Journal Montag, 28. März 2011

Dienstag, 29. März 2011 um 7:46

Nebelsuppe vorm Balkon – wie großartig, dass ich in einer Gegend wohne, in der das erwähnenswert ist. Aufgewachsen bin ich in einer Stadt, in der Nebel zur Grundausstattung gehörte, studiert in einer ähnlichen.

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Beim morgendlichen Bloglesen einer Filmchenempfehlung von Anke Gröner gefolgt, und zum Lohn gleich mal mit Wasser in den Augen vorm Bildschirm gesessen.

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Weil ich mir genau das nicht vorstellen kann. Und mittlerweile die Hoffnung aufgegeben habe, je dahin zu kommen.

(Musste mich sehr davon abhalten, stundenlang Emma-Thompson-Schnipsel anzusehen. Wenn es den Posten Weltherrschaft zu besetzen gilt, ist sie meine erste Wahl.)

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Nachdem es in der Arbeit gerade ruhig zugeht und die Belegschaft angehalten ist, verbleibende Urlaubstage des Jahres 2010 zu verbrauchen, entschloss ich mich nach reiflicher Überlegung zu Spontanität: Ich nehme mir den Dienstag frei. Zumal die Kurzfristigkeit verhindert, dass ich mir zu viel dafür vornehme. (Sport am Vormittag ist klar, schmerzende Luftröhre hin oder her. Danach Frühstücken gehen – auch. Aber dann? Vielleicht den „Sonderverkauf … Frühjahrsputz“ bei Antonetty wahrnehmen? Einen Kuchen für die Kollegen backen? Endlich Pina ansehen? Bügeln? Sie sehen: So spontan kann ich gar nicht sein, dass mein Hirn nicht sofort Pläne schmiedet.)

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Zwei beruflichen Besuchern, die gerade eine neue Kommunikationsabteilung aufbauen, meinen Job erklärt und die Hintergründe einiger Großprojekte der letzten Monate. Die Blicke vermittelten mir mehr als alle Kommentare der Besucher den Verdacht, dass ich zum Teil wirklich große Räder drehe – und das schon gar nicht mehr merke.

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Auf dem Heimweg bei Aran (Vorsicht: Musik) in der Theatinerstraße ein schlichtes Roggenbrot gekauft, zu kaltem Rinderbraten und Käse gegessen: Gut! Jetzt bin ich gespannt, wie sich das Roggenbrot im Lauf der nächsten Tage entwickeln wird. Ich bin mir nämlich immer noch unschlüssig, was ich von dem Aran-Geschäftsmodell halten soll. Die Website gibt nicht viel her, außer dass es sich um eine Franchise-Struktur handelt (derzeit sind 21 Standorte aufgelistet) und das Brot von in „Lizenz backenden Holzofenbäckereien“ hergestellt wird. Bekommen die den Teig angeliefert? Enthält der Franchise-Vertrag Sauerteig und Brotrezepte samt Verpflichtung, dass von ihnen kein Milligramm abgewichen werden darf? Oder verpflichten sich die Franchise-Nehmer lediglich zu ein paar handwerklichen Grundsätzen? Gründer der Kette ist laut einem WamS-Artikel von 2008 kein Bäcker, sondern ein Kaufmann aus der Modebranche. Er lasse bei „,Individualisten‘ vor Ort backen“.
Möglicherweise resultiert mein ganz persönliches Unbehagen daraus, dass die zeittypischen Manufactum-Sehnsüchte genutzt werden, ohne dass dies das Aussterben des lokalen Handwerks aufhält. Denn echte Bäcker scheinen an der Sache nicht beteiligt zu sein. Vielleicht läge hier eine CR1 -Idee für die Aran-Kette: Stipendien für Bäckerlehrlinge, die an das Weiterführen lokaler Backtraditionen gebunden sind?

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Abends die stundenlangen Emma-Thompson-Schnipsel nachgeholt. Zum Stromsparen den Fernseher ausgeschaltet, der sonst nach der Tagesschau einfach weiterläuft, selbst wenn sowohl der Mitbewohner als auch ich in unsere Computerbildschirme vertieft sind.

  1. Corporate Responsibility – deformation professionelle, bitte um Vergebung []
die Kaltmamsell

6 Kommentare zu “Journal Montag, 28. März 2011”

  1. Lotte meint:

    Ach, ich lese hier oft und Sie sind großartig. Die Gedanken zum Bäcker-Handwerk, das sehr menschliche „Jetzt muss ich aber jeden Schnippsel zu dieser Person finden“-Internet-Verhalten, die Freude an detaillierten, effizienten Tagesplaenen (meine Meinung: Spontanität wird ueberbewertet). Sehr sympathisch – ich lese Sie sehr gerne. Und warte immer noch auf Ihre Meinung zu „Freedom“ – als ich sah, dass Sie „Freedom“ lesen, habe ich mich sehr gefreut, weil ich so gespannt war, was Sie von dem Buch halten…

  2. PepeB meint:

    Ihre Stipendien-Idee finde ich großartig!

  3. die Kaltmamsell meint:

    Zu Freedom, Lotte, habe ich zwar ein angefangenes Posting rumliegen, warte aber noch auf dem Schwung zum Fertigschreiben. Kurzfassung: Hat mich gefesselt und mir gut gefallen, auch wenn ich es nicht so epochal fand wie The Corrections.
    (Oh, und danke – errötend.)

  4. Cornelia meint:

    noch was zu Aran:
    http://www.brandeins.de/archiv/magazin/zu-schoen-um-wahr-zu-sein/artikel/das-geht-brot-zeit.html

  5. Muyserin meint:

    Ich war überrascht zu lesen, dass es auch in meiner Stadt eine Aran-Filiale gibt. Ach, am Neumarkt, wohin sich kein Dresdner Durchschnittsbürger verirrt, wenn er nicht gerade Besuch die wiederaufgebaute Altstadt zeigt.

    Nun gut, da shoppen also die Damen im Quartier 1 bei Escada und Wolford, und anschließend gönnen sie sich ein überteuertes Butterbrot, das man in anderen Stadtteilen „Fettbemme“ nennt und wahrscheinlich für 2/3 des Preises über die Theke gereicht bekommt.

    Ich liebe gutes Brot und verteidige traditionelles Backen, wo es nur geht. Aber nach der Lektüre des WamS- und brand-eins-Artikels bleibt bei mir der Eindruck zurück, dass es hier viel um Marketing und wenig um Brot geht. „Lokale Brotspezialisten“, wer sind die? Warum wird das nicht transparent gemacht? Und ein ehemaliger Chemieprofessor, der jetzt Brot bäckt, wie sein Vater und Großvater vor ihm? Das ist doch unfreiwillig komisch.

  6. die Kaltmamsell meint:

    Sehr nützlicher Hinweis, Cornelia, vielen Dank.
    „Traditionelle Sauerteigbäcker lassen stets einen Teil des Sauerteiges und seiner Kulturen übrig, um den Teig damit am kommenden Tag wieder anzumachen.“
    Komisch, dass dieses Detail in praktisch jedem Bericht über Aran auftaucht. Keiner der Autoren und Autorinnen scheint genug übers Brotbacken zu wissen, um beurteilen zu können, dass das eine Selbstverständlichkeit ist – nicht nur bei traditionellen Bäckern, sondern auch in einer Backfabrik.

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