Integration auf Bayrisch

Dienstag, 31. Juli 2012 um 6:52

Bei mir um die Ecke ist ja Münchens Türkei: An der Goethe- und der Landwehrstraße gibt es eine Vielzahl türkischer und arabischer Supermärkte. In der Fleisch- und Käsetheke eines davon entdeckte ich kürzlich „Halal Weißwürste“. (Bei dieser Sichtung war auf der Packung nur in der Zutatenliste vermerkt, woraus sie bestanden.) Na, wenn das keine beherzte Integration muslimischer Einwanderer ist! Und da wir ja alle wissen, dass Integration keine Einbahnstraße ist, nahm ich gestern ein Päckchen mit – diesmal mit einem größeren Vermerk, dass es sich um Puten-Weißwürsten handelte.

Diese Würscht verkostete ich mit dem Mitbewohner, zusammen mit integrativem Händlmaier-Senf.

Na ja. Sagen wir mal so: Man muss schon einen verzweifelten Gieper nach Weißwürsten haben und gleichzeitig eine verzweifelte Abneigung gegen Schweinefleisch, um diese Weißwurstvariante freiwillig zweimal zu essen. Labbrig und geschmacksneutral ist sie kein Aushängeschild der Metzgerkunst. Andererseits sollte ich vielleicht eine weitere Meinung einholen – von jemandem, der keinen Vergleich mit echten Weißwürscht hat.

die Kaltmamsell

18 Kommentare zu „Integration auf Bayrisch“

  1. Hande meint:

    komisch, dass sie Pute gewaehlt haben. Im echten Weisswurst ist ja nur der Speck vom Schwein, groesste Teil des Fleisches sowieso Kalb, oder? Haetten sie ruhig den Schweinespeck mit etwas ersetzen koennen was vielleicht nicht so sehr zum Geschmacksverlustfuehrt.

  2. Kaoskoch meint:

    Oha … In unserer Metro läuft die Integration andersrum: Das Eisbein liegt im Fach unter dem „Halal“-Schild neben dem Lamm …

  3. Wortmischer meint:

    Ich warte jetzt auf den Erfahrungsbericht eines japanischen Gourmands, der in bayerische Tracht gewandet halal Weißwürscht mit französischem Senf an amerikanischen Brezn verkostet und sich dazu ein ägyptisches Weißbier aineziagt. – Do schaugst mit de Aung!

  4. Alice meint:

    Fränkisches Weißbier ist schon grenzwertig – da muss es nicht erst zu den Pyramiden gehen.

  5. crazycook meint:

    Nicht nur die begründete oder unbegründete Abneigung gegen Schweinefleisch ist es, die manchen zu Geflügelwurstprodukten greifen läßt. Es kann auch eine Schweinefleisch-Intoleranz dazu führen, dass man selbst die sogenannte „echt Münchner Weißwurst“ nicht verträgt, weil in ihr außer Schweinespeck auch Häutelwerk vom Jungschwein enthalten ist. Selbstverständlich kann Geflügel nicht so schmecken wie Kalb/Schwein und vielleicht ist das vorgezeigte Produkt kritikwürdig, aber Halal – Produkte werden auch von erfahrenen und guten Produzenten hergestellt. (z.B. Höhenrainer)

  6. walküre meint:

    Bitte diesen Kommentar nicht als Affront zu verstehen, sondern lediglich als Feststellung von Tatsachen, die mir beim Lesen dieses Eintrags wieder eingefallen sind !

    Nicht wenige (Nieder-)Bayern aus der Grenzregion sind regelmäßig nach Österreich gefahren, um im Innviertel Weißwürscht (und auch Leberkäs) zu kaufen, und nach so mancher Verkostung wurde mir auch allmählich klar, weshalb: Das Gros der niederbayrischen Produkte (nicht aus dem Supermarkt, wohlgemerkt ! ) schmeckte seltsam seifig und war äußerst sparsam gewürzt. Ich hoffe, die Münchner Metzger arbeiten besser …

  7. barbara meint:

    Liebe Frau Kaltmamsell, diese Völker haben möglicherweise andere kulinarische Begabungen, die Wurstherstellung in schmackhafter Qualität gehört nicht dazu.
    Ich möchte Sie und die anderen Mitleser bitten sich darüber zu informieren, was „halal“ bedeutet: die Tiere werden geschächtet. Bei den Muslimen ohne vorherige Betäubung!
    Man muß kein fanatischer Tierschützer sein, um das abzulehnen. Wenn Sie auch nur ein Video einer Schächtung gesehen haben, können Sie kein halal mehr kaufen.
    Auch nicht das „ach so gute frische Lamm von meinem Türken um die Ecke“.
    Und was das halal Lammfleisch in der Metro angeht: die Tiere gehen als Lebendtransport von Neuseeland in ein muslimisches Land (kein Kuffar darf Tiere schlachten die ein Muslim ißt) werden dort geschächtet und liegen danach in der Metro Kühltheke.

  8. walküre meint:

    Barbara, wenn man sieht, wie es hierzulande in großen Schlachthöfen zugeht, wird man auch schneller zum Vegetarier, als man schauen kann. Und schon gleich gar, wenn man weiß, aus welchen Entfernungen und unter welch unsäglichen Bedingungen diese armen Kreaturen angeliefert werden.

    Auch hier gilt: Einkaufen ist eine politische Handlung.

  9. Ilse meint:

    Naa – bei der Weißwurst hört die Integration auf! Dann muss sie halt weiße Putenwurst heißen. Irgendwie passt „Weißwurst“ und „halal“ nicht zusammen, schon gar nicht jetzt während Ramadan, denn bekanntlich soll sie ja vor dem Mittagläuten gegessen werden. Dann lieber gleich her mit dem Köfte.

  10. Wortmischer meint:

    Frau Walküre, Sie haben ja so recht. Mein Freund und Schwager ist Tierarzt. Ehemals großer Grill- und Steakfan mutierte er innerhalb einer Woche zum Vegetarier, als er im Rahmen des Studiums ein Praktikum im Münchener Schlachthof absolvieren musste. Man muss annehmen, dass ein Einstellungskriterium an deutschen Schlachthöfen unbedingt offen ausgelebter Sadismus ist.

    Die Frage ist: Wer ist schlimmer? Der sadistische Metzger oder der muslimische Schächter?

  11. barbara meint:

    walküre – absolute Zustimmung.
    Ich esse sehr wenig Fleisch und dies von artgerecht gehaltenen Tieren.
    Essengehen ist schwierig geworden, da gehe ich, da sehr teuer, gerne einmal im Jahr zum Gastronomen meines Vertrauens. Ja, und wenn ich in die kleine Thai-Garküche gehe, dann weiß ich, es ist Fleisch aus der Massentierhaltung. Die reine Lehre lebe auch ich nicht.
    Die Bilder von den Schlachthöfen und den Tiertransporten sind mir natürlich auch bekannt.
    Dennoch, das Schächten ohne Betäubung ist die Steigerung der Qualen für die Tiere ins Unermessliche.

  12. kubelick meint:

    hört hört. die nicht vegetarischen grosskatzen, wie ich mal auf discovery gesehen hatte, „beteuben“ ihre beute auch erstmal: sie beissen nicht, sie drücken auf die hauptschlagader und die beute wird erstmal erstickt oder ohnmächtig. laut discovery channel, ist der physische aufwand die kehle durchzubeissen, zu hoch. und dann, bis die antelope etc. erstmal verblutet – etc. ich denke jedoch, dass die antelope, die gerade vom löwen quer durch die pampas gejagt wird, nicht minder stresshormone ausschüttet als die kuh/schwein/etc., welche durch den bolzenschuss erlegt werden. zwar esse ich kein fleisch und fisch, manch ein mitgelauschter diskurs zwischen vegetarier erscheint mir als eine monströse verzerrung der humanistischen idee.

    nicht weniger ungeniessbar sind unzählige bemühungen aus tofu ein wurstprodukt zu erzeugen – alles grosser schmarrn.
    den impetus der bayerischen muslimen, ein für sie verträgliche weisswurst zu erstellen, finde ich trotzdem süss. die brezen dazu sollte aber schon mit kosher salz bestreut sein…

  13. Noga meint:

    @Kaltmamsell: Wenn Sie Lust haben, Ihre Testreihe weiterzuführen, dann können Sie mit koscheren Weißwürsten weitermachen. Die sind meines Wissens aus Kalbfleisch und am Viktualienmarkt beim Stand von „Danel“ erhältlich.

