Essen & Trinken

Journal Ostermontag, 1. April 2024 – Großfamilie um Frühstückstafel vereint

Dienstag, 2. April 2024

Ich hatte einen Wecker gestellt, da ich zum Osterfrühstück bei Elterns einen frisch gebackenen Zopf mitbringen wollte, dessen Teig über Nacht im Kühlschrank ging. Herr Kaltmamsell allerdings vertraute offensichtlich meiner Zeitplanung nicht und stand eine halbe Stunde vorher in meinem Schlafzimmer, um mich vor dem Verschlafen zu bewahren. Na, wo ich schonmal wach war – gegen einen dadurch gemütlicheren Morgen hatte ich ja nichts.

Die Zopflanleitung zum Rezept ist glasklar, die ersten Male konnte ich sie problemlos nachvollziehen. Doch die letzten Male, auch gestern, kapierte ich sie nicht und verlegte mich irgendwann auf Wurschteln. Ich werde nicht um einen Kurs rumkommen.

Mit dem warmen Zopf im Gepäck setzten wir uns in einen Zug nach Ingolstadt, kamen nahezu pünktlich an. Es folgten Herzen und Küssen von enger Verwandtschaft, Zusammensetzung wie vor einem Jahr auf Großfamilienurlaub in Spanien.

Hastig abfotografierte Frühstückstafel. Das bunte Gebäck rechts ist ein Geschenk ukrainischer Nachbarn, bitte beachten Sie Rote-Bete-Püree und frisch geriebenem Meerrettich (seit vielen jahren opfert sich und seine Tränen dafür mein Bruder) als polnische Note. Nicht im Bild: Die Platte mit veganer Wurst. Dazu viel Austausch und Gespräche, ich konnte Neffe 1 für das Ausleihen von Larissa Kikols Signed danken. Draußen immer wieder Regenschauer.

Osterspaziergang in eher unangenehmem kalten Wind:

Die Neffen kennen hier jeden Stein und jedes Spielplatzdetail: Sie und ihre Schwester verbrachten ihre ganze Kindheit hindurch einen Tag die Woche bei den Großeltern, die mit ihnen die Umgebung nutzten. Mehr Gespräche mit Updates, zurück bei meinen Eltern sahen wir zusammen das Fotoalbum unseres Großfamilienurlaubs vor einem Jahr an.

Eine warme Mahlzeit gab es auch:

Besonders zartes Lamm, nach kastilischer Art nur mit Salz langsam im Ofen gegart, ganz köstlich. Dazu hatte ich Lust auf Rotwein, mein Vater schenkte einen spanischen aus. Nachtisch Schokolade aus einem großen Korb voller Ostereier.

Rückfahrt nach München in gar nicht mal so vollem Zug, ich hatte mehr Rückreiseverkehr befürchtet. Ankunft mit unwesentlicher Verspätung.

Daheim erstmal Häuslichkeiten, unter anderem reinigte ich meine von Schwiegers ererbte Kaffeemühle (KRUPSCH!): Ich mahlte darin altes Weißbrot, das nahm die Kaffeepulverreste mit, abschließendes Auskehren mit altem Zahnbürstl.

Meine diesmal besonders schönen Osterferien waren vorbei, ich bereitete den Arbeitstag vor. Und wechselte währenddessen wieder in die Birkenstocks als Hausschuhe – derzeit tausche ich ständig zwischen warmen Puschen und den offenen Pantoffeln, wie halt die Anforderungen des Wetters wechseln.

Früh ins Bett zum Lesen, die Geschichte von Robert Menasses Die Vertreibung aus der Hölle fesselt mich.

Journal Ostersonntag, 31. März 2024 – Ostersonntag in Technicolor, viel Beifang aus dem Internetz

Montag, 1. April 2024

Mittelgut, aber nicht lang genug geschlafen. Beim Aufwachen kam die Anstrengung der Zeitumrechung bei neuer Sommerzeit dazu: Wie lange hatte ich eigentlich geschlafen? Bevor ich zu einem Ergebnis gekommen war, beschloss ich, dass Munterkeit als Anlass fürs Aufstehen reichen musste.

Erste Handgriffe des Morgens: Umstellen der vier Uhren im Haushalt, die das nicht selbst tun. Das traditionelle polnische Osterfrühstück bei meinen Eltern würde erst am Ostermontag stattfinden, ich konnte den Ostersonntag also frei planen.

Stand der Kastanie.

Dann genüssliches Bloggen, das Draußen sah wieder so seltsam trübe aus, gestern allerdings zunächst ohne die Wärme vom Samstag. Plan war eine Schwimmrunde im Olympiabad. Vor dem Losradeln pumpte ich die Reifen ordentlich auf (Rad hatte ein paar Wochen ungenutzt rumgestanden) – und durfte dann mal wieder erleben, welchen kolossalen Unterschied das beim Treten macht: Ich war durchgehend wie mit Rückenwind unterwegs.

Wie erwartet war das Schwimmbecken wenig genutzt, doch zwischen mir und echtem Wassergenuss stand meine gestern wieder stark schmerzende Schulter. Dann vielleicht doch mal Konsultation der Orthopädie, auch wenn ich mir denke: Ist halt Verschleiß und Alter, was sollen die schon machen, wenn nichts Reparables kaputt ist?

Für den Heimweg machte ich im Olympiapark zum Start mal einen Umweg: Schon beim Hinradeln hatte ich mich durch Jahrmarktsbuden geschlängelt, jetzt waren sie zudem sehr gut besucht. Ich fuhr also auf die andere Seite des Olympiasees. Es war sonnig geworden und schlagartig warm. Ich besorgte unterwegs Semmeln, die gab es neben Apfel und Orange kurz vor zwei zum Frühstück.

