Journal Samstag, 21. März 2015 – Big Ballet

Sonntag, 22. März 2015 um 9:24

Gemütliches Aufstehen, Bloggen, Kaffeetrinken, Kuchenbacken (es wurde ein Kodafa, wieder mit Taleggio).

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Eigentlich hatte ich den letzten milden Vormittag vor angekündigtem Wetterumschwung für meine Laufrunde nutzen wollen, doch mittlerweile war es mir dafür zu spät geworden. Lieber begleitete ich Herrn Kaltmamsell bei seinen Wochenendeinkäufen (was ja wohl etwas ganz Anderes ist als gemeinsames Einkaufen).

Auf dem Viktualienmarkt erquengelte ich mir ein paar Würschtl – und wurde umgehend daran erinnert, warum ich so ungern auf diesem Markt einkaufe, Münchenbesucherinnen auch immer warne: Bestellt waren “eine rote Bratwurst mit Semmel und ein paar Weißwürscht”, serviert und abgerechnet wurden Bratwurst, Semmel, Weißwürscht und eine Breze. Ich war umgehend an die unlautere Umsatzerhöhung der Obsthändler erinnert.

Mittlerweile bin ich bereit mich festzulegen: Gemalte Augebrauen sind a thing. Was ich bis vor Kurzem mit aufgebrezelten Frauen aus sehr einfachen Verhältnissen assoziierte, die in den 1960ern jung gewesen waren, sehe ich jetzt zu oft an Frauen quer durch alle Alters- und Gesellschaftsschichten. Zum Teil in scharf abgegrenzter Comic-Form, die viel Humor belegt.

Den Nachmittag mit allen drei Folgen einer britischen Reality-Show verbracht: “Big Ballet”.
Das Projekt: Für eine Amateur-Inszenierung von Schwanensee wurden 18 Frauen mit Konfektionsgrößen 42 bis 54 (im britischen Original 14 bis 26) und zwei nicht schlanke Männer ausgewählt (Casting über eingesendete Filmaufnahmen plus Vortanzen), die gerne Balletttanzen wollten und bislang wegen ihrer Körperform abgewiesen wurden. Das ging erstaunlich gut. Die Gruppe war sehr gemischt, von kompletten Ballettanfängerinnen bis zu einer Fitnesstrainerin, die als Jugendliche bereits die Aufnahme in die Londoner Royal Ballet School geschafft hatte.

Ich bin mir nicht sicher, ob klassisches Ballett die ideale Tanzform für den Beweis war, dass jede gut und schön anzusehen tanzen kann – bin mir allerdings bewusst, dass in dieser Kombination das quotenstärkste Aufsehen liegt.

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https://www.youtube.com/watch?v=Bd4M7zynoWI

via ringelmiez

§

Anfang einer hochspannenden Artikelserie bei den Krautreportern:
“Die Geschichte des Chaos Computer Clubs: Datendämmerung”.

die Kaltmamsell

6 Kommentare zu „Journal Samstag, 21. März 2015 – Big Ballet“

  1. berit meint:

    Nun, wenn man Let’s Dance guckt, sieht man auch das jegliche Körperform dumm aussehen kann, wenn man einfach eine steife Hüfte und kein Taktgefühl hat :D

