Essen & Trinken

Journal Montag, 5. Januar 2026 – #WMDEDGT

Dienstag, 6. Januar 2026

An jedem 5. des Monats fragt Frau Brüllen: “Was machst du eigentlich den ganzen Tag?” und sammelt unter #WMDEDGT die Antworten aus Tagebuchblogs, diesmal hier. Letzter Urlaubstag, ich mache mit.

Seltsame Nacht, in der meine Nasenschleimhäute wieder unerklärlich so stark anschwollen, dass ich mit Nasenspray gegenhalten musste. Aber ausgeschlafen, ich wurde mit dem 7-Uhr-Läuten wach.

Es tagte zu eisigem Hochnebel, mittlerweile der Basso continuo dieses Winters in München. Guter Milchkaffee, ausgiebiges Bloggen.

Vor meinem Isarlauf sandelte ich absichtlich mit Internetlesen rum, um der frostigen Luft Gelegenheit zu dem einen oder anderen Grad nach oben zu geben.

Diesmal lief ich ab Haustür über Alten Südfriedhof nach Süden, stellte mir brav einen Timer, um die Runde nicht wieder zu lang werden zu lassen. Zu sehen gab es wenig im fahlen Winterlicht unter Wolken und auf wenig zusammengetretenem Schnee, zweimal hörte ich Eichelhäherkreischen. Aber ich lief gut und leicht, es war nicht zu kalt mit den paar Grad unter Null. Südlich von Thalkirchen fröstelte ich dann aber, das hatte ich noch nie: Ich legte ein wenig Tempo zu.

Grabstein von Max Rottmanner, Juwelier, an dem ich bereits x-mal vorbeigegangen sein muss, der mir erst diesmal auffiel (oder: warum ich den Alten Südfriedhof so liebe, Folge 776). Ich habe ein Foto von 1905 seines Juweliergeschäfts in der Theatinerstraße gefunden, in einem Auktionskatalog ein von ihm gearbeitetes Collier. Von Alfred Rottmanner (den Lebensdaten nach der Sohn) sieht man hier ein paar Werke, auf ebay steht eines sogar gerade zum Verkauf. Zu Pauline finde ich (auf die Schnelle) leider nichts.

Nach dem Umdrehen hinter Thalkirchen drückte meine Blase – nicht superdringend, aber ich wusste, dass mein Rückweg ohne entspannter sein würde und steuerte das Klohäusl bei Maria Einsiedel an, das mir schon ein paarmal genützt hatte. Doch das war außer Betrieb, wurde der Rückweg halt unentspannt.

Daheim warf ich meine Laufkleidung in die Waschmaschine, die damit voll genug für eine Ladung Dunkles war und die ich einschaltete.

Frühstück kurz nach eins: Apfel, Hüttenkäse, Brotrest. Ich zog los auf eine Lebensmittel-Einkaufsrunde – und schaffte es, das Wichtigste auf der Einkaufsliste zu vergessen: Milch. Doch Herr Kaltmamsell musste eh nochmal raus unter anderem zur Reinigung, er erledigte das Milchholen. (Dabei heißt unsere Einkaufs-App doch RTM für Remember the milk!)

Noch eine Winterbeschwerlichkeit (neben der langen Zeit, die vor jedem Verlassen des Hauses das Ankleiden zur Kälte-Abwehr erfordert): Auch wenn ich beim Heimkommen die Schuhe/Stiefel immer sofort hinter der Wohnungstür ausziehe und auf einem Tuch abstelle, kugelt durch die ganze Wohnung Rollsplitt übers Parkett, dem ich aufsammelnd hinterherrenne.

Weitere Häuslichkeit: Ich putzte ein wenig Bad, unsere Putzherren kommen erst in einer Woche wieder.

Gemütlicher Nachmittag unter anderem mit Lesen, Zeitung und Internet, außerdem bestellte ich ein Kistlein von dem Wein, der mich im Berliner Restaurant MaMi’s so begeistert hatte. Auf instagram bekomme ich bereits jetzt Anfang Januar erste Werbung für Sommerkleidung eingespielt (Lebkuchen im September Dreck dagegen): Die Hersteller behalten das mit dem Gummizug in der Taille, früher “Comfort-Bund” genannt, offensichtlich bei. Soweit bin ich noch nicht.

Gestern durfte ich die Zubereitung des Abendessens übernehmen (Herr Kaltmamsell hatte heftig zu arbeiten): Ich hatte mir Kürbis-Lasagne gewünscht, und statt wie sonst das gewünschte Gericht abends einfach serviert zu bekommen, kochte ich selbst. Als Zeichen von Urlaubsentspannung sehe ich, dass mir das Kochen richtig Spaß machte und ich dabei gelassen war.

Puh, ich kann es noch. UND! Ich servierte pünktlich um die vereinbarten halb acht. Schmeckte dann auch sehr gut. Nachtisch Schokolade.

Wir ließen auf arte Die Dinge des Lebens von 1970 laufen, aus Allgemeinbildungsgründen. Die rauchen in dem Film wirklich so viel, wie es in Mad Men völlig übertrieben wirkt.
Was ihn für mich zu einem typischen französischen Liebesfilm machte: Das Drehbuch versucht in keiner Weise zu erzählen, was das Liebespaar zueinander hinzieht. Oder genauer: Was den Mann für die Frau anziehend macht, denn umgekehrt reicht offensichtlich wie immer, dass sie wunderschön ist (und jung), woraufhin er sie umwirbt, bis sie überzeugt ist / sich ergibt. Dieser Mechanismus befremdet mich.

