Essen & Trinken

Journal Dienstag, 26. Juni 2018 – Verliebt in einen Obststand

Mittwoch, 27. Juni 2018

Als gestern der Wecker früh genug für Sport klingelte, sprang ich vorfreudig auf: Es war im Gegensatz zu Montagmorgen der richtige Zeitpunkt. Und so hatte ich beim Strampeln auf dem Crosstrainer zu lustiger Musik auch so viel Spaß, dass ich gleich eine weitere solche Einheit für die Woche vorsah.

In die Arbeit ging ich unter strahlend blauem Himmel, aber mit kühlen Temperaturen – die mich keineswegs an tropfendem Nachschwitzen hinderten.

Der Tag wurde gemischtwolkig. Nach Feierabend ging ich über die südliche Seite des Bavariaparks zur Theresienwiese und schlenderte besonders langsam darüber, genoss die Weite und den angenehmen milden Wind.

Ich ging wieder am Obststandl vorbei, der mir am Freitag zuvor sehr gutes Obst verkauft hatte. Diesmal Instantverliebung in den Standler: Ich hatte um ein Kilo von den Pfirsichen im Sonderangebot gebeten. Sie waren sichtlich nicht mehr frisch, aber ich hoffte auf Süße und sie würden schon schnell wegkommen. Erst suchte Herr Obst mir sorgfältig die besten davon heraus, doch nachdem ich bereits ein Kilo Aprikosen und ein Kilo Tomaten geordert hatte, erklärte er, dass er mir statt der Pfirsiche Nektarinen geben würde: Die Pfirsiche seien weich und nicht mal saftig, die Nektarinen viel besser. Einverstanden, vom Fachmann lasse ich mich gerne dirigieren. Dann bat er mich, die italienischen Trauben zu probieren: trotz Vorsaison köstlich, ich kaufte Herrn Obst eine große Traube ab.

Zum Abendessen gab’s Wurst, Käse, Brot, Radiserln, Tomaten etc.

Das das frisch gekaufte Obst im Korb schon wieder dicht von kleinen Fliegen umschwirrt war, mischte ich die Fruchtfliegenfalle von Cucina Casalinga.

Ergebnis nach einer Stunde (danke für die kürzliche Erinnerung!).

Wieder machte ich mich früh bettfertig: Ich hatte es am Montagabend sehr genossen, fast eine Stunde am Stück in Grafs Das Leben meiner Mutter zu lesen und wiederholte das.

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Gestern kennengelernt: Das Konzept „Informationsethik“. Es ging um Bibliotheken uns dabei um die Wahl von Dr. Arne Upmeier, stellvertretender Direktor der Universitätsbibliothek Ilmenau, zum neuen Ethikbeauftragten des Deutschen Bibliotheksverbands.

Nach seiner Wahl betonte Dr. Arne Upmeier die Bedeutung, die er seinem neuen Amt als Ethikbeauftragter beimisst: „Bibliotheken sind mit ihrer neutralen und überparteilichen Bestandsauswahl das beste Bollwerk gegen ‚Fake News‘ und einseitigem Meinungsmachen. Dieser Aufgabe immer gerecht zu werden, ist im Einzelfall aber gar nicht so leicht. Typische Fragen im Bibliotheksalltag sind: Wie ist mit extremistischen Schriften umzugehen, egal ob von rechts oder links? Was geschieht mit Büchern wie der Dissertationsschrift von Theodor zu Guttenberg: Sollten sie als historisches Dokument im Bestand bleiben oder als Plagiat vernichtet werden? Wie viel Einfluss darf ein gewählter Bürgermeister auf die Medienauswahl in ‚seiner‘ Bibliothek haben?“

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Nur zur Sicherheit: #notallBayern
Robert Habeck, Grüner Politiker, Umweltminister und stellv. Ministerpräsident in Schleswig Holstein, schreibt darüber in seinem Blog:
„Welche Farbe hat weiß-blau?“

via @claudine

Ob meine Angst vor der Wahl des Bayerischen Landtags im Oktober noch sinken wird? (Klar habe ich mich wieder als Wahlhelferin gemeldet.)