Wochenend-SZ gelesen, Lieblingsmicrobloposts zusammengestellt – all das bei offener Balkontür, mittlerweile strahlte das Draußen in Technicolor.

Das zog mich nochmal raus, ich ging Schaufensterbummeln.

Die Sendlinger Straße (24 Grad im Halbschatten) ist weiterhin sauber und propper – doch zu meiner wachsenden Bestürzung kommen zu den vielen Baustellen an der Fußgängerzone immer mehr Geschäftsschließungen (u.a. kein Missoni mehr am Salvatorplatz!), München wirkt derzeit wirklich nicht luxuriös, sondern eher wie eine Provinzstadt im Niedergang.

Daheim eine Runde Yoga-Gymnastik, Teig für Osterzopf geknetet. Zum Nachtmahl hatte Herr Kaltmamsell das Sauerkraut aus Ernteanteil zu Szegediner Gulasch verarbeitet. Schmeckte ausgezeichnet, mit dem recht rassen Sauerkraut eher sauer, aber das machte sich gut.

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Tagesschau.de zum Stand der Pferdemetzgerei in Deutschland:
“Pferdefleisch
Isst man sowas heute noch?”

Daraus erfuhr ich unter anderem endlich, woher genau das Fleisch in Pferdemetzgereien kommt.

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Kaum sind die “Omas gegen rechts” als starke Kraft aufgefallen, arbeitet die AfD massiv gegen – mit infamen Mitteln:
“Omas für Demokratie ist eine rechte AfD-Initiative”.

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NZZ-Interview mit Rechtsanwältin Christina Clemm, die vor Gericht Opfer von häuslicher Gewalt vertritt:
“Viele kennen die Statistik, wonach in Deutschland alle drei Tage eine Frau durch ihren Partner getötet wird. Aber es wird hingenommen”.

Was auch mir neu war:

Wir haben in Deutschland ein neues Sexualstrafrecht (…), das ist gut. Aber die Häufigkeit der geschlechtsbezogenen Gewalt hat sich nicht geändert. Im Gegenteil, es gibt mehr Fälle.

Weil über Femizide diskutiert wird und vielleicht auch mehr Fälle heute als solche erkannt und dazugezählt werden können als früher?

Nein. Es gibt eine Untersuchung aus Niedersachsen, die zeigt: Die Zahl der registrierten Fälle von Partnerschaftsgewalt ist nicht aufgrund einer höheren Anzeigebereitschaft gestiegen. Sondern weil die Zahl der Gewalttaten insgesamt steigt.

Weniger überraschend:

Die Polizei behandelt häusliche Gewalt wie eine Bagatelle, nicht wie ein Verbrechen?

Ja, aber meist nicht einmal mit Absicht. Partnerschaftsgewalt ist einfach so alltäglich für die Polizisten, dass sie die Schwere der Taten nicht mehr wahrnehmen. Auch nicht die Gefährlichkeit der Täter. In Deutschland passiert das auch, weil sie einfach keine Kapazitäten haben.

(…)

In der Kita, in der Schule, überall wird an die Mädchen herangetragen, wie sie sich verhalten sollen, damit ihnen nichts passiert. Jungs hingegen wird nicht mit gleicher Energie ein Verständnis für Grenzüberschreitungen beigebracht.

(…)

All diese Beispiele setzen ein Männlichkeitsbild voraus, bei dem Männer nicht in der Lage sind, ihr Gegenüber zu respektieren und sich selbst unter Kontrolle zu haben.

Darum wundere ich mich auch, dass angeblich fortschrittliche Männer sich nicht viel mehr gegen geschlechtsbezogene Gewalt und das fatale Männlichkeitsbild wehren. Bei Sexualdelikten heisst es oft, der Täter konnte nicht erkennen, dass sein Gegenüber keine sexuelle Handlung wollte. Weil sie erstarrt ist, statt sich zu wehren. Weil sie vielleicht nur leise geweint hat. Weil sie sich wegdrehte und nicht laut «Nein» sagte. Aber es ist völlig unsinnig zu behaupten, Männer seien nicht in der Lage, diese Zeichen zu lesen.

(…)

Was können Männer denn tun?

Sie müssten mit ihren Freunden reflektieren, wie grenzüberschreitend sie denn eigentlich sind und was sie gegen die Gewalt unternehmen können. Oder einschreiten, wenn sie etwas beobachten. Insgesamt reicht es nicht, einfach nur selbst nicht gewalttätig zu sein.

(…)

Welche Rolle spielt bei diesen Geschlechterbildern die inklusive Sprache?

Eine sehr wichtige Rolle. Sonst wäre sie in Bayern nicht gerade verboten worden. Sprache ist mächtig, und es ist ein Angriff auf patriarchale Strukturen, wenn Frauen und andere Geschlechter in der Sprache sichtbar werden. Das scheint man erkannt zu haben, das Patriarchat ist wehrhaft.

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Abschied von unserer Nachbarschafts-Metzgerei. Sehr schade, auch wenn es zum Viktualienmarkt nur zehn Minuten weiter ist: Das war unser Metzger.

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Obacht mit Stereotypen und Vorurteilen:
“‘We’re the Muslim Spice Girls!’ Shazia Mirza on finding box office gold with her halal comedy supergroup”.

There was the racism disguised as criticism. White males who had never seen a Muslim female comedian before wrote: “This is not funny. This is no good. Why does she always talk about being Muslim?” Or alternatively: “She doesn’t talk about Muslim enough! Of all the things she could have been talking about and she talks about Primark? What a waste of a good Muslim.”

