Journal Freitag, 20. März 2015 – Hirnfinsternis und Working Girl

Samstag, 21. März 2015 um 15:13

Morgens Crosstrainer, Tiersichtung lediglich ein Eichhörnchen.

Auf dem Weg in die Arbeit in Vorgärten erste Veilchen (die ich sonst schon im Februar sehe) nach ersten Schlüsselblumen am Vortag (die ich wiederum später erwartet hatte).

Die Sonnenfinsternis sah ich zwar nicht direkt, doch konnte ich direkt vorm Haus Beobachter beim Beobachten beobachtet.

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Wobei ich auch ohne direkten Blick das Beste mitbekam: Dieses seltsam apokalyptische Licht, das mir auch von der Sonnenfinsternis 1999 am stärksten im Gedächtnis blieb.

Das eigentlich Bemerkenswerte an der SoFi2015 aber waren die Reaktionen von Erziehungspersonal und Eltern. Beim Personal kann ich mir das noch halbwegs mit Haftungspanik herbeiargumentieren, da ich mitbekomme, welche Verrenkungen heute allein schon bei der Benotung von Arbeiten nötig sind, um sich vor Gerichtsverfahren zu schützen.
Aber Eltern? Hat man schon einmal untersucht, inwiefern erfolgreiche Fortpflanzung Gehirnareale beschädigen kann?

Denn wie meinte der Leiter der Sternwarte der Universität von St. Andrews so passend:

Durchgespielt hat das absurde Kinder-müssen-drinnen-bleiben-„wegen der Strahlen“ dann natürlich novemberregen:

Und so war Mademoiselle heute als einziger Mensch von rund 400 Kindern und 50 Lehrern und Erziehern während der Sonnenfinsternis im Schulhof. Alle anderen saßen hinter zugezogenen Vorhängen im Klassenzimmer.

§

Auf dem Heimweg beim Verdi nochmal zwei Doraden gekauft, diesmal aber gleich ausnehmen lassen. Gewürzt, in Pfanne angebraten, im Ofen bei 180 Grad 15 Minuten fertig gegart – köstlich. Auch diese Flasche Mantel Blanco Sauvignon schmeckte dazu ganz hervorragend, wird nachgekauft.

§

Abends stolperte ich beim Herumschalten auf ZDF Neo in den Film Working Girl von 1988. Ich hatte ihn seinerzeit im Kino gesehen und er hatte mir gefallen, am meisten im Gedächtnis waren mir aber die schmerzhaft typischen 80er-Frisuren und -Klamotten geblieben. Und dass ich in diesem Film Joan Cusack kennengelernt habe: Liebe auf den ersten Blick, obwohl sie darin aussieht wie Boy George. (Doch, liebe Kinder, es gab damals auch in Echt erwachsene Frauen, die sich so schminkten. In freier Wildbahn sah ich dieses Styling zuletzt 2002 bei einer österreichischen PR-Kundin und war sehr beeindruckt.) Beim Wiedersehen fiel mir ein, dass der Film mich zudem mit der Staten-Island-Fähre bekannt machte, der ich später als Topos immer wieder begegnete.

Beim Wiedersehen fiel mir aber auch auf, wie unvorstellbar dieses Drehbuch für einen heutigen Hollywoodfilm ist: Der Film spielt die klassische Geschichte „Außenseiter kämpft sich hoch“ durch; dass es sich dabei um eine Frau handelt, ist lediglich – mit all seinen Facetten – eines der Außenseiterkriterien. Doch im ganzen Film geht es in erster und in zweiter Linie um Frauen; Männer sind allesamt support – selbst der damals bereits Superstar Harrison Ford spielt einen Mann, der nicht nur seine Unsicherheit thematisiert, sondern begeistert den Steigbügelhalter der Aufsteigerin gibt (ihr sogar für den ersten Arbeitstag in neuer Stellung die Brotzeit packt). Das alles nebenbei und lediglich im Dienst einer guten Geschichte. Kurz: Der Film ist noch viel besser, als ich ihn in Erinnerung hatte. Empfehlung.

Zum Song „Let the river run“ (dass auch Chris de Burgh im Film ertönt, hatte ich erfolgreich verdrängt und kann das hoffentlich auch künftig): Carly Simon „became the first artist in history to win a Grammy Award, an Academy Award, and a Golden Globe Award for a song both written and performed entirely by a single artist“.

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https://youtu.be/cv-0mmVnxPA

die Kaltmamsell

12 Kommentare zu “Journal Freitag, 20. März 2015 – Hirnfinsternis und Working Girl

  1. Trippmadam meint:

    Ich stelle immer wieder fest: weil ich keine Kinder habe, entgehen mir gewisse Erfahrungen (die ich allerdings ohnehin nicht machen wollte).