§

Deutschlandfunk-Redakteurin Ann-Kathrin Büüsker legt ihre Analyse des US-Angriffs auf Venezuela dar – nach der es nur indirekt um Ölreserven, sondern direkt um Klimapolitik geht.
“Venezuelas Öl und die ‘Donroe’-Doktrin”.

Journal Samstag, 3. Januar 2026 – Kurztrip Berlin mit Schnee, Grand Show im Friedrichstadtpalast und MaMi’s

Sonntag, 4. Januar 2026

Lang und gut geschlafen, mit Kaffee (löslicher, gestellt vom Hotel, dazu Wasserkocher; für zwei Übernachtungen hatte ich nicht extra die Cafetera eingepackt) und Hotel-Bademantel zurück ins Bett zum Bloggen. Draußen große Winter-Show.

Gebloggt, im Bett Internet gelesen. Das tägliche Aufwachen zu “What’s he done now?” des Trump-Regimes hat in dieser zweiten Runde wirklich neue Dimensionen: Die USA haben Venezuela angegriffen und das Staatsoberhaupt gefangen genommen. Die EU protestiert nicht etwa engerisch, sondern wackelt lediglich besorgt mit dem Kopf.

Morgentoilette und Anziehen, auf dem Bett weitergelesen. Bei Einsetzen von Frühstückshunger aß ich erstmal einen der Äpfel, die das Hotel uns schenkte (sehr willkommene Geste), dann ging ich mit Herrn Kaltmamsell raus in den Schneematsch – Einheimische waren in diesem schneeartigen Zeugs sehr viele unterwegs, Kinder wurden auf Plastikwannenschlitten gezogen.

Nicht weit vom Hotel an der Kastanienallee kehrten wir in eines der vielen Cafés ein. (Habe die blöden Witze so verinnerlicht, dass ich Hemmungen spüre, Bedienungen in Mitte oder Prenzlauer Berg einfach auf Deutsch anzusprechen. Funktionierte aber in diesem Fall.)

Noch vor eins gab es Cappuccino sowie Tomaten-Basilikum-Quiche mit Salat. Auf dem kurzen Weg zurück zum Hotel noch zwei frisch gebackene (warme) Cookies mitgenommen, im Hotel gegessen: Meiner enthielt gebrannte Mandeln und Nougat, mächtig und gut.

Weiteres Lesen im Hotelzimmer, bis wir uns zur Nachmittagsvorstellung im Friedrichstadtpalast fertigmachten: Wir wollten die neue Show “Blinded by Delight” sehen – ich freute mich auf sensationelle Kostüme, schöne Menschen und Tanz, originelle Bühnentechnik, Akrobatik, schmissige Musik und viel, viel Glitzer.

Die schönen Schuhe ließ ich dann doch im Koffer, ich wollte ihnen den Schneematsch zwischen Hotel und Tram nicht antun. Also in Winterstiefeln zur Grand Show.

Und grand war sie wirklich, die Show, wunderschön, ich kam auf meine Kosten. Bühnentechnik: Allein schon auf wie viele Arten und von/nach wie vielen Orten die Darsteller*innen auftauchten oder verschwanden!
Was es an Akrobatik gab, also Einlagen so halb in die (eh nicht so relevante) Handlung eingebaut: Fliegende Männer auf Wippen, eine Verdreh-Frau (contortionist heißt auf Deutsch eigentlich Schlangenmensch, aber der Begriff macht die Erscheinung ja noch grusliger), BMX-Radfahrer (dafür braucht es wirklich diese größte Theaterbühne der Welt; ganz entzückend fand ich auch, dass die Burschen Glitzer-Smokingjacken zu den glänzend schwarzen Helmen trugen), ein Paar an großen Ringen.

Die Reihe, zentrales Element jeder Show im Friedrichstadtpalast, war die schönste, die ich bislang erlebt habe, die Choreografie muss sich ja doch immer wieder was Neues einfallen lassen. Etwa 40 Tänzer*innen mit überraschend diversen Formen (wenn auch selbstverständlich in einem gewissen Norm-Korridor), die in einer Reihe (daher der Name), ihre Beine in Glitzerstiefeln hochschmissen, waren zum Quietschen atemberaubend.

Am Ende der Schlussnummer war Fotografieren explizit erlaubt.

Paradox, aber eine Folge der Schwemme Computer-generierter und -gefälschter Bilder: Während ich mein Staunen über Fotos und Filmchen mittlerweile zurückhalte und erstmal nüchtern checke, ob die überhaupt echt sind, konnte ich mich gestern in diese Show rückhaltlos fallen lassen – die ja eigentlich Illusionen und Traum verkaufen sollte. Aber da standen, tanzten, sangen, wirbelten halt echte Menschen, da blitzte echtes Licht, spritzten Tropfen, glänzten echte Kostüme.

Zurück zu unserem Hotel Oderberger kamen wir so rechtzeitig vor unserer Abendessen-Reservierung, dass Zeit für einen Abstecher in die Hotel-Bar war, deren Coktails ich in besonders guter Erinnerung hatte.

Mein Pflaumen-Drink schmeckte hervorragend, Herr Kaltmamsell war mit seinem sahnigen Cocktail ebenfalls sehr zufrieden.

Einen Tisch reserviert hatte ich in MaMi’s Food&Wine in derselben Straße wie unser Hotel. Auf das feine Keller-Lokal geführt von den Geschwistern Marcel und Miriam hatte mich das Schwärmen einer Berliner Bekanntschaft durch Bilder auf instagram gebracht. Und jetzt schwärme auch ich: Wir aßen ganz ausgezeichnet und lernten so aufregende Weine kennen, dass der Rest des Jahres sich wird anstrengen müssen. Dazu ein wirklich herzlicher und aufmerksamer Service. Das Konzept des Restaurants: Menü aus acht oder zehn Tellern, die in vier oder fünf Gängen serviert und geteilt werden. Die Karte bietet die Gerichte aber auch einzeln an.

