Journal Samstag, 1. November 2014 – Schwimmen und Lesen

Sonntag, 2. November 2014 um 8:15

Papierlektüre zum Morgenkaffee. Das jüngste SZ-Magazin hatte ein Philipp-Lahm-Interview zum Titelthema gemacht. Ja, ich weiß, dass das ein berühmter deutscher Fußballspieler ist, das gehört zur Allgemeinbildung. Obwohl mich das Thema überhaupt nicht interessierte, las ich rein: Gut gemachte Geschichten zeichnen sich ja dadurch aus, mich für ein Thema zu interessieren. Bis zur Hälfte drangeblieben bin ich allerdings aus Faszination an den spektakulär bescheuerten Fragen:

Erinnern Sie sich noch an Ihr erstes Länderspiel in Februar 2004 gegen Kroatien? Ihre erste Ballberührung in der Nationalmannschaft war ein Fehlpass.
(…)
Versuchen Fußballspieler, sich vor jedem Spiel eine perfekte oder besonders schöne Spielsituation in Gedächtnis zu rufen, um sich so wie beim autogenen Training aufzubauen?
(…)
Bei der EM 2012 hat Bastian Schweinsteiger1 bemängelt, nicht alle Ersatzspieler hätten mitgefiebert. Spricht so etwas der Kapitän an oder macht das der Trainer?

Wenn das rauskommt, wenn man Fußballkundige Interviews mit Fußballstars führen lässt, bitte ich fürs nächste Mal um so fußballferne Interviewende wie möglich. (Meine Kontaktdaten stehen hier.)

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141101_Schwimmzeug

Das Wetter war so wundervoll, dass ich meine geplante Schwimmrunde nicht im Drinnen drehen wollte. Die Freibäder sind natürlich schon lange geschlossen, doch München bietet ja den Luxus eines Winterfreibads, sogar mit 50-Meter-Becken: Das Dantebad. Gestern war mir das die 7,80 Euro Eintrittsgeld wert. Da das Buch von Laura Waco, das ist zuletzt las, zum größten Teil in exakt dieser Gegend spielt (Borstei, Dantebad), hatte ich eh in letzter Zeit oft daran gedacht.

Das Hinradeln war wundervoll, doch dann folgten 75 Minuten Kampfschwimmen. Das Dantebad widmet eine seiner drei Schwimmerbahnen den Rückenschwimmern, also hatte ich angenommen, die anderen beiden Bahnen seien frei von Rückenschwimmerinnen. Irrtum: 50 Prozent schwammen Rücken, außerdem war ständig Schwimmspielzeug im Einsatz. Ein scharfkantiges Handpaddel auf der Nachbarbahn schrammte mir einen roten Striemen in den Oberschenkel.

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Im sonnigen Wohnzimmer Laura Waco, Von Zuhause wird nichts erzählt für meine Leserunde fertig gelesen.

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Schaufensterbummel zur blauen Stunde durch die Sendlinger Straße und die Theatinerstraße – alle paar Jahre habe ich Lust darauf. Aber eben nur alle paar Jahre, und so kenne ich die Shoppinggegend östlich von meiner Wohnung wenig. Ich sah Geschäfte ihre Schließung ankündigen, von deren Existenz ich nicht mal wusste, obwohl ich nur 500 Meter entfernt wohne.

Die Touristen saßen auch bei Dunkelheit noch tapfer in den Straßencafés auf dem Marienplatz und der Theatinerstraße.

Dass so viele Menschen vor dem geschlossenen Apple Schtore rumlungerten – stehend, auf dem Boden sitzend oder kauernd – und mit ihren Smartphone beschäftigt waren: Gibt’s da ein offenes W-LAN? (Ich war ohne Telefon unterwegs und konnte nicht nachsehen.)

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Mir ist schon klar, dass vier Tage Strohsingleleben sich nicht mit dauerhaftem Alleinleben vergleichen lassen. Aber die Erklärung fürs Niekochen „ach, für mich allein habe ich keine Lust“ fällt mir schon schwer zu verstehen. Vielleicht liegt der Unterschied in der großen Freude, die mir ganz persönlich gutes Essen bereitet? Und die Niekocherinnen nicht kennen?