  2. Trolleira meint:

    Zum Thema Sonnenfinsternis sag ich jetzt nix, ich glaub es ist gut, dass ich vor 15 Jahren Deutschland verlassen hab, ja spinnen denn die Rö..ähm Deutschen??

    Ganz breites Grinsen zum Working Girl – ich hatte ihn im Original in englisch damals im Kino gesehen – Sigourney Weavers Deutsch ist einfach einmalig, mein Mann und ich waren die einzigen im ganzen Kino, die lachten!

  3. Anke meint:

    „Working Girl“ ist einer meiner liebsten 80er-Jahre-Filme und ich habe ihn 2012 auf dem Filmfest München endlich mal im Original gesehen. Im Gegensatz zu dir erinnerte ich mich nicht so sehr an die fiesen Frisuren, aber an die Szene, in denen Frau Griffith in bequemen Sneakers zur Firma geht, um dort in die blöden Pumps zu schlüpfen, in denen Frauen anscheinend rumlaufen müssen, um als businesslike wahrgenommen zu werden. Ich habe seit damals nicht verstanden, warum ich Schuhe tragen soll, auf denen ich nicht anständig laufen kann.

  4. Susann meint:

    Ja. Oh ja.
    Bei uns wurde Zwangsrunterlassen der Jalousien verordnet, damit kein Kindelein sich das Augenlicht verdirbt. In den Pausen durfte das Haus nicht verlassen werden, damit kein Kindelein sich das Augenlicht verdirbt. Geguckt werden durfte nur unter professioneller Anleitung, damit kein Kindelein…

    aber zur Entschuldigung der Schulleitung sei angemerkt, dass wohl reihenweise besorgte Eltern in der Schule angerufen haben, um vehement zu fordern, dass wir handeln sollen, damit kein Kindelein…

    Oh. MANN.

  5. Sabine meint:

    Die Frisuren! Das Wetter! Das World Trade Center! Den Film habe ich damals nicht gesehen, aber 87/88 bei New York gewohnt und bei besserem Wetter mit dem Blick auf das WTC aufgewacht. Und diese Frisuren und seltsamen Klamotten trugen die Mädchen bei mir in der Schule ernsthaft, halt in der Teenagerausgabe.

  6. die Kaltmamsell meint:

    Herzerwärmend, dass es weitere ernsthafte Working-Girl-Fans gibt.

    Davon hatte ich in den 80ern in der Zeitung gelesen, Anke: Dass die Yuppies in Manhatten Turnschuhe für den Arbeitsweg trugen.
    Yuppies waren ja auch eine Erfindung der 80er.

  7. Ulrike meint:

    „Wobei ich auch ohne direkten Blick das Beste mitbekam: Dieses seltsam apokalyptische Licht, das mir auch von der Sonnenfinsternis 1999 am stärksten im Gedächtnis blieb.“ — so ähnlich habe ich es empfunden, und Fotos von unserem Garten gemacht

    Als ob ein Filter über allem gelegen hätte, so blutarm und ohne Leben

    Das war für mich das Bemerkenswerte daran

  8. Pixelpu meint:

    Ich mag den Film auch sehr und da ich erst in den 80ern geboren bin, finde ich die Mode sehr faszinierend. Was mir aber ebenso wie dir aufgefallen ist, als ich ihn erneut sah, dass der Film von Frauen getragen wird. Und was mir an diesen Frauen auch aufegafallen ist, sie haben ganz normale Körper. Man sieht ja häufiger mal nackte Brüste oder einen Hintern und zum Glück sind die eben nicht Size Sero. Irgendwas ist in der Entwicklung schief gelaufen.

  9. Frank meint:

    Working Girl hätte ich jetzt nicht als Höhepunkt der Filmgeschichte gesehen. Allenfalls, dass Melanie Griffith damals noch richtig klasse aussah, wäre mir dazu eingefallen. Aber hey: I´m so vain…

  10. ilse meint:

    It’s a girl thing, Frank!

  11. Frank meint:

    @ilse: Hach, danke, hab mich wohl tatsächlich verlaufen. Wenngleich ich noch anfügen könnte, dass auch ich für Joan Cusack Gefühle hegte. Allerdings war das bei „Die Addams Family in verrückter Tradition“ und wenn ich so drüber nachdenke, verwirrt mich das in etwa so wie mein Aufenthalt hier.

  12. lihabiboun meint:

    Melde mich zur Stelle: Auch ich Fan von Working Girl. Muss ich gleich nochmal ansehen. Und, @Anke: Die Sache mit den Turnschuhen fiel mir damals auch auf und ich habe gedacht: die spinnen, die Amerikanerinnen. Bis ich anlässlich meiner ersten USA Reise feststellte, dass es tatsächlich so ist:Kostüm und Turnschuhe. Die spinnen, die Amerikanerinnen ….

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