Das mit den Hörbüchern

Samstag, 16. Februar 2008 um 18:19

Über zwei Wochen habe ich für Lolita lesen in Teheran gebraucht, vorgelesen – mein erstes Hörbuch. Und dabei wird es sehr wahrscheinlich bleiben.

Das Buch ist hervorragend – glaube ich. Ich weiß ja nicht, ob ich das gesamte Buch gehört habe. Im Booklet steht eine Katharina Treml als „Bearbeitung“: Hat sie gekürzt? Umgeschrieben? Oder nur die Einteilung in Einzeldateien bestimmt? Überhaupt, Kapitel: Aus dem Hörbuch weiß ich nicht, ob das Buch in Kapiteln geschrieben ist – die vielleicht sogar Überschriften haben?

Ganz abgesehen davon, dass ein Hörbuch zu einer ausgesprochen anstrengenden Art der Rezeption zwingt. Selbst lesen tue ich Bücher auf dem Sofa, im Bett, in der Straßenbahn, in der Badewanne, im Zug. Will ich ein Hörbuch an denselben Orten genießen, brauche ich ein mobiles CD-Abspielgerät. Das einzige solche in meinem Besitz ist mein Laptop: Für Sofa, Bett und Bad geht das noch, wenn es auch umständlicher ist, einen Klappcomputer herumzuschleifen als ein Buch. Aber Straßenbahn und Zug fallen weg. Sind Hörbücher vielleicht wirklich nur für Autofahrer gedacht?

Und was mache ich jetzt mit dem ausgehörten Buch? Sonst stelle ich Bücher, die mir gefallen haben, in unsere Bibliothek – um darin nachzuschlagen oder es nochmal lesen zu können. Nachschlagen ist bei einem Hörbuch sehr, sehr unwahrscheinlich – und den Umstand des Anhörens tue ich mir sicher nicht nochmal an. Ich werde mir allerdings Reading Lolita in Teheran von Azar Nafisi kaufen und selbst lesen.

Etwas ganz Anderes sind Hörspiele, die höre ich zwar selten, aber gerne, auch mehrfach. Dazu gehört für mich auch das wie ein Hörspiel inszenierte Haroun and the Sea of Stories, gelesen vom Autor Salman Rushdie, sehr amateurhaft und mit einem Heidenspaß.

die Kaltmamsell

18 Kommentare zu „Das mit den Hörbüchern“

  1. cdv! meint:

    Diese Erfahrungen mit Hörbüchern kann ich nur bestätigen. Sie begeistern mich auf den langen Fahrten mit dem Auto in den Norden der Republik, beste Unterhaltung. Und dann geschah es, dass ich eins nicht zu Ende hören konnte. Der Rest am PC war etwas mühselig, auch wenn es ein besonders gutes Buch war. Natürlich könnte man sich das auch auf den MP3-Player packen, habe ich aber noch nicht ausprobiert.

  2. Connie meint:

    Ich höre sehr viele Hörspiele, nehme sie oft auch auf, mit Phonostar-Software geht das Radiohören am Rechner ja sehr schön

    aber Hörbücher hasse ich.
    Die höre ich nur zum Sprachenlernen.. aber sonst?

    Immer schiebt sich da jemand zwischen das Buch und mich, das vertrage ich nicht.
    Und eben auch die rigorosen Kürzungen, die Sie nennen…

    Selbstlesen macht glücklich!

  3. markus meint:

    Hörbücher sind wirklich vorwiegend Leuten zu empfehlen, die regelmäßig mobil hören wollen. Dann allerdings ist es eine feine Sache, bei Zugfahren, in der U-Bahn, auf dem Rad, beim Joggen etc. Gegenüber dem Buch (das ich trotzdem noch als beste Lösung wahrnehme) hat es dann den Vorteil, dass man die Hände frei hat und auch weniger zu tragen hat.

