Journal Sonntag, 18. Juli 2010

Montag, 19. Juli 2010 um 6:39

Die Regennacht hatte die Luft so stark abgekühlt, dass es mir auf dem Balkon schon nach wenigen Minuten zu frisch für meinen Morgenkaffee war.

Umso angenehmer wurde der sonntägliche Dauerlauf entlang der von den Regengüssen hellbraun und gefährlich hoch schäumenden Isar: Ich musste mich nach Langem wieder richtig warm laufen.

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Die taz schreibt über den nächsten Schritt der gesellschaftlichen Entwicklung am Prenzlauer Berg: Die verlassenen Macchiato-Mütter.
via bovs Gezwitscher

Ich bleibe dabei: Materielle Abhängigkeit in einer Partnerschaft macht Gleichberechtigung zu Theorie. (Von wegen „Ich manage ein kleines Familienunternehmen“ – dann beurteile ich die Zukunftsfähigkeit dieses Unternehmens aber auch anhand der Geschäftszahlen: Eigenkapitalquote? Umsatz? Auftragseingang? Operatives Ergebnis? ROCE?)

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Bei dieser Gelegenheit und zur Erinnerung: Ein paar Statements über Feminismus drüben beim Mächenblog, mündend in der Zusammenfassung

Feminists want to give to women, not to take from men.

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Endlich auch in diesem Hause Wassermelone kombiniert mit Feta. Ich habe von beidem Stücke auf einem Teller drapiert und eine Hand voll Minzblätter darübergestreut. Harmonierte sehr gut, auch mit ein paar Tropfen Balsamicocreme aus der Plastikflasche, die der Mitbewohner geschenkt bekommen hatte.

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Sommer bedeutet verstärktes Bügeln. Die Waschmaschinenernte einer eigentlich normalen Woche kostete mich zwei Stunden – zumindest bei angenehmen Temperaturen.

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Oder hamse schomma ein gehört, wo gerufen hat: „Lassense mich durch, ich bin Hömmöpath?“ Sehnse.

Ingeborch Schubiaks Gedanken zum Unterschied zwischen Homöopathie und Parkuhren.

(Sie haben hoffentlich bemerkt, wie fein still ich während der aktuellen Debatte über Sinn und Kosten dieser Glaubensrichtung war?)

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Sommer! Abends eine große, echte, heimische grüne Paprika und zwei kleine heimische Ochsenherztomaten klein geschnitten, ein bisschen gehackte Zwiebel dazu, mit Zitronensaft, Olivenöl von Freunden aus Urracal, Salz, Pfeffer vermischt. Göttlich!

die Kaltmamsell

7 Kommentare zu „Journal Sonntag, 18. Juli 2010“

  1. Modeste meint:

    Ja, diesen Artikel habe ich auch gelesen und bin ein wenig ambivalent. Auf der einen Seite nerven mich die Prenzlmuttis ganz gewaltig. Da mag auch ein bißchen Neid hineinspielen auf’s nachmittagliche Kaffeehaussitzen. Auf der anderen Seite ist es fast unfassbar, wie schnell aus lauter gleichberechtigten, gleich gut ausgebildeten und gleich aktiven Paaren mit einem Kind so eine Fünfziger-Jahre-Familie wird.

  2. Ich ... meint:

    Als lange alleinerziehende und voll berufstätige Mutter von 2 Kindern kann ich einigen Aussagen nur zustimmen. Man muss Prioritäten setzen – gut wohnen UND leben geht mit 1 Gehalt leider nicht immer. Und die Kinder benötigen nunmal Zeit und Aufmerksamkeit – wer da karrieretechnisch nicht ein wenig langsamer laufen möchte (Vater oder Mutter), der sollte lieber keine Kinder bekommen (was ich persönlich gut verstehen kann!).

    Doch wer redet vom Abstieg der geschiedenen Väter, die durch Unterhaltszahlungen an Exfrau und Kinder kaum noch mehr als den Sozialhilfesatz zum Leben haben? Auch diese Männer können sich keinen Latte Macchiato oder die Bratwurst für 5 € mehr leisten, geschweige denn haben sie die Zeit dazu.

  3. Andi meint:

    Von dem taz-Artikel ist mir vor allem der Absatz vor „Trennungskinder“ hängengeblieben. Holla, ist das krass: Eine Mutter, der ihre eigenen Kinder lästig sind, weil sie das Leben weniger schick machen und sie lieber was anderes tun würde, als für sie sorgen zu müssen.

  4. Petra meint:

    Beifall zu Artikel Nr. 4: Wassermelone mit Feta ist mal was ganz anderes.
    Danke für den Tipp, Frau Kaltmamsell :-)

  5. Alice meint:

    Ich denke, es geht nicht um „Leben weniger schick“ machen. Grundsätzlich trifft das im Artikel beschriebene auch auf andere Großstädte zu. In Berlin kommt die extreme Segmentierung hinzu. Aus Prenzlauer Berg wegzuziehen, bedeutet, das Umfeld komplett zu verlieren, kaum eine Freundin oder Bekannte wird sich auf den Weg nach Wedding, Lichtenberg oder Pankow machen, um den Kontakt zu halten. Und Angehörige dieser besondere Szene findet man eben nur in Mitte, Prenzlauer Berg, Friedrichshain. Ein Umzug bedeutet, sein Leben komplett zu ändern. Davor haben die Frauen Angst. Der Schulwechsel eines Grundschülers ist da nur vorgeschoben. Nur: Die Entwicklung z.B. bei den Mietpreisen ist dort noch nicht abgeschlossen. Die werden sich in wenigen Jahren an beste Lagen in Köln oder München orientieren. Da wird es noch viele verzwifelte Macchiato-Mütter geben.

  6. creezy meint:

    Das hätte ein guter Artikel sein können, hätte man ihn nicht via Prenzelberg aufgemacht.

    Fein still waren Sie während der Homöopathiedebatte, Lob. Zum Dank wird jetzt ja als nächste Geldvernichtungsgruppe des Systems an den Pranger gestellt: der/die Dicke.

    Da reden wir nicht mehr von der lächerlichen Minderheit Homöopathen (9 Millionen Kosten im Gesundheitssytem). „Der/die Dicke“ vernichtet im Schnitt 17 Milliarden im System. Zweistelliger Bereich und drei Nullen mehr am Ende. Ich sag es mal so: zur Vorbereitung und zur Stimmungsmache hinsichtlich Ausgrenzung waren die Homöopathiegläubigen super und weil es bei den so fundamental vom einzelnen Schicksal Bescheid wissenden Kritikern so schön unreflektiert funktioniert hat, legen sie gleich mit der nächsten Gruppe der „selbstbestimmten“ Geldverblaser nach.

    Wenn ich als Unternehmen finanzieller Nutznießer des deutschen Gesudheitssystems wäre, welchen Markt fände ich wohl deutlich attraktiver?

  7. die Kaltmamsell meint:

    Aber nicht doch, creezy, ich hätte nicht über den finanziellen Schaden für das Gesundheitssystem geschrieben, sondern mal wieder über die gesellschaftliche Gefahr von Wissenschaftsfeindlichkeit und absolutem Relativismus.

    Für Geldmacher müsste die Gewinnspanne von Hokuspokusmitteln hochattraktiv sein.

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