Journal Dienstag/Mittwoch, 30./31. Dezember 2014 – Zwischenwelt

Donnerstag, 1. Januar 2015 um 11:50

Meine Atemwegsinfekt in Kombination mit Schneemassen hat es geschafft, die Tage zwischen Weihnachten und Silvester wie früher werden zu lassen, ganz früher: Rumhängen in einer Zwischenwelt ohne Wochentage, ohne Pläne, Hangeln von Twitterlesen zu Zeitunglesen zu Buchlesen, dazwischen Duschen und Anziehen, ein wenig Nahrungsmittel besorgen, kochen, essen. Ohne Sportmöglichkeit verlieren meine freien Tage Struktur. (Schrieb sie und verheimlichte ihre Liste mit Kochplänen.)

Das hieß aber auch: Kein Isarlauf im bezaubernden Schnee. Kein Schwumm im Dantebad mit den Arm kitzelnden Schneeflocken. Dass mich das nur auf einer Metaebene verstimmte, belegte, dass ich wirklich krank war.

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Auch am Dienstag die Mühen eines Arztbesuchs zwecks Krankschreiben gescheut und lieber Einkaufen geschlichen. Wo ich mich doch unter anderem so darauf gefreut hatte, endlich mal wieder in der Hofbräumühle ausführlich Mehle zu besorgen.

Iles flottantes ausprobiert (siehe Kochpläne).
Science rocks: Endlich mal Creme panikfrei zur Rose abgezogen, weil im Rezept stand: „Das wird bei 80-82 Grad passieren“. Ein Thermometer habe ich, und während ich sonst stundenlang rührte („das Zeug dickt nicht an, das Zeug dickt nicht an“), um dann potenziell – schwupps! – vor Rührei zu stehen, maß ich diesmal immer wieder die Temperatur, und bei kurz über 80 Grad dickte die Milch leicht an, ich zog den Topf von der Hitze, und alles war gut.

141230_4_Iles_flottande

Beim Zu-Bett-Gehen bereits gefühlt, dass meine Erkältung nach dem Kommen und Bleiben (je zwei Tage) am nächsten Tag die Besserungsphase starten würde. Und so war es auch. Am Mittwoch war der Kopf lediglich ordentlich benommen, aber ich musste keine Explosion mehr befürchten, die Schmerzen waren fast komplett weg.

Draußen hatte das Wintermärchen eine weitere Schicht aufgelegt.

141231_6_Schnee

Kartoffelbrot gebacken (siehe Kochpläne), hervorragend gelungen.

141231_13_Kartoffelbrot

Da ich weiterhin zu krank für gesellige Feiern war, sagte ich eine bezaubernde Einladung ab. Statt dessen Silvester bei Fondue und Ananasbowle (Erstnutzung Set!) zu zweit.

141231_15_Ananasbowle

Das Schöne am Erwachsensein: Wenn man am 31.12. um 23 Uhr sehr müde ist, geht man einfach ins Bett. Mit Ohrstöpseln. Hach!

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Steigende Begeisterung über meinen neuen Computer: SSD macht nicht nur sensationell schnell, sondern verlängert die Akkuleistung ins Unglaubliche. 26 Stunden war das MacBook ausgestöpselt und zwar nicht ohne Unterbrechung, aber sehr viel in Gebrauch, ich war schließlich krank daheim. Dann erst war der Akku alle. Zum kompletten Aufladen brauchte er nur zweieinhalb Stunden. Ich habe erstmals einen wirklich mobilen Rechner.

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Zu den vielen Gedanken, die mir an Antje Schrupps bisherigem Werk eingehakt blieben, gehört dieser aus ihrem Text zu paternalistischem Feminismus: Wir müssen erst mal sicherstellen, dass jede Frau tun und sein kann, was sie will. Erst wenn jede ihre Entscheidung frei trifft, ist es fair, sie dafür zu kritisieren.

Das passt perfekt auf eine derzeitige Diskussion in meiner Ecke des Internets, in der es um das Schneewittchendasein mancher Frauen geht.

Sie begann mit diesem sehr verständnisvollen Artikel von Anna Papathanasiou auf Zeit online: „Ach du Schreck, so viele Schneewittchen!“
Der Text hinterließ bei mir ein diffuses Unbehagen (darüber, wie zentral es meiner Meinung nach ist, für den eigenen Lebensunterhalt zu sorgen, schreibe ich nochmal gesondert).