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Babysteps: Deutschland erste queere Briefmarke ist Dr. Magnus Hirschfeld gewidmet, zum 150. Geburtstag des Arztes, Sexualwissenschaftlers und Mitbegründers der ersten Homosexuellen-Bewegung.

Journal Samstag, 23. Juni 2018 – Nachgeholte Sonnwendfeier im Broeding

Sonntag, 24. Juni 2018

Lange geschlafen – bis kurz vor acht!

Nach Kaffee und Bloggen war ich immer noch unschlüssig, auf welche Art Sport ich Lust hatte. Es war sonnig, doch der Temperaturcheck auf dem Balkon vertrieb die Lust auf eine Schwimmrunde im Freibad, warme Innenduschen hin oder her. Ich wusch mich ein wenig und zog Laufkleidung an, in der ich eine kurze Pokémon- und Einkaufsrunde drehte – auf der ich merkte, dass ich auch auf einen Isarlauf keine rechte Lust hatte. Als Lösung viel mir Heimsport ein: Ich absolvierte zum zweiten Mal die 95-Minuten Tour de force auf Fitnessblender.

Und wieder zeigte sich, dass das Konzept HIIT (High Intensity Interval Training) nichts für mich ist: Die schnellen High Impact-Bewegungen verbunden mit Positionswechsel Kopf unten / Kopf oben führten auch diesmal zu Schwindel, kaltem Schweiß und Übelkeit. Ich hielt das Programm in dieser Phase zweimal an, bis es mir wieder besser ging, und verlegte mich auf die Low Impact-Varianten. Alles andere war easy peasy, ich wünschte mir allerdings für einige Übungen schwerere Hanteln. (Bislang habe ich nur welche zu 2 Kilo; wenn ich weitere Gewichte kaufe, brauche ich einen ordentlichen Aufbewahrungsort, eine Kiste oder Ähnliches.)

Nach Duschen und Frühstück machte ich Siesta, backte mal wieder BaNuSchoKo-Granola, bügelte Sommerkleidung.

Abends war ich mit Herr Kaltmamsell zum aushäusigen Essen verabredet. In den vergangenen Jahren hatte ich immer das Bedürfnis, die Sonnwend am 21. Juni zu feiern. Und zwar mit einem eleganten Restaurantessen in einem schönen Draußenbereich. Dieses Jahr hatte ich dafür das Broeding ausgesucht (zwei Tage verschoben, da ich am Tag nach der donnerstäglichen Sonnwend arbeiten musste), zumal wir noch nie geschafft hatten, in dessen Innenhof zu essen – immer war das Wetter dafür zu schlecht gewesen.

Auch diesmal hatten wir kein Glück mit dem Wetter: Es war wirklich zu kalt für ein Essen unter freiem Himmel, mehr als 17/18 Grad hatte es gestern Abend nicht. Also bekamen wir das herrliche Broeding-Menü wieder im Gastraum serviert, umsorgt von Andreas Schenk, Anna Flohr, Andreas Röhrich und einer weiteren Dame.

Die Neuerung: Das Broeding unterhält inzwischen eine eigene Gärtnerei, davon hatte ich bereits gelesen.

Der Gruß aus er Küche war Roastbeef vom Rind eines südtiroler Hofs mit grüner Tomate, Radi, Gurkenblüten, gegrillter Aubergine. Ich hatte als Aperitif den alkoholfreien Ingwer-Rhabarber-Spritz (sehr gut!), Herr Kaltmamsell den rheinhessischen Rieslingsekt Methode Rurale.