(…)

I was expected to be a walking, talking explanation of all things Muslim. While my white male comedian friends had the privilege of talking about aeroplane food, why women have so many shoes, and snorting while laughing, I was expected to explain 9/11, the war in Afghanistan and Shamima Begum. The tabloids deliberately misconstrued my material and accused me of supporting Isis.

(…)

I was doing autobiographical jokes when no one really knew much about the lives of Muslims, in particular women. Anything more complicated than “All the women in my family wear the burqa – which is great because we all use the same bus pass” made people feel uncomfortable. Or confused about whether they could laugh or not.

Off stage, people couldn’t place me. I would get stopped at airports and asked: “Are you Malala? Mindy Kaling?” Or worse still, on a beach in the Caribbean: “Are you my GP?”

Journal Karsamstag, 30. März 2024 – Freundinnenwanderung durch Sahara-Dunst und Fehlerkultur Rumtopf

Sonntag, 31. März 2024

Guter Schlaf – und das trotz des reichlichen Alkohols am Vorabend. Draußen war es ungehörig warm, aber seltsam diesig.

Aufgeregtes Fertigmachen für die Wanderverabredung: Frau Bruellen war in der Gegend und schenkte mir den Tag für eine Würm-Wanderung von Gauting nach Starnberg.

Wir trafen uns am Pasinger Bahnhof, dort kreuzten sich unsere S-Bahn-Anfahrten von Osten und Westen. Ich hatte bereits meine leichte Jacke abgelegt, der Karsamstag 2024 kam in Südbayern mit T-Shirt-Wetter.

Spuren verschiedener historischer Epochen.

Große Freude beim Wiedersehen, Schneemassen hatten mich ja um das vorherige gebracht.

Die S-Bahnen nach Gauting fuhren etwa alle 20 Minuten, keine davon zur Fahrplanzeit, wir nahmen einfach die nächstbeste. Bei Ankunft in Gauting setzte sich das seltsame Wetter fort: Es war sehr warm, über dem Wald gegenüber der Anhöhe des Bahnhofs lag eigenartiger Dunst – das war wohl der angekündigte Saharasand.

Obwohl wir mittlerweile tief im Gespräch waren und das die nächsten Stunden auch blieben, gab es schöne Wanderanblicke, von Sommergoldhähnchen (nicht meine erste Sichtung und Identifikation, vielleicht merke ich sie mir jetzt endlich) und vielen Blümchen (meine Begleiterin erwies sich als ausgesprochen firm) über sehr lang schon tote Tiere, einen Falken bis zu vielen anderen Vögelchen, einer flauschigen Katze, die sich in einem Vorgarten räkelte, glitzernder Würm mit viel Totholz aus dem vergangenen Winter.

Ans Fotografieren mussten wir einander in all dem intensiven Austausch aktiv erinnern, wir wollten ja beide Andenken mitnehmen.

Königswiesen.

Auf einem Bankerl bei einer wilden Wirtschaft im Mühltal machten wir kurz Pause.

Ich hatte Aussicht auf den Starnberger See versprochen, gibt es sonst von dieser Anhöhe kurz vor Leutstetten – gestern durch den seltsamen Dunst nicht wirklich.

Über Percha gingen wir zum See – und als wir an den Dunst selbst gelangten, wurde es schlagartig kühl. Zu meiner Überraschung: Ich hatte die Wärme des spanischen Calima erwartet. Dennoch setzten wir uns wie geplant zu einem Café an der Uferpromenade, jetzt halt in Jacken: Ich hatte am Wochenende zuvor entdeckt, dass es italienisches Gebäck anbot, also gab es je ein (gutes) Canolo zu Espresso und Cappuccino mit Blick auf den diesigen See.

Gegen drei nahmen wir eine S-Bahn zurück nach Pasing, dort bekam ich wunderschöne selbstgestrickte Socken (mein drittes Paar aus diesen Nadeln, und ich liebe sie sehr) und Schweizer Schokolade geschenkt. Abschied auf hoffentlich bald, es zeichnet sich tatsächlich ein baldiges nächstes Mal ab.

Auf dem Heimweg vom Hauptbahnhof erledigte ich noch kleine Einkäufe, zu Hause wandelte ich meine Aufgekratztheit in Häuslichkeiten um, unter anderem fettete ich die in der Vorwoche patschnass gewordenen alten Wanderstiefel gründlich ein.

Ich turnte eine sportliche Runde Yoga-Gymnastik, während Herr Kaltmamsell wieder fürs Abendessen sorgte: Ein Teil des Blaukrauts aus Ernteanteil wurde Risotto.

Als Aperitif testeten wir eine Idee zur Verwendung unseres unessbaren Rumtopfs. Denn: Ich hatte ja vergangenen Herbst einen Trockenfrüchte-Rumtopf angesetzt (kannte ich aus Vergangenheit), und irgendwas redete mir ein, dazu müsse ich Stroh-Rum verwenden, und zwar 80-prozentigen. Wie wir wissen, gibt es keine misslungenen Experimente, aus allen lässt sich etwas lernen. Aus diesem zum Beispiel: Das wird ungenießbar, weil viel zu scharf, auch mit nachgekipptem Zucker, und die Trockenfrüchte werden nicht weich. Gestern mixten wir die Flüssigkeit, mit der man möglicherweise kleine Säugetiere töten kann, als Longdrink mit Eis und Orangensaft, und hurra! das schmeckte gut. Dazu knabberten wir libanesische Nüsschen, die ich auf dem Heimweg besorgt hatte.

Als Vorspeise gab es die Pastete vom Vorabend, 24 Stunden Festwerden und Durchziehen hatte sie noch besser gemacht. Das unten ist süßer Senf, der ausgezeichnet dazu passte.

