Archiv für September 2009

Tortentricks

Samstag, 19. September 2009

In den letzten Jahren, die ich in meinem Elternhaus lebte, also im Alter zwischen 14 und 18, entwickelte sich das Backen von Kuchen und Torten zu meiner großen Leidenschaft. Schon bald sorgte ich für die Anschaffung besseren Geräts (u.a. Tortenring, Kuchenretter, Backbrett) und hochwertiger Zutaten (u.a. Kuvertüre statt Fettglasur). Auch las ich akribisch die Backstrecken in Mutters Frauenzeitschriften und eignete mir so manche der dort beschriebenen Tricks an.

Als ich vergangene Woche nach vielen Jahren mal wieder eine Schwarzwälder Kirschtorte herstellte, erinnerte ich mich daran, welche Offenbarung es seinerzeit für mich war, Tortenböden mit einer Schur zu zerteilen. Feinmotorisch bin ich ausgesprochen ungeschickt (Albtraum: Basteln), und so fluchte ich jedes Mal, wenn ich einen dicken Biskuitboden in zwei oder drei dünne zerteilen musste: Wie, so fragte ich mich, konnte jemand ein noch so großes Messer gerade genug halten, dass keine bröselreichen Verheerungen eintraten? Doch dann las ich von folgender Technik:

Benötigtes Werkzeug sind ein Messer sowie ein stabiler Faden. Ich verwende gerne Zwirn, ganz wunderbar ist ein dünner Nylonfaden aus dem Bastelgeschäft (als Jugendliche in den 80ern war ich eifrige Fädlerin bunter Perlchenkettchen, deshalb hatte ich Nylonfaden im Haus).

Zunächst auf der gewünschten Höhe den Boden rundum mit dem Messer etwas einschneiden.

Bodenschneiden_1

Faden in diese Rille legen, ein gutes Stück am Anfang und Ende überstehen lassen. Diese Enden über Kreuz legen und vorsichtig auseinander ziehen.

Bodenschneiden_2

(Hatte nur eine Hand zum Zeigen frei, die andere musste fotografieren.) Oberen Teil mit dem Kuchenretter abheben. So lassen sich auch dünne Böden teilen.

Bodenschneiden_3

Vielleicht gibt es da draußen einen Leser, eine Leserin, denen ich hiermit die gleiche Offenbarung verschaffen kann.

Das Endergebnis meines Bemühens vergangene Woche, für einen – ähm – Douglas-Adams-Fan:

Schwarzwaelder_Kirschtorte_1

Das Rezept dazu steht hier.

Meine ideale Caponata

Freitag, 18. September 2009

Meine Güte, damit die Leere hier nicht so groß wird, dass tumbleweed durchs Blog rollt, gibt’s ein Rezept.

Caponata

In Rom hatte ich bei Roscioli Caponata zur Vorpeise bekommen – und war begeistert. Nach ein paar Versuchen und dem unersetzlichen Tipp von Frau katha, den Knoblauch wegzulassen, habe ich mein Ideal getroffen

Hier geht’s zum Rezept.

Status spätsommerliche Naturalien

Mittwoch, 16. September 2009

Aus den Bohnen (breite, Busch- und Feuer-) wurden gemischte gekochte Bohnen mit Olivenöl, Knoblauch und Tomaten (den kleinen, runden, süßen: nicht mitgekocht, nur untergemischt).

Der Duft der Sommerkarotten (kann man laut meiner Mutter nicht gut lagern) beim Schälen warf mich in meine Kindheit zurück: Gibt es vielleicht eine Mohrrübensorte, die nie in den Handel kommt, äußerlich aber nicht von anderen Karotten zu unterscheiden ist? Ich könnte wetten, dass ich diesen Geruch nie außerhalb meines Elternhauses mit den Karotten aus Eigenanbau in der Nase hatte. Ich raspelte eine Hand voll gelbe Rüben und die unverwurmten Teile zweier knackiger Äpfel. Das mischte ich mit Zitronensaft, Salz, frisch gemahlenem schwarzen Pfeffer und sehr gutem Sonnenblumenöl. Seit ich weiß, wie intensiv ein hochwertiges Sonnenblumenöl nach Sonnenblumenkernen schmecken kann, schäme ich mich, fast mein ganzes Leben lang die Supermarktversion als „neutrales Öl“ verwendet zu haben. Der Karotten-Apfel-Salat war dank seiner wunderbaren Zutaten eine Delikatesse. In die Originalversion des Gerichts (von meiner Studienkollegin Anne) kommen noch Sonnenblumenkerne – ich habe sie nicht vermisst.