Die Donaufisch-Krokette (Waller und Hecht) mit Nektarine und Staudensellerie: Der Kroketten-Fan gegenüber war zufrieden mit der standesgemäß pomfigen Konstistenz des Kroketten-Inneren, ich freute mich über dessen Aroma. Im Glas hatten wir dazu einen Rosé – den ersten, den ich im Broeding bekommen habe: Das Team, so wurde uns erklärt, sei von Ingrid Groiss‘ Hasenhaide aus dem Weinviertel so begeistern gewesen, dass es fast den gesamten Jahrgang aufgekauft habe. Und tatsächlich war das ein ungewöhnlicher Rosé mit vielen Schattierungen.

Zum nächsten Gang, einer kalten Erbsen-Melonen-Suppe mit Basilikum-Frischkäse und schwarzer Oliventapenade (köstlich, fast hätte ich um Nachschlag gebeten), stand Anna Flohr mit einem Bocksbeutel an unserem Tisch (auch das hatte ich noch nie hier): Max Müller I, Scheurebe Katzenkopf 2016. Der Franke unterhielt sich angeregt mit der Erbse.

Gebratener Saibling, Spargelpüree und Babykarotten mit Senfsoße. Der Fisch war ein schmelzendes Gedicht. Dazu hatten wir im Glas meinen sofortigen Lieblings-Veltliner: Grünen Veltliner Sauberg Tradition, wieder von Ingrid Groiss. Das „Tradition“, so wurde uns erklärt, beziehe sich auf den Ausbau im schlichten Holzfass – nichts Getoastetes, sondern wie halt vor dem Einzug der Stahlfässer in die Kellereien. Das Ergebnis schmeckte ungewöhnlich voll und fruchtig, dennoch klar nach Veltliner. Kam sofort auf die Nachkaufliste.

Rehkeule (geschossen mit Blick auf Neuschwanstein – zumindest liegt das Jagdgebiet direkt drunter) mit Spitzkraut und Steinpilzen, das Sößchen mit Lavendel aromatisiert – ganz wunderbar. Die Weinbegleitung war ein Kollwentz Eichkogel 2013 aus dem Burgenland mit schönem Holz, das gut zur Rehkeule und zum Lavendel passte, der wahrscheinlich auch noch ein paar gute Jahre vor sich hat.

Alpkäse von Thomas Breckle (den Holger Klein in diesem wunderbaren Podcast interviewt hat) mit Rosmaringelee und Nussbrot. Dazu gab’s einen Loimer Ruländer (Grauburgunder) Auslese 2006, ganz großartig.

Dazu bekamen wir vom Anbaujahr 2006 erzählt (mit Schwenk zur damaligen Männerfußball-WM in Deutschland inklusive Andeutungen über das gerade laufende Match), das so heiß gewesen war, dass Loimer die stark zuckerhaltigen Grauburgundertrauben nicht trocken ausbauen habe können. Meinetwegen müssten eh nicht alle Weißweine bis zur Trockenheit ausgebaut werden. Manchmal finde ich es geradzu irritierend, vielfältige Lieblichkeit in der Nase zu haben und dann überhaupt keine Süße im Mund. Vielleicht trauen sich die Weingüter wieder dahin.

Als Erfrischung ein Gurken-Sellerie-Granité.

Vanilleparfait mit Himbeeren, Rhabarber und Valrhona-Kaffeeschokolade. Dazu gab’s ein Glas Triebaumer Muscato, der mit seiner leichten Süße und Perligkeit meine zweite Entdeckung des Abends war.

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Katrin Scheib bloggt und berichtet über die aktuelle Männerfußball-WM in Russland, aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln. Fast keiner davon interessiert mich, dieser allerdings schon: Russland setzt seine rechtlich verankerte Schwulen- und Lesbendiskriminierung um – doch es gibt sehr witzigen Twitterprotest dagegen:
„‚Ich habe ja nichts gegen Fußball, aber…'“.

Journal Donnerstag, 14. Juni 2018 – Leserunde zu Oskar Maria Graf

Freitag, 15. Juni 2018

Heilige Scheiße, bin ich gestresst.
An äußeren Umständen kann ich das nicht mal festmachen, die sind eigentlich nicht besonders stressig, aber ich fühle mich durch und durch erschöpft, unter Druck, urlaubsreif.