Begrüßt wurden wir mit einer Gemüse-Dashi mit Tapioka – super Idee das mit Tapioka als Suppeneinlage.

Links Kopfsalatherzen mit Sauce Café de Paris (besser als die von Herrn Kaltmamsell), außerdem Iberico und Allioli. Im Glas ein wunderbarer Rosé-Sekt aus dem Kamptal (nur bei einem Wein des Abends bemühte ich mich, alle Details festzuhalten, sonst nahm ich mir davon Urlaub).

Links Gelbflossenmakrele mit Koriandercreme und Pastinakenchips, rechts Kürbis als Creme, als Ofenstücke sowie eingelegt, dazu Petersilie und Salzzitrone. Und hier hatten wir den Knaller des Abends im Glas: Eine Cuvée vom Weingut Marie Adler in der Pfalz, angebaut als Gemischter Satz, spontanvergoren – und mit Apfelmus-Düften und Gewürzgeschmäckern ganz großartig.

Jetzt gab es Zwiebelsuppe, aber wie Hot Pot gewürzt, also eine echte Umami-Bombe, dazu knusprig-cremige Kichererbsen-Kroketten. Auf dem Teller links Pimientos de Padron mit Dulce de Leche, Orange und Cheddar – für meinen Geschmack gingen die Pimientos ein wenig unter. Dazu ein blumig-mineralischer El Gratallunes aus dem Penedés.

Als Hauptgericht angekündigt: MaMi´s Bolo mit Chili, dazu Salat mit Creme Fraiche und der Spielanleitung, die Bolo auf die Salatblätter zu löffeln – eine sehr schöne Kombi. Rechts Kartoffelpfannkuchen, Rote Beete, Jalapeño, braune Butter, Meerrettich – alles davon schmeckte in dieser Zusammenstellung unerwartet und aufregend. Weine gab es gleich zwei dazu: Ein sehr typischer Riesling (Bischöfliches Weingut Trier) zur Kartoffel, zur Bolo als Auftragswein des Restaurants einen Lemberger, abgerundet durch 10 Prozent Cabernet Sauvignon. Ich plauderte mit der einschenkenden Wirtin über Lemberger, den ich schätze, aber sonst nicht auf ambitionierten Weinkarten finde.

Zwei Desserts: Einmal weiße Schokoladencreme mit Tahini und Zwetschge, außerdem ein sehr würziger Apple Crumble. Im Glas eine Riesling-Spätlese.

Der Wein war zu viel (aber so gut!), wir spazierten die 200 Meter ins Hotel betrunken. Zumal wir zuvor ja einen Cocktail getrunken hatten (auch wenn das laut Herrn Kaltmamsell nicht zählt, weil es eine extra Cocktail-Leber gibt in Entsprechung zum Dessert-Magen).

Journal Donnerstag, 1. Januar 2026 – Sonnenlauf und La storia von Elsa Morante

Freitag, 2. Januar 2026

Gut geschlafen und lang, um Mitternacht dank Ohrstöpseln und geschlossenem Fenster nur wenig gestört von der Knallerei draußen. Lang genug geschlafen, dass der wolkenlose (hurra!) Himmel vorm Fenster bereits ein wenig hell wurde.

Nach dem Bloggen noch die Foto-Ordner auf dem Laptop archiviert/aktualisiert – fürs Sortieren hat der Jahreswechsel also auch für mich Bedeutung.

Eher spät losgekommen zu meinem Isarlauf. Eigentlich hatte ich die Tram zum Tivoli nehmen wollen und besonders weit nach Norden laufen, doch die angekündigte Tram verschwand auf einmal von der Anzeige, es gab Verkehrsstörungen. Also doch eine U-Bahn zum Odeonsplatz und über Hofgarten und Englischen Garten zum Tivoli. Schon nach 20 Minuten kam ich innere Laufruhe und trabte gedankenverloren.

Die sonnigen Uferwege waren bald recht belebt, vor allem von Gruppen, die sehr mit sich selbst beschäftigt waren und denen ich deshalb nur durch Sprünge in die Botanik ausweichen konnte.

Die schlaue Läuferin denkt an Sonnenbrille.

Die Gesamtlaufzeit geriet unbeabsichtigt wieder knapp unter zwei Stunden, mein Körper sagte: 20 Minuten zu viel. Ich werde mir beim nächsten Lauf lieber wieder einen Timer auf 50 Minuten stellen, nach denen ich umkehre.

Zurück erwischte ich gleich eine Tram.

Frühstück um halb drei: Marmeladenbrot, sauer eingelegtes Blaukraut, außerdem Mango und Datteln (wieso vergesse ich immer wieder, dass gute Datteln nach so viel mehr als nur Süß schmecken?) mit Joghurt.

Gemütlicher Nachmittag mit Lesen verschiedener Art. UND Herr Kaltmamsell ließ mich bei der Zubereitung des Abendessens helfen, Rinderrouladen: Ich durfte das Saucengemüse zubereiten.

