Journal Sonntag, 25. August 2013 – Familienverbandelungen

Montag, 26. August 2013 um 7:24

Ich erwachte zu Regenrauschen und Kälte, plante also kurzerhand den Morgensport in eine Kino-Matinee um und sah mir Mr. Morgan’s Last Love an.

Schon nach wenigen Minuten war mir klar, dass das möglicherweise keine gute Idee gewesen war: Nicht weil der Film einen schlechten Eindruck machte, sondern weil er mich zu sehr mitnehmen würde. So sehr, dass ich über die Qualität des Films nichts sagen kann. Haltlosigkeit im Leben, die existenziell tiefe Beziehung zu einem Menschen, Väter und das komplizierte Verhältnis zu ihren erwachsenen Kindern – diese Themen gehen mir derzeit zu nahe. Und dann spielt Michael Caine diese Rolle, die ihm auf den Leib geschrieben wurde, auch noch mit all seinem Können.

Um ein Haar wäre ich dankbar gewesen um die Musik Hans Zimmers: Der Ekel vor dem völligen Klischee der Muster, vor dem Kitsch der g’schiss’nen Zimmer-Klarinette, holte mich immer wieder aus der Berührtheit. In vielen Szenen setzt allein die Schubladenmusik die Stimmung. Zum Beispiel sind anfangs Morgans kurze Gänge durch die Pariser Innenstadt hoffnungslos traurig; doch Zimmer kleistert munteres Klavier darüber und zwingt uns auf, es handle sich um munteres Schlendern. Nur eines halte ich ihm zugute: Obwohl der Film in Paris spielt, erklingt kein Akkordeon.

Was mir bei der Gelegenheit dieses Films auffiel: Wenn es von einer Person heißt „lights up a room“, handelt sich immer um Frauen. Bechdeltest übrigens nicht bestanden, Frauen haben in diesem Film fast ausschließlich Rollen im Leben eines Mannes. Nur Mr. Morgans Tochter scheint ein wirklich eigenständiges Leben zu haben, und gerade sie wird ausgesprochen unsympathisch gezeichnet.

§

Also halt dann Geburtstagskaffee mit Eltern. Ich nutzte die Gelegenheit, meiner Butterkuchen-liebenden Mutter den Luxemburger Schuedi vorzuführen; er schmeckt frisch am besten, so frisch, wie ich ihn beim Mitbringen nie servieren könnte.

130825_Geburtstagskaffee

(Keine Angst, Kaffeetafeln sehen bei mir nicht immer so aus. Genau gesagt, gibt’s bei mir sonst gar keine Kaffeetafeln.)

Meine Eltern wurden für ihr Insistieren mit 60 Minuten Stillstand im Autobahnstau gestraft, ich natürlich mit ebensolangem Warten, während der Schuedi unfrisch und der Kaffee kalt wurde. Mein Verständnis für die Freude am Geburtstagfeiern wollte dabei nicht so recht wachsen.

Aber ich freute mich dann, meinen Vater vom kürzlichen Spanienurlaub in seiner Heimat erzählen zu hören. Er hatte mit meiner Mutter viele Verwandte auf dem Land besucht (meine aus Nordkastilien stammende Großmutter hatte über zehn Geschwister), mit dem einen Vetter und seiner Familie in der Garage gefeiert (meine Muttern lernte, welch Fauxpas es ist, einen Landwirt nach der Anzahl seiner Kühe zu fragen), sich von der anderen Kusine meines Vater zu einer Paella einladen lassen. Nur bei Kusine Lupe (Abkürzung für den Vornamen Guadalupe) wurde nicht mal das Angebot eines Getränks angenommen: Sie hatte umgekehrt bei einem Besuch nichts annehmen wollen, also instruierte mein Vater meine Mutter vor dem Betreten ihres Hauses, dass sie alles abzulehnen habe. Mein Vater ist da manchmal ein wenig … äh … korsisch. Aber er erzählte die Begebenheit schmunzelnd.

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Wäschewaschen, -trocknen, -räumen. Das dünne Sommerbett verräumt, jetzt brauche ich eine wärmere Decke zum Schlafen.

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Internet-Beifang:

Bridget Christie hat den renommiertesten Comedy-Preis der UK gewonnen, und ich wünschte, in Deutschland läsen sich Komikerinnen-Rezensionen wie diese hier.

Der Fotograf Kai Fagerström hat den Verfall eines finnisches Landhauses begleitet. Das Resultat: Niedliche Tierfotos.

die Kaltmamsell

2 Kommentare zu „Journal Sonntag, 25. August 2013 – Familienverbandelungen“

  1. joriste meint:

    ich bin ja nicht so die Kommentatorin, allerdings sollte kein post von Ihnen ohne Beifall bleiben – nicht dass Sie uns noch auf falsche Gedanken kommen.

    Daher wenigstens ein >>gerne gelesen!<< und danke für's Mit-teilen.

  2. trippmadam meint:

    Das ist interessant, in Nordkastilien ist es also ein Fauxpas, nach der Anzahl der Kühe zu fragen? Gut zu wissen. Bei uns in Nordhessen ist das auf dem Lande noch heute eine durchaus übliche Frage im Laufe der Eheanbahnung (womit ich Ihrer Mutter nicht unterstellt haben wollte, dass sie auf der Suche nach einer Alternative ist).

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