Fragebogenkonflikte

Samstag, 14. November 2009 um 9:03

(Möglicherweise ein neuer Rekord in Irrelevanz.)

Sie kennen das sicher: Sie füllen einen Fragebogen aus, der meistens als Antworten lediglich Ja und Nein anbietet – und denken ständig: „Hmjein, weder noch.“

Eben war das im Hause Kaltmamsell Anlass zu tiefen Überlegungen. In einem Fragebogen, den Tomorrow Focus mir auf den Bildschirm stellte, wurde gefragt: „Führen Sie den Haushalt hauptsächlich? (Also: Erledigung von Einkäufen, Wäsche waschen, Essen zubereiten, etc.)“. Ja – Nein.

Nun ist es bei uns so, dass sich der Mitbewohner und ich Haushaltsarbeiten wirklich teilen, entgegen allen Statistiken, die besagen, dass es weiterhin die Frau im Haus ist, die sich kümmert. Unter der Woche erledigt meist der Mitbewohner die Einkäufe. Damit ist nicht gemeint, dass ich ihm einen Einkaufszettel schreibe, den er abarbeitet (ich habe mir sagen lassen, dass das üblich ist); der Herr geht beim Einkauf selbstverantwortlich vor und sorgt dafür, dass der Haushalt auch mit Grundausstattung wie Klopapier, Milch und Schokolade versorgt ist. Die Wäsche wasche tatsächlich ich, doch häufig programmiere ich die Maschine so, dass sie bei der früheren Heimkehr des Mitbewohners durch ist und er die Wäsche aufhängt oder im Trockner weiterbehandelt. Ich wiederum bin die Büglerin des Hauses. Mitbewohnerhemden gehen allerdings in die Reinigung; dort werden sie für 1,50 Euro das Stück gewaschen und gebügelt – ich bitte Sie: Da lohnt sich das Selbermachen wirklich nicht, auch nicht, dem Mitbewohner Hemdenbügeln beizubringen. Und das Zubereiten von Speisen? An Wochentagen tut das meist der Mitbewohner, am Wochenende plane und einkaufe ich, gekocht wird meist gemeinsam. Unterm Strich ist es also der Mitbewohner, der den größeren Anteil hat.

Wie beantworte ich nun die Fragebogenfrage? Der Mitbewohner meinte, die verschiedenen Aufgaben im Haushalt hätten einen unterschiedlichen Rang in der Definition von Haushaltführung. Jeder wisse, dass es im Haushalt zwei Schlüsseltätigkeiten gebe: Müll rausbringen und Wäsche waschen. (Ich hätte unbedingt die Reinigung der Wohnung eingeschlossen, aber für diese bezahlen wir ja jemanden Dritten.) Hilft auch nicht weiter: Tendenziell kümmert sich der Mitbewohner um den Müll; ergibt sich wohl, weil er mehr kocht. Und ich kümmere mich mehr um die Wäsche, allerdings, wie oben beschrieben, unter Mitwirkung des Mitbewohners. Wir beschlossen, dass mein größerer Anteil an der Wäschearbeit mich zur Haushaltsführerin macht, und so klickte ich endlich „Ja“ an.

„Sind Sie selbst der Haupteinkommensbezieher im Haushalt? (Unter Haupteinkommensbezieher ist die Person zu verstehen, die das höchste Einkommen hat)“ war etwas einfacher: So definiert, ja. Nur dass auch das Einkommen des Mitbewohners uns beide am Leben erhalten würde. „Haupteinkommen“ würde ich meines also nicht nennen.

Mir ist schon klar, dass die Auswertung des Fragebogens einfacher ist, wenn er nur die beiden Extreme als Antworten enthält. Aber es wirft ein schlechtes Licht auf das Gesellschaftsbild der Frager.

die Kaltmamsell

12 Kommentare zu „Fragebogenkonflikte“

  1. katha meint:

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    Gerne gelesen

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  2. Sonja meint:

    Aber es wirft ein schlechtes Licht auf das Gesellschaftsbild der Frager.