Elsa Morante, Hannelise Hinderberger (Übers.), La Storia ausgelesen. Die letzten 100 Seiten, die 1947 spielten, waren eher mühsam, weil sie vor allem aus den Schilderungen von Träumen und dem Zitieren agitatorischer, aber wahnsinniger politischer Reden bestanden. Doch bis dahin gefiel mir der Roman sehr gut, der sich um die einfache und meist hilflose Volksschullehrerin Ida und ihre beiden Söhne im Rom der 1940er dreht. Viele Alltagsdetails, liebevolle Beschreibungen von Menschen und ihren inneren Vorgängen, es entsteht ein nachvollziehbares Bild ihres Ausgeliefertseins.
Nachtrag: Diese liebevolle Perspektive zeigt sich unter anderem in dem großen Verständnis für kindliches Verhalten: Sowohl die handelnden Personen als auch die Erzählstimme befassen sich ernsthaft und zugewandt mit kleinen Kindern, die ausrasten, toben, sich sonstwie sozial inkompatibel verhalten; nicht Disziplinierung oder Sanktionierung stehen im Vordergrund, sondern Sorge und das Bemühen herauszufinden, was den oder die Kleine gerade quält. Das hatte ich weder in der Handlungszeit noch in der Entstehungszeit des Romans erwartet.

Jedem der acht Jahreskapitel ist eine Zusammenfassung der Weltereignisse dieses Jahres aus linker Perspektive vorausgestellt (und in meiner Ausgabe in noch winzigerer Schrift), und hin und wieder taucht eine Erzählinstanz als “Ich” auf, die Personen, Orte und Vorfälle aus eigenem Miterleben kennt, aber bis zum Schluss nicht identifiziert wird. Ich kann gut verstehen, dass der Roman Geschichte gemacht hat.

Die lange Laufrunde steckte mir in den Knochen, genauer: in den Gelenken. Ich suchte mir eine halbe Stunde “Runner’s Yoga” von Adriene raus: War einen gute Idee.

Erstes Rauslegen von Kleidung zum Packen für Berlin. Die ICE-Supersparpreis-Tickets hatte ich Mitte Oktober gekauft – und bis jetzt keine Nachricht dazu, keine Änderung. Völlig verunsichert checkte ich, ob die Verbindung am Freitagmorgen überhaupt existierte.

Dann aber: Abendessen!

Rinderrouladen mit Blaukraut und Kartoffelpü, ein Festessen. Nachtisch Schokolade.

Im Bett begann ich die nächste Lektüre: Joachim Meyerhoff, Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke.

§

Oh wie traurig: Der SZ-Lokalredakteur Franz Kotteder ist gestorben.
“Immer echte SZ im besten Sinne”.

In der Schule gab er eine “Art Schülerzeitung” heraus, wie er es selbst einmal genannt hat: ein Heft, das er mit seinem Banknachbarn erstellte und das den Namen “Der kleine Brunnenvergifter” trug.

Ich werde ihn sehr vermissen.

§

Manuela Heim hat für die taz mit Anama Fronhoff gesprochen, die nach einem Hirnstamminfarkt sehr anders kommuniziert als die Mehrheit.
“Locked-In-Syndrom und Kommunikation
‘Manche Leute schreien mich an'”.

Journal Mittwoch, 31. Dezember 2025 – Sonnenschwimmen draußen

Donnerstag, 1. Januar 2026

Letzter Auftritt der Jahreszahl 2025 in der Überschrift.

Beim einzigen Aufwachen in der guten Nacht (Klogang) blinkten immer noch Sterne am Himmel, ich begann auf einen Sonnentag an Silvester zu hoffen: Den bekam ich dann auch zu meiner großen Freude und plante meine gestrige Schwimmrunde unter freiem Himmel im Dantebad.

Dazu machte ich mich besonders früh auf den Weg, denn an Silvester schlossen die Münchner Bäder bereits am frühen Nachmittag. Meine Fehleinschätzung: Ich hatte eher weniger Leute auf den Schwimmbahnen erwartet, es waren dann so viele, wie ich möglicherweise noch nie erlebt habe. Aber wir kamen gut miteinander klar, und schon bereiteten mir Sonnenschein, Gleiten durchs warme Wasser und Atemholen in kalter Winterluft so großes Vergnügen, dass ich mein Tagesziel auf 3.300 Meter erhöhte – mühelos erreicht.

In meiner Mastodon-Timeline wurde sich aus konkretem Anlass gerade verstärkt übers Schwimmen ausgetauscht. Auch ich würde ja bei Sehnsucht nach längeren Strecken / besserer Technik Kurse empfehlen, doch dann kam mir der Gedanke: Vielleicht ist Vergnügen am Schwimmen Voraussetzung für Erfolg von, nicht das Ergebnis von Kursen? Ich sehe im Dantebad so oft wiedererkennbare Menschen offensichtlich vergnügt viele Bahnen ziehen, deren Stil allen Regeln widerspricht (oder gibt es eine Schwimmart Rückenfrosch? Sitzschwimmen mit Flossen? Wasserrühren?), dass Spaß und Strecke eventuell nicht von Technik abhängen.

Nach dem herrlichen Schwimmen kam ich in der Umkleide mit gleich zwei anderen Schwimmerinnen ins Geplauder (nacheinander), ich mag die Mini-Vertrautheit in diesem Bad.

Zurück nahm ich eine Tram, um mehr von der Sonne zu sehen. Am Stiglmaierplatz stieg ich für den Kauf von Frühstückssemmeln aus, spazierte von dort zu Fuß nach Hause.

Plakat der Rosa Liste für die Stadtratswahl Anfang März. Ich freue mich bei jeder Sichtung an der Erinnerung, dass 1996 mit Thomas Niederbühl in München europaweit erstmals ein Vertreter einer schwul-lesbischen Wählergruppe in ein Kommunalparlament einzog – und versuche seit meinem Zuzug nach München 1999 bei jeder Stadtrats- und Bezirksausschusswahl mit meiner Stimme sicherzustellen, dass die Rosa Liste in diesen Gremien vertreten ist. Den aktuellen Stadtratskandidaten Bernd Müller (Thomas Niederbühl tritt nicht mehr an) kenne ich sogar persönlich.