  4. banana meint:

    Ich höre sehr gerne Hörbücher, allerdings im Auto. Ich denke auch, dass Hörbücher das ideale Medium für Autofahrer sind. So kann ansonsten sinnlos verbrachte Zeit mit Unterhaltung verbracht werden. Radio hören mag ich nicht. Allerdings ist es nicht das selbe, wie die Bücher konventionell zu lesen, weil man erstens nicht weiss, welche Teile ausgelassen wurden und man sich zweitens nicht völlig auf das Gelesene konzentrieren kann, da man nebenbei auch noch Auto fahren muss.
    Ich höre alledings nicht nur Bücher, da die mit der Zeit ins Geld gehen, sondern auch Podcasts.
    Sehr empfehlen kann ich da übrigens den Podcast der hr2 Sendung „Der Tag“. Den gibt es kostenlos zum Download unter
    http://www.hr-online.de/website/radio/hr2/index.jsp?rubrik=14224.

  5. cdv! meint:

    Nachtrag: Mein erstes Hörbuch kann ich mir als Buch gar nicht vorstellen. „Gut gegen Nordwind“ von Daniel Glattauer, gelesen von Andrea Sawatzki und Christian Berkel. Eine ganz andere Liebesgeschichte…

  6. a.more.s meint:

    Wie wär’s denn mit einem iPod, Frau Kaltmadamsell? Das ideale Transportmittel für Hörbücher (und Hörspiele; und podcasts). Hörbücher mochte ich übrigens lange Zeit ebenfalls nicht, und heute auch nur, wenn der Autor, die Autorin höchst persönlich liest – dann erachte ich Hörbücher sogar als grossen Gewinn.

  7. die Kaltmamsell meint:

    Sind Hörbücher wirklich ein so großer Gewinn im Vergleich zu Selbstlesen, dass es lohnt, ein Auto oder auch nur ein Audiodateiabspielgerät zu kaufen? Um dann ersteres angestrengt durch die Gegend zu fahren, für zweiteres den zusätzlichen Rezeptionsschritt des Überspielens von CD erledigen zu müssen?

  8. Nachtgedanken meint:

    Ein Gewinn ist es meines Erachtens nur, wenn man sich lieber berieseln lassen will statt selbst zu „arbeiten“. Ein Buch lesen ist ja nicht nur ein visuelles, sondern auch ein haptisches und olfaktorisches Erlebnis.

  9. a.more.s meint:

    Ich besitze im Moment 12 Hörbücher von den x-tausenden, die existieren (darunter Schwergewichte wie Robert Gernhardt, Harry Rowohlt, Rafik Schami), und bis an mein Lebensende bringe ich es wahrscheinlich auf kaum über 15 – daran mag man den „grossen Gewinn“ in etwa erahnen. Nein, grundsätzlich kein grosser Gewinn; doch diejenigen, die ich habe: für mich sehr gross, der Gewinn.

  10. doc n meint:

    Mich machen Hörbücher immer kribbelig. Ich habe mein eigenes Lesetempo, an vielen Stellen erheblich langsamer als das, was da vorgelesen wird, an nicht wenigen aber auch erheblich schneller. Und die oft unverschämten Bearbeitungen sind noch mal eine Sache für sich. Nicht meine Tasse Tee!

  11. su meint:

    ich achte bei hörbüchern grundsätzlich darauf, dass sie in der ungekürzten fassung sind. ich muss leider jeden tag eine stunde im auto zubringen. radio mag ich überhaupt nicht mehr (nerviges moderatorengelaber, werbung, null-information in den „nachrichten“, nicht mein musikgeschmack). musik genieße ich; gibt es also nur zu hause oder bei konzerten. da bleibt eigentlich nur, eine geschichte zu hören, wenn man sich nicht ständig mit den eigenen gedanken beschäftigen möchte. es geht dabei bei mir nicht um „schwere“ literatur, wo ich auch ganz gern mal nachblättere, sondern um geschichten, die mich unterhalten (z.b. von walter moers, cornelia funke…).

    ich habe mir so einen nostalgisch aussehenden cd-koffer gekauft. da passen 120 cd’s rein. find ich schick und praktisch neben den buchregalen.