Und das Blaukraut-Risotto mit etwas Orangenabrieb und einem Klecks Mascarpone – sehr gut. Es passte nicht mehr viel Schokolade hinterher.

Im Fernseher ließen wir den Eberhofer-Krimi Sauerkrautkoma laufen – und ich bin hiermit für einen Oscar für Location Scouting: So viele authentisch hässliche Häuser, Wohnungen, Einrichtungen, Landschaften in Bayern! Auch sonst fiel mir wieder die ausgesprochen originelle Kamera-Arbeit auf.

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Wussten Sie, dass Tulpen tanzen können?

Journal Karfreitag, 29. März 2024 – Abenteuer Alter Riesling

Samstag, 30. März 2024

Mit der Wärmflasche fror ich nicht mehr im Bett, so richtig gut und reichlich war der Schlaf dann aber nicht. Egal, beim zu frühen Aufwachen freute ich mich trotzdem über den freien Tag.

Mein Sportrucksack mit Schwimmzeug war schon halb gepackt, als ich auf die Idee kam, vielleicht nicht zum Schwimmen zu radeln, sondern den Feiertag für dieses Ausruhen zu nutzen, von dem ich schon viel Gutes gehört hatte. In-mich-horchen ergab: Gute Idee. Ich packte wieder aus und brühte eine weitere Tasse Tee auf.

Die freigesetzte Energie formierte sich umgehend zu einer Panel-Idee für die re:publica 2025, in der darauffolgende Stunde siedelten sich dazu Detail-Ideen an. Dazu gehörte, dass idealerweise eine ziemlich hochkarätige Persönlichkeit beteiligt ist (zu der ich über ein Eck eine Verbindung habe), ich müsste allein schon wegen Terminsicherung also spätestens im November dieses Jahres aktiv werden. Wie so oft bei neuen Ideen war ich völlig enthusiastisch, jetzt bin ich gespannt, ob ich es durchziehe.

Ab morgens freute ich mich den ganzen Tag sehr auf den Alkohol am Abend, zumal es ein besonderer sein würde.

Um die Mittagszeit duschte ich mich und zog mich an, raus zum Semmel- und Brotkaufen – jetzt war es schlagartig jackenlos warm geworden. Frühstück kurz nach eins: Semmeln, außerdem Grapefruit mit Joghurt.

Alte SZ-Magazine aufgelesen, eine Runde Siesta, Bügeln bei offener Balkontür, eine Kurzgeschichte von Andrea Abreu nachgelesen, an die ich mich in Granta 155, Best of Young Spanish-Language Novelists 2 erinnerte. Yoga-Gymnastik, dann wusch in den Salat (Asia-Salat aus Ernteanteil, zugekauften Eichblattsalat), den ich zum Abendessen beisteuerte.

Zum Aperitif mixte ich uns Cosmopolitans, dabei kamen wir auf die Idee, nach langen Jahren Pause mal wieder eines unserer Lieblings-MGM-Musicals anzusehen: Easter Parade. Vor vielen Jahren habe ich hier im Blog schonmal davon geschwärmt.

Dann aber der besondere Alkohol. Vor fast so vielen Jahren bekam ich ein paar Flaschen Riesling Mannwerk 2011 von der Blog- und Twitterbekanntschaft @marqueee, den er zehn Jahrgänge lang als Hobby gemacht hatte. Eine Flasche davon hatte ich noch, der Winzer gab mir auf meinen Wunsch Tipps, womit ich Alten Riesling kombinieren könnte – die vorhersehbare Petrol-Note der Riesling-Alterung machte mich da ratlos. Die Wahl fiel auf Pastete mit reichlich Leber, Herr Kaltmamsell hatte gestern eine englische nach einem Delia-Smith-Rezept gebacken.

Nun verfüge ich ja wirklich nicht über optimale Lagerbedingungen für Wein: Der Keller ist viel zu warm, die Temperatur in der Wohnung schwankt mit den Jahreszeiten. Wofür ich im Grunde dankbar bin, das hält mich von größeren Weinkäufen ab: Ich kann sie ja nicht sachgemäß lagern. Gestern öffnete ich also die mit Abstand älteste Flasche in unserem Bestand, recht bang, wie sie sich wohl gehalten haben mochte.

Das wurde ein Festmahl – und der Wein war nach zwölf Jahren ein Knaller: Die Petrol-Note nur gering, ansonsten weiterhin kräftig und mit viel Säure, damit und mit seiner Vanille-Note passte er so gut zur Pastete wie erhofft. Dass mich das bloß nicht auf gefährliche Ideen zu künftigen Weinkäufen bringt!

Es passte nur noch wenig Schokolade hinterher. Im Bett begann ich die nächste Lektüre: Robert Menasse, Die Vertreibung aus der Hölle – der Autor, den ich für sein Meisterwerk Die Hauptstadt sehr schätze, nennt es sein bestes Buch.

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Vorgestern tauchte in der Contentvorschlagliste von novemberregen eine Frage auf, die ich auch beantworten möchte, ich fand sie ungewöhnlich inspirierend:
“Haben Sie schon mal einen Preis gewonnen (also Preis als Auszeichnung, nicht etwa ein Preisausschreiben mit Verlosung)?”