    @barbara: Ihre Polemik halte ich für wenig hilfreich. Und im übrigen ist es sehr wohl möglich, daß Muslime von Juden geschächtestes Fleisch essen – umgekehrt geht„s nicht.

  14. Hande meint:

    nò, kosher salz ficht den Muslim nicht.
    Ich denke mal die Diskussion um Fleisch im allgemeinen und die Massenzucht-Fleisch im besonderen gehort vielleicht woanders (andere Post, nicht andere Blog) und bin ubrigens auch der Meinung, dass wenn ich Fleisch esse, dann gut behandelte. Aber, dass Schaechten schlimmer ist als Bolzenschuss – nein, da glaube ich nicht dran. Falls mann sich zum Fleisch essen entschlossen hat, ist die Konsequenz, dass ein Tier dafuer getoetet werden muss. Als ich aufwuchs, hab ich des oefteren das Schaechten miterlebt (nein, da kriegt ein Kind kein knacks davon) und richtig gemacht, geht es genauso schnell und schmerzlos wie mit dem Bolzenschuss. Und ich glaub das ist auch erst eine neuere Erfindung (100 Jahre oder so?), oder? Ein Schlag aufm Kopf, elektrisch, durch karbondioxid oder durch ein schnelles schnitt der Kehle – ich glaub da schenkt sich keine Methode den anderen was.
    edit:
    PS: in Deutschland is muslimisches Schaechten erlaubt nur nach vorherige Betaubung durch elektrischen Strom (bolzenschuss nicht, weil da die gefahr besteht, dass das Tier dabei stirbt – und sterben soll es durch ausbluten, sonst nichts
    PPS: laut Islam duerfen Muslime durch andere Buch-glaeubige (Christen und Juden) getoetetes Fleisch essen.

  15. barbara meint:

    Noga – ich habe mich auf Tatsachen berufen.
    Hande – ist richtig, daß nur nach vorheriger Betäubung das Schächten erlaubt ist.
    Das Gesetz wird aber leider umgangen.

  16. Noga meint:

    @hande: den Juden ficht es auch nicht an. Koscheres Salz ist sowas von überflüssig. Jedes Salz ohne irgendwelche Zusatzstoffe (Jod, Rieselhilfen) ist koscher – wie eben auch Bier das hierzulande gebraut wird; aufgrund des Reinheitsgebotes. Aber woanders sind die Lebensmittelgesetze anders, und da kann alles mögliche an Zusätzen reingepantscht werden.

  17. philine meint:

    Liebe Kaltmamsell, mutig solche Weißwürste auch nur probieren zu wollen. Ich finde ohnehin, daß Pute so langweilig schmeckt wie ein Stück Pappe, dann lieber entweder kein Fleisch und wunderbare vegetarische Kost, oder gleich den Bioschweinebraten vom Lieblingslokal am Starnbergersee

  18. kubelick meint:

    off topic
    philines idee, pute mit pappe zu vergleichen, inspiririerte die mutmassung, dass vielleicht pute in wirklichkeit tofu ist. oder aber, beide sind recycelte umzugskartons mit unterrschiedlichen zusatzmitteln.

    grundsätzlich finde ich derartige work-arounds eher ungünstig: decaf, clausthaler, non-fat, coke zero (?) lätta (??) tofurkey (???). viel besser für die weisswurst wäre es, wenn ein bayuwarischer metzger sich der intergrativen herausvorderung stelle.

    wurstkunst-faszinierendereweise ist das slawische wort für wurst (in variierender schreibweise) kolbasa, etymologisch erwägen die sprachwissenschaftler auch türkische ursprünge (külbasty), bzw. alt-hebräische (kolbāśār).

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