    ’nen mp3-player hab ich auch. der war ganz praktisch als die babys noch mit in unserem zimmer schliefen. licht zum lesen hätte sie gestört. so konnte ich wenigstens noch einiges anhören. na gut, das problem wirst du ja nicht haben. aber andere mitleser vielleicht…

  12. Angel meint:

    Das mit den Hörbüchern ist in meinem Teil des Universums ganz anders – unverzichtbar. Auto, Hausarbeit, Sport, Radeln, überhaupt alles was Weg ist, wird damit plötzlich nicht nur erträglich sondern sogar spannend. Allerdings müssen es ungekürzte Fassungen sein, sonst geht der Spass schnell flöten und die Qualität der Vorleser spielt ebenfalls eine grosse Rolle (genial: Stefan Kaminski, entsetzlich: Sky du Mont). Ein MP3-Player ist dazu natürlich unerlässlich, wiegt nix, kann man misshandeln (beschwitzen beispielsweise) und kostet verträglich wenig Geld. Auf Bücher braucht man deswegen ja nicht verzichten.

  13. walküre meint:

    Der beste aller Ehemänner hat während der – gottseidank hinter uns liegenden – Zeit der langen Autofahrten zwischen Wien und Oberösterreich gerne Hörbücher gekauft, allerdings vorwiegend Krimis, ideal gegen die einschläfernde Langeweile auf der teilweise sehr öden Strecke. Archiviert wurde allerdings keines davon, sondern im Inet verscherbelt, weil außerhalb des Autofahrens ohne Begleitung unser beider Präferenzen eindeutig bei Büchern liegen.

  14. Susanne meint:

    Ich habe erst festgestellt, dass ich Schwierigkeiten mit Hörbüchern habe und generell nicht gerne vorgelesen bekomme. 1. Weil das Ganze so lange dauert und 2. weil ich wenn ich mit der Konzentration abschweife so schlecht wieder zurückspringen kann. Ansonsten überspielen wohl die meisten Leute ihre Hörbücher auf ihren MP3-Player. (Warum heißt das MP3-Player und nicht -Spieler? Merkwürdig.)

  15. Lola meint:

    Selbstlesen macht glücklich, aber beim Bügeln bin ich froh, wenn ich nebenbei ein Hörbuch laufen habe, dann ist das leidige Übel etwas erträglicher…ich leihe mir die Hörbücher aus der Bibliothek und besitze selber bisher nur 2…

  16. Chris K. meint:

    Ich hab’s vor 2 Jahren mal mit Hörbüchern probiert, haben mich wahnsinnig gemacht, die Dinger, weil sie im Vergleich zu meinem Lesetempo so furchtbar langsam sind. Ich hab mich dauernd dabei ertappt, den Vorleser anzufeuern: „Nu mach doch hinne, Alter, ich will wissen, wie’s weitergeht.“ Ich habe dann kurzzeitig damit experimentiert, gleichzeitig ein Hörbuch zu hören und ein anderes Buch zu lesen. Funktionierte überraschend gut, doch als mich die geduldigste Gemahlin von allem nach dem Sinn meines Tuns fragte und ich antwortete: „Nur Hörbuch ist einfach zu langweilig.“, bekam ich „Lass doch das Hörbuch weg.“ zu hören. Das leuchtete mir ein.

  17. Imke meint:

    Ich höre gerne Abenteuergeschichten wenn ich krank bin, dann hat man Unterhaltung wenn der Kopf mit Büchern nicht klarkommt. Seit ich eine Reihe von Hörbüchern habe, bin ich allerdings nicht mehr ausreichend krank geworden… scheint eine Art Prävention zu sein.
    Ansonsten komme ich einfach nicht dazu Hörbücher zu hören — auf dem Weg nebenbei mag ich nicht und zu Hause kann ich ja auch gleich das Buch lesen…

  18. Thomas J. meint:

    Der iPod ist ideal für Hörbücher, weil sich sehr einfach an beliebige Stellen hin- und herspringen lässt. Geradezu genial ist das iPod-eigene Hörbuchformat, dass die Lesegeschwindigkeit in drei Stufen anpassen lässt (dafür müssen die Hörbücher aber im Apple-eigenen Format vorliegen, und die Umwandlung aus CD- oder normal-MP3 ist etwas aufwändig.

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