Mir fallen zwei ein:

1. Eine “Gaudirallye”, was eine Art Schnitzeljagd per Auto war
Ca. 1986 nahm ich an einem sonnigen Tag mit meinem 2023 verstorbenen Schulfreund Markus teil, der bereits einen Führerschein besaß. Das war dann vermutlich das Auto seiner Eltern, ich weiß auch sonst keine Details mehr, weder die Aufgaben noch die Veranstalter.
Sehr wohl erinnere mich noch an meine Überraschung, wie unbedingt Markus gewinnen wollte – ich selbst hatte im Gegensatz zu ihm das mit der Gaudi ernst genommen. Vage glaube ich mich zudem daran zu erinnern, dass er ein wenig schummelte (was mir eigentlich gegen den Strich ging, aber ich respektierte seinen Siegesdrang; möglicherweise ist das Teil meiner fehlenden Kompetitivität: Wenn ich merke, dass es Konkurrent*innen so viel wichtiger ist zu gewinnen als mir, tue ich ihnen gern und meist mühelos den Gefallen).
Es gab eine Trophäe, über die sich Markus ungemein freute.

2. Den Goldene Blogger 2018 in der Kategorie Tagebuch-Blogs
Mittlerweile bin ich realistischerweise sicher, dass meine eine lustige Antwort im Interview vor der Abstimmung den Ausschlag gab: Das Live-Online-Wahlvolk fand nicht mein Blog besser als das der beiden anderen (meiner Ansicht nach deutlich besseren) Nominierten, sondern lediglich in diesem konkreten Augenblick mich sympathischer.

Und dann noch der Grimme Online Award in der Kategorie “Kultur und Unterhaltung”: Wie novemberregen gewann ich 2019 ein ca. 560stel fürs Techniktagebuch, hinter dem ja ein Autor*innenkollektiv steht.

Sonst habe ich nie etwas gewonnen, kann mich aber auch an keine Gelegenheit erinnern, bei der das hätte passieren können. (Gab es zu meiner Schulzeit schon Vorlesebewerbe?)

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Die US-Amerikanerin und Food-YouTuberin Beryl Shereshewsky stellt deutsches Essen vor – empfohlen von Deutschen, einen davon kenne ich persönlich (Andreas).

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/uXx48TkM8xc?si=dJVSpCQB62vkKV7k

Wir wissen allerdings nicht, wie das Sauerkraut und das Kartoffelpü / der Kartoffelsalat auf den Teller mit der Weißwurst kam. Andreas erwähnt ja auch kein Sauerkraut. Und der Kartoffelknödel zum Sauerbraten sieht nicht nach Kartoffelknödel aus. Ansonsten: Respekt, das akzeptiere ich als einen Querschnitt typisch deutschen Essens, der viele Regionen und Seiten abdeckt. (Endlich denkt mal jemand an Reiberdatschi! Bei deren Anblick ich im Zusammenhang mit USA sofort “Latkes” dachte.) Im Info-Text zu dem Video stehen noch weitere gute Empfehlungen für deutsche Küche, die ich mir für die Gelegenheiten merke, dass ich Besuch aus dem Ausland typisch Deutsches vorsetzen möchte.

Journal Dienstag, 26. März 2024 – Larissa Kikol, Signed

Mittwoch, 27. März 2024

Besser geschlafen, aber zu früh aufgewacht.

Weil es zudem weder etwas zu bloggen noch zu räumen gab, kam ich sehr früh in die Arbeit.

Leider ist wieder Frierwoche im Büro, ich arbeitete im Wolljanker. Nach einigen Besprechungen ging ich raus ins Westend auf meinen Mittagscappuccino.

Später Mittagessen am Schreibtisch: Mandarine, Apfel, Sojajoghurt mit Mango.

Arbeitsnachmittag auch mit Unerfreulichem, ich hielt mich an Symptombekämpfung. Nach Feierabend ging es raus in schöne Luft, aber eher kühl.

Herr Kaltmamsell verbrachte den Abend aushäusig, ich musste schon wieder selbst für mein Nachtmahl sorgen – hatte aber schon Montagabend dafür eingekauft. Erst Wäscheaufhängen, Yoga-Gymnastik (eher verärgernd: ich mag es nicht, vom half moon überrascht zu werden und erst gesagt zu bekommen, dass es dorthin geht, wenn ich bereits ein Bein heben soll), dann briet ich Schalotte, Knoblauch, Champignons mit Thymian, löschte mit Noilly Prat ab, das ergab mit Crème fraîche und Fussiloni ein Nudelgericht – sehr schmackhaft.

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Larissa Kikol, Signed. Unterwegs mit der 1UP-Crew und Moses&TapsTM

Larissa Kikol hat ein Buch über Graffiti geschrieben, den weiterhin illegalen Teil der Streetart. Die Terminologie entnehme ich indirekt, es gibt für die vielen Unterarten von Streetart keine offizielle Terminologie mit allgemein anerkannten Definitionen – das gehört aus meiner Perspektive sogar genau so, wer sollte bitte über die Definitionen bestimmen? The elders of streetart? Ich gucke mir auch legale und offizielle Streetart gerne an, z.B. Murals, die sorgfältig und mit reichlich Zeit entstanden. Aber allein der Zeitdruck und die logistischen Rahmenbedingungen von Graffiti machen halt doch einen Unterschied.

Kikol ist promovierte Kunstwissenschaftlerin, doch das ist weit entlegener Hintergrund ihres Buchs: Im Vordergrund stehen ihre Recherche und die Graffiti-Künstler*innen. Sie schreibt in einem Tonfall, den ich von besonders lesenwerten Blogs kenne und mag. Dazu gehört auch, dass sie sich als Beteiligte sichtbar macht. Und es interessiert mich wirklich, wenn sie sich am Tag einer Aktion mit einer schlecht heilenden Verletzung am Arm rumplagt. Was sie sich als Brotzeit für Aktionen einsteckt. Überhaupt beschreibt sie viele Mahlzeiten detailliert, das mochte ich, Essen und Trinken sind ihr offensichtlich wichtig.

Thema ist auch das Schreiben des Buchs selbst:

Der Lektor hat Unrecht, Kikol hat Recht: Das gnadenlose Zitieren scheinbar langweiliger Dialoge bei Graffiti-Aktionen holte mich in die Schilderung erst richtig rein.

