Rettet die Prinzregententorte – 2

Montag, 17. September 2007 um 10:35

Als Herr Exit zu „Rettet die Prinzregententorte!“ aufrief, wusste er vermutlich gar nicht, wie nötig diese Aktion ist. Auch mir wurde das erst an diesem Wochenende klar.
Nach dem missglückten ersten Versuch, selbst eine richtige Prinzregententorte zu fertigen, ging ich die ganze Sache systematisch an. Ich recherchierte ausführlich zur Genesis dieses Backwerks und wollte die Torte am Wochenende bei zwei Münchener Konditoreien testen, die Anspruch auf die Entwicklung des Rezepts erheben: Am Samstag beim Rottenhöfer, am Sonntag beim Erbshäuser, der sogar einen eigenen Geschäftszweig aus der Vermarktung der Prinzregententorte gemacht hat (der dritte mögliche Urheber, Anton Seidl, hinterließ in München keine Konditorei seines Namens; ob es eine Verbindung zur Münchener Pralinenmarke Elly Seidl gibt, ist noch nicht geklärt).

Doch als ich Samstag kurz vor 14 Uhr, also sogar noch vor der tortenzehrenden Kaffeestunde, beim Rottenhöfer nach Prinzregententorte fragte, gab es keine! Zwar bot mir die freundliche und angemessen rüschbeschürzte Verkäuferin als Alternative eine Baumkuchentorte an, die der Prinzregententorte ihrer Aussage zufolge am nächsten kommt. Doch ich war schließlich nicht zum Vergnügen da, sondern im Auftrag der Wissenschaft. Die streng wissenschaftliche Enttäuschung tröstete ich lieber mit einer großen Portion der dortigen Pralinen.

Am Sonntagmittag beim Erbshäuser, einer kleinen und unscheinbaren Konditorei samt Café gleich hinter der Siemens-Zentrale, bekam ich die letzten Stücke Prinzregententorte. Ich nahm sie zum Verzehr mit auf meinen Balkon.

erbshaeuser_prinzregenten.jpg

Doch das Ergebnis der Verkostung durch Mitbewohner und mich: Wenn das state-of-the-art in Sachen Prinzregententorte ist, sollten wir das Verbraucherministerium hinzuziehen (Herr Exit, das ist doch bei Ihnen gleich ums Eck, nein?): Die Torte schmeckte vorvorgestrig, die Böden waren gummig, Füllung und Glasur in erster Linie süß, in der Buttercreme fanden sich sogar Zuckerkristalle. Wenn das das Original ist, verfälsche ich lieber. Nächstes Wochenende mache ich einen neuen Anlauf.

Rettet die Prinzregententorte – 1

die Kaltmamsell

17 Kommentare zu “Rettet die Prinzregententorte – 2”

  1. robson meint:

    Vor 25 Jahren habe ich mit meiner seinerzeitigen Mitbewohnerin auch so einen Anlauf gestartet (die Prinzregententorte zu studieren) und wir sind damals schon bei eben jener Konditorei Erbshäuser aufgeschlagen und haben Prinzregententorte gekauft.

    Indem ich Ihren Verkostungsbefund lese, könnte ich mir herzhaft auf die Schenkel klopfen und losbrüllen. Das ist ein Traditionshaus mit konstanter Produktqualität! Also nicht nur schönes bleibt sondern auch schales. Wir dachten uns naja, wenn die beim Erfinder so schmeckt, ist die vielleicht so. Wir haben das Thema dann einfach zu den Akten gelegt. Denn bei meiner Mutter gab’s auf Anfrage Dobostorte, selbst gemacht. Die ist ganz ähnlich, unglaublich fettig, äh, cremig aber super lecker.

    Also Selbermachen ist vermutlich unausweichlich. Viel Spaß beim Böden backen…

  2. The Exit meint:

    Oh je! Ich glaube, das ruft nach einem nationalen Aktionsplan. Wobei ich ja heute in der Cafeteria etwas tortenartiges entdeckt habe, das eine Prinzregententorte sein könnte.

  3. Frau B meint:

    Wollte ja schon letztes Mal dazusenfen, dass meine Frau Mutter die beste Prinzregententorte macht.
    Soweit ich weiß nach dem Rezept aus dem G&U ‚Backvergnügen wie noch nie‘ (aber die alte Version aus dem letzten Jahrtausend, es gab eine Neuauflage des Backbuches mit modifizierten und nach meinem Dafürhalten verschlimmbesserten Rezepturen).
    Ich hoffe, meine Info ist richtig, ich ruf heute mal bei meinen Eltern an.
    War übrigens gestern auch in der ersten Konditorei am Platze und konnte die zugecremten Torten kaum essen, vielleicht g’hört des so? Die anderen Kundinnen schienen ihre Cremetorten zu genießen.

  4. Sebastian meint:

    Das verspricht interessant zu werden. Sonntagstorten sind tatsächlich oft gestrig bis vorgestrig, weil viele Konditoren am Frei- oder Samstag mindestens die Böden vormachen, wenn nicht noch mehr. In Ordnung, wenn man selber auch ein bisschen rumschmeckt? Von Dallmayer ist Gutes zu hören, und an der Prinzregentenstraße muss es doch auch…

  5. die Kaltmamsell meint:

    Unbedingt, Sebastian, jeder Feldforscher im Dienst der Sache bringt die Sache voran!
    (Habe bereits Kolleginnen akquiriert, die sich in Konditoreien im Umland umsehen.)

