Teig fürs 7-Pfünder Hausbrot. Es gelang hervorragend.

Auf Theresienwiesen-Flohmarkt hatte wir keine Lust. Korrektur: Er findet erst am 30. April statt! (Geplant war gestern trotz angekündigt trübem Wetter eine Wanderung, bevor Herr Kaltmamsell von Arbeit, darunter Abiturkorrekturen, wochenlang verschlungen würde. Doch der Herr fühlte sich nicht recht: Erst bat er um eine kürzere Tour als die geplante, und als ich das nächste Mal nach ihm sah, lag er in seinem Bett. Das ist unerhört, auch bei negativem Coronatest sah das sehr nach Krankheit aus. Wir bliesen das Wandern ab, ich versorgte ihn mit Tee sowie Wärmflasche und ließ ihn schlafen (dass er sich so von mir pflegen und umsorgen ließ, beunruhigte mich fast am meisten).

Ich plante um auf einen Isarlauf und nahm eine U-Bahn zum Theatinerplatz. Zeichen einer Rückkehr zu Prä-Seuchen-Zeit (die wir nicht haben, laut RKI-Wochenbericht von 21.4.2022 sind in Deutschland “etwa 900.000 bis 1,7 Millionen Menschen (…) in KW 15/2022 neu an einer COVID-19-bedingten ARE erkrankt”, saublöderweise gehören dazu vier Personen aus meiner engsten Familie): alkoholisierte Fußballfans in der U-Bahn, Wege blockierende Touristengruppe.

Vom Odeonsplatz lief ich über Hofgarten, Englischer Garten an die Isar nach Norden und zurück. Trotz bedecktem Himmel ein schöner Lauf, ich trabte leicht und unbeschwert – und erstmals seit langer Zeit die ganzen anderthalb Stunden ohne Schmerzen in der den Waden.

Neues zur Vogelschau: Ich verifizierte, dass der schnarrende Laut, der typisch für die Isarauen ist, von Wacholderdrosseln stammt, sah sie auf Wiesen und in Bäumen. Vor der Kennedybrücke viele Schalben in der Luft, Rauch- und Mehl, dazwischen flitzte ein rotbrauner Turmfalke nach Osten. Dominierende Blüte: Felsenbirne.

Laufkleidung gestern: Winterlaufhose, lange Ärmel und hoher Reißverschluss am Hals, drüber Weste; anfangs sehnte ich mich nach Handschuhen. Doch ich bekomme (im Gegensatz zu Buchautorin Jen Gunter laut ihrem Menopause Manifesto) auch beim Sport Glutattacken, und eine davon wärmte mich bis in die Fingerspitzen.

Auf dem Heimweg machte ich einen Abstechter beim Basitsch: Die Maladität von Herrn Kaltmamsell rief nach Hienebriehe, ich besorgte ein glückliches Huhn. (FFP2-Maskentragen in den Läden, in denen ich einkaufe, bei ca. 80-90 Prozent, unter den Angestellten nahezu 100 Prozent, manche allerdings mit OP-Masken.)

Zu Hause Körperpflege. Zum wiederholten Mal der innige Wunsch, man könnte auf Vorrat Nägelschneiden und Rasieren. Zum Beispiel an einem trüben, kühlen Samstag wie gestern für die nächsten vier Wochen vorarbeiten.

Frühstück um halb drei: Frisches Brot mit Butter und der letzten Scheibe Osterschinken. Noch immer schmeckt das selbst gebackene Brot enorm viel besser als alles gekaufte Brot, das ich in den vergangenen Back-losen Monaten gekauft habe. Dazu die Verwunderung, dass Bäckereien Brotteige dunkelbraun färben, ich nehme an mit Zuckercouleur – so wie da oben sieht ein Roggenmischbrot ohne aus, das ist doch hübsch genug? Ebenfalls Frühstück: Zwei Orangen vom adoptierten Baum.

Herrn Kaltmamsell versorgte ich mit Butterbroten und mehr Tee, er lag immer noch im Bett.

In der gestrigen Post waren zwei Briefe vom Amtsgericht München. Im ersten stand, dass ich “wegen Bildung eines weiteren Spruchkörpers nach § 46 GVG” aus der Ersatzschöffenliste zur Hauptschöffin gewählt wurde. Es folgte die Liste von Sitzungstagen für das laufende Jahr. Aus dem angeführten und verlinkten Paragraphen wurde ich nicht schlau: Ist das vergleichbar mit der Einrichtung einer weiteren Abteilung in einem Unternehmen?

Der zweite Brief vom Amtsgericht sagte gleich mal den Mai-Termin von der Sitzungsliste ab. Ich wiederum entschuldigte mich per E-Mail für den September-Termin: Da bin ich im Urlaub, Unterkunft ist bereits gebucht.

Zeit für eine Siesta, die ich sehr genoss, dann setzte ich die Hühnersuppe auf – wie von Oma gelernt mit Zwiebel, Lorbeerblatt, Pfeffer- und Wacholderkörnern, außerdem kamen Ernteanteil-Karotten rein.

Vor dem Nachtmahl gab es als Aperitif Grasshoppers (ein Rest Sahne musste weg). Abendessen war dann Hienebriehe (Herr Kaltmamsell nahm einen zweiten Teller, “Das tut mir richtig gut.”, Sonntag gibt es Hühnereintopf), zudem frisches Brot mit Käse und Aufstrichen, zum Nachtisch ein Stück Schoko-Tahini-Tarte vom Vorabend.

§

Der Ukraine-Krieg droht wie schon vorher die Corona-Seuche das global größte Problem zu verdrängen: Den Klimawandel und seine bedrohlichen Folgen. Oder hatten Sie auf dem Schirm, was ein Artikel im National Geographic aufdröselt:
“Hydrologen warnen: Deutschland trocknet aus”.

Deutschland gehört zu den Regionen mit dem höchsten Wasserverlust pro Jahr weltweit. Um eine positive Kehrtwende einzuläuten, müsste sofort gehandelt werden.

Lange Zeit hat man die Wasserthematik in Deutschland vernachlässigt, sagt Pahl-Wostl [Leiterin des Instituts für Umweltsystemwissenschaft und Experte für Water Governance an der Uni Osnabrück und Co-Chair des GIWS]: „Man ist davon ausgegangen, dass die Qualitätsprobleme gelöst sind und Mengenprobleme in Deutschland keine große Rolle spielen. Das hat sich aber letztes Jahr geändert, als erstmals eine nationale Wasserstrategie von Ministerin Schulze der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.” Diese stelle erstmals einen systemischen Ansatz dar. Zwar könnten Dinge konkreter benannt werden, es sei aber ein Schritt in die richtige Richtung, so Pahl-Wostl.

Auch gestern auf meinem Lauf entlang der sehr niedrigen Isar staubte es bei jedem Windhauch, weil die Wege und Wiesen so trocken sind. Dieses Jahr sah ich auch keine Schneeschmelze, die die Isar milchig färben würde: Es hat in den Bergen viel zu wenig geschneit.


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