Kikol gibt auch die Teile ihrer Interviews wieder, in denen sie zurückgefragt wird, welche Art Buch das eigentlich werden soll. Sie antwortet, sie sei sich noch nicht sicher. Am Ende des Buchs entscheidet sie sich: „Es sind so viele Kurzgeschichten, eher eine Art Reisebericht.“

Eine persönlich Art von Buch ist es geworden, z.B. taucht zwischen liebevollen Betrachtungen über ihren Herkunftsort Bergisch Gladbach Akademisches über Geheimsprachen auf. Kikol wird als Journalistin sichtbar, als Forscherin, als Berlinerin, als überaus neugierige und wohlwollende Menschenfreundin. Sie schreibt viel über konkrete Begegnungen, nicht nur über die mit Graffiti-Künstler*innen oder Menschen aus der Kunst-Szene.

Das Ergebnis ist eine offene und durch die Geschichten sehr transparente Materialsammlung, keine akademische These. (Es gibt aber saubere Endnoten mit den zitierten Quellen.)

Larissa Kikol beschreibt die vielen, vielen Facetten der Grafitti-Szene – die eben genau keine ist. Die Künstler*innen haben ganz unterschiedliche Beweggründe für ihre Arbeit, von rein ästhetischen über künstlerische bis politische oder gar aktivistische. Und anderen macht es einfach denselben Spaß, mit dem Leute ins Basketballtraining gehen. Manche sind nur in ihrer Wohnumgebung aktiv. Typischer aber ist es, dass sie reisen, teilweise sogar weit. (Dass ich die “Yellow Fists” vor einigen Jahren und bis heute in mehreren Städten sah, ist also kein Zufall: Sie sind alle von Kripoe.)

Eine zentrale und bemerkenswerte Figur ist der Graffiti-Künstler Moses: Besonders in Erinnerung blieb mir, dass er mal eine S-Bahn detailgetreu umlackierte

in einem Rotton, der sich fast nur um eine Nuance von dem Originalrotton unterschied. Dann wartete er ab, wann es jemandem auffiel.

Ein Roman ist das nicht. Aber auch kein klassischer Journalismus. Ich fremdle ja sehr mit den Verbot des “Ich” mit der traditionellen Forderung, Berichterstatter*innen müssten hinter dem Gegenstand ihrer Bericht verschwinden. Das kommt meiner Ansicht nach einer Lüge nahe: Jeder Bericht ist gefärbt durch Wahrnehmung und Hintergrund der Rechercheure. Je ausführlicher diese Recherche, desto relevanter werden meiner Überzeugung nach der Prozess und die Personen dahinter. Zwar tun das manche Journalist*innen seit Jahren, doch ich lese bis heute launiges Kolumnen-Geläster ihrer Kolleg*innen, es gehe denen in erster Linie um Selbstdarstellung.

Egal, es ist halt, was es ist. In Signed hat der Prozess der Recherche denselben Stellenwert wie die Ergebnisse. Und so lernte ich eine Menge, unter anderem über die komplexe Logisitik, die hinter dem illegalen Umlackieren von Bahn- und S-Bahn-Waggons steht, hinter dem Bemalen von Häuserfassadenrändern und Brandmauern. Und über die Internationalität des Sprühens, über die zentrale Rolle der Dokumentation (und mit wie viel Schabernack die teilweise sichergestellt wird), über die engen Verbindungen zur Galeristenszene, auch über die verschiedenen Rollen während einer Aktion.

Das Nachwort enthält einen Schlüsselsatz: „Eine Sache, die mir wichtig war, war, nicht mehr zu schreiben, als ich erlebt hatte.“

Falls das bislang noch nicht klar wurde: Dicke Empfehlung. Und ich gucke mir Tags in München künftig viel systematischer an.

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Beachtenswerter Appell in der taz von Katrin Gottschalk:
“Übersehene Feministinnen”.

Die Omas gegen rechts sind derzeit die größte Frauenbewegung auf der Straße. Zeit wird es, sie auch in die politischen Diskussionsrunden einzuladen

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Einskunstlauf hatte ich schon lang nicht mehr geguckt. Und stellte jetzt fest, dass sich da eine Menge getan hat. Schaun Sie sich mal die atemberaubende Goldmedaillen-Kür von Ilia Malinin in Montreal an.
Was mich besonders fasziniert: Malinin wirkt durchgehend, als hätte er überhaupt keine Körperspannung – was unwahrscheinlich ist. Aber er scheint etwas sehr viel Komplexeres einzusetzen als Kraft.

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Apropos Sport: Wenn Ihr Fitnesstudio was taugt, bietet es auch Training für den Sommerurlaub an.

Journal Sonntag, 24. März 2024 – Schnee, Graupel und Stockfischabenteuer

Montag, 25. März 2024

Wunderbar und ausreichend geschlafen. Interessant geträumt, unter anderem vom spanischen Verlagswesen, das viel besser als das deutsche funktionierte und zum Beispiel für die vielen Krimi-liebenden Fabrikarbeiter immer wieder Gesamtausgaben der beliebtesten Reihen herausgab. Von keinem Detail daran habe ich irgendwelche Fachkenntnis, ich bin stolz auf mein Fantasiezentrum, das daraus etwas bis zur Erzählbarkeit Kohärentes baute.

Die Energie nutzte ich erst mal, um mich online für Organspende zu registrieren. Einen ausgefüllten Organspende-Ausweis trage ich in meiner Geldbörse bei mir, seit ich denken kann, allerdings immer in der Sorge, ob der im Ernstfall auch schnell genug gefunden wird. Die Absicherung einer Registrierung ist mir sehr sympathisch.

