Madrid und spanischer Café

Dienstag, 5. Juni 2007 um 13:44

Dass spanischer Café deutlich anders schmeckt als italienischer, hatte ich ja schon lange behauptet. Jetzt weiß ich nicht nur, dass ich mir das keineswegs eingebildet habe, sondern auch, woher dieser andere Geschmack kommt.

In Madrid ging ich in einen großen Ableger der örtlichen Kaffeerösterei Pozo und fragte einen Herrn mit gestutztem Bart und roter Schürze, ob er mir wohl die Unterschiede der verschiedenen Produkte seines Sortiments erklären könne. Das tat er dann auch mit Leidenschaft. In Spanien wird unterschieden zwischen tueste naturál, also einfacher Röstung, und tueste torrefacto, das ist Röstung mit Zucker. Der mitgeröstete Zucker, so führte der Herr in Schürze aus, mache den Café kräftiger und dunkler, aber auch säurehaltiger. Er demonstrierte den Effekt mit einer Kaffeebohne tueste torrefacto, indem er seine Handfläche anfeuchtete und die Bohne daran rieb: Sie färbte dunkelbraun. Die Bohne tueste naturál färbte nicht. Die verschiedenen Sorten des Sortiments Pozo bestanden aus verschiedenen Mischungsverhältnissen der beiden Röstarten. Ich nahm mir vier davon mit und werde daheim testen.

Auf meine Frage bestätigte der Herr auch, dass nur die Spanier die Röstung mit Zucker anwenden – halt, verbesserte er sich, auch die Portugiesen machten das. Allerdings, und hier hob er die Augenbraue, verwendeten die Portugiesen dafür keine feinen Arabica-Bohnen, sondern die minderwertigen Robusta.

cafe_pozo.jpg

die Kaltmamsell

11 Kommentare zu „Madrid und spanischer Café“

  1. Sebastian meint:

    He, hier schreibt ja jemand! Und nimmt uns mit in den Urlaub! Das hätte ich fast verpasst. Wäre schon wegen des Cafés schade gewesen.

  2. die Kaltmamsell meint:

    Oh ja, Sebastian, an dich hatte ich auch sofort als Café-Tester gedacht.

  3. creezy meint:

    Mitgerösteter Zucker macht den Café säurehaltiger? Spannend … ich bringe mir aus Spanien immer den „Café Rico“ mit, läuft dort drüber eher unter der einfachen Variante, ist aber einer der besten Kaffees für’n Café con leche.

  4. seet meint:

    Wenn es ihnen in Deutschland gelungen sein wird, den spanischen Kaffee so zuzubereiten, dass er wie in Spanien schmeckt, dann bloggen Sie doch bitte, wie Sie das geschafft haben ;-)

    Im Voraus herzlichsten Dank.

  5. Doro meint:

    Oh nein, Spanier und Portogiesen sind nicht die einzigen, die Kaffee mit Zucker geröstet genießen! Auch in der für alles andere als guten Kaffee bekannten DDR gab es die hübsche Sorte „Rondo Melange“, die über das ein oder andere hinwegtröstete. Und das wirklich erstaunliche daran ist, liebe Frau Kaltmamsell: Es gibt ihn immer noch. Allerdings weiß ich nicht, welche Bohnensorten oder in welchem Mischungsverhältnis diese veredelt werden. Und falls Sie mal in überschwenglich tapferer Testlaune sind, kann Ihnen sicher ein sog. „Ossiladen“ den Kaffee besorgen. Viel Freude beim Testen und viele Grüße aus Leipzig.

  6. die Kaltmamsell meint:

    seet: Das geht mit jeder Cafetera – Sie wissen schon, diese Alukannen yum Zusammenschrauben.

    Ui, Doro, das war dann doch sicher kubanischer Einfluss. Danke fuer den Tipp!

  7. nullzeitgenerator meint:

    Spanischer Kaffee schmeckt auch irgendwie „erdiger“ und runder, finde ich. Ein dort lebender Italiener allerdings lässt sich immer Kaffee von zuhause schicken. Er könne das Zeug nicht runterwürge, meinte er. Und ich schleppe säckeweise Torrefacto nach Deutschland.

  8. zorra meint:

    Man kann auch italienischen Kaffee in Spanien kaufen. ;-)

    Ich mische immer etwas torrefacto zu den „normalen Bohnen“.

  9. dirk meint:

    Ich lebe in Spanien (La Nucia) und kann eigentlich nur sagen, dass die Spanier kein so grosses Theater wie die Italiener um den Café machen.

  10. Eva meint:

    Ihr mögt spanischen Kaffee?
    Also ich find den nur mit Milch oder über Eiswurfel gegossen geniessbar!
    Bin immer froh, wenn ich zurück in Portugal bin, um dort eine leckere Tasse Delta café zu trinken.

  11. getestet meint:

    Ich bin auch großer Fan des torrefacto und lasse mir die Bohnen immer mitbringen. Neulich war mal ne Tüte portugiesischer Café dabei, der schmeckte ziemlich ähnlich ;-)
    In den cafeteras ist meines Erachtens der Unterschied zwar erahnbar, aber nicht so deutlich, wie wenn man eine Siebträgermaschine benutzt: Der Café muss nicht so fein wie italienischer bzw. ohne Zucker gerösteter Kaffee gemahlen werden, um eine wunderbare, feinporige und sehr haltbare Crema zu erzeugen. Ich mag besonders den hauchfeinen Karamell-Touch, den der Kaffee durch die Zuckerröstung erhält. Und dieser ist bitte auf gar keinen Fall zu verwechseln und erst recht nicht zu vergleichen mit den Flavoured Coffees, die es mittlerweile zu kaufen gibt. Mein derzeitger Favorit ist derjenige der Eigenmarke von mercadona.

    Von wegen Theater um Kaffee: mein Eindruck ist, dass sich Italiener mehr Gedanken über Kaffeesorten und Milchschaumkonsistenzen machen als Spanier. Aber die Erbostheit über deutschen Kaffee und die beinahe Unmöglichkeit, selbst hier in Berlin einen „echten“ cafe con leche zu bekommen, gleicht nach meiner Erfahrung derjenigen eines Italieners beim Anblick eines durcschnittlichen deutschen Capuccino.


Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen