Journal Sonntag, 28. August 2016 – Brüllsonne und Garmischausflug

Montag, 29. August 2016 um 7:06

Es war der letzte wirkliche Hochsommertag angekündigt, bevor das Wetter gemischt werden und die Temperaturen auf spätsommerliche Höhe fallen sollten.

Ich stand also früh auf, um vor meinem geplanten Krankenbesuch in Garmisch noch zum Schwimmen zu kommen. Nochmal Morgenkaffee und Bloggen auf dem Balkon, allerdings unter fast bedecktem Himmel, dann großartiger Morgensonnenspaziergang zum Schyrenbad.

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Die Pappeln an der Lindwurmstraße mag ich sehr.

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Der Name dieses Herrn auf dem Südfriedhof mag bis zur Unleserlichkeit verwittert sein – die Sonne macht ihn mit Direktbestrahlung dennoch prominent.

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Schon um neun brannte die Sonne ganz schön heiß.

Das Schyrenbad war erwartungsgemäß licht besetzt, ich schwamm genussvoll meine 3 Kilometer über glitzerndem Beckenboden. Auch wenn man mir diesen Genuss anschließend nicht unbedingt ansah.

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Fußmarsch nach Hause, dort ausführliches Duschen und Cremen.

Mit einer Brotzeit und Lesestoff setzte ich mich in den Zug nach Garmisch-Partenkirchen, um meinem Vater im Krankenhaus zu besuchen. Leider ist er wegen dermatologischer Komplikationen noch nicht in Reha und klingt am Telefon bei aller Munterkeit doch hitze-erschöpft und ungeduldig. Ums Garmischer Klinikum gibt es auch keine Grünanlage, in die er sich setzen oder in der er spazieren könnte – ich kam eigens zu Fuß vom Bahnhof, um mich unterwegs gründlich umzusehen: Nein, da ist gar nichts. Also drehte ich mit ihm nur seine gewohnte Übungsrunde mit Krücken ums Gebäude.

Rückfahrt durch wunderschöne Hochsommerlandschaft – ich kann mir nicht vorstellen, dass der Ausblick von der Autobahn auch nur halb so schön ist.

Abends Resteessen mit Tatort-Gucken. Es ging um Internetdinge, und selbst ich Laiin hatte das Bedürfnis, die Ermittlerin wegzuschubsen: „Lass mich mal.“ Vor lauter Fachschmarrn konnte ich mich auf die Handlung nicht einlassen.

§

Mal was ganz anderes. Im Englandurlaub hatte ich mir eine Körpercreme gekauft, die mir in einem Hotel sehr gut gefallen hatte. Gestern war sie alle. Das Besondere:

160828_17_Koerpercreme_REN

Sie war wirklich, wirklich leer. Ich hatte schnell gesehen, dass die Creme nicht direkt im Behälter, sondern in einer Plastiktüte steckte und anfangs noch den Kopf über dieses vermeintliche Chichi geschüttelt. Doch zum ersten Mal erlebte ich, dass ich einen abgeschlossenen Behälter wirklich bequem (also ohne Aufschneiden) leeren konnte. Das geht sonst nur bei Töpfchen, und die sind wegen des ständigen Reingreifens nicht so hygienisch. Ich bin begeistert.

§

Auf jetzt.de fragt sich Charlotte Haunhorst
„Warum heiraten wir so rückschrittlich?“

Und ich fuchtle bei jedem Satz unterstützend mit dem Krückstock (außer natürlich beim Eingangssatz – eine solche Hochzeit hätte ich sicher nicht als perfekt empfunden).

… beharren wir nicht sonst immer auf der Vielseitigkeit des Menschen? Darauf, dass er mehr als eben diese Klischees ist? Beim Thema „Hochzeit“ macht dieses Denken eine Pause.

Und ich hüstle bei

Dann dürfen alle, zumindest für einen gewissen Zeitraum, wieder in ganz altmodische Rollenbilder verfallen, ohne dass das jemand komisch findet.

Denn das fand ich schon immer nicht nur komisch, sondern so absurd, dass mir nur spezielle Brauthormone als Erklärung einfielen.

Inzwischen und nach einem weiteren Jahrzehnt immer wahnsinniger werdendem Hochzeitskult habe ich allerdings eine andere Erklärung: Marketing. Hochzeiten sind ein riesiger, millionenschwerer Markt, der nicht nur von Hollywoodbildern profitiert, sondern diese Bilder schon lange selbst produziert und zu Erwartungen sowie Wünschen macht.

die Kaltmamsell

18 Kommentare zu “Journal Sonntag, 28. August 2016 – Brüllsonne und Garmischausflug”

  1. ash meint:

    Verschwendung bei Cremebehältern und immer ausuferndere, hollywoodtaugliche, rückschrittliche Hochzeiten. Beides empfinde ich genau so und freue mich, dass es in Worte gefasst wurde. Ihr Blog ist mir jeden Morgen eine Freude. Danke dafür.

