Physical

Dienstag, 19. April 2005 um 10:24

Einmal im Jahr eine Erkältung ist völlig in Ordnung. Selbst wenn sie, wie diesmal, mit der gemeinen Wucht einer Feuerschutztür zuschlägt. Schließlich habe ich mich endlich soweit selbst erzogen, dass ich auch dann einen Tag krank daheim bleibe, wenn ich noch gesund genug bin, mehrere hundert Meter am Stück zu gehen und halbwegs geradeaus zu schauen.

Nur dass mir das heute überhaupt nichts nützt: Meine beiden Kollegen dieser Drei-Personen-Abteilung sind auf Geschäftsreise; fiele ich aus, gäb’s die Abteilung nicht. Also ins Büro geschleppt, schniefend und schnaufend umgeben von hübschen Stapeln Papiertaschentüchern, Nasentropfen und Aspirin in der Schublade. Jede körperliche Anstrengung (Fensteröffnen!) treibt mir Schweiß auf die Stirn, nicht mal Appetit habe ich. Die Ansteckungsgefahr versuche ich zu verringern, indem ich jeden aus meinem Büro scheuche.

Von großem Nutzen bin ich hier natürlich nicht. Mens sana in corpore sano bedeutet nämlich: Ein verschnupfter Körper kann nicht denken. Statt brillianter Geisteblitze macht mein Hirn nur: „Schnuuupf.“ „Au.“ „Blärch.“ Nachdenken geht nur bei den Themen: „Passt in dieses Taschentuch eine weitere Rotzladung ?“ „Ist schon genug Zeit für eine erneute Nasentropfen-Anwendung vergangen?“ „Wozu tropfe ich mir die Nase frei, wenn das Atmen dort hindurch dann doch viel zu weh tut?“ „Ist das eigentlich Unterdruck, was diese bösen Nebenhöhlen-Schmerzen verursacht?“ „Wenn ich die Bürotür schließe: Dann könnte ich mich doch ein halbes Stündchen unter den Schreibtisch schlafen legen.“

Das beruhigende an einer Erkältung: Sie ist leicht erkennbar und geht verlässlich vorbei.

die Kaltmamsell

12 Kommentare zu „Physical“

  1. kid37 meint:

    Tragen Sie es bitte nicht wie ein Mann. Die tödliche Männererkältung und so, Sie wissen… Gute Besserung!

  2. Modeste meint:

    Dann gute Besserung. Und sehen Sie auch die Vorteile: Krankheiten gehören zu den wenigen Gelegenheiten im Leben, bei denen wir uns rückhaltlos gehen lassen können. Und niemand darf es einem übelnehmen.

  3. die Kaltmamsell meint:

    Ja wenn’s nur so wäre, liebe Modeste! Ich muss hier am Telefon den kompetenten und verlässlichen Sonnenschein mimen, auch wenn meine Stimme nur noch 15 % hergibt. Ließe ich mich gehen, nähme ich jeden Anruf mit „Aahrghrrrr!“ an.
    Vielleicht ist es ja doch der tödliche Männerschnupfen, ich sinke mit einem sanften „Kapolker“ vom Bürostuhl und nach mir die Sintflut.

  4. pepa meint:

    Gute Besserung liebe Kaltmamsell!

    In solchen Situationen versuche ich oft, mir eine positive Umdeutung einzureden:
    Die Arbeit lenkt ab von der Krankheit…
    …naja, ich gebe zu, es funktioniert nicht immer.
    Aber einen Versuch ist es wert.

    Allet Jute!
    ;-)

  5. fellow passenger meint:

    Darf Ihnen symbolisch ein virtuelles Taschentuch reichen?

  6. Erwin Lindeman meint:

    Darf in in aller Herzhaftigkeit man anmerken, daß Sie in einem Scheißladen arbeiten? Jeder Vorgesetzte sollte Sie in einem solchen Zustand nach Hause schicken!

  7. die Kaltmamsell meint:

    Der Vorgesetzte, Herr Lindemann, ist einer von den beiden Kollegen, die auf Geschäftsreise sind. Und Sie als mein Vorgesetzter würde mich beißend und strampelnd in die Sani-Station tragen?

    Vielen Dank für die guten Wünsche, Ihr Lieben.

  8. Wendelbald Klüttenrath meint:

    Die Überlegung, unter den Schreibtisch zu kriechen und eine halbe Stunde zu schlafen, war goldrichtig. Vor Jahren, als mich einmal eine Erkältung plagte, habe ich diese Methode erfolgreich getestet. Nach der halben Stunde öffnete sich die Tür. Sekunden später wuselten ein halbes Dutzend Kollegen hektisch, ja geradezu panisch, im Raum herum. Nach einer kurzen Aufwachphase war ich dank des vorhergehenden Schlummers immerhin so weit wiederhergestellt, daß ich die Eindringlinge davon abhalten konnte, wegen meiner Erkältung den Notarzt zu bestellen.

    Gute Besserung ;-)

  9. erpel meint:

    Gute Besserung auch von hier aus.
    Eine Erkältung ist zwar nicht schön aber was muss das muss.

    Notfalls auch eine Abiturklausur in dem Zustand…

    mfg erpel

  10. fellow passenger meint:

    Immerhin besteht keine akute Lebensgefahr. So muß ich zumindest nicht befürchten, daß Sie durch den Präfekten der Kongregation für den Glauben ersetzt werden. Das würde mir gar nicht behagen. Der wollte mit mir nicht einmal über Taschentücher sprechen.

  11. Lila meint:

    Und wie geht’s heute? Was bei Erkaeltungen wirklich hilft, sind Selbstmitleid und Schlaf. Alles andere ist nutzlos.

  12. kelef meint:

    alles gute auch von hier – mich hatte es heuer trotz heftigen widerstandes auch zwei wochen auf die matte geworfen, da hat auch mein guter wille nix genützt. dreimal übertaucht, und dann dafür gründlich „hier“ geschrien, als wieder einmal viren verteilt wurden.


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