Die Zwetschgen wurden zum einen zu einem Blech Datschi, mit dem ich alle Rekorde in Zwetschgen pro Quadratzentimeter Teig gebrochen habe. Aus dem Rest habe ich versucht Latwersch zu garen, gab allerdings nach dreieinhalb Stunden bei 120 Grad im Backofen auf. Ich wollte einfach ins Bett. Das Ergebnis sind zwei Gläser gewürztes Zwetschgenkompott, das ich mit Joghurt zu essen gedenke.

Ein weiterer Teil der Tomaten kam in die Caponata, die ich für den Essensgast heute Abend zubereitet habe. Ich bin Kathas Rat gefolgt, keinen Knoblauch zu verwenden (sehen Sie, das unterscheidet gute Foodblogs von Kochbüchern: In Kathas Zutatenliste steht „kein Knoblauch“, weil das wichtig ist und die Interpretation verhindert, die Autorin könnte etwas vergessen haben.). War eine sehr gute Idee, jetzt habe ich möglicherweise mein Idealrezept entwickelt.

Die restlichen Tomaten haben heute Abend ihren Auftritt als Teil einer Caprese, für die ich eine mir bislang unbekannte Sorte Büffelmozzarella gekauft habe. Nebenbei: Weiß irgendjemand, ob und wo es in München Burrata zu kaufen gibt?

Dem Kürbis geht’s am Wochende an den Kragen; Kürbissuppe lässt sich ja gut einfrieren (und weil der Mitbewohner seine Ferien für eine Grundenteisung des Gefrierschrankes genutzt hat – Bussi, Bussi! – ist auch Platz dafür). Die Äpfel sind das Tafelobst der nächsten beiden Tage. Bleibt noch ein Kopf Salat, der aussieht, als bekäme ich all den Dreck nur mit einem Wannenvollbad weg. Vielleicht vergesse ich den auf dem Balkon, und wenn ich ihn zufällig wiederentdecke ist er leider, leider vergammelt?

Kurze Meldung aus dem Heimaturlaub

Dienstag, 15. September 2009

Ich könnte eine Lektüreempfehlung zu Oben ist es still schreiben. Meine Verärgerung über den Herbsteinbruch von der Leine lassen. Begrübeln, was ich mit den vielen Kilos Gartenobst- und -gemüse anfange, die meine Eltern am Sonntag vorbeigebracht haben (Salat, Buschbohnen, gelbe und rote Rüben, Kürbis, Zucchini, Tomaten, Tomaten, Tomaten, Äpfel, Zwetschgen, Zwetschgen, Zwetschgen). Mich schriftlich darüber wundern, dass auch die Wintermode 2009/2010 keine Mäntel über Knielänge eingeplant hat (wagen Sie es nicht, mir diese umgearbeiteten Steppdecken als Alternative anzubieten – ich dachte eher an eine Redingote).

Ich mag aber lieber Bücher lesen, Laufen, Schwimmen, Frühstücken gehen, Nahrungsmittel einkaufen und Zwetschgendatschi backen in den letzten Urlaubstagen bis Freitag.

Zumindest biete ich folgenden Infoservice: Mein gestriges Schwimmen durch München ergab, dass jetzt auch im Olympiabad die Nutzung der Föne kostenfrei ist.

Reiseabschluss in London

Sonntag, 13. September 2009

090911_London_St_Paul

Und dann hatten wir auch noch mit der Polizei zu tun. Das allerdings noch vor dem Ausflug nach London, nämlich in unserer Ferienwohnung in Brighton. Ich saß nach meinem Dauerlauf entlang dem Undercliff Walk geduscht und gestylt mit einem Glas Wasser vor dem Internet, als es an der Wohnungstür klingelte. Der Reisebegleiter öffnete, draußen stand eine Polizistin: In der Nähe sei am Vortag eingebrochen worden, ob wir etwas Ungewöhnliches bemerkt hätten. Nein hatten wir nicht. Die Polizistin (so richtig mit kariertem Hutband, wie aus den englischen TV-Krimis) bat uns eindringlich, die Türen und Fenster der Wohnung bei Abwesenheit immer ordentlich verschlossen zu halten, und verabschiedete sich.

