Erste Mainstream-Frauenzeitschrift ohne Mager-Models

Montag, 5. Oktober 2009 um 14:09

Respekt, Brigitte, das hätte ich nicht erwartet vom stärksten Motor der weiblichen Diätbewegung in Nachkriegsdeutschland (Brigitte-Diät samt Club und Vorher-Nachher-Geschichten über Jahrzehnte): „In Gruner + Jahrs Traditionstitel „Brigitte“ wird es 2010 keine Modestrecken mit Profi-Models mehr geben.“ Brigitte soll magerfreie Zone werden.

Ich bin wirklich sehr gespannt, wie sich dieser Schritt auf die Auflage auswirkt. Es ist ja durchaus möglich, dass die Frauenzeitschriftsleserin an sich lieber unerreichbare Träume kauft als Bilder von Frauen, die ihr ähneln. Zumal eine ganze Industrie davon lebt, dass sie sich scheiße findet: Nur so ist sie bereit, für Produkte Geld auszugeben, die ihr Optimierung versprechen. Vielleicht aber ist tatsächlich die ehrwürdige Brigitte das eine Magazin, das damit durchkommt: Ihr redaktionelles Profil war ja schon immer das erwachsenste auf dem Markt.

Dass die Brigitte-Chefredakteure Andreas Lebert und Brigitte Huber das Spiel nicht mehr mitspielen wollen, spricht auf jeden Fall für sie:

Lebert hat es buchstäblich satt, von Agenturen völlig abgemagerte Models vorgesetzt zu bekommen. Die folgen dem Druck der großen trendigen Modelabels, die systematisch ein völlig unerreichbares Schönheitsideal durchzusetzen versuchen. Dabei würden von Prada, Gucci & Co. meist so kleine Konfektionsgrößen geliefert, dass der Redaktion gar nichts übrig geblieben sei, als „dürre Mädchen“ zu buchen. Im Nachhinein würden die Bilder dann in Photoshop bearbeitet und die Proportionen künstlich dicker gemacht. Lebert zum Spiegel: „Das ist pervers. Was hat das noch mit unserer echten Leserin zu tun.“
(Quelle)

Ich drücke die Daumen. Langfristig verspreche ich mir von diesem Vorgehen mehr als von Warnungen auf Modezeitschriften, wie sie französische Politiker vorschlagen.

die Kaltmamsell

14 Kommentare zu „Erste Mainstream-Frauenzeitschrift ohne Mager-Models“

  1. Alice meint:

    G+J geht es ja nicht gerade gold. Könnte man auch so interpretieren: „… hat es buchstäblich satt, von Agenturen völlig überteuerte Models buchen zu müssen.

  2. Helga meint:

    Ich würde es ebenso interpretieren wie Alice. Die Tendenzen, sich von den Lesern die Texte schreiben zu lassen oder Fotos machen zu lassen gibt es ja schon. Jetzt modeln die Leserinnen halt. Alles umsonst für den Verlag.

    Und schauen Sie sich das Bewerbungsformular auf der Webpage an. Als erstes unter Freizeitbeschäftigung steht Pilates…

  3. Thea meint:

    Alice hat ja so recht. Nun hoffe ich auf die Leserinnen, die emanzipiert und selbstbewußt den Schritt der Redaktion goûtieren. Ich selbst lese seit Jahren keine Frauenzeitschriften mehr – außer den einen oder anderen Newsletter. Und wenn ich Helgas Hinweis auf die erstgenannte Freizeitbeschäftigung Pilates lese, weiß ich, warum ich lieber in diversen Blogs stöbere.

  4. croco meint:

    Auf meinem Couchtisch liegt noch eine Brigitte vom Sommer. So dünne Menschen mit unglaubwürdigen Proportionen gab es noch nie in der Zeitschrift. Ich war ganz entsetzt und ich hatte schon beschlossen, sie fortan zu boykottieren.
    Vielleicht mache ich das doch nicht, mal sehen.

  5. Cati Basmati meint:

    Hoffentlich kommt dann auch mal jemand auf die Idee, die ganze untragbare Mode wegzulassen. Oder hat außer mir sonst niemand ein Büro, in dem Pailettenfummel und 12cm Absätze irgendwie nicht so gut reinpassen?

  6. Arztgatten(ex)ehefrau meint:

    Bitte mal den Unterschied angucken:

    Tolles Kleid http://tiny.cc/5bKzc
    Tolle Frau http://tiny.cc/JeqrH

    und ich find es immer wieder genial, wie Mrs. O. mit ihren perfekten Oberarmen von ihren gar nicht perfekten Hüften ablenkt. Bis jetzt habe ich da noch nichts drüber gelesen. Respekt. Und danke Frau Obama, dass Sie den Fummle gekauft haben, nach dem Bild mit dem Model hätt ich nie gedacht, dass das so gut aussehen kann.