Kurzer Halt in der Schillerstraße für Mittagscappuccino in einem Eckcafé, das mir aufgefallen war: Terramoon.

Boah, die Preise im Central Quartier (bitte französisch aussprechen, wenn sie meinem Viertel einen neuen Namen aufdrücken, bestimme ich zumindest, wie er klingt) sind ja ganz schön g’salzn, 4,50 Euro für einen Cappuccino? Sammer in Berlin?

Frühstück kurz nach eins: Körnersemmel mit Crowdfarming-Manchego, Seele mit Butter.

Es blieb sonnig, ich las im Wohnzimmer Zeitung, kuratierte Lieblings-Microbloposts, las Roman – und atmete viel durch den Mund, denn der Preis für das großartige Schwimm-Erlebnis war wieder Chlorschnupfen.

Gestern hatte das Böllerverbot keine Wirkung: Es knallte wie eh und je am 31. Dezember, je später am Tag und Abend, desto mehr.

Der letzte Tag des Jahres verabschiedete sich mit Abendrot.

Den Unsichtbaren Salat zum Nachtmahl bereitete ich zu, tagesaktuelle Abwandlungen: Viel mehr Vogerlsalat (gab’s an der Einkaufsstelle nur in einem größeren Pack), Apfelessig (war halt da), Mandelblätter statt -stiften (weil ebenfalls vorhanden; für den Crunch sorgte der Chicoree, das Aroma von gerösteten Mandeln blieb), und wie schon seit einigen Malen ersetzte ich den Honig durch Ahornsirup, weil sich bei mir der Honig nie in der Marinade auflöst.

Großartiges Essen. Silvesterlich hielten wir das Getränk des Abends:

Der Albet i Noya Espriu Brut Reserva schmeckte mir überdurchschnittlich gut für einen Schaumwein, merken. Nachtisch Schokolade.

Im Fernsehen ließen wir Die Gräfin von Hongkong laufen, den ich als berühmt abgespeichert hatte, aber noch nie gesehen. Schon nach wenigen Minuten wollte ich wissen, von wem dieses hinkende Drehbuch war: Oh, ich hatte vergessen, dass das 1967 der letzte Film von Charlie Chaplin war, der Regie führte, für das Drehbuch verantwortlich war und auch selbst auftrat. Wirklich kein Meisterwerk.

Mit Ohrstöpseln und bei geschlossenen Fenstern ins Bett zum Lesen. Wünsche einen schönen komplett neuen Kalender.

Journal Freitag, 26. Dezember 2025 – Familienweihnacht in Ingolstadt

Samstag, 27. Dezember 2025

Gut und über neun Stunden geschlafen – Ultra-Luxus! Weitere Freude: Das Zahnweh war weg, es blieb Beiß-Empfindlichkeit.

Dennoch reichlich Zeit für gemütliches Bloggen und Mastodon-Lesen, bevor es Zeit zum Fertigmachen für Aufbruch nach Ingolstadt war: Im Gepäck Weihnachtsgeschenkverpackung zur Wiederverwertung, außerdem der vegane Beitrag zum Festessen sowie der Nachtisch. Der Himmel über München hochneblig grau, die Luft eisig.

Gemütliche und pünktliche Fahrt nach Ingolstadt. In der Holledau Übergang von Nebel zu Sonne.

Dieselbe Sonne schien auch in Ingolstadt, ganz wunderbar.

Bei meinen Eltern waren wir die ersten Gäste, dann kamen zum Teil zu Fuß, zum Teil per Auto die Mitglieder der Bruderfamilie.

Umarmungen und Weihnachtswünsche, outfit appreciation (u.a. war die Schwägerin ganz in Silber selbsterklärt als Christbaumkugel gekommen), während Sektgläser gefüllt mit Alkoholischem oder Alkoholfreiem verteilt wurden. Zum Anstoßen mussten bereits die ersten in Gespräche vertieften aus Nebenräumen gezerrt werden.

Und dann begann das Schlemmen.

Vegane Pilzsuppe (ließ ich aus, um möglichst viel Platz für die Gans zu haben – ein wirklich saisonales Essen, das ich besonders liebe).

Gans vor Tranchieren (das Herr Kaltmamsell übernahm).

Gans mit Knödel, Blaukraut, Wirsing, davor steht die vegane Festspeise: Gedämpfter Lauch-Pudding, den Herr Kaltmamsell aus englischen Rezepten erarbeitet hatte (wir erinnern uns: pudding war ursprünglich etwas Herzhaftes, das im heißen Wasser oder Wasserdampf gegart wurde), vom Esser als hervorragend gepriesen (Blaukraut und Knödel waren eh vegan). Dazu spanischer Rotwein, Weißwein, auch in Alkoholfrei, und intensive Gespräche. Diese zogen sich auch über Espresso, Rotweincreme, Mousse au chocolat, nach Pause anschließenden Plätzchenteller. Durch Gespräche abgelenkt (es gibt jetzt in der Familie neben mir noch jemanden, der beruflich den Begriff “parlamentarischer Abend” verwendet und sich für die Entstehung von Koalitionsverträgen interessiert – und es ist nicht der Naheliegende!) merkte ich, dass ich hin und wieder sogar auf der bösen linke Seite kaute – Wunderheilung! Aber im Universum geht ja leider nichts verloren: Jetzt war es meiner Mutter unwohl, sie musste sich zurückziehen. Im Ablauf des Festes kein Ausfall, wir halfen eh alle zusammen bei allem, aber es tat mir für sie so leid!

