Reisetagebuch Brighton 2005 (Sonntag)

Montag, 23. Mai 2005 um 11:46

Die Downs sind die typische suedenglische Landschaft, kalkhuegelig, grasbewachsen. Bei einem Brighton-Besuch vor Jahren besorgte ich mir das Wanderbuechlein On Foot on the East Sussex Downs von Ben Perkins und wanderte die eine oder andere Strecke. Diesmal liess ich mich mit dem Reisebegleiter vom Bummelzug nach Southease bringen (halbes Stuendchen Fahrt von Brighton aus). Dort gab es schon mal eine flint church zu sehen, normannisch und mit auffaellig kreisrundem Turm, von denen in Sussex nur drei Stueck existieren. Winzig, putzig, idyllisch.

Wir schlugen uns auf die Wanderwege, bergauf und bergab, passierten einen grossen, sehr unaufgeraumten Bauernhof, entdeckten ein verrostetes Grossding und beschlossen, dass es sich um ein verfallenes Militaergeraet handelte, kreuzten mehrfach den Nullmeridian und einige Tumuli. Dazwischen immer wieder grandiose Ausblicke, unter anderem auf die erste der Seven Sisters.

Die Begegnung mit Tieren gehoert zu jeder Wanderung in den Downs. In dieser unserer Partnerschaft sind die Verantwortlichkeiten klar verteilt: Mein Mann / Mitbewohner / Reisebegleiter beschuetzt mich vor dem zahllosen laestigen Kleingetier wie Schnacken, Weberknechten, Ameisen, und ich bin fuer die grossen wilden Tiere wie Loewen und Giraffen zustaendig. Oder fuer Kuehe. Auf einer Wanderung in den Downs wandert man im Grunde von Viehgatter zu Viehgatter (immer schoen wieder hinter sich zumachen!); das bedeutet natuerlich, dass man staendig Viehweiden kreuzt – und sich dabei durchaus mal mit einer Kuh- oder Stierherde einigen muss. Ich war also fuer die Verhandlungen zustaendig, waehrend sich der Reisebegleiter im Hintergrund hielt. Ging alles reibungslos, die Kuehe standen teilweise sogar eigens auf, um uns passieren zu lassen. Ich konnte den Reisebegleiter auch von der Friedfertigkeit der zahlreichen Schafe auf anderen Weiden ueberzeugen. Ein Hase uebersah uns und hoppelte auf wenige Meter heran, bis er dann doch lieber eine andere Richtung einschlug. Voegel, viele Voegel, darunter Kraehenvoegel, die kleiner und heller waren als die, die ich aus Bayern kenne. Die Mountainbiker, die uns entgegen kamen, unterschieden sich im Gegensatz dazu kein bisschen von ihren Muenchner Pendants.

Auf der Wanderstrecke lag auch das Weingut Breaky Bottom, inmitten seiner Weinfelder. Hey, keine Witze – wenn selbst die Schweizer Wein machen duerfen! Fuer eine Besichtigung oder gar Verkostung haetten wir uns allerdings einen Termin besorgen muessen.

Auf besonderen Wunsch halte ich hiermit fest, dass der Reisebegleiter Recht hatte: Er interpretierte das „bridle gate at the right corner of the long field“ korrekt und nicht ich, wodurch er uns Irrwege, Unglueck und Frieren ersparte.

Ganz besonders erfreulich war, dass die Wettervorhersage Recht hatte und es erst zu regnen begann, als wir geschuetzt in einem Unterstand auf den Zug zurueck warteten.

Unseren Moerderhunger (frische Luft ist super, man kann sie als Entschuldigung fuer fast alle Gelueste verwenden) stillten wir in einem chinesischen Lokal, das wir schon vom Vorjahr kannten: Good Friends. Wie im gleichnamigen Berliner Gegenstueck (gleiche Familie?) essen hier fast nur Chinesen und Japaner, allerdings sind die Gerichte in Brighton nicht so ausgefallen. Lecker war’s!

die Kaltmamsell

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