§

In London besuchten wir die Tate Modern. Wie schon bei meinen letzten beiden Besuchsversuchen war die spektakuläre Turbinenhalle leer: Umbau.

090911_London_Tate_Modern

Bald glaube ich nicht mehr, dass hier überhaupt jemals etwas ausgestellt ist. Doch diesmal sah ich mir zumindest die restlichen Ausstellungsräume an. Besonders beeindruckt haben mich die sechs Cage-Bilder von Gerhard Richter. Gut möglich, dass ich hier zum ersten Mal Richter im Original gesehen habe; beim Blick auf Fotos seiner abstrakten Bilder konnte ich nie recht verstehen, was daran so bemerkenswert sein sollte. Das änderte sich schlagartig, als ich davor stand und mich gar nicht satt sehen könnte an den zahllosen Details, die vom Prozess ihres Werdens erzählen.

„No Ghost in a Shell“ sprach mich ebenfalls sehr an: Zwei Künstler kaufen das Copyright an der Mangafigur Ann Lee vom Verlag, um sie zu befreien:

They subsequently commissioned other artists to appropriate the character and propose scenarios in which Ann Lee is liberated from ownership and can resolve the ambiguities of her fate. She is displaced from her original function as a minor figure in a cartoon and enters a virtual space where her rights to an identity and existence are constantly explored.

Abschließend und konsequenterweise überschreiben sie das Copyright der Figur selbst.

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Weitere Sinnenfreuden holte ich mir anschließend auf dem Borough Market: Käse von Neal’s Yard Dairy nahm ich auch mit, doch Fleisch, Wurst, Fisch, Gemüse, Süßigkeiten und Brot an den vielen Marktständen bestaunte ich lediglich. Hier gibt es sogar offenen, frischen Büffelmozzarella.

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Für den Abend hatten wir in Islington einen Tisch bei Ottolenghi reserviert – und bekamen das beste Essen der diesjährigen Englandreise (die unspektakulären Essen in Brighton berichte ich erst gar nicht). Der Ottolenghi-Delikatessenladen in Islington (sehr nette Gegend) ist der einzige mit einem richtigen Restaurant. Die Speisen auf der übersichtlichen Karte sind unterteilt in „From the Counter“ (kalte Vorspeisen und Salate) und „From the Kitchen“ (Warmes). Beides wird, wie die Karte informiert, in Tapas-Portionen serviert – man möge etwa drei Speisen für eine volle Mahlzeit einkalkulieren. Und so bestellten wir als Kaltes: gegrillte Pfirsiche mit Balsamico-Reduktion und Orangenaromen, Rinderlendenscheiben mit Koriandersoße, Auberginenmezze mit Sesampaste. Als warme Speisen: Kaninchen mit Topinamburpüree und Sternanis, Taubenbrust auf Mangold, Jakobsmuscheln mit roten Beete und Orange. Das sind nur die groben Beschreibungen der Gerichte: Sie waren alle aufs Feinste mit Gewürzen und Aromen abgestimmt, jedes für sich eine geschmackliche Entdeckung, alle perfekt gegart. Dazu gab es verschiedene Brote (auch Focaccia, auch scharfes Polentahaltiges) mit einem Schüsselchen hervorragendem Olivenöl.
Wir wurden beim Auftragen gefragt, ob wir uns die Gerichte teilen wollten. Wollten wir, also standen sie zwischen uns.

Die Weinkarte war für ein englisches Restaurant überraschend Europa-lastig; ich entschied mich für den Primitivo Falatone 2005. Die Kellnerin (wir wurden wurden sehr zuvorkommend von verschiedenen Damen und Herren bedient) freute sich über die Wahl, warnte und aber noch, dass der Wein sehr „earthy“ sei und gewöhnungsbedürftig. Er schmeckte uns sehr gut.

Auch Desserts aßen wir: Eine Zitronen-Mascarpone-Tarte, die gut, aber nicht sehr aufregend war, außerdem ein Apfel-Walnusskuchen mit Ahornsirupcreme – sehr gut.

Und doch fanden wir etwas, was das Restaurant nicht kann: Espresso. Mein abschließendes Tässchen enthielt etwas Schwarzes, Lauwarmes, Saures, das ich eigentlich hätte zurückgehen lassen sollen – was ich ja doch nie fertigbringe.

