Eine Woche im September

Montag, 8. September 2008 um 13:16

Eine Mordsgaudi bei Step-Aerobic: Die Aushilfsvorturnerin erinnerte mich sehr an diese Dame – nur mit erheblich langweiligerer Brille –, hatte also eh einen Sympathie-Vorschuss. Und dann baute sie auch noch eine abgefahrene Choreografie auf, die sie höchst albern vermittelte.
(Über die Marlene-Dietrich-Augenbrauen einer anderen Vorturnerin mache ich mich nie wieder lustig: Bin ihr heute in der Tram begegnet und habe von Nahem erkannt, dass sie irgendwann Verbrennungen im Gesicht erlitten haben muss, in der Folge wahrscheinlich keine eigenen Augenbrauen mehr hat. Habe mich sehr geschämt.)

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Auf einer Branchenveranstaltung einem Herrn Kommunikationschef begegnet, von dem ich sofort wusste, dass wir uns kennen. Nach 15 Minuten Plaudern fiel mir endlich ein, woher: Er war als Student vor fast 20 Jahren bei der Zeitung Praktikant in dem Ein-Personen-Ressort, das ich gerade als Urlaubsvertretung führte. Jetzt bin ich also so alt, dass ich jemanden im Berufsleben sieze, den ich in einem vorherigen Berufsverhältnis schon mal geduzt habe.

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Auf derselben Veranstaltung zwei definitiv nicht mehr junge Redakteurinnen vom Typ Haudegen kennengelernt: Erfahren, unerschrocken, kompetent, schier unerschöpflicher Quell von Kriegsgeschichten aus 30 Jahren Bundesrepublik und Rest der Welt sowie aus allen Medienarten. Die Sorte Frau, die Eleganz und Weltgewandtheit ausstrahlt, der man aber gleichzeitig zutraut, dass sie Bierflaschen mit den Zähnen öffnen kann. Ich war schwer beeindruckt.

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Beim Isarlauf gestürzt, weil in einem abschüssigen, sandigen Waldstück an einer Wurzel hängen geblieben. Richtig bewusst wurde mir das allerdings erst, als ich wieder stand: Ich hatte mich nach kurzem Stopp auf dem rechten Knie über die linke Schulter abgerollt. Zwar war ich ganz schön schmutzig, aber unverletzt. Nein, das hat mir nie jemand beigebracht; macht aber ziemlich Spaß.

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Mit einer Freundin in einem edlen Restaurant gegessen, dessen Angebot einer Weinbegleitung zum Menü wir gerne annahmen. Speisen und Wein waren ausgezeichnet; sollte sich das Erlebnis replizieren lassen, stelle ich das Lokal vor. Die Bedienung berichtete von einem österreichischen Winzer, der seinen Wein in Holzfässern in der Erde vergräbt, um sie dort reifen zu lassen. Ich rätselte mit der Freundin, auf welche Wirkung das wohl abzielt. Wir fragten dann doch nach und bekamen als Erklärung, das sei wegen der Energie im Boden, die der Wein mit dieser Methode aufnehme.

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Andererseits erzählte mir letzte Woche eine Kollegin von ihrer Freundin, die abends Leitungswasser in Glaskaraffen fülle und Zettel aufklebe, auf die sie die Wörter „Friede“ oder „Liebe“ schreibt. Am nächsten Tag schmecke dieses Wasser unvergleichlich gut. Wenn sie zum Gegenbeweis auf die Zettel „Teufel“ oder „Hass“ schreibe, könne man das Wasser am anderen Tag vor lauter Bitterkeit schier nicht trinken.

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Die Deutsche Welle hat mich für ihre „Blogschau“ zur Blogstadt München befragt. Das Ergebnis wurde gestern gesendet und kann hier nachgehört werden.

die Kaltmamsell

16 Kommentare zu „Eine Woche im September“

  1. Lila meint:

    Das mit dem Wasser probiere ich sofort aus, hier kriegt man doch die besten Tips.

    :-D

  2. walküre meint:

    Was den Wein betrifft, bin ich skeptisch, ob der Winzer die Fässer wirklich der tatsächlichen oder vermeintlichen Energie wegen eingräbt; mir scheint eher, dass es hier um die Erdtemperatur geht, die für eine gleichmäßige Klimatisierung der Fässer sorgt. Vor einigen Jahren bin ich in den Genuss eines exzellenten Wachauer Marillenlikörs aus einer häuslichen Produktion gekommen, der ebenfalls zum Reifen vergraben worden war; in meiner Jugend gab es anlässlich eines Vereinsausflugs ins Waldviertel ebenfalls selbstgemachten und zur Reife eingegrabenen (und höchst aromatischen !) Nusslikör zu kosten, wobei beiden Produzenten Esoterik eher fremd war. Mir scheint, es handelt sich bei dieser Technik um eine in Niederösterreich gepflegte Tradition – aus Oberösterreich kenne ich diese Praxis nämlich nicht. Zu sagen ist noch, dass die Fässer und Flaschen nicht unter freiem Himmel lagern, sondern in einem überdachten Raum.

  3. katha meint:

    könnte es sich bei dem winzer um das weingut muster in leutschach/südsteiermark handeln? da waren wir nämlich vor kurzem und haben von eingegrabenen fässern erfahren… und dann fallen mir noch die betoneier von meinklang/michlits in pamhagen/burgenland ein – aber die sind nicht in der erde vergraben. interessant, dass beide demeter-betriebe sind.

