Journal Sonntag, 11. Oktober 2015 – Inside Out

Montag, 12. Oktober 2015 um 7:08

Nach dem Bloggen (wenn ich endlich lernte, den Fotoapparat gerade zu halten, dauerte die Bildbearbeitung deutlich kürzer) zum Sport an den Ostbahnhof geradelt, sehr viel Spaß in einer Stepstunde gehabt. Vorturner hatte neue Musik dabei: Er verwendet sowie so nie den Standard-Kirmestechno, diesmal aber war es durchgehend wunderbarste Rentnerinnenmusik (Bonnie Tyler, Gloria Gaynor, Flashdance etc.).

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Auf Rückweg dann doch in die Verkehrssperren wegen des Münchenmarathons geraten, obwohl ich die Strecke vorher recherchiert und ohnehin einen Umweg gewählt hatte.

Nach dem Frühstück ins Kino: Inside Out. Ich hatte mich seit dem Trailer auf den Film gefreut und fand ihn großartig. (Allerdings: Könntet ihr das mit dem penetranten 3D endlich mal lassen? Nein, das braucht es nicht unbedingt! Und die Brille über der Brille drückt.) Ich mochte die Hauptfigur Riley sehr, unter anderem weil sie in erster Linie ein Kind ist, nicht ein Mädchen. Die Gefühle Joy, Fear, Anger, Disgust und Sadness sind wunderbar gezeichnet und geführt. Sprecherin ist erst mal Joy – naheliegend bei einer unbeschwerten 10-Jährigen.

Von Sadness weiß Joy nicht so recht, wozu sie gut sein sein soll. Als die Umstände etwas unangenehmer werden (Umzug in eine fremde große Stadt) taucht Sadness immer häufiger auf, entschuldigt sich aber ständig dafür und dass sie den anderen alles kaputt macht. Joy erinnert in ihren Anfeuerungsrufen („let’s have fun!“, „think positive!“) immer mehr an die Animateurin im Camp Chippewa der Addams Family (oder an Autorinnen von Lebenshilfe-Bestsellern). Was passiert, wenn Sadness keine Rolle spielen darf, hat Pixar ebenso wie die neurologische Struktur des Menschen wunderbar in Bilder und Metaphern übersetzt.

Empfehlung!

Auf dem Rückweg geriet ich in den Absperrungen wegen des Open Airs am Königsplatz – das hatte ich als Verkehrshindernis nicht auf dem Schirm gehabt.

§

Rote Beete (Ernteanteil) und Linsen gekocht, um diesen Salat nachzubauen, für Brotzeit und Abendessen am Montag.

Herr Kaltmamsell bereitete das Abendbrot zu: Wirsing und Kartoffeln aus Ernteanteil, Grünkohlwürste von der Metzgerei Clasen.

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§

Möglicherweise habe ich Ihnen noch nicht oft und breit genug von Ronald Blythes Akenfield vorgeschwärmt. Also nutze ich den Umstand, dass eine US-amerikanische Neuauflage herauskommt, mit diesem neuen Vorwort:
„Portrait of an English Village“.

The experience of reading Akenfield feels like standing before a rich but outwardly inaccessible painting and finding its deepest beauties slowly emerge, both as individual details and as a unified whole. Blythe’s first wish had been to be a painter, after all, and it’s no accident that Akenfield is subtitled Portrait of an English Village.

(…)

The great subject of Akenfield, and the reason it remains such a vital book to read now, even in America, thousands of miles from its milieu, is the ways people grapple with changes in the patterns of life in their own time—whether through social flux, cultural variation, demographic shifts, technological progress, environmental degradation, or some combination. Blythe recognized that under the placid surface of a place as seemingly unchanging as Akenfield lay a clash of virtual tectonic plates, as a class-riven, tradition-bound, nearly feudal community began to erupt and fissure.