§

Der Weg zurück zu Victoria Station, von wo aus uns ein Zug nach Brighton bringen sollte, hielt noch ein Abenteuer bereit: Wegen eines Personenunfalls (so verstand zumindest der Reisebegleiter die Durchsage) war der U-Bahnhof Victoria Station in beiden Richtungen gesperrt. Wir stiegen eins vorher aus, wo zwei Buslinien mit den gestrandeten U-Bahn-Passagieren völlig überfordert waren. Also entschieden wir uns für einen nächtlichen Fußmarsch zum Bahnhof, vorbei an Buckingham Palace.

Brighton – warum ein Ferienappartment eine gute Idee ist

Donnerstag, 10. September 2009

In den North Laines von Brighton hatten wir einen Laden entdeckt, der sich auf Würste spezialisiert: Brighton Sausage Co. Und jetzt verdrehen Sie bitte nicht gleich die Augen bei der Erwähnung englischer Bratwurst: Wer erst einmal akzeptiert hat, dass Bratwurst auch anders als die in Deutschland gewohnte sein kann, eröffnet sich manche Entdeckung.

Heute planten wir fürs Abendessen also eine Bratwurstverkostung – was nur ging, weil wir in einer Ferienwohnung mit Küche untergekommen sind. Denn so gerne ich auch in schönen Hotels übernachte: Vor allem wenn ich mich für die einheimische Küche interessiere, macht es mich immer traurig, auf Märkten und in Läden interessante frische Zutaten zu entdecken, und sie nicht zubereiten zu können. Außerdem genieße ich die völlig freie Zeiteinteilung des Wohnens im Appartment: Ich muss auf keinen Zimmerservice Rücksicht nehmen.

Diesmal hatte ich sogar daran gedacht, das Nötigste von Daheim mitzunehmen: In den vergangenen beiden Jahren hatte ich halt vor Ort Olivenöl, Essig, Knoblauch, frischen Pfeffer eingekauft, auch wenn ich wusste, dass die übrigen neun Zehntel von den Vermietern weggeworfen werden würden. Da ich nicht mit Auto reise, werde ich allerdings nie eine Ferienwohnung-Urlauberin werden, die ihren halben Hausstand einpackt.

Sausages_1

Hier ist unsere Auwahl fürs Abendbrot zu sehen: Oben Lamm-Minzwürste (herrlich minzig und mit kräftigem Lammgeschmack), darunter Cumberland-Würste (ein Klassiker mit deutlicher Salbei-Note), unten Schweins-Stilton-Würste (der kräftige Schimmelkäse machte sich darin ganz ausgezeichnet), an der Seite Wildschweinwürste mit Waldfrüchten (überraschend mild, sehr rund). Zu den Würsten im Angebot, die wir nicht mitnahmen, gehörten Bratwürste nach Chorizo-Art und Enten-Orangen-Würste.

Sausages_2

Die unbeschichtete Pfanne bereitete dem Würstelbrater an meiner Seite etwas Probleme, tat dem Geschmack aber keinen Abbruch.

Dazu gab es echten englischen Wein: Autumn Spice von Bookers Vineyard. Nichts Großartiges, aber tatsächlich trinkbar. Man sollte Müller Thurgau mögen. Passte besonders gut zu der Minze in den Lammwürsten.

Englisches Essen 2009

Dienstag, 8. September 2009

Nach einem ausführlichen Spaziergang in den Hügeln westlich von Brighton in Sommersonne waren wir hungrig und kehrten endlich in einen Laden ein, auf dessen Auslagen wir jedes Jahr aufs Neue gestarrt hatten: Bona Foodie und seine wundervollen Quiches und Pies. Sie sind in erster Linie zum Mitnehmen gedacht, im hinteren Teil des altmodischen, völlig uncoolen Ladens stehen aber auch ein paar Tische, mit Wachstuch eingedeckt, an denen man die Köstlichkeiten gleich essen kann.

Bona_Foodie

Auf meinem Teller: Ein Stück Lamb and Mint Pie, gegüber klassischer, aber hausgemachter Pork Pie mit Pickle, beides mit einem netten Salat und ein paar Antipasti. Schmeckte mindestens so gut, wie es all die Jahre in der Auslage ausgesehen hatte. Mal sehen, wie der hausgemachte Balsamicosenf ist, von dem ich mir ein Glas mitgenommen habe.


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