  2. HP meint:

    Die Creme ist ja ein teurer Spaß.

  3. die Kaltmamsell meint:

    Ja, HP, sie kostete in England sogar umgerechnet fast 25 Euro (Prä-Brexit-Kurs). Bitte haben Sie Verständnis, dass ich den Einkaufslink gelöscht habe.

  4. Joe meint:

    Die Jugend ist mir mit ihrer retro-gewandten Art auch ein Rätsel. Dabei hätten die doch genug Dinge um zu rebellieren. Das mit den Hochzeiten. Mal ein anderer Aspekt. Bei 40% Singles in München, Berlin, oder anderen Großstädten, ist eine mehr oder minder feste Partnerschaft schon ein Ereignis. Die Entscheidung zur Heirat – so mit Perspektive lebenslang – hat da schon eine herausragende Bedeutung.

  5. Cornelia meint:

    Dieses Verpackungskonzept scheint eine englische Spezialität zu sein: Meine – ebenfalls schweineteure – Gesichtscreme ist genauso verpackt. Allerdings verbirgt sich die Funktionsweise in einer Blindglasflasche. Dies habe ich erst zum Ende der ersten Packung und meinem Auseinanderbauen ebenjener entdeckt und war dann froh zu sehen, dass diese wirklich leer ist.

  6. joriste meint:

    ich kenne und benutze die Sonnencreme einer Schweizer Firma, die, wenn sie in einer Flasche daherkommt, ein ähnlich begeisterndes Leerungsdingsi aufweist (ebenfalls nach dem Aufschneiden bemerkt: das scheint eine deutsche Spezialität zu sein ;)

  7. Julia meint:

    hach, die pappeln auf der lindwurmstraße. die konnte ich vom schlafzimmer aus sehen… jetzt hab‘ ich fast ein bissl sehnsucht…

  8. Kirsten meint:

    Die Hochzeiten .. vielleicht, weil so wenig geheiratet wird, orientiert man sich noch mehr an, meist amerikanischen, Filmen? Dieses ganze Braut-Übergeben, die Musik dazu, „sie dürfen die Braut küssen“, sind das deutsche Bräuche?

  9. Croco meint:

    Ach, was waren wir altmodisch!
    Keine pinkenen Hussen mit Schleifen über den Stühlen, keine Candybar, keine Jungesellinnenabschiede mit Blödzeugs und Brautjungern in rauen Mengen und in Pastell.
    Ist es vielleicht eine Ablenkung vom Eigentlichen, einem ernsten Versprechen?
    Oder möchte man einfach nur ein tolles Fest feiern?
    Ich weiß es nicht, finde aber schon das Zuhören bei Hochzeitsplanungen als äußerst stressig. Geht eigentlich noch was Gretna Green? Das galt ja früher als der Inbegriff von kurzer und zackiger Hochzeit. Der Dorfschmid traut einen und erledigt.
    Ich bin aber auch äußerst unromantisch.

  10. die Kaltmamsell meint:

    Mir will immer noch nicht einfallen, Croco, was Heiraten mit Romantik zu tun haben soll: Das ist ein Vertrag, fertig. Deshalb bei uns beiden ein kurzer Gang zum Standesamt, zwischen zwei Terminen.
    (Ist es nicht eher verantwortungslos, irgendjemandem irgendwas auf immer und ewig zu versprechen?)

  11. Croco meint:

    Ja, es ist schlichtweg unsolide das zu versprechen, sogar wenn man nur einen geringen Überblick über die menschlichen Schwächen und den Wankelmut des Schicksals hat. (Jetzt werde ich doch pathetisch.)
    Mit der Ewigkeit hatte ich schon immer meine Probleme. Und man sieht es auch an der Scheidungsrate, wie das Ewigkeitsverständnis hierzulande beschaffen ist.

  12. Helena meint:

    >> Das ist ein Vertrag, fertig. Deshalb bei uns beiden ein kurzer Gang zum Standesamt, zwischen zwei Terminen.

    Ich bin gewiss nicht für pompös-zuckrige Hochzeitsmonstrositäten a la Hollywood zu haben, aber bei diesen Worten wird mir kalt.

  13. berit meint:

    Eine Hochzeit ist je nach persönlichem Glauben mehr als ein Vertrag. Ich kann jetzt nur von den Christen sprechen, aber für diese ist es ein Versprechen vor Gott. Das man zwangmäßig auch noch zum Standesamt muss, liegt daran begründet, dass die Ehe sonst nicht anerkannt ist, wenn man „nur“ in der Kirche heiratet.

