Journal Karfreitag, 22. April 2011

Samstag, 23. April 2011 um 7:37

Fröhlich und glücklich aufgewacht: Mir war ein künftiger Berufsweg eingefallen. Ich könnte ein paar Monate im Jahr als Urlaubsvertretung in der Provinzzeitung arbeiten, zudem an der Uni unterrichten, freiberuflich Artikel schreiben und an meinem Buchprojekt arbeiten, für das ich über meine Internetkontakte der letzten Jahre sicher einen Verlag finden würde. Dabei würde mir zugute kommen, dass ich meine geliebte Augsburger Wohnung noch hatte, zudem ja eine in München. Es sollte kein Problem sein, davon auch langfristig leben zu können.
Als ich ganz wach war, fiel mir ein, dass ich mich bereits mitten auf einem Berufsweg befand, der nichts von dem Obigen enthielt. Dass ich mich im heutigen Redaktions- und Layoutsystem der Zeitung nicht mehr zurecht finden würde, dass mich an der Uni niemand mehr kannte und dass ich meine geliebte Ein-Personen-Wohnung in Augsburg vor 14 Jahren aufgegeben hatte, um mit dem Mitbewohner zusammenzuziehen.
Doch ich habe einen Verdacht: Hätte ich vor 13 Jahren schon all diese Internetleute gekannt, wären grundsätzliche berufliche Entscheidungen anders ausgegangen.

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Vor dem Urlaub die Fingernägel wieder ratzekurz geschnitten (die Kunst besteht darin, sie nicht zu stark zu kürzen, weil sonst aua) – wobei „schneiden“ nicht ganz korrekt ist: Ich verwende dazu einen Nagelknipser. Das hat mir mein Vater, selbst ein Knipskürzer, so beigebracht, und zwar mit seinem wunderschönen Nagelknipser, an dem ein Michelin-Figürchen hing. Mit anderem Gerät kann ich das nicht. (Anschließend feile ich allerdings glatt.)

Der Mitbewohner war, als er mich näher kennenlernte, darüber sehr verwundert. Er selbst benutzt eine Nagelschere – wofür ich ihn durchaus bewundere, denn ein Versuch, die Fingernägel meiner rechten Hand mit einer Schere zu kürzen, würde bei mir Rechtshänderin in einem blutigen Gemetzel enden. Seit einigen Jahren nun behauptet der Mitbewohner, nur Frauen schnitten sich die Fingernägel mit einem Nagelknipser, er kenne keinen einzigen Mann, der dieses Werkzeug verwendet. Ich widerspreche natürlich, schließlich hat mir die Technik ein Mann beigebracht.

Die großartigen technischen Möglichkeiten der Gegenwart sollen uns helfen, dieser Frage auf den Grund zu gehen. Dazu benötige ich allerdings Ihre Hilfe, liebe Leserinnen und Leser: Wären Sie so nett, sich an der Umfrage unten zu beteiligen? Das Resultat veröffentliche ich in einer Woche.

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Leider weist alles darauf hin, dass der Film Thor ein Höhepunkt an Peinlichkeit wird – und Regisseur Kenneth Branagh hat ja bereits mit Frankenstein bewiesen, wie gut er peinlich kann. Aber an der spitzenklasse Marketingmaschinerie drumrum wird das sicher nicht liegen.

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via frischkopps Getwitter

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Die besten Schwiegereltern kamen extra vorbei, um uns unsere Osternester zu bringen – ich hatte schon befürchtet, dass wir keine mehr bekommen, da es jetzt auch in dieser Familie Enkel gibt. So gibt es wenigstens einen kleinen Hinweis auf die Jahreszeit in unserer Wohnung.

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Isarlauf in überwältigend schönem Wetter, perfekt für Dauerlauf: sonnig (die Bäume tragen bereits genug Laub, um Schatten zu spenden), mild, leichter Wind. Dennoch bereitet mir das Wetter bei allem Genuss auch Unbehagen: Das ist kein April, das ist ein Juni. Ich fürchte halt, dass der Preis wieder ein verregneter kalendarischer Sommer ist.

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Gelassener Tag trotz Urlaubsvorbereitungen (inklusive Präparieren der Wohnung für den Aufenthalt meiner Mutter, die unsere Abwesenheit wieder für Münchenurlaub nutzt). Sehr erheiternde Lektüre von Strübel & Passig: Auch wenn diese taz-Kolumnen übers Internet um die zehn Jahre alt sind, genoss ich die Beobachtungen und die Schlüsse, die die beiden Autorinnen daraus zogen.

Die Hamburger Diskussion „Expedition ins Ungewisse“ von News aktuell nachgeholt – mit Genuss und Belehrung. Habe mich vergangene Woche bereits für die Münchner Ausgabe dieser Veranstaltung im Mai angemeldet. (Sind wir uns einig, dass man mindestens so groß sein muss wie Katharina Borchert, um in diesen Sesseln gut auszusehen? Die Herren um sie herum versanken darin aufs Unschmeichelhafteste.)