Wetter weiterhin kühler, aber es blieb trocken mit sonnigen Abschnitten.

Gestern traf sich die Leserunde bei Herrn Kaltmamsell und mir. Da Oskar Maria Grafs Das Leben meiner Mutter erst vor einer Woche eingetroffen war (wir hatten die Lektüre so kurz vor unserem Irlandurlaub beschlossen, dass davor keine Besorgung möglich war), hatte es der Herr gar nicht gelesen, ich war gerade mal zu den ersten 150 Seiten gekommen (es ist ein dickes Buch). Gefallen hatte mir dieser Anfang aber gut, die Mitleserinnen, die alles gelesen hatten, waren sehr angetan.

Herr Kaltmamsell kochte überraschenderweise eine Pfanne Paella und eine EiKuPi – ich hatte nur mit viel Käse gerechnet, zu dem wir aus Irland mitgebrachten Strawberry Wine servieren wollten, deshalb Brot mitgebracht und eine Menge Erdbeeren zum Nachtisch mit Sahne. In der Folge gab es sehr viel zu essen, was in diesem Kreis zum Glück kein Problem ist: alles gute Esserinnen und Esser. Es wurde später.

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Nach der EU-DSGVO, deren verheerende Detailfolgen die Gesetzgeber sicher nicht so vorausgesehen hatten, droht neues Ungemach: Ein EU-weites Leistungsschutzrecht, das Verlinkung zu möglichem Verstoß gegen Urheberrecht macht. Sascha Lobo hat nachverfolgt, wie es dazu kommen konnte:
„Leistungsschutzrecht für Presseverleger
So ein Quatschgesetz“.

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Auf Twitter die hochamüsante Geschichte einer Universitätsdozentin in der Sicherheitskontrolle eines Flughafens, mit ebenso amüsanten Reaktionen und Ergänzungen.

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Eine Gesprächsrunde in Variety:
„TV’s Top Female Directors Reveal How They Broke Down Barriers“.

Eine alte Häsin im Geschäft erzählt:

Jodie Foster: When I grew up, I never saw another female face. Little by little, things did change, and when it did change, I think the crews were so much happier. It used to be me and a whole bunch of guys somewhere. They didn’t see their families, they didn’t see their wives and their kids, and it was like being in a boys’ camp. I don’t think that it was some kind of conspiracy, where there was a secret handshake about it. I think it was just nobody was thinking.

As a director it never occurred to me to seek out women crew members. I sought out the guys that I worked with, the guys that I knew that I thought were doing great work. I’m almost ashamed of that, until recently where I realized that we actually do have to make an effort. It isn’t just going to happen because you think it’s wrong and then you don’t change anything. You actually have to make an effort to allow women to have those first jobs.

„I realized that we actually do have to make an effort“ – ist leider nicht so banal, wie es aussieht. Das ist bei sehr vielen noch nicht angekommen: Sie sind immer noch überzeugt, dass es Können ist, das sich von selbst durchsetzt.

Interessant auch, dass Foster manches Spiel nicht mitspielt:

Foster: I have found that sometimes producers, in a difficult situation, if they lob something at me that’s horrible and nasty, I think they have two expectations. One is I’m going to cry and say: “You’re right. Oh, my God, I’m sorry!” Or that I will bully back and punch them in the face. Those are the two expectations that they have. One is a very typically gender-specific masculine idea; the other one is a very feminine idea. I don’t do either of those.

Letzthin sah ich fern, eine Ärzteserie: Notsituation, eine Frau musste helfend einspringen und irgendwas Handwerkliches tun. Und ich konnte der Handlung kaum folgen, weil ich ständig dachte: Gebt ihr doch bitte einen Haargummi! Sie muss doch wahnsinnig werden, weil ihr ständig die langen Locken die Sicht versperren!
Bei männlichen Figuren ging mir das nie so. Oder denken Männer Ähnliches bei Männerszenen? Weil der männliche Protagonist durch Styling behindert wird?