Schneewittchenfieber ist keine Bewegung. Vielmehr beobachte ich, dass die Frauen kapitulieren. Sie sehen keinen Sinn darin, die Strapazen der sogenannten Doppelbelastung auf sich zu nehmen, und bleiben lieber ganz zu Hause.

Journelles Überlegungen weisen auf die ungenannten Konsequenzen dieser Lebensform hin: „Schneewittchen in der Grube“.

Die Entscheidung für ein Dasein als Hausfrau und Mutter hat (…) nur für einen relativ elitären Kreis tatsächlich was mit freier Wahl zu tun.

Frau Kreis konkretisiert klug, „Warum das Schneewittchendasein doch keine ganz private Entscheidung ist“.

Ein Schlüsselsatz: „Die Arbeitswelt ändert sich nicht durch Rückzug ins Private.“

die Kaltmamsell

6 Kommentare zu “Journal Dienstag/Mittwoch, 30./31. Dezember 2014 – Zwischenwelt”

  1. Wiesel meint:

    Sie auch?! Elf Uhr mit Ohrstöpsel… großartig, ist es nicht?

  2. Martina meint:

    Liebe Kaltmamsell, ich nutze einfach die Chance und wünsche ein glückliches neues Jahr inkl. dem Erreichen neuer beruflicher Ziele und Perspektiven! Oh, und danke für die vielen schönen Blogbeiträge und Links, die ich immer wieder gern lese und mit schöner Regelmäßigkeit inspirierend und bereichernd finde.

  3. Trude meint:

    Ihnen und dem Mitbewohner für 2015 alles Gute und viel Gesundheit und eine Arbeit die Ihnen wieder Spaß machen sollte…..drücke ganz fest die Daumen!
    Der Rest fürs Jahr findet sich…..auch wenns im Moment vielleicht nicht so aussieht.
    Herzliche Grüße, die Trude.

  4. berit meint:

    Dann will ich die Gelegenheit auch nutzen und ein gesundes Neues wünschen. Mögen alle Wünsche in Erfüllung gehen, die sich nicht mit der VisaCard bezahlen lassen.

  5. Lempel meint:

    Vielen Dank für den Schneewittchen-Artikel. Hier lese ich sehr oft Bedenkenswertes, das mich dann den ganzen Tag nachdenken lässt. So wie heute das Schneewittchendasein. Ich teile die Ansicht, dass die Kapitulation vor der Aussicht auf ständige Dauerbelastung die Frauen ins Schneewittchendasein treibt. An der Karriere basteln und daneben das Kinderprogramm mit seinen heutigen Ansprüchen durchzuziehen, schafft doch kein Mensch äh Frau.
    Meine Mutter hat neulich mal erzählt, dass sie, als wir Kinder klein waren, sehr häufig einfach eine Dose Ravioli aufgemacht hat. EINE DOSE RAVIOLI! So etwas würde man doch heute selbst seinem Hund nur schlechten Gewissens vorsetzen. Es muss schließlich jeden Tag frisch gekocht werden und bio ist doch das mindeste.
    Das Problem ist, dass sich die Väter immer noch viel zu wenig am Familienirrsinn beteiligen. Wie viele Paare mit Kindern kennen Sie, bei denen der Vater zugunsten der Familie beruflich zurückgesteckt hat und sich partnerschaftlich am Familienirrsinn beteiligt wie beispielsweise der Anmeldung zur nächsten U-Untersuchung, danach die grünen Rasenhosenknie einweicht und dann noch schnell einen Kuchen für die Adventsfeier im Kindergarten backt? Mein Mann und ich arbeiten beide Teilzeit und wir stemmen den Familienirrsinn sehr partnerschaftlich. Damit sind wir in unserem Umfeld die absoluten Exoten. Dabei wäre das absolut machbar (Lehrer im Beamtenstatus: Teilzeit jederzeit möglich und sehr flexibel, Karriereaussichten eh inexistent).
    Kurzum: Ich würde auch nicht einem anstrengenden und vielleicht zusätzlich wenig erfüllendem Arbeitsleben nachgehen wollen, wenn ich daneben alleine für alles, was die Kinder betrifft, zuständig wäre. Eine grauenhafte Vorstellung…
    Darum würde ich meiner nicht vorhandenen Tochter einbläuen: Nimm nur einen Mann als Vater deiner Kinder, der sich genauso wie du am Familienleben beteiligt und der deswegen auch den Karriereknick hinnimmt! Und meinen Söhnen versuche ich vorzuleben, dass beide Eltern für sie gleichermaßen „zuständig“ sind. Ob’s was nützt?

  6. Modeste meint:

    Ein frohes und glückliches neues Jahr auch von mir!

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