  6. The Exit meint:

    Ich fürchte, wir werden die Gesamtheit der Bloggerinnen und Blogger aktivieren müssen um nach Prinzregententortenkonditoreien zu fahnden. Nun, an mir soll es nicht liegen:

    http://blog.the-exit.net/article/1105/die-prinzregententortenkrise
    http://holyfruitsalad.blogspot.com/2007/09/prinzregententorte-vom-aussterben.html
    http://www.hauptstadtblog.de/article/3789/wo-gibt-es-prinzregententorte

  7. loreley meint:

    Die Petite Patisserie in Schwabing (Karl-Theodor-Str.) hat eine ganz vorzügliche Prinzregententorte.

    Fast hätte ich dort auch einen neuen Bildband gekauft. „Süsses München“, heisst der. Ich glaube, da könnte man noch einiges entdecken, das man nicht kennt.

    Auf einer Hochzeit, bei der ich eingeladen war, gab es eine Prinzregententorte, die der Vater des Bräutigams hergestellt hatte, weil es die Lieblingstorte des Sohnes ist. Ganz untergegangen ist die Prinzregententorte also nicht.

  8. Lorelei meint:

    Frau B: Im „Backvergnügen wie noch nie“ gibt es in der Tat ein sehr sinnvoll aussehendes Rezept für die PRT!

    P.S.: Hallo, Frau Loreley! ;-)

  9. Frau B meint:

    Es stimmt, das Rezept fuer die Boeden wurde aus dem Backvergnuegen entnommen. Die Creme wurde allerdings, so habe ich gestern abend auf Nachfrage erfahren, nach einer anderen Anleitung hergestellt, eher muendlich ueberliefert, aus dem Bekanntenkreis meiner Frau Mutter (weisst Du nicht mehr, von der Elisrita…- nein, ich weiss nichtmehr)

  10. Lorelei meint:

    Oh nein, das wird ja immer komplizierter! Aber die Buttercreme mit Pudding, wie im „Backvergnügen“ angegeben, macht einen sehr guten Eindruck; ich werde wohl erst einmal damit experimentieren.

  11. hp meint:

    Sonntagstorte nur von der Conditorei Pratz hinterm Gasteig. Auch, aber beileibe nicht nur, die Prinzregenten.

  12. Alzheimer-Blog meint:

    Leider muß ich feststellen, daß die Erbshäusersche Prinzregententorte ein Fake ist, enthält sie doch eine Teigschicht zu wenig. Wahrscheinlich sollen nur noch die heute in Bayern befindlichen Regierungsbezirke repräsentiert werden. Aber von 1815 bis 1946 gehörte auch die linksrheinische Pfalz zu Bayern. Und deshalb hat eine anständige Prinzregententorte nach wie vor acht Teigschichten.

    Für die Creme einer Prinzregententorte empfehle ich 210 g Bitterschokolade, 210 g Butter, 125 g Zucker und drei Eigelb.

  13. The Exit meint:

    Scheint es, als ob eine Münchner Konditorie mit Prinzregententorte gefunden ist?

  14. die Kaltmamsell meint:

    Ja, Herr Exit, die von loreley in der Petite Patisserie in München gefundene ist wohl echt und real. Werde ich natürlich persönlich doppelchecken.

    Eine andere Version, Alzheimer-Blog, führt die Anzahl der Tortenschichten auf die Anzahl der Luitpold’schen Kinderzurück. Das wären dann neun.

  15. Sebastian meint:

    Da das mit dem Trackback nicht recht klappt – hier der Test von zwei Prinzregententorten aus München-Haidhausen, unter anderem die von einer Konditorei hinterm Gasteig, die ich nach der Empfehlung von hp angesteuert habe – und nun feststelle, dass ich offenbar in der falschen war? Oder sind Konditorei Pratz und Cafe Wölfl das selbe? Die Torte war jedenfalls richtig gut:

    http://www.rettet-das-mittagessen.de/blog/?p=668

  16. hp meint:

    Hab es heute verifiziert: ehemals Pratz, jetzt Wölfl, aber Kuchen und Torten gleichbleibend zu empfehlen!!!

  17. tiny meint:

    Die Prinzregententorte gehört so!!

    Meine Oma hat ein uraltes Rezept, das ist noch vor GU Büchern und Dr. Oetger entstanden, sie meint, es wär das Originalrezept, muß sie mal fragen, wie es in ihren Besitz gekommen ist.
    Nur heißt es bei ihr P.kuchen und nicht P.torte.
    Ja, und frisch schmeckt er zwar gut, aber irgendwie nicht „richtig“. Ideal ist es, wenn er unter ihrer Kellertreppe (wegen Temp. und Luftfeuchtigkeit) noch zwei, drei Tage durchzieht, dann ist er genau auf dem Punkt.
    Ich teste gerade, ob meine Kellertreppe das auch so gut hinkriegt ;-)
    Aber gut, daß er so aufwendig zu backen ist, ich kenne nichts, was so viele Kalorien auf so wenig Kuchen/Torte beinhaltet!!! So gibt es diesen „etwas besseren kalten Hund“ (O-Ton mein Mann) nur zu echt wichtigen Feiern.

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