Journal Montag, 11. Juni 2018 – Weitergekirscht

Dienstag, 12. Juni 2018

Früh aufgestanden, um Zeit für eine Runde Rundum-Krafttraining vor der Arbeit zu haben – diese Woche schaut’s schlecht mit Sportmöglichkeiten aus.

Der Weg in die Arbeit sonnig und schon so warm, dass ich durchgeschwitzt im Büro ankam (nicht nur wegen der Wärme, sondern schon auch vom Sport nachschwitzend).

Nach der Arbeit Pfandflaschen weggebracht und ein wenig eingekauft. Daheim empfing mich Herr Kaltmamsell mit einer Suppe aus den Ernteanteilen Mairübchen, Kohlrabi und Knoblauchlauch mit Ziegenfrischkäse – sehr gut.

Aus den Resten der drei Sorten Familienkirschen aus Ingolstadt hatte er köstlichen cherry pie gebacken.

§

Thema Männer, die in Deutschland Frauen umbringen.

Die taz:
„Der Einzelfall Ali B.“

Der Mord an Susanna F. wird instrumentalisiert, um geflüchtete Menschen pauschal zu verurteilen. Sollte es nicht eher um Femizide gehen?

(…)

Hier geht es nicht darum, den Fall kleinzureden. Es ist nur auffällig, dass Femizide und Vergewaltigung in der deutschen Öffentlichkeit kaum thematisiert werden, wenn der Täter weiß ist. Und Femizide werden in diesem Land leider sehr häufig verübt – nicht nur in Freiburg, Kandel und Wiesbaden. Durch den Fokus auf Einzelfälle, in denen die Täter Zuwanderer sind, entsteht in der öffentlichen Wahrnehmung ein gefährliches Muster, das nicht nur rassistisch ist, sondern auch zutiefst sexistisch – weil es die Dimension von Frauenmorden in Deutschland verharmlost.

149 Frauen sind laut der Kriminalstatistik des BKA 2016 allein von ihrem männlichen Partner umgebracht worden, 208 haben überlebt. Jeden Tag hat also ein Mann versucht, seine Partnerin zu töten, eine überwältigende Mehrheit von ihnen hat einen deutschen Pass und ist weiß.

Die Frankfurter Rundschau interviewt Silvia Zenzen vom Bundesverband Frauen gegen Gewalt:
„Mordfall Susanna ‚Bei deutschen Tätern ist das Interesse geringer'“.

(…) was blinde Flecken angeht: Was viele nicht beachten ist, dass, wenn der Gewalttäter nicht deutscher Herkunft ist, die Anzeigebereitschaft der Opfer steigt.

Vor allem: Eine Konzentration auf Zuwanderer (und hier natürlich wieder nur auf bestimmte, denn über den koraeanischen oder weißen finnischen Gewalttäter würde kaum diskutiert) unter den Gewalttätigen gegen Frauen löst das eigentliche Problem nicht, nämlich männliche Gewalt gegen Frauen.

Journal Sonntag, 10. Juni 2018 – Elterngrillen und Kirschenschlacht

Montag, 11. Juni 2018

Wecker um sieben, weil ich vor der Fahrt zur elterlichen Grilleinladung noch Laufen gehen wollte.

Dazu radelte ich zur Wittelsbacherbrücke und lief los. Schon vor neun war es ziemlich warm, das Laufen strengte mich an. Doch ich sah viele Küken: Schwanen-, Enten-, Graugans-.

Bahnfahrt nach Ingolstadt. Vor dem Fenster Hochsommer, nur an den grünen statt reifen Getreidefelder sah ich, dass erst Juni war.

In Ingolstadt auf dem Weg zum Elternhaus eine Entdeckung:

Fledermauskästen!

Im elterlichen Garten mit fast kompletter Bruderfamilie lustiges Grillen. Es gab bergeweise: Garnelen, Schweinebauch, Schweinefilet, Bratwurst, Lammkoteletts, Auberginen, Tomaten, Hühnerflügel – und wunderbares Familiengetümmel. Sobremesa: Espresso und Zitronencreme.