Zum Nachtmahl Grie Soß – köstlich.

die Kaltmamsell

24 Kommentare zu “Journal Karfreitag, 22. April 2011”

  1. gotti meint:

    während mir das kürzen der fingernägel ebenfalls nur mit knipser ohne gefahr gröberer selbstverstümmelung möglich ist, schwört meine freundin auf eine nagelschere. ich habe aber noch nie eine gefunden, die ähnlich gut schneidet, wie ein zwicker zwickt – da biegen sich die nägel immer grauslich um, was mir schon beim gedanken daran eine gänsehaut beschert.

  2. Sjule meint:

    Herrlich, ich bin Mädchen und knipse auch. Das darf ich aber nur, wenn der scherenbenutzende Freund nicht in Hörweite ist. Scheinbar bekommt er vom Geräusch eine Gänsehaut. Wenn dann anschließend gefeilt wird, ist die Gänsehaut auf meiner Seite, das mag ich wirklich nicht.
    (Vielen Dank für diese Anmerkung bzgl. einer vermeintlich abseitigen Erledigung des Alltäglichen. Ich mußte ebenso laut und hoch erfreut auflachen, wie damals, als es um die Lesezeichen aus Hygienebedarfszubehör ging. Das mach ich nämlich auch so!)

    Schöne Ostertage!

  3. Not quite like Beethoven meint:

    Ich bin das beste aus beiden Welten! Vadder knipst, Mudder schnibbelt — und ich habe nach Jahrzehnten des Schnibbelns entdeckt, wie kommod so ein Knipser sein kann.

  4. Nikana meint:

    Ich bin auch eine Knipserin. Schneiden kann ich mit links nicht, und die Gänsehaut beim Feilen kenne ich auch nur zu gut (brrr!). Mit dem Knipser kriege ich das alles recht glatt hin, so dass ich zum Glück nur sehr selten nachfeilen muss.

  5. das Miest meint:

    Ich habe brav abgestimmt als Knipserin, melde allerdings für die Statistik einen Ehemann und zwei 12jährige männliche Wesen im Haushalt, die ebenfalls ausschließlich knipsen.

    Ich finde Nagelscheren gruselig. Und ganz ehrlich, ein Nagelknipser ist garantiert bei den Dingen, die ich auf eine einsame Insel mitnehmen würde, weil ich ohne wahnsinnig würde.

  6. ilse meint:

    ich nagelknipser, er nagelschere

  7. MonikaZH meint:

    Ich habe mich als Schnibblerin geoutet, der einzige Versuch das per Knipser (den der eine Mann hier im Haushalt vorzieht, der andere schnibbelt auch – soviel zur Statistik) endete in einem Disaster.

    Was ich aber eigentlich schreiben wollte: vielen Dank für den Hinweis auf die Diskussion „Expedition ins Ungewisse“. Der Mann setzte sich zu mir weil er sich fragte was ich da in aller Welt am Ostersamstag morgen neben dem Tee am glotzen bin auf dem Laptop, blieb hängen und wir hatten grossartige Diskussionen neben und über das Thema. (Und wir stimmen zu dass Frau Borchert die Einzige ist die nicht im Sessel versinkt, was aber, so glauben wir, auch daran liegt dass sie schlicht gerade sitzt im Gegensatz zu den Herren…)

  8. Isabella meint:

    Ich knippse, weil ich es von meinem Vater so kenne. Meine Mutter (Nagelscherenfraktion) findet das barbarisch. Kenne grundsätzlich hauptsächlich Männer die knipsen, da muss ihr Mitbewohner andere Forschungsergebnisse haben als ich.

  9. Usul meint:

    Zum Fingernägel schneiden benutze ich meine Sezierschere. Mit der nötigen Übung kann man die Nägel damit so rund schneiden, das Nachfeilen nicht notwendig ist. Bekommt man mit einem Knipser nicht hin, zumal zumindest ich mit einem Knipser noch das Problem habe, das häufig die Nägel unkontrolliert durch die Gegend fliegen – auch nicht wirklich lecker.

  10. Sigourney meint:

    Nagelschere für alles ausser der rechten Hand, dort dann der Knipser, da sonst blutiges Gemetzel, mit links kann ich gar nix und schon garnicht irgendwas mit einer Schere.
    Was fatal angesichts des Splitters in meiner rechten Hand ist, den kriege ich ums Verrecken mit der Pinzette nicht raus. Und den Mann lasse ich da nicht ran, seit er sich mir hochmotiviert mit einem Teppichmesser genähert hat, auf das er für solche Fälle schwört.
    Tja, eitert der Splitter eben raus und ich werde ab jetzt wieder brav Handschuhe bei der Gartenarbeit anziehen.

  11. Sabine meint:

    Was, keiner feilt ausschließlich? An meine Fingernägel lasse ich überhaupt nur eine Feile.

