Unmoderne Speisen: Salade niçoise

Sonntag, 19. Juli 2009 um 14:05

Salad_Nicoise_1

Der Salat mit Putenstreifen wurde in den 90ern Standard auf Speisenkarten, seit einigen Jahren machen viele Restaurants einen rechten Bohei um ihren Caesar’s Salad, inklusive Zubereitung am Tisch etc. Doch ein Klassiker ist aus der Mode gefallen: Salade niçoise. Dabei weckt er in mir sofort innere Bilder von Terassen über der Côte d’Azur, weiß lackierten Gartenmöbel aus zierlich gebogenen Metallstangen, Frauen mit weißen Handschuhen, großen Hüten und noch größeren Röcken, Sektschalen – gleich wird von rechts O.W. Fischer ins Bild kommen. Oder Heinz Erhardt.
Nun gut, ich erahne einen Grund, warum der Salat nicht mehr angesagt ist.

Dann aber bekam ich ihn vor einiger Zeit im Hamburger Café Paris – und war hingerissen. Seither habe ich ihn noch einige Male bestellt, wenn er überhaupt irgendwo angeboten war, bis ich wusste, welche konkrete Variante meine ideale ist. So müssen für mich unbedingt Kartoffelwürfel und grüne Bohnen dabei sein (neben den definitorischen Thunfisch, Ei, schwarzen Oliven, Kopfsalat), ein Zugeständnis an den Mitbewohner sind die Sardellen.

Hier geht’s zum Rezept.

die Kaltmamsell

16 Kommentare zu „Unmoderne Speisen: Salade niçoise“

  1. barbara meint:

    Köstlich. Ich mag den auch. Am liebsten bei schönem Wetter. Das ja leider kaum noch stattfindet.
    Welcher Wein wurde denn dazu gereicht?

    Um “Bistros” die den Salat mit Putenstreifen servieren, mache ich einen Bogen. Da esse ich nicht. Bäh.

    Liebe Frau Kaltmamsell, wie macht sich eigentlich der Helm? Ich fahre immer noch ohne, ich wartete auf Ihre Kritik.

  2. die Kaltmamsell meint:

    Der Wein, Barbara, war der weiße El Molino – passte schön!
    Der Helm hatte vergangene Woche seinen ersten Einsatz in die Arbeit, und er tut alles, was ich mir von ihm erhofft hatte: Schützt die Frisur, sieht nicht sportlich aus, ist bequem. Auf langen Touren käme ich möglicherweise darunter ins Schwitzen – aber ich mache ja nie Touren.

  3. Véronique meint:

    Soweit ich weiss sind Sardellen und Tomaten ein Muss, Tunfisch nicht, bei der Salade. ;-)

  4. Susanne meint:

    Hach, gute Idee, könnte ich auch mal wieder machen.

    (Ansonsten verweigere ich so etwas wie Salat mit Putenstreifen konsequent, ich möchte bitte entweder anständig Fleisch oder anständig kaltes Essen, nicht so einen Mischmasch, den die Leute dann auch noch für gesund und kalorienarm halten. Aber ich trinke ja auch Bier lieber als Wein und liebe westfälische Eintöpfe, bin also wahrscheinlich nicht besonders hip…)

  5. walküre meint:

    Welchen Grund für die Unmodernität erahnen Sie ?

  6. die Kaltmamsell meint:

    Die Kulinarik der 50er, walküre, ist sicher weiterhin gastronomisch unverkäuflich – ich stelle mir vergeblich Russische Eier im Vorspeisenangebot vor, oder Toast Hawai im Szenelokal.

  7. ivar meint:

    Wird aber alles immer noch gerne gegessen. Bei uns gab es dieses Jahr ein kleines Fest zum Motto “Wirtschaftswunder”, bei dem Russische Eier, Käseigel und Toast Hawaii aufgetischt wurden. Und all das ging wunderbar weg, während die schicken Sate-Spießchen, die ich aus ähnlichen Überlegungen sicherheitshalber dazu gestellt hatte, noch am nächsten Tag unser Resteessen ergaben.

  8. togibu meint:

    Wunderbar!
    Mir kommen beim Anblick des Salats sofort Erinnerungen auf an eine Fahrt von La Ciotat nach Cassis auf der Route de Crete, heftige Winde auf Cap Canaille, eine Bootsfahrt entlang der Calanques usw… Das ist irgendwie auf einer anderen, vollkommeneren Welt…
    Heinz Erhard ist aber auch gut, ich würde noch Grace Kelly und Cary Grant aufbieten.
    Die Fünfziger hatten schon was (auch wenn die letzgenannten erst im folgenden Jahrzehnt an die Cote d’Azur kamen). Schließlich wurde ich an ihrem Ende geboren.