Brüderchen hatte bereits Kirschen aus seinem Garten für uns gepflückt, meine Eltern luden mich ein, direkt von den beiden Kirschbäumen in ihrer Reihenhaussiedlung zu ernten (der Architekt hatte beim Bau vor 35 Jahren Obstbäume auf die Gemeinschaftsflächen gepflanzt, eine Art Almende). Und so holte ich die große Leiter, stieg hinauf und brockte an einem Baum helle Kirschen, am anderen schwarze – beide Sorten perfekt reif. Ich freute mich sehr, denn ich liebe Kirschen, doch es fühlt sich für mich immer noch komisch an, Kirschen zu kaufen: Kirschen kannte ich als Kind praktisch nur direkt im Baum gegessen, danach von Menschen mit Kirschbaumbesitz zugeliefert. Diesmal stieg ich mit vollen Eimern, verschwitzt und vielen Kirschbaumbröseln in den Haaren und im Ausschnitt wieder von der Leiter.

Auf dem Heimweg: Ein Neuwagen im Regionalzug, der noch so richtig nach Spritzguss und Polsterkleber roch. Mit futuristischer Beleuchtung.

Zum Abendbrot gab’s Kirschen. Und obwohl meine Mutter mir schon als Kind erklärt hat, woher dieser Mythos kommt, denke ich beim Wassertrinken dazu immer an das Spiel Kirschenessen – und fürchte mich ein wenig (bei uns endete das Spiel mit „gestorben“).

Journal Samstag, 9. Juni 2018 – Gemischter Sommersamstag ohne Sport

Sonntag, 10. Juni 2018

Und allso geschah es: Der am Freitagabend noch so schön entspannende Alkohol schlug zurück. Zwar nicht mit den Extremen der Migränehölle, aber mit migränoidem Kopfweh. Ich wollte nicht zum zweiten Mal in einer Woche den Triptan-Hammer ziehen und versuchte es mit Ibu, langem Schlafen, Streichen der geplanten Schwimmrunde.

Kartoffelsalat fürs Abendessen gemacht – die letzten genossenschaftlichen Lagerkartoffeln von gemischten Sorten ergaben einen lustigen Salat, in dem die eine Sorte zerfiel, die andere noch in sehr bissfesten Stücken mitspielte.

Einkaufsrunde mit Herrn Kaltmamsell in kräftiger Sonne. Auch wir versuchen immer konsequenter Plastik zu vermeiden, z.B. wird die jetzige die letzte Flasche Duschgel sein, danach steigen wir auf die gute alte Seife um – von der ich beim Händewaschen noch nie abgewichen bin. Beim Überlegen haben wir auch festgestellt, dass die plastikärmsten Pralinen die handgemachten, offen verkauften sind. Tja, da mussten wir dann also durch.

Die Klangsteine in der Gasse neben dem jüdischen Gemeindezentrum klingen wieder!

Daheim mittägliches Frühstück mit Laugenzöpferl, Brotzeitspeck vom Hermannsdorfer (dicke Empfehlung, es gab ihn eine Zeit lang nicht und er wurde sehr vermisst), Erdbeeren und Banane.

Nochmal eine Einkaufsrunde, dann bügeln. Ich ließ mir in einer Folge Wrint von Frau Diener erzählen, wie es in Myanmar war.

Abends gab es zum Kartoffelsalat Fleischpflanzerl und zum Nachtisch Pralinen.

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Heribert Prantl konstatiert:
„Europa macht für Flüchtlinge dicht“.

