Cocktail-Vergangenheit

Freitag, 29. November 2013 um 13:01

Ende der 80er, Anfang der 90er gab es ein Cocktail-Revival – als letzte Ausläufer davon hat heute praktisch jede Kneipe irgendwelche Cocktails auf der Karte.

Das war genau die Sorte Mainstream, in der ich mich wohlfühlte: Im ersten Augsburger Pow Wow in der Heilig-Kreuz-Straße ließ ich mir von dem kundigen, Gugelhupf-förmigen und US-amerikanischen Barkeeper Cocktails empfehlen und erklären. Doch zur Schonung meines Studentinnen-Geldbeutels und aus Neugier machte ich mich auch selbst ans Mixen. Auf Jahre standen auf meiner Wunschliste für Geburtstage und Weihnachten (für meine Begriffe) höllenteure Cocktailzutaten wie Galliano, Bénédictine, Tripple Sec, Cherry Heering oder Canadian Club, zudem komplettierte ich über Geschenke meine Ausstattung (Shaker, Boston Shaker, Strainer, Ice Crusher etc.).

Und die Rezepte? Es waren ja die Zeiten vor dem Web, also brauchte ich Bücher. Zwar stieß ich schnell auf American Bar von Charles Schumann: Ganz klar mein Standard-Nachschlagewerk mit seinen schnörkellosen Rezepten, mit hochinteressanter Warenkunde, Geschichten und Geschichte. Kann ich noch heute empfehlen. Doch das GU-Buch von Franz Brandl, Mixvergnügen, das ich geschenkt bekam, mochte ich auch ganz gerne – halt für die Schirmchen-Cocktails.

131117_Cocktailbuch

Mittlerweile ist es nur noch ein Cocktail daraus, auf den ich hin und wieder Lust habe: Green Monkey. Und auch den habe ich vor einiger Zeit durch Zugabe von Gin verschärft und ein wenig entsüßt. Das Rezept steht hier.

131117_Green_Monkey_1

Cocktails mag ich immer noch sehr gerne – am liebsten in ambitionierten Cocktailbars. Meine Empfehlungen in München (wobei ich noch nie bei Charles Schumann war, weder im alten Schumann’s noch im neuen – da gehöre ich einfach nicht hin):
Tabacco (Klassiker in Schumann-Tradition)
Mauro’s Negroni (Klassiker with a twist)
Pacific Times (elegante Klassiker, zudem besonders gutes Essen)
Auroom (Abgefahrenes, z.B. mit selbst aromatisierten Alkoholika – aber völlig schirmchenfrei)

die Kaltmamsell

13 Kommentare zu “Cocktail-Vergangenheit”

  1. barbara meint:

    Schumann hat bei Barchef Franz Brandl gelernt. Dieser hat die Bar in der Aubergine geführt sowie Harry’s New York Bar München aus der Taufe gehoben. Er war live immer der bessere Mixer.
    Zu Zeiten ging ich zu Schumann, aber Woman of a Certain Age kann er nicht leiden und sollte man dennoch auftauchen, gibt es die Höchststrafe, keinen Sitzplatz.
    Der Laden wird aber weiter laufen, solange in der SZ mindestens einmal jährlich die Hofberichterstattung erfolgt.
    Ich oute mich jetzt als Proll, aber im Winter gehe ich ganz gerne in das Trader’s Vic für einen Mai Tai. Oder zwei.

  2. Feathers McGraw meint:

    Naechstes Mal in Berlin in die Sapphire Lounge. Die war damals bei mir um die Ecke. Ich trinke Alkohol ja eigentlich nur aus Notwehr, aber da, da auch mal gerne so. Die haben Unmengen von selbstausgedachten Cocktails auf der Karte, alle mit Namen aus der Musik/Literaturgeschichte. Da hab ich immer schon Spass beim Karte lesen, und dann bestelle ich einen „Travestie der Gefuehle“.

  3. Sabine meint:

    Wir finden das Barista in den Fünf Höfen cocktailtechnisch sehr gut (und waren schwer beeindruckt, als der Kellner zwei Monate nach unserem ersten Besuch fragte: „wieder einen Aviation und einen Journalist?“). Und was Gäste und Ambiente anbelangt, ist das Maria Passagne unschlagbar, aber die Cocktails sind abhängig von der Tagesform.

    Die Goldene Bar soll ja sehr toll sein, aber vielleicht muss man da um 18 Uhr hingehen, um als mittelalter langweiliger Mensch nicht das Partyvolk zu erschrecken. Ein schöner Raum mit etwas irritierendem historischem frisson (wobei die Masken im Maria Passagne auch nichts für zarte moderne Gemüter sind), aber wir waren ganz schnell wieder draußen.