Bei letzter Dämmerung wurden die Reste des Mahls aufgeteilt (unser Samstagessen ist mehr als gesichert), Aufbrüche nach Hause. Auch unsere Heimfahrt verlief ruhig und pünktlich, München empfing uns deutlich weniger frostig als am Morgen.

Ich hatte abends sogar nochmal Appetit: Apfel, Früchtebrot, Lebkuchen. Mit beidseitigem Kauen. (Das Haushaltsmitglied mit deutlich mehr Zahnschmerzerfahrung verwies darauf, dass mal auftauchende und dann wieder verschwindende Schmerzen durchaus üblich sind.)

§

Auf der Bahnfahrt hatte ich liegengebliebene SZ-Magazine gelesen, in der vorletzten Ausgabe fand ich zwei Geschichten bemerkenswert:

Andreas Unger schreibt über seinen christlichen Glauben in einer für mich ausgesprochen nachvollziehbaren Form. Anlass seiner Überlegungen (€):
“Ich wünsche meinen Kindern, dass sie an Gott glauben”.

Denn er merkt, dass er sich dafür erstmal klarwerden muss, was er seinen Kindern eigentlich genau wünscht.

Vielleicht würde uns insgesamt mehr Dürfen helfen: Nicht-sicher-sein-Dürfen, Staunen-Dürfen, Tasten-Dürfen. Weniger Richtig, weniger Falsch. Mehr Wundern als Wunder. Wer uns daran hindert, das sind wir selbst. Es hat uns aber auch niemand gezeigt, wie es geht, das Dürfen-Dürfen.

Aber halt! Geht hier nicht schon die Saat der Beliebigkeit auf, ist hier nicht der erste Schritt in die »Diktatur des Relativismus« getan, von der Papst Benedikt XVI. sprach, in der jeder sich herausklaubt, was ihm frommt? Dann schließt sich der Himmel, Gottes Wille schrumpft zu Moral, und Jesus, von dem in diesem Text bisher verdächtig wenig die Rede war, wird zum Sonntags­prediger. Von dort ist es nicht mehr weit zu Martin Walsers resignierend-schönem Wort: »Ich bin an den Sonntag gebunden / wie an eine Melodie / Ich habe keine andere gefunden / Ich glaube nichts / aber ich knie.«

Das erinnerte mich an den Selbstbedienungs-Glauben, den ich an manchen Religiösen beobachte, unverbindliches find what feels good wie bei Yoga with Adriene.

§

Der zweite bemerkenswerte Artikel thematisiert, was auch mich bewegt: Bahnhöfe in Deutschland. Vivien Timmler und Dorothea Wagner nehmen sich für ihre Recherche den Hauptbahnhof Bonn genauer vor (€):
“Warum Bahnhöfe so trostlose Orte geworden sind”.

§

Sarah Bosetti nennt gute Gründe, die AfD zu wählen.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://www.youtube.com/watch?v=DcZlgoAx_o4

Journal Mittwoch, 24. Dezember 2025 – Heilig Abend mit Schräglage

Donnerstag, 25. Dezember 2025

Das war ein sehr seltsamer Heiliger Abend: Maladitäten prägten die Atmosphäre, und obwohl ich (im Gegensatz zum Vorjahr) total bereit war für Weihnachten, fühlte sich alles schräg an.

Gut geschlafen, doch jede Berührung der Knirschschiene (ist auf der unteren Zahnreihe befestigt) am Schmerzzahn ließ mich ein wenig vor Schmerz aufwachen. Zum Frühstückskaffee darauf eine Ibu.

Der Himmel draußen superdüster, die Luft nasskaltklamm. Plan war nach Bloggen und Gymnastik eine Wanderung mit Herrn Kaltmamsell entlang dem Auer Mühlbach wie vergangenes Jahr, inklusive Anmarsch zum Anfang des Bachs bei Maria Einsiedel zu Fuß. Als Gymnastik turnte ich nochmal die lange Pilates-Folge von Gabi Fastner mit Rundum-Kräftigung.

Wie angekündigt wurde es draußen leicht weiß. It‘s beginning to look a lot like White Christmas – der Übergang lässt sich beim Singen hinkriegen. Als wir rauskamen, entpuppte sich der Niederschlag allerdings als Griesl und mit leichtem Wind eher ungemütlich. Die Bewegung im bereits weihnachtsstillen Draußen tat aber gut.

Isarkrokodil, Obacht!

Flaucher-Biergarten im Winterschlaf.

Besichtigung des spektakulären Spielplatzes beim Flaucher-Biergarten. Er heißt Seidenspinner-Spielplatz

und nimmt damit Bezug auf den ursprünglichen Zweck des Flauchers. Denn was heute als ein kleines Stück natürlicher Wildnis in der Stadt wahrgenommen wird, wurde vor mehr als 200 Jahren zur Zucht der Seidenspinner-Schmetterlingsraupen genutzt.

Marienklause. Links durch die kahlen Bäume sahen wir im Tierpark sogar einen Eisbären – eher rostbraun als weiß.

St. Anna auf der Hochleite.

Auer Mühlbach.

Wir kehrten ins Caffe Fausto auf einen Mittagscappuccino (und Espresso-Kauf) ein, bevor Café und Rösterei über die Weihnachtszeit schlossen.

Diesmal gingen wir nur bis zur Ludwigsbrücke, denn richtig gemütlich war das Wetter nicht, und ich fühlte mich nicht so ganz fit. Eine Tram brachte uns zum Sendlinger Tor, auf der Fahrt stellte Herr Kaltmamsell fest, dass sein Handy den Geist aufgegeben hatte (zahlreiche Bemühungen am restlichen Nachmittag fruchtlos).