  14. adelhaid meint:

    wir haben damals (vor ziemlich genau 2 jahren) aus rein romantischen gründen geheiratet. es gab wirklich keinen anderen grund als eben diesen. und am allermeisten hat uns eigentlich an dem ganzen ding gerade gestört, dass es ein vertrag ist. rechtlich. und dann auch noch einer, der eigentlich quatsch ist, und privatrechtlich unbedingt erweitert werden muss, wenn man denn was hat, was vertraglich geregelt werden sollte (haus und hof, kinder, unfassbar viel geld).
    uns war wichtig, dass wir mit unseren freunden zusammen einmal irgendwo laut sagen, dass wir zusammen gehören. und das nach möglichkeit für immer. dass nicht nur wir das wissen, denn das wussten wir ja schon, sondern dass das alle wissen.
    und dann sollte genau das gefeiert werden. und zwar groß und heftig. mit schick anziehen, mit reden, mit spanferkel und alles. mit fotos und mit kuchen.

    das vertragliche, oder die rechte, die man bekommt, greifen jetzt gerade mal ein kleines bisschen, weil wir im letzten jahr einen deutlichen gehaltsunterschied hatten. das wird sich vermutlich aber im kommenden jahr wieder zurückschieben, weil sich immer mal wieder was ändert. finanziell fühlt es sich für mich als angsthase nun etwas besser an, weil ich halt nicht allein da stehe (haus und hof und so), sondern jemand neben mir steht, der immer mal wieder sagt: wir machen das zusammen, verstehste? aber ich bin mir sicher, dass ich das auch ohne hochzeit gehört hätte. von daher kann meinetwegen das vertragliche auch völlig wegfallen. mir geht es allein um das gefühl. es geht um die romantik. es geht um die liebe. und es ging echt auch stark um die party, die rauschend und fantastisch war.

    eine befreundete pastorin hat mal erzählt, dass sie sich weigert, väter ihre töchter übergeben zu lassen und dass sie auch nie sagt, dass der mann die braut nun küssen möge, sondern dass sie sich gefälligst immer gegenseitig küssen sollten. das sei ihr alles zu frauenunterdrückend und zu amerikanisch.

    beim genannten artikel gibt es darunter ja weitere einkaufsempfehlungen für weitere artikel, und einer drehte sich um jungesellenabschiede am anderen ende der welt. auch das beobachtet man ja immer mal wieder (in städten wie berlin, münchen etc sicherlich mehr als im nicht ganz so gut verdienenden umland). auch da hatten wir ja mit dem ausländischen teil der familie/freunde so unsere gedanken, und haben uns gegen mehrere tage feiern entschieden, damit eben alle nur einmal anreisen müssen. auch gegen einen exotischen ort für die hochzeit haben wir uns entschieden, denn auch hier waren ICE bahnhof und mehrere taxiunternehmen ausschlaggebender als die füße in weißem sand stecken zu haben.

  15. die.sandra meint:

    Also ich bin ja voll im hochzeitsthema und kann berichten. wir heiraten nur standesamtlich aber in einem besonderen Standesamt und daher liegt der Fokus auf dieser Art Eheschließung.deshalb trage ich auch dOrt weiß,denn ich bin ja die braut.wie die wenigsten die heutzutage heiraten bin ich trotzdem nicht mehr jungfräulich und dürfte doch genau genommen kein weiß tragen.aber es ist eben Tradition und ich will ja als braut eindeutig erkennbar sein.die frage mit dem übergeben der braut stellte ich mir auch.ist doch dämlich,ich wohne schon seit Jahren mit meinem verlobten und sehe mich längst alsd ü

  16. die.sandra meint:

    übergeben.Für mich wAr klar,dass ich mit meinem verlobten ins Standesamt laufe und fragte vorsichtshalber meinen Vater der nicht besonders emotional ist,ob das okay ist oder ob er mich unbedingt begleiten wolle.und er möchte das.dann machen wir das wohl.egal ob altmodisch oder nicht.als brautpaar suchen wir uns alles aus was wir selbst wollen und was allen eine schöne Feier beschErt.
    Eine Freundin hätte ich fast ausgeladen als sie mich.per whatsapp fragte in welcher Farbe ich heiraten würde und direkt nachschob,weiß sei ja so abgedroschen.nein,ist es nicht.ich sehe toll in den brautkleidern aus und es macht definitiv rinen anderen Eindruck als ein dunkelblaues cocktailkleid.dann.läuft msn nämlich Gefahr nicht die sms festlichsten gekleidete Person zu sein.
    sorry für das durcheinander…blödes Handy…h

    unbedingt begleiten wolle.und er will.das sei eben so.und dann.ist es doch auch okay

  17. die.sandra meint:

    Oh das lese ich gerade erst.und ich bin froh,hier sehr viel zu empfinden.schon die verlobung hat etwas mit uns gemacht.ich freue mich auf dieses Symbol der heirat und ich sehe hierin viel mehr als einen Vertrag

  18. stedtenhopp meint:

    Was adelhaid sagt.

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