Jamba – meine Bröcklein Info

Samstag, 8. Januar 2005 um 17:58

Die neunjährige Tochter eines Bekannten sprang vor einiger Zeit auf das aggressiv beworbene Jamba-Angebot auf. Nachdem ich ihn auf die einschlägigen Blog-Informationen zu dieser Firma hingewiesen hatte, schrieb der Bekannte mit Anwaltstitel im Briefkopf an Jamba, dass seine Tochter noch nicht geschäftsfähig sei; der Vertrag zwischen ihr und dem Unternehmen sei damit nicht rechtsgültig.

Interessant ist nun die Antwort des Unternehmens: Aus „Kulanz“ werde der Vertrag als nichtig betrachtet. Allerdings habe der BGH entschieden, dass bei Veträgen über geringe Geldbeträge (ich glaube bis acht Euro Wert) mit nicht geschäftsfähigen alle Klagen wegen Geringfügigkeit abgelehnt würden.

Wäre man ein Schelm, könnte man annehmen, dass Jamba ein ganzes Geschäftsmodell von vorneherein auf diesem BGH-Bescheid gründet. Wäre man ein Schelm

(Keine Garantie für korrekte Verwendung der juristischen Fachbegriffe.)

die Kaltmamsell

11 Kommentare zu „Jamba – meine Bröcklein Info“

  1. Gerhard meint:

    was macht eine neunjährige mit einem Händi?

  2. pepa meint:

    Vielleicht um die arbeitende Mama jederzeit erreichen zu können? ;-)
    Oder wie war dieser Spruch:
    Lieber schnurlos verbunden, als spurlos verschwunden.
    Klar, eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht, aber ich war schon mehr als einmal dankbar dafür, meine Kinder telefonisch orten zu können.

  3. die Kaltmamsell meint:

    Mich wundert das nicht, Gerhard: Kinder gehen heute nicht mehr in die Kindergärten und Grundschulen, die am nächsten liegen, sondern in sorgfältig ausgewählte (Ideologie, Kinderzusammensetzung, Personal, inhaltliches Angebot) – selbst wenn diese eine halbe Stunde Autofahrt vom Wohnort entfernt liegen.
    Vor 30 Jahren hat halt das Nachbarkind Bescheid gegeben, dass die Tochter wegen Chor / Verkehrserziehung / Nachsitzen später heim kommt. Heute ist es unwahrscheinlich, dass das Nachbarkind die selbe Schule besucht.

  4. ix meint:

    mein kindergarten war vor ca 30 jahren bereits ideologisch-pädagoisch ausgesucht und 30 autominuten von meinem elternhaus entfernt. ist also nicht unbedingt was neues. ein handy hatte ich nicht mit zwölf, aber ich habe das telefon meiner eltern misbraucht. und mit 12 meinen ersten computer selbst gekauft. eigentlich ändert sich nix.

  5. die Kaltmamsell meint:

    Na gut: Dann haben Neunjährige heute Handys, weil es sie gibt und sie eins haben wollen. “Brauchen” ist ja sehr definitionsabhängig.

  6. Gerhard meint:

    So wird es sein Frau Kaltmamsel. Zusätzlich vernachlässigen die Eltern dann noch ihre Aufsichts- und Erziehungspflichten weil das Kind ja dank Händi immer erreichbar und unter Kontrolle zu sein scheint. Was macht eine neunjährige übrigens unbeaufsichtigt vor dem Fernseher? Und warum schreiben alle ein deutsches Wort englisch?

  7. Huflaikhan meint:

    Da stimme ich Ihnen Frau Kalzmamsell vollkommen zu. Manchmal lässt es sich fast gar nicht mehr nachvollziehen, wie die Menschheit ohne Handy ausgekommen ist. Dass es mal Telefonzellen gab? Der Erreichbarkeitswahn führt meines Erachtens zum genauen Gegenteil: Nämlich zu unkotrollierbarer Kontrolle.

    Und ob die Verbrechensrate an Kindern durch den Einsatz von Mobiltelefonen rückläufig ist, das möchte ich dann doch mal statistisch erwiesen sehen. Es passiert doch teilweise das Gegenteil: Ist man nämlich – aus welchen Gründen auch immer – nicht erreichbar, wird das zum Problem. Und wer würde deshalb gleich die Polizei einschalten.

    Wenn man auch in Zukunft nicht immer die Kinder (oder verschollenen Erwachsenen) findet, das Handy wird zu orten sein. Das dürte doch ein Trost sein. Denn im Moment läuft es doch eher in die andere Richtung. Die Übergangsfrist zur Umsetzung der TKÜV (Telekommunikationsüberwachungsverordnung) ist abgelaufen. Für eine Kritik ist es längst zu spät. Aber zu den Hintergründen: Stop 1984 oder Raven.