    Es scheint auch, dass die Frager sich nicht besonders viele Gedanken über ihren Fragebogen und die Daten, die sie erheben wollen, gemacht haben. Da denk ich mir immer „wenn ihr euch schon keine Mühe gebt, warum soll ich’s dann tun?“

  3. Ms K meint:

    @Sonja: genauso sehe ich das auch. Ich aergere mich immer wieder ueber schlecht gemachte Frageboegen!

  4. saxanasnotizen meint:

    Ich finde Fragebögen generell ä t z e n d.

  5. AnkeD meint:

    Ich weiß da auch immer nicht, wen genau die mit ihren Fragen abzielen, auf welche LebensNorm die sich beziehen. Mich meinen die jedenfalls nicht.

  6. AnkeD meint:

    Ich habe ein „auf“ vergessen!

  7. Thea meint:

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    Gerne gelesen

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  8. croco meint:

    So ist das: wer doof fragt, bekommt blöde Antworten.
    Solche Umfragen kann man nicht auswerten.
    Da liebe ich das alte: ja/nein/vielleicht von früher.

  9. walküre meint:

    Auch offizielle Stellen agieren zeitweise ähnlich ungeschickt; ich kann mich erinnern, dass vor etlichen Jahren anlässlich einer Volkszählung (Österreich) auf dem entsprechenden Fragebogen darauf bestanden wurde, einen Haushaltsvorstand anzugeben. Daraus, dass es im damaligen Haushalt meines Exmannes und mir tatsächlich keinen solchen gab (gleiche Rechte, annähernd gleiches Einkommen und auch Teilung der Arbeit im ohnehin nicht allzugroßen Haushalt), resultierten im Endeffekt ein verzweifelter Gemeindebeamter und ein möglicherweise ungültiger Fragebogen.

  10. Sigourney meint:

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    Genau!

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  11. Frau Klugscheisser meint:

    1.Es ist erstaunlich, dass solche Fragebögen doch immer wieder von Lesern bereitwillig ausgefüllt werden. Das ist dann auch der Grund, warum es sie überhaupt in dieser ganz vereinfachten Form in diesen vereinfachenden Zeitschriften gibt.

    2. „[…]entgegen allen Statistiken, die besagen, dass es weiterhin die Frau im Haus ist, die sich kümmert.“ Diese Statistiken würde ich mir gerne mal etwas genauer ansehen. Was sind das denn für Statistiken? Popularerhebungen, echte Statistiken, die für den Gemeingebrauch gebürstet wurden? In welcher Fachliteratur erschienen?

    3. Ja, man kann Statistiken wesentlich differenzierter erheben. Statistiken erheben kann erlernt werden und dient dem Wissenschaftler als Forschungsgrundlage, ist somit teuer, zeitaufwändig und mit wenig Ruhm bekleckert. Alles was so öffentlich zum Ausfüllen rumliegt, wird sicher nicht unter diese Kategorie fallen. Da geht es nur um Sstereotype bestätigende Hobbyerhebungen (gelegentlich ein Touch reisserisch).

    4. Was anderes ist, wenn Sie wirklich an einer Studie teilnehmen. Dann würde ich aber mal behaupten, der den Fragebogen entworfen hat, steht noch ganz am Anfang.

  12. die Kaltmamsell meint:

    Oh, bei 2., Frau Klugscheisser, war ich nur zu faul zum Belegen (und bin es immer noch): In der westlichen Welt ist die Hausarbeit in der Partnerschaft bis heute zum größten Teil Frauensache.

    Ich habe den Fragebogen auch nur geöffnet, weil ich den Leuten einen Gefallen tun wollte, deren Website ihn aufpoppen ließ. Er ist durch und durch manipulativ und will keineswegs etwas herausfinden, sondern lediglich eine deutlich durchscheinende These über die User der Website belegen. Diese Umfrage soll eine Pressemitteilung ergeben (oder Daten zur Anzeigenakquise), nicht etwa eine Analyse ermöglichen.

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