  4. die Kaltmamsell meint:

    Ah, ich hätte wissen müssen, dass ich vor diesen Leserinnen meine Spuren nicht verwischen kann: Muster war’s, liebe katha. Der Mond, Wasseradern und die Sterne spielen Demeter-typisch eine weitere große Rolle. Den Sauvignon Blanc von dort, ganz uneingegraben, kann ich sehr empfehlen.

  5. Stefan meint:

    Zum Leitungswasser in Glaskaraffen mit „Friede“ oder „Liebe“, „Teufel“ oder „Hass“: hat das schon jemand im Doppelblindversuch getestet? Ich frage ja nur;-)

  6. katha meint:

    der mustersche sauvignon blanc wartet gemeinsam mit ein paar anderen seit der reise in unserem weinregal auf den passenden anlass, liebe kaltmamsell. aber wären wir nicht dort gewesen, hätte ich die spur niemals erkannt…

  7. Syberia meint:

    Ich klebe mal einen Zettel mit „mehrfache Millionärin über Nacht“ auf mein Sparschweinderl und verbuddle es im Vorgarten…

  8. mo meint:

    geht hin und sucht nach „Dr. Masaru Emoto“ und was der so alles mit wasser anstellt…

    und wieder stehe ich in andacht vor den schier unendlichen ausmassen menschlicher kreativität und geistesvielfalt

  9. walküre meint:

    Syberia, das KANN gar nicht funktionieren, weil das Sparschweinderl nicht groß genug ist für ein paar Millionen Euro. :-)

  10. Stefan meint:

    Doch, der Scheck kann gefaltet werden ;-)

  11. rip meint:

    Habe mit Interesse der DW-Sendung gelauscht, die mir bis heute unbekannt war. Auch neu gelernt: dass es ein „Nord-Süd-Gefälle“ bei Blogs gibt. Sehr mysteriös. Korrespondiert das mit Unterschieden in sprachlicher Extrovertiertheit bei traditionellen Publikationen, d. h. gibt es mehr Schriftstellerinnen, je weiter man nach Norden kommt?
    Gibt es da irgendwo schon eine Karte? So richtig übersichtlich mit unterschiedlichen Farben je nach Epoche? Im Süden Emerenz Meier, Oskar Maria Graf, Bert Brecht und Eduard Mörike sowie – wenn wir das ganze Duden-Gebiet abdecken wollen – Max Frisch, Friedrich Dürrenmatt, Adalbert Stifter, Ernst Jandl und Thomas Bernhard. Im Norden die Theos (Storm und Fontane), Günter Grass … aber das ist jetzt wirklich weitfeldig.
    Gratuliere übrigens zum Abroll-Reflex :)
    P.S.: @Syberia: Toi, toi, toi!

  12. mark793 meint:

    Mich würde interessieren, ob die Nummer mit dem etikettierten Wasser auch im Blindtest funktioniert: Könnte die Dame diametral unterschiedlich etikettierte Wasserproben des Vortages am Geschmack erkennen/unterscheiden?. Oder ist das jeweilige Geschmackserlebnis halt doch nur vorgeprägt von der Erwartung dessen, was wohl kommen wird, wenn man weiß, was auf dem Etikett steht?

    Das mit der Bodenenergie im Wein ist mir neu. Ich kannte früher aber Typen, die auf „Erdloch-Kiffen“ schworen…

  13. Andreas meint:

    restaurant mit weinbegleitung:
    zufällig das bröding? empfehle ich immer wieder gern.

  14. Hande meint:

    Bin auch für Bröding. Seit Jahren einer meiner Lieblingslokale in München, noch nie enttäuscht.

    So viel ich weiß, ist Weingut Muster tatsächlich „kosmisch“ geprägt, das wird bei denen der Grund für die Vergrabung der Fässer sein. Aber es hat auch handfeste Gründe: Wie walküre es auch sagte, es sorgt für stabile Temperatur und Feuchtigkeit. In Italien macht Joschko Gravner ähnliches, nach dem er die Wurzeln der Weinkunst in Georgien nachgegangen ist: Er tut sein Wein in tausende liter große Amphoren, die in der Erde vergraben sind. Noch nie einen vergleichbaren Wein getrunken, einfach unbeschreiblich, muss ich, als „Weinkommunikatorin“!, sagen.

  15. die Kaltmamsell meint:

    Jetzt sein’S doch nicht so ungeduldig: Nein, es war nicht das Bröding (ist aber als Empfehlung notiert). Ich decke die Lokalität aber erst nach einem weiteren positiven Besuch auf.

  16. kid37 meint:

    Ich habe Wein gekauft, auf den der Händler frech „Chablis“ geklebt hat. Schmeckte wie billige Sauerplörre. Vielleicht geht es nicht mit allen Etiketten. Ich las gerade gestern in Mark Twains „Bummel durch Europa“ die Anekdote, wie im Restaurant eine Flasche Wein beim Oberkellner reklamiert wurde. Der probiert ihn und meint: „Sie haben Recht.“ Ruft seinen Hilfskellner: „Bringen Sie mal ein neues Etikett.“

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