Frühstück um halb drei: Salatrest vom Vorabend, außerdem Persimon und Apfel mit Sojajoghurt.
Ab dem ersten Bissen leider nicht mehr zu verdrängen: Kauen auf der linken Seite war jetzt vor Schmerz gar nicht mehr möglich, auch beim rechtsseitigen Kauen heulte der Hauptschmerzzahn auf. Jetzt war ich dann doch bei der Form Schmerz angelangt, den die Zahnärztin als ernst zu nehmen beschrieben hatte, blöderweise sechs Tage nach dem Besuch bei ihr. Im Rhythmus des Herzschlags pulsierender Zahn. Lustig. Noch eine Ibu brachte zumindest Ruhe rein. Sie werden natürlich einwenden, ich könnte ja auch mal ein paar Tage das Essen bleiben lassen – aber doch nicht ausgerechnet an Weihnachten!

Und dann war mir auch noch trotz Heizung und dickem Pulli so kalt, dass ich schnatterte, selbst unter zusätzlich warmer Decke. SAMMA!

Draußen schneite es jetzt Hollywoodfilm-mäßig. Soundtrack dazu umgehend: Schneeräumfahrzeuggerassel, als hätten die seit Wochen dafür auf der Lauer gelegen. Nachdem ich kürzlich einen TV-Bericht über einen bayerischen ÖPNV-Busfahrer gesehen hatte, dem der Arbeitseinsatz an Heilig Abend nichts ausmachte, weil er und seine Familie Muslime sind, stellte ich mir vor, dass es auch so manch andere Berufe entlastet, wenn ein Teil der Belegschaft aus anderen Traditionen kommt (und dafür zum Beispiel an Zuckerfest/Opferfest frei bekommt).

Eine zusätzliche Wärmflasche auf dem Sofa unter zwei Decken stellt zumindest das Schlottern ab, aber Füße und Hände blieben kalt. Herr Kaltmamsell drohte bereits damit, mich für krank zu erklären und von der Küche fernzuhalten. Eigentlich hatte ich um vier nochmal zum Alten Südfriedhof spazieren wollen und zu den Weihnachtsliedbläsern singen, doch in diesem Zustand war mir die Lust darauf vergangen.

ABER! Um die Zeit, die ich als Start der Weihnachtskocherei angepeilt hatte, fühlte ich mich fit genug: Ich begann die Zubereitung von Ossobuco. Erst beim Befolgen meines eigenen Rezepts merkte ich, dass ich fehlkalkuliert hatte: Das Gericht würde eine halbe Stunde nach eigentlich mit Herrn Kaltmamsell vereinbarter Zeit fertig werden. Egal, wir waren ja nur zu zweit.

Es wurde dann noch später, denn auch Herrn Kaltmamsells Risotto milanese als Beilage dauerte länger, aber das vergnügt: In Verbindung mit Alkohol entspannt Ibuprofen erst so richtig. Wir starteten den Abend offiziell mit Eggnogg.

Ich hatte sogar die Energie aufgebracht, weihnachtliche Tischsets hervorzukramen (blieb aber mit meinem edlen echten Norwegerpulli über Thermo-Rolli im Hütten-Schick und machte mich nicht noch feiner).

Vorspeise Vogerlsalat mit gerösteten Walnüssen und Kürbiskernöl, davor Telefonat mit den lieben Schwiegers (bei denen ich diese Salat-Kombi einst kennenlernte), die eine ihrer beiden Nichten zu Besuch hatten.

Zum Hauptgang öffnete ich eine Flasche sizilianischen Grillo Pettineo, überraschend herb und mineralisch. Das Ossobuco war hervorragend geraten, der Risotto perfekt cremig und doch mit Biss – Beißen konnte ich allerdings nur in kleinen Portionen, vorsichtig und nur auf einer Seite. Es erleichterte mich, dass ich mittlerweile von einer Freundin eine Anlaufstelle für Zahn-Notfälle ganz in der Nähe bekommen hatte, die Ärmste hatte damit Erfahrung, aber zumindest dort sehr gute.

Das Dessert hatte ich von meinem Wanderurlaub aus England mitgebracht: Christmas Pudding. Herr Kaltmamsell erwärmte es nach Anleitung in der Mikrowelle, servierte mit Brandy Butter. Zuvor hatten wir uns noch den vielen Geschenken von Familie, aus dem Freundeskreis, von Kolleg*innen gewidmet, unter anderem: Bei mir wird im Frühjahr ein Feigenbäumchen einziehen, Herr Kaltmamsell muss mit einem edlen Pata-negra-Schinken fertigwerden, ich kann angemessen Kastenbrot backen (Gusseisenform mit Deckel), beide freuen wir uns auf einen Konzertbesuch Ende Februar.

Abschließende Frage des Heiligen Abends:
Wie reagieren auf selbstproduzierten KI-Slop als Weihnachtsgruß?

§

Nicht besinnlich weihnachtlich, aber unbedingt wichtig: Die US-Regierung baut das System nicht nur intern zum Autoritarismus um, sondern bekämpft das Völkerrecht. Zum Beispiel ganz persönlich Menschen in anderen Nationen, die Rechtsstaatlichkeit umsetzen:
“USA gehen gegen HateAid vor”.
Wir sprechen hier von Leuten, die vor drei Monaten das Bundesverdienstkreuz für genau dieses Engagement erhielten.

Dieses Handeln ist völlig unakzeptabel. Es ist wichtig, das als solches zu benennen. Auch ich verspüre bei den absurden Eskapaden von Trump und der restlichen US-Regierung den Reflex, sie einfach zu ignorieren, wie bei einem provozierenden Kleinkind. Aber es ist wichtig laut auszusprechen: Es verletzt das Völkerrecht, Gebiete anderer Nationen zu verlangen (Grönland), das Völkerrecht, das die Basis für den Umgang von Nationen miteinander ist.