  2. Susann meint:

    Lustig, ich wollte Ihnen Big Ballet gerade empfehlen – ich bin auch dieser Tage darübergestolpert.
    Der Wert liegt für mich auch daran, dass man die eigenen Sehgewohnheiten überprüfen kann – wie befremdlich es einem vorkommt, wenn da jemand mit, er, reichlich gebärfreudigem Becken, durch die Gegend hopst…dabei mache ich selbst, nun nicht mehr ganz gertenschlank, mit Begeisterung Ballett. Aber für mich sehe ICH beim Tanzen normal aus, andere Menschen mit noch einem Tick mehr Rundlichkeit aber seltsam.
    Auch interessant bei “Big Ballet”: als der Choreograph die Truppe in den Medien “fat” nennt, kommt der Protest, man möge doch “real women” genannt werden, im Gegensatz zu den “stick thin robot girls”, die normalerweise auf der Bühnen. Ich würde jetzt mal sagen, “real woman” ist keine Definition, die auf dem Körperfettanteil oder der BH-Größe basiert. Jede ist eine “real woman”, egal welche Kleidergröße.
    Als drittes erschütterte mich, wie sich die Frauen für sich selbst entschuldigten, wie ungewohnt es für sie war, sich nicht im Hintergrund zu verkrümeln und klein zu machen (“stand in the back and blend in with the boys”), mit welcher Bürde ihre Körperlichkeit und die Reaktionen der Umwelt darauf sie belasteten.

  3. die Kaltmamsell meint:

    Komme gerade vom Laufen, und mir gingen vor allem diese erschütternden Szenen durch den Kopf, Susan: Die Frau, die nach dem Einzelvortanzen in Tränen ausbricht – mit ihren 37 Jahren habe sie nicht damit gerechnet, dass jemand mal zu ihr sagen würde, sie habe “beautiful arms and legs”. Oder die Darstellerin des schwarzen Schwans, die mit leicht hochgezogener Augenbraue erzählt, man habe sie während der Proben aufgefordert, sich an einen Moment zu erinnern, in dem sie sich so richtig sexy gefühlt habe – sie habe sich noch nie sexy gefühlt.

    Dass Frauen, die ein Leben lang mit dem Vergleich zu dünnen Frauen diskriminiert und beleidigt wurden, ihre Aggression auf den Typus dünne Frau allgemein richten, ist natürlich falsch – durchaus verständlich, aber sie merken nicht, dass sie den Mechanismus des body shaming verstärken.

  4. Susann meint:

    Ja, bei diesen beiden Beispielen da mußte ich auch schlucken. Verheerend,was für seelische Verwüstungen das body shaming anrichtet. Auch, als Wayne Sleep aufgefallen ist, wie zurückhaltend und sich selbst entschuldigend die Frauen tanzten.

    Was übrigens gut war – nirgendwo, auch nicht einmal, wurde propagiert, dass irgendwer – ein WUNDER! – durch das Training 125 kg verlor und ein völlig neuer, glücklicher Mensch dadurch wurde. Das allein wäre schon positiv anzumerken.

  5. Björn meint:

    Als ständiger Lurker Ihres Blog fühle ich mich stets gut unterhalten und habe schon einige interessante Dinge für meinen Alltag mitgenommen.
    Wie aktuell BigBallet. Ich fands großartig! Normalerweise habe ich mit den PrivatFernsehenDokuSoaps Probleme. Ich schäme mich, dort zuzugucken. Mir tun die Leute regelmäßig leid. Auch die hinter der Kamera. Das kann doch keine erfüllende Arbeit sein, bei BiggestLooser Kameramann zu sein oder bei “Familien im Brennpunkt” als Zuständige am Schnitttisch zu arbeiten!
    Aber bei BigBallet wurde mir warm ums Herz. Ernsthaft. Vor allem weil sich die Teilnehmerinnen so ehrlich selbst über “kleine” Komplimente gefreut haben und am Ende tatsächlich eine Respektable Leistung stand.
    Allerdings ist es im gleichen Moment erschreckend, dass es Menschen gibt, die so selten oder noch nie eine positive Bemerkung zu Ihrem Körper gehört haben. Irgendwas ist da immer noch im Argen in unserer Gesellschaft.

    Also: Danke für den Tip. Und für alle anderen, die ich hier so abgreife!

  6. Rebekka. meint:

    Ich lese gerade nach und habe, wie eine unschwer erkennen kann, noch einiges vor mir :)…

    Diesmal vielen Dank für Big Ballet!

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