    Raven sagt an anderer Stelle:

    Die Überwachung jeglicher Telekommunikation unabhängig vom eingesetzten Protokoll, der eingesetzten Technik und der zugrundeliegenden Netzinfrastrukturen zu erreichen und die Daten auf Jahre für den Zugriff der Geheimdienste, Polizeibehörden und neuerdings auch der Multimediaindustrie auf Vorrat zu speichern. Angesichts dieses Trends ist es unbegreiflich, dass immer noch die Mehrheit der Internetuser entweder keine Ahnung vom Einsatz von Anonymisierungs- und Verschlüsselungstechniken haben oder darauf verzichten.

    Und da ist es gut, wenn man als (un)bescholtener Bürger sich in der Selbstüberwachung ein wenig einübt.

    Ich habe jedenfalls genügend Erfahrungen damit, dass die Telekommunikation mehr Missverständnisse aufwarf als sie löste.

  8. die Kaltmamsell meint:

    Och nee, mehr Kommunikation will ich keineswegs verdammen. Gestern stolperte ich in eine 3sat-Geschichte über die Mobiltelefonkulturen der Welt. Und da ging mir auf, dass das apokalyptische Szenario vom vereinsamten Technik-Liebhaber eben nicht eingetreten ist: Die Leute sind durch Computer und Handy viel dichter vernetzt als früher. Sie haben viel mehr Kontakt mit viel mehr Menschen. Das ist doch eigentlich schön.

    Gleichzeitig könnte ich jederzeit gehässige Texte abliefern über den Typus des Bahn-Mobilsprechers, der während eines 35-minütigen Transports vier Telefonate absetzt:
    – “Hallo. Ich steh’ grad noch in München im Bahnhof.”
    – “Hallo. Ich wollt’ nur sagen, dass wir jetzt abgefahren sind. Wir haben aber drei Minuten Verspätung.”
    – “Ja, du, wir kommen gleich in Augsburg an.”
    – “Hallo, also ich steig jetzt grade in Augsburg aus.”

    Oder über Essensgäste, die mich drei Minuten nach der vereinbarten Zeit mit einem Telefonanruf aus der Küche holen, um mir durchzugeben, dass sie gerade noch einen Parkplatz suchen und sich vermutlich um zehn Minuten verspäten werden.

    Die Polizei wiederum hat noch nicht mal genug Budget, um jeden Büro-Arbeitsplatz mit einen Computer auszustatten. Da mache ich mir um deren Überwachungsfertigkeiten noch lange keine Sorgen.

  9. Huflaikhan meint:

    Ja, Frau Kaltmamsell, natürlich verdichtet sich die Anzahl der Kontakte; oder sie erhöht sich. Das ist oft schön. Doch das ist alles Gewäsch. Die Qualität der Kontakte hat sich nicht dadurch verbessert, wohl aber verändert. Das ist so ein eigenartige Ding mit dem Fortschritt (der Technik). Die Anzahl der technischen Hilfsmittel steigt (und damit die Anzahl der Mehrfachsteckdosen :)) ohne dass damit ja das Mitgeteilte oder das Kommunizierte “besser” würde. Als Hörer von Musik aller Zeiten kenne ich das Phänomen sehr gut. Ein Machaut ist nicht durch Schumann überholt; ein Spinett nicht durchs Klavier nicht durch einen Synthesizer nicht durch einen Sampler. Eine Papyrusrolle nicht durchs Buch nicht durch den Bildschirm. Ein Besuch nicht durch den Brief nicht durch die Email nicht durch die SMS.

    Früher hatte man eben andere Wege. Die 3sat-Sendung gestern habe ich auch gesehen, solange, bis ich einen Anruf erhielt ;)

  10. der Haltungsturner meint:

    Mein Großer (wird bald neun) will auch so ein Ding. oder vielmehr: “Ich brauch das”. Wir werden diesmal standhaft sein. Aber wie lange? Die beste aller Ehefrauen wackelt schon, weil sie den Sicherheitsaspekt (er darf für sein Alter schon sehr weit und sehr allein mit dem rad fahren) sieht. Und selbst ein einschlägiges Hobby hat…

  11. CarpeNoctem meint:

    Auch ich bin ein grosser Fan der Handy’s, schon weil man sie abschalten kann, wenn man nicht gestört werden möchte (oder auch ein Telefonat nicht annehmen möchte und einfach auf voicemail laufen lässt).
    Ich überlege jedoch jetzt auch, meiner Tochter (lebt bei ihrer Mutter und wird 6 Jahre alt) ein Handy zum Geburtstag zu schenken, damit ich sie erreichen kann; ansonsten bin ich gezwungen, immer ihre Mutter anzurufen, nur um sie zu sprechen. An sich aber ein blöder Gedanke, oder? Bin ich deswegen ein Egoist? Auf jeden Fall bin ich auch gegen die Abzocke von Kindern, speziell in diesem Bereich, denn sie haben nicht den Überblick, was die mobile Welt für Auswirkungen auf ihren Geldbeutel hat.

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