Beim ersten Aufruf der Website zum Start hatte der Vorgang arg kompliziert ausgesehen, doch an diesem Sonntagmorgen erinnerte ich mich daran, dass ich sehr wohl eine Online-Ausweisfunktion habe, wo ich meine PIN nachgucken kann, dass ich bereits für das mühsame Erkämpfen der Bayern-ID die Ausweis-App installiert hatte.

Da mein Personalausweis eingelesen werden musste, begann ich den Registrier-Prozess auf meinem Smartphone. Für ein Durchspielen auf dem PC hätte man ein Lesegerät benötigt: Das ist nach meiner Erinnerung das erste Mal, dass ein Amtsvorgang eigentlich nur auf Smartphone ausgelegt ist – eigentlich schlau, ist deutlich weiter verbreitet als persönliche Rechner. Nach einfachen, verständlichen Anweisungen las ich meinen Personalausweis durch Legen hinters Smartphone ein, verifizierte ihn mit der PIN. Nach nur einer Fehlermeldungsrunde wurde ich um Eingabe meiner Krankenversicherungsnummer gebeten und um Hinterlegung meiner E-Mail-Adresse. Durch Anklicken in einer Auswahl hätte ich die Organspende auch nur eingeschränkt erlauben können, die Entscheidung jemand anderem übertragen oder völlig untersagen.

Das war’s, ich bin als Organspenderin in Deutschland registriert. Allerdings muss ich jetzt noch bis Sommer lebendig durchhalten, um wirklich nützlich zu sein: Der Zeitplan der Einführung nennt auf der Website 1.7.2024 für “Abruffähigkeit Entnahmekrankenhäuser”.

Weil das endlich mal wieder ein rundes Technikthema war, schrieb ich nach Jahren Pause im Techniktagebuch darüber.

Bloggen, Internetlesen, Fertigmachen für eine Schwimmrunde im Olympiabad. Dass es um neun bereits windig regnete, nahm mir die Entscheidung ab, ob ich nicht doch radeln wollte. Und da waren auch schon Schnee und Graupel.

Ich holte also nochmal die dicke Winterjacke raus und setzte mich damit in eine U-Bahn zum Olympiapark.

Gutes Schwimmen, die Bahnen waren nicht voller als an Samstagen. Mit Rücksicht auf meine zickige linke Schulter ließ ich es langsam angehen und erhöhte erst nach einigen Bahnen den Druck. Ich schwamm problemlos, manchmal sogar mit Sonnenschein, spürte zwar die akute Stelle im Kreuz, doch ohne Schmerz. So hatte ich Muße, über meine aktuelle Lektüre, Larissa Kikols Signed nachzudenken und warum sie mir so gut gefällt.

Auf meinem Rückweg zum U-Bahnhof setzte wieder Regen ein. Daheim buk ich erst mal die Erdnuss-Cookies für die Arbeit, etwas nach zwei gab es zum Frühstück Birne, dann einige Scheiben selbst gebackenes Schokoladenbrot aus der Gefriere mit Butter und Zwetschgenmus.

Internetlesen, Buchlesen, kleine Siesta, mehr Buchlesen.

Mehr Schnee und Graupel.

Herr Kaltmamsell würde spät von seinem Deutschlehrer*innen-Ausflug heimkommen, ich kochte dennoch Nachtmahl – wir würden es halt getrennt essen. Jetzt kam der seit Tagen gewässerte Stockfisch zum Einsatz: Meine Eltern hatten bei einer regelmäßig nach Portugal fliegenden Nachbarin Bacalao bestellt, und sie war mit einem ganzen salzgetrockneten Fisch zurückgekommen. Davon hatte ich am Sonntag zuvor ein großes Stück bekommen. Jetzt kochte ich dieses weich, während der Fisch abkühlte, turnte ich eine Runde Yoga-Gymnastik. Dann löste ich das Fischfleisch von den Gräten: Ein Teil wurde mit unter anderem Kartoffeln und Lauch aus Ernteanteil baskischer Fischeintopf für den Abend, den anderen Teil würde ich nach völligem Abkühlen einfrieren.

Wurde gut! (Ein bisschen zu salzig – waren vier Tage Wässern mit mehrfachem Wassertausch nicht genug?) Nachtisch Schokolade.

Herr Kaltmamsell bekam spät auch noch zwei Teller Stockfisch-Eintopf und erzählte dazu bereits ein wenig von seinem Ausflug. Auf arte lief La La Land, gefiel mir jetzt besser als damals im Kino, ich komm einfach nicht drauf, wo er hakt.

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Für die wahrscheinliche Altersstruktur der Lesenden hier zielgruppenperfekt:
“Wohin mit den Schätzen? Wenn Sammler nicht mehr können”.

Schaffen Sammelnde zu Lebzeiten keine Lösung für ihre Schätze, wandert vieles auf den Müll oder zurück auf den Sammelmarkt. Ein frühzeitiges Loslassen falle den meisten Sammelnden schwer. “Deshalb sterben 90 bis 95 Prozent der Sammlungen auch mit dem Sammler.”

§

Meldung aus der Vorreiter-Nation Österreich:
“Mama geht tanzen
Ein Club, drei Stunden, 2000 Frauen: Eine neue Partyserie speziell für Mütter feiert in Österreich einen Riesenerfolg. Trinken unter Zeitdruck und Stau am Männerklo”

via @sauer_lauwarm

Das klingt richtig gut!

