The Grand Budapest Hotel

Dienstag, 18. März 2014 um 6:22

Filmplakat

Wes Anderson und seine Filme habe ich unbegreiflicherweise erst 2012 durch Moonrise Kingdom kennengelernt. Dabei macht er eine rare Art Filme, die ich ganz besonders schätze: Nicht realistisch erzählt, menschlich tief, ganz weit weg vom intellektuellem Arty Farty, witzig, ohne sich über Menschen lustig zu machen.

Erinnert sich hier jemand an die Filme von Peter Chelsom, bevor er US-Mainstream machte? Also an Hear My Song und Funny Bones? Ich vermisse diesen Peter Chelsom sehr. Der zuletzt Sachen wie Hannah Montana drehte. Nun, irgendwie muss die Miete reinkommen – wer wüsste das besser als ich? Jedenfalls: Wes Anderson mildert diesen Schmerz.

The Grand Budapest Hotel ist eine liebevolle Farce, verortet geografisch irgendwo im näheren Osteuropa, zeitlich im zweiten Drittel des 20. Jahrhunderts. Die Guten erkennt man an anständigen Manieren und Stilbewusstsein, die Bösen an schwarzer Kleidung und düsterer Miene: So gehört sich das. Wir bekommen absurde Verfolgungsjagden, eine große Liebe, Überraschung und Verrat – meist mit den Bildmitteln aus Zeiten des Stummfilms. Doch die menschliche Seite der Handlung ist durchaus neuzeitlich und fein abgestuft: Als der Concierge die Familiengeschichte seines Lobby Boy erfährt, entschuldigt er sich ehrlich beschämt für seinen vorhergehenden Ausbruch (den emotionalen, nicht den aus dem Gefängnis).

Selbst der Abspann ist schön altmodisch: Nach der Aufzählung der Hauptdarsteller (ein großer Name nach dem nächsten – Hollywoodgrößen scheinen gerne mit Herrn Anderson zu arbeiten) heißt es „Introducing: Tony Revolori as Zero“. Ralph Fiennes spielt ganz großartig des Empfangsleiter des namengebenden Hotels, er sollte mehr Komisches machen.

Die Sets formieren sich vor der Kamera immer wieder wie Gemälde oder zumindest Fotokunst: Von dem Speisesaal in sozialistischen Zeiten hätte ich sehr gerne einen Abzug. Um das Rezept für die Törtchen von Mendel’s brauche ich nicht zu bitten, das gibt es auf der Website des Films in Filmform.

Empfehlung: Sehen Sie sich im Kino den Abspann bis zu Ende an, sie werden herausfinden warum. Hat mit dem schönen Balalaika-Soundtrack zu tun.

die Kaltmamsell

4 Kommentare zu „The Grand Budapest Hotel

  1. Matthias Seifert meint:

    Der Film ist erst zu Ende, wenn der Abspann vorbei ist.

    Wenn mir den Film überhaupt nicht gefällt, gehe ich, sobald ich das gemerkt habe. Das passiert aber selten. Meist lass ich ihm eine Chance.

    Wieso so viele Zuschauer vor dem Abspann fliehen, verstehe ich nicht. In manchen Kinos warten sogar die Popcorneinsammler auf das Ende des Abspanns, bevor sie mit ihrer Arbeit beginnen.

    Wir sind doch im Kino nicht beim Privatfernsehen.

  2. Gabriela meint:

    Passend zu Wes Anderson – unbedingt anschauen!

    http://vimeo.com/89302848

    Cinemasaludos :-)

  3. kid37 meint:

    Sieh an, und ich dachte, Sie hätten den lange gekannt. Der ist ja so eine Art John Irving des Films, finde ich. Also, was Americana, Stilwillen, Selbstzitat & Skurrilitäten, Hang zu wiederkehrendem Personal und Motiven, Hotels, ungewöhnliche Familienkonstellationen, Söhne ohne Väter usw. angeht.

  4. Susann meint:

    Ich habe Moonrise Kingdom wunderbar gefunden. Ein Film, den man nicht nebenbei beim Bügeln angucken kann, sondern dem man nur gerecht wird, wenn man sich voll darauf konzentriert. So liebevoll gemacht, so viele Details, wunderbare Charaktere und Skurrilitäten…der Mann ist echt gut.


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