Zum Nachschwimmfrühstück bereitete ich mir Guacamole zu (beim Verdi war ich an einer reifen Avocado vorbeigekommen), dazu gab’s das letzte Eck des Mittwoch aufgetauten Viertels Frankenlaib von letztem Sonntag, außerdem Kaymak (also streichfähige Sahne, gerne verglichen mit clotted cream) mit Apfelmarmelade. Der Kaymak von Gazi enthält allerlei Stabilisatoren, kennt jemand einen Hersteller, der darauf verzichtet?

Und zum Abendbrot schnippelte ich mir Ofengemüse, dazu Couscous und Feta. Die zweite Hälfte nehme ich mir Montag als Brotzeit mit in die Arbeit.

141101_Nachtmahl

Allerdings gebe ich zu: Lebte ich dauerhaft allein, probierte ich wahrscheinlich seltener neue Rezepte aus. Und lernte dadurch weniger dazu.

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Zum Ofengemüse gab’s Tagesschau und den Schrecken, Recht gehabt zu haben:
Letzte Woche hatte ich dem wehrlosen Werkstudenten (natürlich kann ich mir auch als Sekretärin nicht die PR-Kriegsgeschichten verkneifen) Vorträge über die möglichen Auswirkungen des Veranstaltungstitels „Hooligans gegen Salafisten“ gehalten: Auch wenn an den Krawallen und Attacken vergangenes Wochenende kein Salafist weit und breit beteiligt war, würde es irgendwann heißen, es habe sich um Gewalt zwischen Rechten und Salafisten gehandelt.

Dass das so schnell passieren würde, hätte ich nicht prognostiziert.
Schon gestern zitierte die 20-Uhr-Tagesschau in einem Beitrag über Bundespräsident Gauck eben diesen Herrn in indirekter Rede, er sei besorgt über „Straßenschlachten zwischen Salafisten und Hooligans“. Da waren keine Salafisten!

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Bizarritäten: HilliKnixibix twitterte

Capture

Und schlagartig fiel mir ein, wie ich vor längerer Zeit in der Umkleide des Olympiabads beim Haarefönen ein kleines, unauffälliges Fotoshooting beobachtet hatte und noch dachte: „Wenn’s nicht extrem unwahrscheinlich wäre, hielte ich die abgelichtete Dame für Frau Almsick.“ Sie war’s wohl tatsächlich.

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Am Fernsehprogramm hängen geblieben, weil Pro7 überraschend Alice in Wonderland von Tim Burton zeigte und ich den endlich nachholen konnte. Gefiel mir, enttäuscht war ich allerdings von der Musik: Danny Elfman hatte wohl keine Lust und klaute lediglich ein bisschen von sich selbst.

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Die New York Times portraitiert Menschen, die in einer Ebola-Station in Liberia arbeiten. Heldentum ist ein belasteter Begriff, hier aber vielleicht doch mal angebracht.
„Braving Ebola. Portraits of those who labor and those who survived at an Ebola treatment center in rural Liberia.“

  1. Ja, ich weiß, dass auch dieser ein berühmter deutscher Fußballspieler ist. []
die Kaltmamsell

7 Kommentare zu „Journal Samstag, 1. November 2014 – Schwimmen und Lesen“

  1. Thea meint:

    Als Single und trotz Krankheit häufig eingeschränkt, koche ich täglich für mich. Und auch Neues wird ausprobiert.
    Was den Kaymak angeht, habe ich in „meinem“ türkischen Supermarkt einmal einen ganz köstlichen und unvergleichlichen entdeckt, den sie aber nicht so oft haben, weil er eben frisch und nicht lange haltbar verpackt geliefert wird. Vielleicht helfen ja die Daten auf der Verpackung herauszufinden, ob und wo es diesen Kaymak in München gibt:
    https://www.flickr.com/photos/kuechenlatein/11991927413/

  2. Maria Hofbauer meint:

    Mit dem Selberkochen ist es so eine Sache: Ich meine, es macht auf jeden Fall viel mehr Freude, in der Küche zu werkeln, wenn man immer wieder einmal auch selber bekocht wird. Und ganz ehrlich gesagt, aufwändigere Schmorgerichte, Eintöpfe und auch Mehlspeisen würde ich sehr wahrscheinlich nicht für mich selber kochen bzw. backen.