Zu meiner Erleichterung sieht meine Regierung das auch so:
“Scharfe Kritik an ‘inakzeptablen’ US-Sanktionen”.

Gleichzeitig beobachtet mein innerer Spock fasziniert, wie sich die internationale Diplomatie zu Offiziellen verhält, die gegen alle Regeln und Gepflogenheiten der Diplomatie verstoßen.

Journal Freitag, 19. Dezember 2025 – Abschied vom Arbeitsjahr

Samstag, 20. Dezember 2025

Eigentlich gut geschlafen, aber bei jedem leichten Aufwachen gecheckt, ob ich gerade die Zähne auf die Knirschschiene presse: Nein, nie.

Ich verließ das Haus zu klarem Himmel, war nach der milden Luft am Vorabend aber über das frostige Glitzern überall überrascht.

Büroräume jetzt doch vorweihnachtlich UND freitäglich leer. Dennoch wollte sich das erhoffte Däumchendrehen bis vorzeitigem Feierabend einfach nicht einstellen, ich hatte vormittags sogar einen TERMIN!

Letzter Bürohausblick über München des Jahres.

Die Gesichtsschmerzen hielten an, ich hielt mit Ibu dagegen – die wirkte! Aber der Korridor an Temperatur, mit dem ein Getränk meine diversen Schmerzzähne nicht zum Aufjaulen brachte, war weiterhin unerhört eng, ich vermutete wenige Grad um Körpertemperatur.

Das merkte ich unter anderem an meinem Mittagscappuccino, zu dem ich durch wundervolle Sonne raus ging: Die heiße Flüssigkeit jagte den Schmerz wieder hoch.

Zurück am Schreibtisch wurde es endlich wirklich ruhiger. Noch der eine oder andere Aufreger, zu Mittag Äpfel sowie Mango mit Sojajoghurt, dann konnte ich meinen Schreibtisch systematisch leerarbeiten – was in meinem Fall durchaus physisch zu verstehen ist.

Vorzeitiger Feierabend, ich verließ das Haus nur wenig nach drei, fand davor noch zwei Kolleg*innen, denen ich schöne Weihnachtsferien wünschen konnte.

Mit Genuss spazierte ich durch Tages- und sogar Sonnenlicht zu Besorgungen: Lebensmittel im Vollcorner, dann brachte mich die U-Bahn zum Odeonsplatz, von dort spazierte ich zum Hofbräuhausmühlenladen für Roggenmehl Type 1370, denn ich wollte am Samstag Brot backen. Doch ich merkte, dass mich dieses Jahr zwar spät, aber doch der Dezember einholte (was bei mir bedeutet: Überfall von disparaten Dezember-Erinnerungen inklusive damit verbundenen Gefühlen, heuer im Vordergrund ein tief vermisster lieber Freund meiner Jugend). Ich freute mich sehr auf Alkohol.

Heimweg über den Jakobsplatz und die Chanukkia, die ich immer noch nicht schön finde.

Mit Herrn Kaltmamsell war ich zu einem aushäusigen Abendessen verabredet, aber durch meinen frühen Feierabend blieb davor Zeit für Pilates, Blumengießen, Brotvorbereitungen.

Ich hatte im Blauen Haus auf der Rückseite der Kammerspiele für uns reserviert, im Conviva. Dorthin spazierten wir eher früh am Abend einmal quer durch die innerste Innnenstadt und damit an einem Freitagabend durch Menschenmassen.

Das Lokal war dicht besetzt, erst als sich das um dreiviertel acht schlagartig änderte, wurde mir klar: Viele Theaterbesucher*innen vor Vorstellungsbesuch.

Als Alkohol des Abends folgte ich der Tagesempfehlung mit Kreide auf Tafel an der Wand und bestellte eine Flasche Wiener Gemischten Satz Fuchs-Steinklammer. Schön kräftig, und der Alkohol führte innerhalb von Minuten zur ersehnten Entspannung. Vielleicht sollte ich öfter Alkohol trinken.

Als Vorspeisen gab es für mich Fischsuppe (gut), für Herrn Kaltmamsell Flusskrebs-Sauerrahmterrine mit Rote-Bete-Salat (er freute sich vor allem über die Zubereitung der Bete).

Als Hauptgang hatte ich Kabeljaufilet (wunderbar saftig) auf Belugalinsen, gegenüber gab es Gebackene Blutwurst mit Kartoffel-Feldsalat, wieder waren wir beide sehr zufrieden.

Gleicher Nachtisch: Nougat-Spekulatiusmousse mit pochierten Birnen.

Angenehm beduselt machten wir uns auf den Heimweg (immer noch keine Mütze nötig).

Schau an: Die Eisbachwelle (Zukunft derzeit ungewiss) ist ikonisch genug, dass sie den Bauzaun des Luxusobjekts “Falckenberg-Ensemble” schmückt.

Zu meiner Überraschung war an den Christkindlmärkten auf dem Weg noch Hochbetrieb. Zu Hause machte ich uns noch Espresso (decaf, damit ich danach schlafen konnte), schenkte ein wenig uralten spanischen Brandy ein.

§

Auch ich brauchte lange zu begreifen, dass Glennkill von Leonie Swann ein deutscher Krimi ist, nicht etwa aus dem Englischen übersetzt.1
Jetzt wurde er mit Hugh Jackman (!) und Emma Thompson (!!) verfilmt, hier der Trailer.

  1. Das kann unmöglich SCHON ZWANZIG JAHRE HER SEIN! []