Die Zeit des Flüchtlingsschutzes in Europa geht zu Ende. Siebzig Jahre nach Beginn der Arbeiten am Grundgesetz, 69 Jahre nach der Verkündung des Asylgrundrechts und 67 Jahre nach Verabschiedung der Genfer Flüchtlingskonvention ist das Bewusstsein für den Wert von Asyl und Flüchtlingsschutz verschwunden. Es ist vom Gewicht der Zahlen und der Angst vor den populistischen Extremisten erdrückt worden. Es gibt keine Regierung in Europa mehr, die das Asylrecht offensiv verteidigt. Die Flüchtlinge werden nur noch numerisch registriert; ihre Geschichte, ihr Schicksal interessiert immer weniger.

Und das, wo ich auch nur von einem deutschen Bürger, einer deutschen Bürgerin lesen muss, die durch die bisherige Aufnahme von Flüchtlingen schlechter gestellt ist. Die Rechte mag in der politischen Landschaft noch eine Minderheit sein: Die gesellschaftlichen Themen und die Politik bestimmt sie schon lange.

Statt daran zu arbeiten, wie Aufnahmeverfahren und Integration verbessert werden können, statt aus den Fehlern der vergangenen Jahre für die langfristige Zukunft zu lernen, geht die Energie jetzt in Maßnahmen zum Fernhalten von Menschen in Not – einer Not, zu der auch deutsche Politik und deutsches Wohlstandsstreben massiv beigetragen haben. Prantl nennt das „Zurückweisungspolitik“. Während das Sterben im Mittelmeer weitergeht.

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Vor Kurzem las ich einen Artikel über das zeitgenössische Phänomen, dass die meisten Menschen Berühmtheiten erst genauer kennenlernen, wenn sie gestorben sind: Weil ihre Fans auf allen Kanälen Erinnerungen an diese Berühmtheiten posten.

Das geht mir durchaus auch so. Zum Beispiel mit Anthony Bourdain.
Aus erster Hand kannte ich bis zu seinem Tod nur Texte von ihm. Was er fürs Fernsehen gemacht hat, wusste ich so ungefähr, hatte es aber nie gesehen. Ein wenig davon hole ich jetzt nach.

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https://youtu.be/cX_kbIVxl_o

Journal Freitag, 8. Juni 2018 – Ende einer durchschleppten Arbeitswoche

Samstag, 9. Juni 2018

Völlig erschlagen zu früh aufgewacht.
Wenn ein Freitag mit dem Gefühl „shoot me“ schon anfängt… Es hielt sich durch einige Unbillen in der Arbeit, Dissoziation funktionierte nicht immer.

Aus einem bedeckten Morgen wurde wieder ein Sonnentag, doch beim pünktlichen Feierabend zogen nochmal Gewitterwolken auf. Diesmal hinterließen sie zumindest auf meinem Weg zu Einkäufen am Hauptbahnhof nur ein paar sehr dicke Tropfen.

Den Freitagabend begann ich mit Herrn Kaltmamsell und Erdbeer-Margaritas aus herrlichen superreifen Erdbeeren heimischer Sorte (bildete ich mir ein, aus der eher geringen Größe und der Unterschiedlichkeit der Erdbeeren abzulesen).

Vorspeise: Artischocken mit Koblauch-Joghurt-Majo von mir.
Hauptspeise: ein hervorragendes Stück Rinderhüftsteak, gebraten von Herrn Kaltmamsell
Nachspeise: Erdbeeren mit Sahne von mir

Dazu spanischer Sauvignon Blanc, gestern war mir egal, dass ich sehr wahrscheinlich später für den Alkohol würde zahlen müssen.

§

Von Anthony Bourdain habe auch ich gelernt, sein Buch Kitchen Confidential ließ mich ganz anders über Abläufe in Restaurants denken – auch wenn sicher Manches nicht auf deutsche Lokale übertragbar war. Jetzt ist er tot. Der Nachruf im New Yorker:
„Anthony Bourdain and the Power of Telling the Truth“.

Und hier Bourdains erster Artikel im New Yorker 1999, mit dem er vom Koch zum Autor wurde:
„Don’t Eat Before Reading This“.
Sehr interessant, wie schlecht dieser Text gealtert ist – allein schon der Abschnitt über Vegetarier.


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