  7. trillian meint:

    Auch nicht professionelle Modells können deutlich schlanker sein, als der Durchschnitt der Bevölkerung.
    Aber darüberhinaus habe ich die Brigitte (die meine Ma seit 1975 im Abo hat) eh nicht so sehr auf die Modestrecken fokussiert erlebt, wie es bei anderen Zeitschriften der Fall ist.

  8. KochSchlampe meint:

    Es ist auf jeden Fall ein interessantes Experiment. Ich merke immer wieder, dass gerade bei Modestrecken meine Vorstellungen, wie die Figur zu sein hat, deutlich verschoben ist. Es gibt da für mich einen sehr schmalen Grat zwischen zu dick und zu dünn.

    Abgesehen davon kaufe ich die Brigitte meist genau einmal im Jahr: dann, wenn es neue Plätzchenrezepte gibt. Als Modeautorität habe ich sie nie wahrgenommen.

  9. Tine meint:

    wenn ich eine Frauenzeitschrift in die Hände bekomme überblättere ich die Modeseiten. Schon lange. Weil es mich schon lange langweilt, diese blasierten, verhungerten Striche in der Landschaft zu sehen. Dies hat mit mir und meiner Welt so gar nichts zu tun (obwohl ich ja durchaus gerne Dinge lese, die nichts mit meiner Welt zu tun haben. Blogs sind ja oft so spannend, gerade weil sie mir eine fremde Welt zeigen. Aber die Modestrecken tun ja so, als ob es irgendwas mit den Leserinnen zu tun haben sollte.)

    Ich merke aber auch selbst an mir, wie sich mein Schönheitsbild verändert hat über die Jahre. Mir gefallen immer mehr die echten Frauen. Ob im echten Leben oder in den Zeitschriften.

  10. croco meint:

    Scaheun wir doch mal die Frauen in Deutschland an, die Einfluß haben. Die in der Politik Ämter einnehmen.
    Frau Merkel, Frau Nahles, Frau Roth und Frau Zypies sind gestandene Frauen und keineswegs dünn. Und mir scheint auch, dass es ihnen so ziemlich egal ist. Frau Roth trägt Designerkleidung und sie fällt auf damit, weil sie sich orginell kleidet.
    Mir gefällt das, vor allem weil es weit weg ist vom Anzugsimitat Hosenanzug.
    Als Frau merkel am 3. Oktober schwarz trug, dachte ich als erstes „schade“ weil ich mich schon an die bunten Blazer gewöhnt hatte.

  11. Frau Klugscheisser meint:

    Die wirkliche Emanzipation beginnt da, wo wir uns von Vorgaben – egal welcher Art – befreien. Himmelherrgott, können sich denn die Frauen nicht endlich mal über was anderes als ihren Körper definieren? Ein Körper ist gelegentlich schön anzuschauen, toll wenn er ohne Mucken funktioniert und ansonsten nichts anderes als eine nette Verpackung, eine Hülle für den Geist. Der funktioniert áber bei vielen schon lange nicht mehr…

  12. Mrs. Wordmountain meint:

    Hm, gestern wurde das auch im TV verkündet. Einer der „Brigitte“-Mitarbeiter sagte im Interview, dass es im „redaktionellen Teil“ der Brigitte künftig keine Mager-Models mehr geben soll… Das heißt doch, dass die Leser weiterhin auf jeder zweiten oder dritten Seite mit dünnen Models konfrontiert werden: in den Werbeanzeigen nämlich. Oder seh ich das falsch? (Hab lange nicht mehr in eine Brigitte geguckt – muss mal wieder ’nen Arzttermin machen… *g*)

  13. Anne meint:

    @alice und helga: Die Amateurmodels sollen das gleiche Honorar bekommen, wie die vorher engagierten professionelle Models. Da Brigitte ohnehin nie die ganz großen der Branche gebucht hat, können sie sich das nach eigener Aussage gut leisten.

  14. creezy meint:

    Es ist schwierig. Gelegentlich lese ich bei einer Freundin in deren Brigitte-+40-Abo. Da wird einerseits in den Fotos und Artikel über die Noblesse des erfolgreichen Alterwerdens schwadroniert, andererseits impfen mich rechts und links große und kleine Anzeigen hinsichtlich teuer Faltencremes oder werden ich zu Proben eingeladen, mich zur Zielgruppe zugehörig zu fühlen, die sich jetzt mit Haarshampoo oder der Bodylotion der Oldies-Klasse zu pflegen haben.

    So fühle ich mich impertinent veräppelt. Nichtsdestoweniger hat die Brigitte in den Vorher/Nachher-Strecken immer schon Talent für gute Frauengesichter bewiesen, insofern glaube ich da an einen Erfolg. Mir geht’s weniger um Gewicht dabei, aber ich finde, dass so mancher Style, manche Mode einfach nur von Charakteren getragen und gezeigt werden sollte. Das wäre in meinem Augen ein Gewinn!

    Davon abgesehen, kommt der Style eh zunehmend von der Straße, nicht mehr von den Designern. Ich finde es nur logisch die Mode an den Frauen zu zeigen, die die Looks kreieren.

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