Viele sind in Freundinnengruppen gekommen. Junge Mamas, die sich aus der Babyspielgruppe kennen. Mütter, die über die Kindergarten-Whatsapp-Gruppe von der Party erfahren haben. Ich entdecke aber auch einige Frauen über 60. Sie sehen nicht aus wie Mamas, die kleine Kinder zu Hause haben. Später erfahre ich von der Veranstalterin, dass etwa 25 bis 30 Prozent der Frauen keine Mütter sind. Sie sind heute nicht hier, weil sie einen Abend ohne Kinder genießen wollen. Sie sind hier, weil sie endlich mal wieder in einen Club gehen wollen. Zu einer vernünftigen Uhrzeit. Weil sie ohne Männer feiern wollen, ohne ständig angetanzt und angemacht zu werden. Ohne ihr Trinkglas im Auge behalten zu müssen.

Revival of the Tanztee Samstag- und Sonntagnachmittag?
(Wahrscheinlich zu nah an der Pfarrjugend-Disco.)

Journal Freitag, 22. März 2024 – Start ins Strohsingle-Wochenende mit Blütenpracht

Samstag, 23. März 2024

Guter Nachtschlaf, aber beim Weckerklingeln freute ich mich sehr aufs Ausschlafen am Wochenende. Der Tag wurde sonnig, verhangen nur durch leichten Wolkenschleier, und warm.

Traubenhyazinten neben dem Verkehrsmuseum am Bavariapark.

Im Büro lustiger Double Bind der Schmerzen: Im Sitzen tat mir irgendwann der Po weh (also im Grunde die Sitzbeinhöcker, die sich hin und wieder auch beim Joggen melden) inklusive Iliosakragelenk (die Mobilisierungsübungen dafür gehören fast zu jeder Einheit meiner Yoga-Gymnastik – ich möchte nicht wissen, wie es mir ohne Yoga ginge), im Stehen hielt ich es wegen der aktuellen linken Kreuzschmerzen nur wenige Minuten aus. Auf der Arbeitsebene vermittelte ich unter anderem das kleine Einmaleins der Veranstaltungsorganisation.

Das Wetter lockte sehr nach draußen, ich ging auf einen Mittagscappuccino ins Café Colombo.

Zurück am Schreibtisch ein paar Querschüsse, mein Mittagessen (Mandeln, Bananen) aß ich spät.

Mir steht ein Stroh-Single-Wochenende bevor, Herr Kaltmamsell ist auf Deutschlehrer*innen-Ausflug. Mein Plan war unter anderem eine samstägliche Wanderung am Starnberger See, allerdings sah ich immer banger auf die Wettervorhersage, die für Samstag Sturm und Regen prognostizierte. Doch auch so freute ich mich arg auf mehr als 48 Stunden allein.

Überraschend intensiver Arbeitsnachmittag, doch ich machte mich ran, denn ich wollte noch etwas von dem wunderschönen Wetter haben.

Das schaffte ich dann auch, statt wie sonst in zackigem Marschtempo schlenderte ich erst zum Vollcorner, um unter anderem Zutaten für mein Abendessen zu kaufen, dann mit viel Gucken und Schnuppern nach Hause.

Magnolie in der Lessingstraße.

Am Beethovenplatz wurden die blühenden Zierkirschen gewürdigt.

Magnolien in der Nußbaumstraße.

Ärger über das framing der Boulevardpresse: Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hatte entschieden, dass die Stadt München zu wenig tut, um den EU-Grenzwert für Stickstoffdioxid einzuhalten, unsere Luft hier ist einfach zu schlecht. Dieselmotoren mit hohem Schadstoffausstoß dürfen jetzt voraussichtlich bald nicht mehr in die Stadt fahren.

Eigentlich sollte das Fahrverbot bereits im Oktober 2023 auf Dieselfahrzeuge der Norm Euro 5 ausgedehnt werden. So sah es ein Kompromiss vor, den die Stadt München mit DUH und VCD nach einer früheren Klage ausgehandelt hatte. Im vergangenen Herbst entschied sich der Stadtrat dann aber anders und beschloss, es erst einmal bei der ersten Stufe des Verbots zu belassen – obwohl die Grenzwerte nach wie vor nicht an allen Messstellen eingehalten wurden.

(Quelle)

Und wie macht die Boulevardpresse ihre Schlagzeilen? “Schlappe der Stadt vor Gericht”, “Diesel-Drama”, “Neue Fahrverbote”.

Ich sehe hier dasselbe Muster, mit dem die Klimakatastrophe populistisch behandelt wird: Als Problem geschildert werden nicht die lebensbedrohlichen Auswirkungen des Klimawandels, sondern mögliche Einschränkungen durch Gegenmaßnahmen. Das halte ich für verantwortungslos.

Zu Hause erst mal Fenster und Balkontüren geöffnet, Wäsche aus der programmierten Maschine aufgehängt, eine Runde Yoga-Gymnastik geturnt (zum ersten Mal dieses Jahr noch bei Tageslicht), Wasser des wässernden Stockfischs erneuert. Dann kochte ich Fusseloni, rührte reichlich Joghurtsauce, schnippelte Gurke, rote Paprika, Kirschtomaten, Ruccola und vermischte das (kein Nudelsalat!). Ich aß alles auf. Und schob Schokolade hinterher. Ja, war zu viel, aber ich habe jeden Bissen genossen.

Nichts davon könnte ich oder würde ich nicht auch mit anwesendem Herrn Kaltmamsell tun, doch hin und wieder genieße ich diese andere Art des Entspanntseins, die ich nur allein erreiche.

Und dann ging ich NOCH früher ins Bett zum Lesen! Larissa Kikols Signed über ihre Recherche zu und Begegnungen mit illegalen Graffiti-Künstler*innen ist in einem Blog-Tonfall geschrieben, der mir sehr gut gefällt, und liest sich angenehm süffig.