§

Überraschend unblödeliges Interview:
„Titanic“-Chef: ‚Ich bin traurig, dass Benedikt nicht mehr Papst ist'“

STANDARD: Ein Religionsvergleich: Wer bietet am meisten Reibungsfläche?

Wolff: Beim Islam ist das Problem, dass es keinen irdischen Vertreter gibt. Klar kann man auch Scherze mit Mohammed treiben, der ist aber schon lange tot, und wir konzentrieren uns lieber auf das Irdische. Und ich muss gestehen, hier in Deutschland benehmen sich die Muslime gut. Sie liefern uns nicht genügend Stoff für Satire. Jetzt im Ernst: In Deutschland und Österreich haben die katholische und die evangelische Kirche einen ganz anderen politischen Einfluss als der Islam und bleiben deswegen unser Hauptziel. Und Juden haben wir praktisch keine. Über wen sollen wir da noch Witze machen?

die Kaltmamsell

9 Kommentare zu “Journal Sonntag, 11. Oktober 2015 – Inside Out

  1. Sabine meint:

    Interessant war heute in der SZ (leider ist der Artikel nicht auf Blendle zu verlinken) auch der Artikel über die sehr wohl stattfindende Hilfe durch deutsche Muslime, die aber mangels übergreifender Strukturen und nicht vorhandener PR keiner mitkriegt. Ich finde ja, dass die Presse insgesamt den Muslimen hierzulande mal was schuldig ist, nach Jahrzehnten von IslamismusKopftuchEhrenmordRückständigHassprediger-Getrommel.

  2. Rosine meint:

    Hier eine spannende Kritik an dem Film „Alles steht Kopf“
    https://www.youtube.com/watch?t=177&v=-VdR5gjkSkM

  3. die Kaltmamsell meint:

    Das Wichtigste, Rosine: Im Kindler hinter dem Herrn ist ein Aufsatz von mir veröffentlicht. (Leute haben tatsächlich noch 50-bändige Lexika herumstehen?)

  4. kalua meint:

    Ganz was anderes: vielleicht macht es Ihnen Spaß, diesen Dokumentarfilm zu sehen: http://www.filmsforaction.org/watch/human/#.Vf1Pkrk03U0.facebook
    Sehr lang, aber so schön meiner Meinung nach. Man sieht und fühlt, dass wir alle gleich sind und die wahre Humanität Liebe, Emphatie, Dankbarkeit bedeutet.

  5. ganga meint:

    Liebe Frau Kaltmamsel,
    ich liebe diese Salate mit Linsen, die man ja in den unterschiedlichsten Variationen zubereiten kann. Rote Beete habe ich bisher noch nicht probiert, hört sich aber sehr fein an. Ein richtiges Herbst und Wintergemüse.

    Des Mannes Speise sieht auch sehr lecker aus.

    Ich kenne den Film nicht, er hört sich aber sehr feinfühlig und inteligent an. Die Gefühle sind nachvollziehbar an den Beispielen die sie schreiben.

    Ich wünsche einen guten Tag
    ganga

  6. obadoba meint:

    3D muss man nicht gucken, wenn man nicht mag. (Ich mag. Sehr :-))
    Was im Cinema als 3D läuft, kommt ganz häufig in den Museum Lichtspielen als ganz banales 2D. Auch im Original.

  7. Buchfink meint:

    Bei mir steht auch noch das Kindler Literaturlexikon rum und nun hätte ich gern gewußt, wo ich einen Aufsatz von Ihnen finde.

  8. die Kaltmamsell meint:

    Zur kanadischen Autorin Ethel Wilson, Buchfink.

  9. die.sandra meint:

    Aber alles steht kopf gibts doch auch ohne 3D! habe ich in dieser form gesehen und fand es super.meine vergnügungsparkinsel steht jedenfalls noch.hab ich gemerkt als ich am samstag einen fast-überschlag beim rutschen mit unserer nichte gemerkt habe-es war überhaupt nicht peinlich.und eben ohne bremsen

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