  9. Dokse meint:

    Werte Frau Kaltmamsell,

    sagen Sie bitte nicht, dass sind Ihre Teller. Genau solche Teller liebe ich und hab ich für besondere Gelegenheiten mit dem Liebsten. Und die Quantität bewegt sich auch in dem Rahmen, wo bei mir anfängt ein Salätchen langsam ein Salat zu werden.
    Sie werden mir langsam unheimlich mit all den Parallelen. Bis hin zur Sommergrippe, Hass auf ungezogene Kinder und Unverständnis für Fitnesstrainer, die nicht richtig ansagen. Als wenn Sie in meinem Kopf lesen würden.

    Bei Salat Nicoise muss ich an Afrika denken, das war auf eine Art kolonial und ein bisschen französisch (in Togo) dass ich trotz peel it, cook it or forget it, einen Salat as (as – schreibt man das tatsächlich so?) und gar nicht krank wurde.
    Danke für die guten Rezepte.

    Und btw: wie panieren Sie? Ich wollte Hühnerbrustfilet, die ich asiatisch mariniert habe in Reismehl panieren und alles hat sich abgelöst. Besser doch mit Ei? Ich dachte das wäre dann nicht so asiatisch. Oder liegt es an der Pfanne oder am Öl?

    Un saludo cordial desde la isla de la calma

    Dokse

  10. die Kaltmamsell meint:

    Das, Dokse, ist Porzellan mit Goldrand von HW Heinrich Winterling Marktleuthen, das meine Mutter auf meinen Wunsch als “gutes Geschirr” in einem Fabrikverkauf erstanden hat. Die Servierschüsseln haben nicht nur die richtige Größe für Nizzanersalat, sondern auch für japanische Hauptspeisensuppen.

    Panieren tue ich nie, vielleicht hilft das Lehrvideo bei den Küchengöttern?

  11. kittykoma meint:

    mein lieblingssalat. aber ohne grüne blätter. nur kartoffeln, bohnen, tomaten, ei, ein paar sadellen und rosa gebratener thunfsch dazu.

  12. Nathalie meint:

    Salade nicoise – erinnert mich vor allem an mein erstes Französisch-Schulbuch, grün, fürs Gymnasium, dritte Fremdsprache. In Kapitel 5 oder 6 wurde ein Salade nicoise beschrieben und der mußte natürlich zuhause gleich “gekocht” werden.

    Auch heute noch ein Standard in unserem Kochrepertoire.

  13. mariong meint:

    wenn wir schon dabei sind: ich glaube, ich habe das gleiche Besteck. (Schon seit 1983. WMF, war schon damals unmodern und ich hatte mich sofort in diese schlanken Gabeln verliebt.)

    Dokse: meine chinesische Kochlehrerin hat einfach das Reismehl/Backpulver in der Marinaderezeptur mit drin, das paniert sich dann sozusagen von selbst.

    Liebe Frau Kaltmamsell, ich gehe nach Hause und probier das Rezept aus. Klingt sehr gut. Danke. Ich könnte eh schon ein Kaltmamsell-Kochbuch hinstellen.

  14. Katia meint:

    Salade!!! Bitte, wenn schon denn schon….

    Hat denn keiner von all den Bloglesern in frz. in der Schule nicht aufgepasst??….

  15. die Kaltmamsell meint:

    Bitte um Verzeihung, Katia, ich hatte statt Französisch Altgriechisch – und das böse Google-Orakel bot mir die Schreibung ohne E an.

  16. Dokse meint:

    Also, dass Sie auch noch Altgriechisch sprechen… bin sprachlos. Hab mich dem Franz verweigert, weil ich dachte, das lern ich eh noch. Naja, gezz isset Ruhrplatt und Spanisch.

    @mariong: das geht in die richtige Richtung. ich will ja den asiatischen Geschmack und die Teile, die sich ablösten hatten schon die richtige Geschmacksrichtung. An ein Schnitzel Wiener Art denke ich weniger. Backpulver dazu ist vielleicht auch nicht verkehrt und nächstes mal beschichtete Pfanne. Zart wars trotzdem und die Sauce (fr.) kam auch gut an. Der (Ex)Gatte hat sich noch einen Teller für die Nacht mitgenommen.

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