    Die ganz andere Frage: Wie bewältigt man eigentlich das Leben, wenn man lange Finernägel oder gar so aufgeklebte Plastiknägel hat? Stößt man da nicht überall an?

  12. susanne meint:

    @sabine: doch, ich!
    hier im haus: sie feilt, er knipst.

  13. Indica meint:

    @Sabine: Ich bin auch Ausschließlich-Feilerin. Sonst werden meine bröckeligen Fingernägel im Nullkommanix noch kürzer und kaputter als sie ohnehin sind.

    Meine Beobachtung bislang: Männer knipsen, Frauen schneiden. Ansonsten. Bin schon sehr gespannt auf die Umfrage-Ergebnisse zu dieser bedeutsamen Kulturtechnik.

  14. Sabine meint:

    Hier ebenfalls: ich schneide + feile, er knipst.

  15. rum meint:

    Ich nehm die Schere, der Liebste den Knipser…

  16. Sebastian meint:

    Bin männlich, Linkshänder und scheitere an der rechten Hand, nehme daher für alles einen Zehnennagelknipser, weil der kleinere kippelt so.

    Aber was ich mich noch frage: Warum kann die eine Hand, die sonst alles besser kann als die andere, es beim Nagelschneiden grad nicht? Überqualifiziert? Zu gering für sie?

  17. Sebastian meint:

    #Expedition ins Ungewisse:
    Die Männer sehen auch deshalb so versunken aus, weil sich ihre Jacketkörper mit den Sesseln verschmuddeln, während die B. sich kontrastreich reckt. Habe aber nur die ersten zwei Warteminuten gesehen – war Lorenzo die ganze Zeit so muffelig und uncharmant, wie er da rumhing und sich fast brechgereizt im Gesicht rumfummelte oder reckt der sich immer erst ins Freundliche, wenn die Kameralichter angehen?

    #Thor
    Das ist die PR-Vorlage zum PR-Film: http://www.youtube.com/watch?v=_Ut1Ak7zOeE

  18. walküre meint:

    Der beste aller Ehemänner und ich können beide spätestens, wenn es um die jeweils rechte Hand geht, aus den obengenannten Gründen nicht mit einer Nagelschere umgehen, und sei sie auch noch so scharf. Die Tochter schneidet und feilt – von uns hat sie das aber garantiert nicht. :-)

    PS: Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass jemand seine Zehenägel ohne Verletzungen mit einer Schere schneiden kann, noch dazu, wenn sie leicht gewölbt sind wie meine.

  19. philine meint:

    @sebastian: bin ebenfalls Linkshänderin, schneiden links und rechts kein Problem. Man kann die rechte Hand durch Feinmotorikübungen ( wie Türen auf-und zusperren, Tassen halten, Buchseiten umblättern etc.) wunderbar trainieren. Es reicht dann natürlich nicht zum Suppe essen, aber das muss ja auch nicht sein.

  20. Lila meint:

    In diesem Haushalt leben überzeugte Knipser. Ich habe das von meinem Mann gelernt. Der Knipser muß gut sein, handlich, und vor allem: die richtige Größe haben. Ich habe in allen Bädern und Handtaschen Knipser verteilt, damit ich nie knipserlos von einem rauhen Endchen überrascht werde. Und ich feile auch hinterher kurz drüber.

    Allerdings sind meine Fingernägel au naturel, nie länger als ein bißchen über die Fingerspitze hinaus.

    Alle meine Kinder (2 männlich, 2 weiblich) sind ebenfalls Knipser.

    Was mich auch interessieren würde: was machen andere Leute mit ihrer Nagelhaut? Meine Mutter schneidet, ich schiebe. Der reinste Glaubenskrieg. Wie kannst du nur? Nein, wie kannst DU nur???

  21. barbara meint:

    Nägel sollten ausschließlich gefeilt werden. Die Feile darf maximal 100 Grid haben. Gefeilt wird immer nur in eine Richtung, nie wild hin und her!
    Nagelhautentferner kurz einwirken lassen und mit einer weichen Nagelbürste unter warmem Wasser wegbürsten.
    Schön und pflegend ist es, die Nägel noch mit dem kleinen Polierschiffchen und -pulver auf Glanz zu bringen. Gibt es von Tana in dieser zum Glück noch existierenden nostalgischen Drogerie in der Hohenzollernstraße. oder halt online.

  22. Olaf meint:

    Ich bin Mann und für Kompromisse: Links wird geschnitten, rechts geknipst.

  23. Michael meint:

    Benutzt sonst niemand hier eine Zange?

    Thor und Battle of LA sind uebrigens ploetzlich aus den Kinoprogrammen verschwunden. (Bei beiden nahm ich mir fest vor, sie anzusehen).

  24. sonali meint:

    Ich glaube, dass mit den Nägeln ist Familien-spezifisch. Als Kind habe ich gelernt, dass man das mit der Nagelschere macht. Und dabei ists geblieben. Im Übrigen kenne ich viel mehr Männer, die sich die Nägel mit so einem Knipser schneiden, als Frauen.

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