Journal Brighton, Freitag, 20. August 2010

Sonntag, 22. August 2010 um 10:00

Den letzten Tag in Brighton verbrachten wir mit Gammeln. Erst mal im Bett, dann an Rechner und Buch, bevor wir zum besten Kaffee der Stadt spazierten.

Dort verabschiedete sich gerade eine große Gruppe sehr junger Leute aus anscheinend aller Herren Länder voneinander, und ein nicht so junger Mann bat den Begleiter, ein Foto von ihnen allen zu machen. Woraufhin ein Mädchen aus der Gruppe dem Begleiter auch ihre Kamera mit derselben Bitte hinhielt. Dann ein weiteres Mädchen. Dann noch eines – schließlich standen sechs Fotoapparate auf unserem Kaffeehaustischchen, die der Begleiter gewissenhaft nach und nach abarbeitete. Selbstverständlich fotografierte ich ihn dabei.

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Mittagessen nochmal im Food for Friends: Gestapelte Kräuterpolenta mit mediterranem Ragout, Schafskäse und Pistazienpesto für mich, der Begleiter hatte den Curry Platter.

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Dann Einkauf von Fudge, Bratwürsten (für das Samstagsabendessen in München) und englischem Käse in North Laine. Letzter Punkt von der Einkaufsliste: Backpulver (gibt es hier in praktischen und sehr billigen großen Dosen). Bei dieser Gelegenheit fotografierte ich das Zuckerregal, das mich schon einmal ob seiner Vielfalt hat in Tränen ausbrechen lassen. 2004 hatte ich 14 Zuckersorten aufgelistet, mittlerweile gibt es von den meisten eine zusätzliche Diversifizierung in organic und Fairtrade. Die künstlichen Süßungsmittel rechts oben sind natürlich nicht mitgezählt. (Bildmontage: Mitbewohner)

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Für den Abend hatten wir einen Tisch im Restaurant Graze reserviert. Wir waren zufällig daran vorbeigekommen und an der Speisenkarte mit einem hochinteressanten Tasting Menu samt begleitenden Weinen hängen geblieben. Wir aßen und tranken vorzüglich (Leitungswasser – „Brighton’s Finest“ – wurde uns, wie schon am Vorabend in The Meadow, ungefragt angeboten – München, lesen Sie das?):

Suppe aus weißen Zwiebeln und Mandeln (Fino Fernando de Castilla, Jerez)

Terrine aus gepökelter Schweinshaxe und Ente (Grauburgunder Villa Wolf, Pfalz)
Erbsen- und Holunderblütenmousse (Weißburgunder Rene Mure, Elsass)

Kräuter-Zitronen-Risotto (Sauvignon Touraine, Loire)

Krabbensalat mit Apfel-Ruccola-Vichyssoise und Kokosnussschaum (Riesling Tamar Ridge, Tasmanien)
Makrelen-Sashimi, Algen und Calamari-Tempura (Gewürztraminer Enate, Aragón)

Gewürzter Schweinebauch, Kartoffelpüree, Essigbirnen, knuspriges Schweineohr (Sangiovese Pikes, Clare Valley)
Geschmorte Rinderzunge und -backe, Petersilienpesto (Zinfandel Ravenswood, Sonoma)

Kalte Pfirsich-Safran-Suppe mit Joghurteis (Oloroso Fernando de Castilla, Jerez)

Schokoladen-Brownie, weißes Schokoladenmousse, Baleys-Eis (Muscat John Cambell, Rutherglen)

Alles war sehr gut, der Krabbensalat und der Schweinbauch für mich sogar echte Highlights. Auch unter den Weinen war eine Entdeckung: Der spanische Gewürztraminer von Enate. Er gehörte eigentlich zum Makrelen-Sashimi des Begleiters, doch den musste ich probieren – ein ganzes Rosenbouqet in der Nase und auf der Zunge.

die Kaltmamsell

11 Kommentare zu “Journal Brighton, Freitag, 20. August 2010”

  1. Nathalie meint:

    Von Enate habe ich schon einmal den Chardonnay getrunken – sehr empfehlenswert. (Obwohl ich gar keine „Chardonnay-Freundin“ bin.)

  2. ATh meint:

    Wie ist eigentlich das Gerücht aufgekommen, die Briten äßen schlecht?

  3. alicely meint:

    Englische Supermaerkte sind fantanstisch! Aber – ich bringe aus dem Urlaub in Deutschland immer Backpulver in Paeckchen mit zurueck nach England, denn so ist es am einfachsten fuer mich, die ganzen deutschsprachigen Rezepte a la „ein Paeckchen Backpulver zuefuegen“ nachzubacken…

  4. die Kaltmamsell meint:

    Das, ATh, frage ich mich seit meinem Studienjahr 1991/1992 in Wales. Leute, die nur Mist essen, gibt es allerdings überall.

    Die Umrechnung, alicely: Ein Päckchen Backpulver = zwei gestrichene Teelöffel.

  5. ilse meint:

    Die Briten essen schlecht, das hat sich seit den späten 80ern aufgehört, genauso wie der bekannte Nebel. Allerdings fand ich bis 1980 nur an ungefähr zwei Orten anständigen Cappuccino, in Soho und in Hampstead. Und jetzt bringen wir uns die Würste mit nach Germany…

  6. die Kaltmamsell meint:

    Ich versuche mich zu erinnern, ilse, wo es seinerzeit überhaupt außerhalb Italiens anständigen Cappuccino gab. Und ich wünschte, ich hätte meine Eltern von den Lamm-Minz-Sausages kosten lassen können – in der Hoffnung, dass sie künftig die Finger von den Aldi-Nürnbergern lassen.

  7. alicely meint:

    Danke, Frau Kaltmamsell! Sie haben gerade mein Kuechenleben um einiges einfacher gemacht.

  8. ilse meint:

    ah – aber in Germany gabs wenigstens schon immer guten Filterkaffee! Ich importierte jahrelang Kaffee aus Deutschland.
    Und – schon gehört – McD hat jetzt auch Bratwurst, Nürnberger, vom Hoeness.
    you win some, you lose some

  9. petra_s meint:

    Eine banale Frage, mangels Erfahrung. Was kostet so ein tolles Menü denn? Darüber darf man doch in D sprechen,oder ist das schon wie mit Gehältern?

  10. die Kaltmamsell meint:

    Das Restaurant Graze, petra_s, veröffentlicht den Preis sogar auf seiner Website:
    http://www.graze-restaurant.co.uk/food/tasting.htm
    Tasting Menu: 37 Pfund
    Begleitende Weine: 27 Pfund
    Umgerechnet also 78 Euro pro Nase – das fand ich sensationell günstig für diese Leistung. 12 % Service Charge kam extra dazu.

  11. petra_s meint:

    Oh, das hätte ich mir schlimmer vorgestellt. Gute Wahl.

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