Wie es nach dem Mantelklau weiterging

Sonntag, 14. Juli 2013 um 10:16

Mittlerweile ist die Sache ausgestanden und vorbei, ich kann die Geschichte aufräumen. Die Geschichte mit gestohlenem Geldbeutel und Hausschlüssel, die ich zwar wiederbekam, deren vorübergehender Verlust aber ein Nachspiel hatte.

Mein Personalausweis gehörte ja zu den dauerhaften Verlusten. Beim Beantragen eines neuen (das Bürgerbüro in der Ruppertstraße stellte sich als sehr freundlich, flott und effizient heraus) nahm die Angestellte den Diebstahl gleich auf und leitete ihn an die Polizei weiter. Diese reagierte mit einer schriftlichen Einladung zur Aussage, als ich gerade zur re:publica in Berlin war. Ich rief also morgens von meinem Hotel aus in der Wache an der Theresienwiese an, an der ich so oft vorbeiradle, und bat um Rückruf. Und geriet an einen bezaubernden Polizeibeamten, der aus allen Positiv-Klischees bayerischer TV-Serien der Nachkriegszeit zusammengesetzt war.

Der Polizeihauptmeister mit urbayerischem Namen sprach tiefstes Bayerisch, war entwaffnend freundlich und herzlich. Sollte das seine Masche gewesen sein, möglichst viele Informationen aus mir rauszubekommen, hat sie perfekt funktioniert. Ich wechselte sofort in mein muttersprachliches Oberbayerisch und ratschte fröhlich mit ihm.

Auf sein verdutztes: „Ja, vo wo ruafa Sie denn o?“ erzählte ich ihm halt: „Genau deshalb kann ich ja nicht vorbeikommen. Ich bin in Berlin auf so einer Internetkonferenz, müssen Sie nicht kennen.“ Und dann plauderten wir über das Wetter in Berlin und Berlin überhaupt. Herr Polizeihauptmeister ließ sich von mir erzählen, wie genau mir der Mantel mit Geldbeutel und Schlüssel abhanden gekommen war, zeigte sich beeindruckt, in welch kurzer Zeit ich die Strecke Ostbahnhof-Hauptbahnhof mit dem Rad zurückgelegt hatte, scherzte: „San Sie a so a Radlrambo?“ Was ich durch meine Theorie widerlegte, dass da wohl jemand an einer roten Ampel in den Fahrradkorb gegriffen hat: „Ich bin nämlich genau KEIN Radlrambo und halte an allen roten Ampeln.“ Worauf wir herzlich zusammen lachten.

Ob ich mich wohl an die Marke des Mantels erinnern könne? Konnte ich: „Wallis, weil das eine englische Marke ist und ich den Mantel sehr gern mochte. „Ah, des hob i, glab i, scho moi g’hert.“ Es war völlig klar, dass er nur freundlich sein wollte. Auch den Hersteller der Geldbörse musste ich ihm buchstabieren.

Nach weiteren Details machte Herr Polizei mir wenig Hoffnung, dass sich die Sache aufklären würde und erläuterte mir die nächsten Schritte. Abschließend bedauerten wir beide, dass wir einander nicht persönlich kennengelernt hatten, ich bedauerte zudem, dass ich diese vertraute Polizeiwache nun wieder nicht von innen gesehen hatte.

Wer hätte gedacht, dass mir ausgerechnet ein Gespräch mit der Polizei mal die Tageslaune aufs Sonnigste färben würde?

Wenige Wochen später bekam ich Post von der Staatsanwaltschaft München I (VON DER STAATSANWALTSCHAFT! – ich schaue zu viel The Good Wife …): „Das Ermittlungsverfahren wurde eingestellt, weil der Täter bisher nicht ermittelt werden konnte.“

Blieb also noch die Sache mit den Türschlössern. Die weiterhin freundliche und sehr hilfreiche Hausverwaltung sprach mit dem Vermieter: Er bestand nicht auf dem Tausch der gesamten Schließanlage, ich musste lediglich die beiden Schlösser der Wohnungstür ersetzen lassen. Die Absprache mit der Schlüssel- und Schlossfirma übernahm die Hausverwaltung, informierte mich aber regelmäßig über den Stand der Dinge. Die beiden Schlösser mussten wegen des Alters der Schließanlage eigens gefertigt werden, vor zehn Tagen setzte ein jovialer und stark metallhaltiger Handwerker sie ein. Nachdem die Kostenschätzungen zwischen halbem Jahresgehalt und zwei Urlauben geschwankt hatten, kam ich schlussendlich mit 570 Euro davon.

Und nun schließe ich mit nigelnagelneuen Schlüsseln ein nigelnagelneu messingglänzendes Schloss.

130714_Schloss

die Kaltmamsell

6 Kommentare zu „Wie es nach dem Mantelklau weiterging“

  1. trippmadam meint:

    Ich bin begeistert. Ich will auch so ein schönes, neues Schloss! Freut mich für Sie, dass Sie nicht die ganze Schließanlage bezahlen müssen.

    Übrigens hat sich der Umgangston in der Ruppertstraße tatsächlich verbessert. Ich hatte bei der letzten Personalausweisverlängerung schon erwartet, angepflaumt zu werden, wie das normalerweise geschieht, wenn irgendein Dokument eine halbe Stunde zu spät beantragt wird (und mein Ausweis war schon seit November abgelaufen – ähem), aber der nette junge Mann hat nicht mal mit der Wimper gezuckt.

  2. Sebastian meint:

    „ein jovialer und stark metallhaltiger Handwerker“ Und schon gehen meine Gedanken fröhlich auf Sonntagsspaziergang.

  3. Buchfink meint:

    Diese Geschichte hat ja fast ein happy end, wobei ich 570,– Euro für ganz schön happig halte.

  4. Julia meint:

    Dort haben wir unseren Radl-Diebstahl angezeigt und fühlten uns wie in einer alten Walter-Sedlmayr-Folge. Der Bericht wurde auf einer Schreibmaschine (!) und 2-Finger-System getippt. Ich musste mich sehr beherrschen, dass ich den jungen Mann nicht zur Seite schob und sagte: „Lassense mich das mal machen!“. Aber freundlich waren sie. Sehr gemütlich. Habe an diesem Abend kurzfristig mit dem Gedanken gespielt, mich bei der Münchner Polizeit zu bewerben…

  5. Jutta meint:

    Ich freue mich, das dieser Fall vergleichsweise glimpflich ausgegangen ist.

  6. kid37 meint:

    Ein Problem bleibt: Frauenkleidung ist nicht so recht darauf angelegt, daß man Schlüssel und Portemonnaie „am Mann“ („an der Frau“) tragen kann.

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