Noch ein Schwung Beifang aus dem Internet

Montag, 25. November 2013 um 14:38

Das kalte, nasse, dunkle Wochenende nutzte ich zwar hauptsächlich zum Fertiglesen von Salman Rushdies Joseph Anton (hochspannend und interessant, wenn auch überraschend lang – vielleicht später mal mehr), dennoch begegnete mir auch im Web Empfehlenswertes.

Der Film Gravity gefiel mir gut, diese laut @JoyceCarolOates säkulare Vision im Vergleich zum Mystizismus von 2001: A Space Odyssey. Die Säkularität zeigt sich auch in der Besessenheit, mit der die Details wirklicher Raumfahrt nachgestellt wurden. Und macht die Abweichungen von dieser umso interessanter. Hier zum Beispiel die Wahrheit über Unterwäsche von Astronauten.

Die letzte Sternschnuppe, von der man sich ewige Liebe oder unermesslichen Reichtum gewünscht hat, war eventuell doch nur eine verglühende Progress-Kapsel voller zerschlissener und verschwitzter Astronautenunterhosen.

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Ein englischer Schafhirte erklärt, warum er Twitter nutzt und absolut großartig findet (der Artikel hat ihm gleich noch ein paar Tausend Follower verschafft, unter anderem mich).

I tweet anonymously because that’s how I like it. My feed is not really about me: I’m just a narrator. It’s about the way my people farm an amazing landscape, the sheep, the land, the sheepdogs, and the characters in our valley. It’s not really in the spirit of my community to self promote… The individual is not that important here compared to the collective way of life. At the start of my tweeting I feared that my farming peers would disapprove of it, so its been amusing to discover that they worked out who I was very quickly, many follow me on Twitter, and funniest of all they ask me to post pictures of their sheep or to tell the wider world things ‘that need to be said.’

Eine schöne Gelegenheit, das Mantra zu wiederholen: Jedes Medium ist das, was man daraus macht. Internet (oder Fernsehen oder Radio oder Zeitung) macht die Dummen dümmer und die Schlauen schlauer.

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Wenn Textilfirmen behaupten, menschenwürdig hergestellte oder gar in Europa produzierte Kleidung würde unbezahlbar, nicken wir erst einmal, denn es klingt nach einer gewohnten Konsequenz der Globalisierung. Blöd nur, wenn eine Unternehmerin genau das macht, nämlich in Deutschland produziert und deutlich über Tarif zahlt. Und wenn dann die Preise keineswegs astronomisch sind. Dann nämlich wird klar, was tatsächlich zu den menschenunwürdigen Herstellungsbedingungen führt: Gier.
Korrekte Klamotten: Es geht auch fair„.

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Überraschendes Interview mit Edzard Ernst – nicht weil auch dieser frühere Inhaber des Lehrstuhls für Komplementärmedizin wiederholt, dass homöopathische Mittel nicht besser wirken als andere Placebos. Sondern wegen Details wie

Die evidenzbasierte Medizin, also die Überprüfung von Behandlungsmethoden nach wissenschaftlichen Standards, ist etwas ziemlich Neues. Früher haben Ärzte vor allen Dingen auf ihre Chefs gehört, die Medizin war also „eminenzbasiert“. Man hatte Erfahrungswerte, aber keine unabhängigen Belege für die Wirksamkeit.

oder wegen seiner Hinweise zu Chiropraxis.

die Kaltmamsell

5 Kommentare zu “Noch ein Schwung Beifang aus dem Internet”

  1. Sabine meint:

    Habe ich dir schon mal den Planet Money Podcast empfohlen? Nach dem furiosen Start in der Finanzkrise 2008 (mit Toxie the Toxic Asset, das auf dem Fensterbrett wohnte) war der in der letzten Zeit etwas mau, aber jetzt hatten sie die geniale Idee, ein T-Shirt zu produzieren und dem hinterherzurecherchieren. Die ersten drei Geschichten waren schon sehr augenöffnend und weltumkrempelnd, auch wenn ich Planet Money nach langer Erfahrung einen geradezu unerschütterlichen Optimismus unterstelle. Sehr hörenswert, sicher noch mehr, wenn man dazu seine Manomama-Jeans anhat.

  2. pepa meint:

    Zu Edzard Ernst: Großartiger Mediziner und wohl auch großartiger Arzt.

    „Wenn ich als herkömmlich arbeitender Arzt eine gute therapeutische Beziehung zum Patienten aufbaue und ihn außerdem mit einem Medikament behandle, das besser wirkt als Placebo, dann helfe ich ihm doch mehr als der Heilkundler, der nur den Placeboeffekt einsetzt.“

    Der Mann spricht mir aus der Seele.

    Danke Dir für den Hinweis auf dieses Interview!

  3. Rebekka. meint:

    Gerne gelesen – und ich würde auch gern flattrn. Regelmäßig überkommt mich das Verlangen.

  4. Trulla meint:

    Tolles Interview mit Edzard Ernst. Danke für den Hinweis, habe ich sogleich weiter verbreitet.
    Ich kenne so einige Bachblüten-, Ayurveda-, etc.-Anhänger. Überwiegend Frauen, die eigentlich fast alles glauben können (weil sie es wollen). Sind alle auf der Suche nach ihrer Mitte und ich weiß nicht einmal, was das sein soll. Kann man mir da helfen?

  5. Rob meint:

    @Trulla: ich weiß nicht, was mich ratloser macht. Leute, die eine Mitte (vielleicht so etwas wie „ihren Platz im Leben“) gefunden haben wollen oder jede, die danach suchen.

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