  4. die Kaltmamsell meint:

    Vielen Dank für die Tipps! In Berlin, Feathers McGraw, hat mich Frau kittykoma mal in die Rivabar mitgenommen – die gefiel mir wegen altmodisch. Saphire Lounge wird’s das nächste Mal.

  5. Gaga Nielsen meint:

    Ein ganz klein wenig off topic, aber ich frage trotzdem:

    „Wir finden/waren schwer beeindruckt/unserem Besuch/waren ganz schnell wieder draußen“

    Ist das pluralis majestatis oder Pärchen-Sprache?

  6. Sabine meint:

    Pärchen-Sprache. Cocktail trinken ist so eine gemeinsame Sache, daher spielt es eine Rolle, was beide gut finden. Ich gehe eigentlich nicht alleine trinken.

    Mittelalt, langweilig, verheiratet. Schon blöd.

  7. Tim meint:

    Auch im Berliner Westen kann man sich gepflegt alkoholisieren. Die Zyankalibar ist vom Ambiente gewöhnungsbedürftig, aber eine Top-Adresse für Cocktails und andere Spirituosen.

    http://www.zyankali.de/home/die-karte/

  8. PS meint:

    Vor ein paar Jahren bin ich nach einer Party mit der Partybekanntschaft aus einer Partylaune im Schumanns gelandet.
    Und ich muss sagen, ich hätte nie geplant, da hinzugehen. Trotzdem war das ein toller Abend. Guter Laden, leckere Drinks und angenehmer Service.
    Und finanzierbar war das auch.
    Also trau Dich. – Oder lass es bleiben. Aber habe auf jeden Fall keine Angst.
    Die beissen nicht.
    Prost!

  9. Anke meint:

    Die Goldene Bar ist wunderschön, und man wird da auch als total unhipper Mensch vom total hippen Personal freundlich bedient. (Wobei wir auch eher am frühen als am ganz späten Abend da waren.)

  10. Sebastian meint:

    Jaja, zum einen Rumheulen weil Google immer genauer weiß was man kaufen soll und dann vor Barkeepern und Baristas dankbar in die Knie gehen, wenn sie einen ueber Monate ausspähen!

    Hey, das sind die Streber aus der ersten Reihe, die wir nie mochten, die schreiben unter der Theke mit und während wir tagsüber unser Leben krachen lassen, legen sie hinter zugezogenen Gardinen Dossiers über uns an.

    Wer nach Monaten mich mit einem „Wieder…“ oder gar „Wie immer?“ begrüßt, wird mit völlig unkontrolliertem Durchdiekartetrinken bestraft nach dem Motto „Ich packe meinen Koffer und nehm jetzt mal…“ und dann wollen wir doch mal sehen wer beim nächsten Mal…

    Naja, aber ich geh eigentlich gar nicht Cocktailtrinken außer alle halbe Jahr in Mauro’s Negroni, weil das ist für mich eher ein fröhlicher Italiener als eine anstrengende Bar.

  11. Feathers McGraw meint:

    Oh ich hab grad zweierlei festgestellt: es gibt sowohl eine Saphire Lounge (Saphire Martini Lounge genaugenommen) und eine Saphire Bar, und ich meinte die Bar. Und aus irgendwelchen Gründen hatte ich angenommen dass die das Wort Saphire mit pp im Namen falsch schreiben. Tun sie aber gar nicht: Saphire Bar.

  12. Sabine meint:

    @Sebastian, ich bin wohl leicht zu beeindrucken, als Mensch mit unterentwickelter Fähigkeit zur Gesichtserkennung. Aber machen das Leute wirklich, unter der Theke Buch führen über Gäste, die am späten Nachmittag mal völlig zufällig reinschneien? Ich dachte eher, die hätten halt einfach jemanden engagiert, der sich überdurchschnittlich gut Leute merken kann. Ist aber auch sonst guter und aufmerksamer Service, also kein Problem für mich.

    @Anke, ich glaube das wohl, deshalb ist der Plan, bei der nächsten Gelegenheit dort mal früh aufzutauchen. Damals kamen wir bis zum netten Servicepersonal gar nicht durch vor lauter Schönen, Hippen und Reichen.

    Gestern abend war ich im Negroni Club mit einer Freundin, die mir erzählte, dass der Hinterraum, den ich zum ersten Mal offen gesehen habe, dereinst eine Kegelbahn war, bis zu Zeiten des vorvorletzten Schuppens (der Grieche vor dem Kubaner) an gleicher Stelle.

  13. Frau Klugscheisser meint:

    Schwabing-West: reizbar
    Maximilianstrasse: bar münchen
    Schwanthaler Höhe: kongressbar

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