  3. richensa meint:

    Hach, das Alleinekochen macht mir im Zweitwohnsitz auch wenig Spaß, zumal ich hier einen nicht richensa-affinen Herd habe, dem ich extrem auf die Platte und in den Ofen schauen muss…. Hier bleibt es auch oft beim Ein-Topf-Gericht, dafür aber gerne mit selbstgemachtem Pesto und Ähnlichem…

  4. maphisti meint:

    Ihr Badeanzug zeigt ein schönes erotisches Rot, partiell bedeckt von dem unschuldigen Weiß der zu schützenden Badehaube und dem jauchzenden Himmelblau der filigranen Taucherbrille. Malerisch!

  5. Sonja meint:

    Hm, was diese HoGeSa-Geschichte angeht – (davon abgesehen, dass da einfach wirklich mal null Salafisten vor Ort waren) ich glaube, das Problem ist einfach, dass da keiner so richtig durchschaut, wer da eigentlich was wollte. Also ich jedenfalls nicht. Plump ausgedrückt hatte ich den Eindruck, dass da Menschen mit zu viel Zeit, zu viel Wut und zu wenige Kenntnis über ihren vermeintlichen „Gegner“ losgezogen sind und letztlich gemerkt haben, dass man ja viel besser die Polizei provozieren kann als diese ominösen Andersgläubigen (als wenn’s das wär), die gar nicht da waren – und das hat, fürchte ich, aus Sicht vieler, die da extra hingepilgert sind, super funktioniert. Was mich allerdings fast genau so aufregt wie die Behauptung, es wären Salafisten vor Ort gewesen, ist die Bezeichnung „Fußballhooligans“/“gewaltbereite Fußballfans“/“fehlgeleitete Fußballanhänger“ für die Gestalten, die da widerlichste Sprechchöre vom Stapel gelassen haben. Ja, Rechte fischen auch im Fußballlager und haben dabei teilweise Erfolg – leider. Aber die Nummer in Köln hat wirklich herzlich wenig damit zu tun. Ich fühl mich fast ein bisschen alt, sowas zu sagen, aber die wollten halt Krawall. Nix Fußball. Das war einfach nur ein ganz, ganz billiger Aufhänger, um Normalos ins rechte Lager zu holen. Glücklicherweise haben die meisten Bundesligisten schnell auf diese Anbiederung reagiert und in ihre Stadionordnung aufgenommen, dass niemand in wie auch immer gearteter HoGeSa-Kleidung Zutritt bekommt – immerhin. Richtig so, dieser Nonsens gehört einfach verbannt wo es geht.
    So, jetzt habe ich Ihre Kommentarspalte leider mit Fußballgedöns zugespammt – löschen Sie’s auch gern nach dem Lesen, ich wollt’s nur mal loswerden (gerade wo Sie sich doch nicht so arg fußballaffin geben).
    Zur Franzi van Almsick – brrrrr…. Schade schade.
    Haben Sie einen guten Start in die Woche!

  6. antje meint:

    Als dauerhaft Alleinlebende: ich denke das für sich selbst kochen hat viel mit dem sich „selbstschätzen“ zu tun. Ich merke, dass ich weniger sorgfältig für mich als für andere koche, was in der Folge zu geringerem Genuss führt.
    Und dass Essen für mich eigentlich ein Akt der Kommunikation ist (was reden über das Gekochte einschliessen kann, aber nicht muss). Und damit bliebe beim alleine Essen nur das (unbefriedigende) Selbstgespräch…oder eben die Reduktion auf die reine Nahrungsaufnahme mit dem Ziel der Sättigung, wo dann der Genuss (s.o.) auch nebensächlich ist.
    Etwas wirre Worte…
    von Antje

  7. Sabine meint:

    Oh! Die unglaublich bescheuerten Fragen, die Philipp Lahm gestellt wurden! Ich habe mich aber über die Werbung für einen mir persönlich bekannten Autor (Harry Kämmerer!) gefreut – was Philipp Lahm vermutlich nicht weiß, ist, dass die geniale Fußballreportage im von ihm erwähnten Buch vom 9-jährigen Sohn des Autors stammt. Der ist ein wahrer Fußballfan und hätte vermutlich schlauere Fragen gestellt.

    Ein Kaltmamsell-Interview mit Philipp Lahm wäre sicher viel, viel lesenswerter gewesen.

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