Journal Montag, 23. Januar 2017 – spanischer Kaffee

Dienstag, 24. Januar 2017 um 6:05

Vor einer Woche hatte ich noch den Eindruck, ich könnte mich an das Winterding mit Schnee gewöhnen, gestern war mir dann aber wirklich zu kalt. Bei deutlich unter zehn Minusgraden musste ich auf dem Weg in die Arbeit ein sehr zackiges Tempo hinlegen, damit ich nicht fror. Haben die Winterfans jetzt bitte genug gehabt, und wir können ganz langsam wieder wärmer drehen?

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In Palma de Mallorca hatte ich mich auch nach spanischem Kaffee umgesehen. Vor zehn Jahren hatte ich ja endlich herausgefunden, warum er so besonders schmeckt: Traditionell wird er mit Zucker geröstet, „torrefacto“. In Palma hoffte ich auf eine lokale Rösterei, um ein Pfund davon heim zu nehmen – die Hipster-Kaffeewelle war doch sicher auch hier angekommen und hatte junge Kleinröstereien sprießen lassen.

Darin lag natürlich ein Denkfehler: Der aktuelle Kaffeekenner rümpft über das Rösten mit Zucker die Nase, weil es den angestrebten fruchtigen Geschmack verfremdet. Gefunden habe ich den café torrefacto zufällig im Vorbeigehen in einem alten und deutlich unhippen Laden der Cafès Llofriu.

Getrunken wird in Spanien am häufigsten eine Mischung von tueste torrefacto und tueste natural, halb/halb oder 30/70. Als ich gestern die Packung anbrach, wollte ich aber erst mal reinen torrefacto, mischen kann ich immer noch.

Ich war überrascht, wie hell das Pulver nach dem Mahlen war.

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Landeskunde über Kulinarik ist mir eh die liebste. Katrin Scheib gibt zum Beispiel
„Russische Landeskunde mit Schoko-Bonbons“.

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Es ist zwar schon eine Weile her, doch erst gestern stieß ich auf die Geschichte, wie Designer Matthew Hubble 2014 ungefragt ein Kleid für die Neurophysiologin May-Britt Moser entwarf – in dem sie ihren Nobelpreis entgegen nehmen sollte. Weil er die Leistung einer Wissenschaftlerin für mindestens so glamourös hielt wie die von Oscar-prämierten Schauspielerinnen.
„A Dress for the Queen of Neuroscience“.

May-Britt Moser war von dem Kleid mit naturnahen aufgestickten Neuronen begeistert und trug es tatsächlich bei der Feier.

die Kaltmamsell

11 Kommentare zu „Journal Montag, 23. Januar 2017 – spanischer Kaffee“

  1. Brigitte Novacek meint:

    ******************KOMMENTAROMAT**********************

    Gerne gelesen

    *******************************************************

  2. FrauZimt meint:

    Ich bin ganz entzückt, dass Sie offenbar die gleiche Kaffeemühle haben, die im Haushalt meiner Mama Jahrzehnte überdauert hat. Sogar im selben stylishen 70er-Jahre-Orange!

  3. die Kaltmamsell meint:

    Die haben mir meine Schwiegereltern überlassen, FrauZimt. Sie ist ein 70er-Original, und ich hoffe, dass sie noch viele weitere Jahrzehnte hält. (Unter anderem wegen der Farbe.)

  4. Nicole meint:

    Ich musste ein, zwei Tränchen verdrücken ob der wunderschönen Geschichte zum Nobelpreiskleid. Danke dafür, solche Meldungen erhellen diese ansonsten wetter- und weltgeschichtsmässig düstere Zeit.

  5. Lempel meint:

    Meine 70er-Jahre-Kaffeemühle ist grün, genau das Grün, was damals die Standardfarbe der Telefone war. Ich bin ganz sicher, dass diese Dinger die Jahrzehnte überdauern werden. Die bekommt man nicht kaputt.

  6. Wiesel meint:

    Ahh, der Torrefactokaffee…! Wir haben den vor etlichen Jahren auf den Kanarischen Inseln entdeckt, da gibt es auch 100 % torrefacto (aus brasilianischen Bohnen). Wirklich lecker, finde ich, und nötige mir bekannte Kanarienreisende immer, mir ein paar Pfund mitzubringen.

  7. Preißndirndl meint:

    Auf gewisse Weise möchte ich mich Nicole anschließen: Danke, dass Sie immer so interessante Geschichten (und das in großer Bandbreite) im Netz finden und verlinken – das Nobelpreiskleid und seine Geschichte gefallen mir sehr!

  8. obadoba meint:

    „Haben die Winterfans jetzt bitte genug gehabt, und wir können ganz langsam wieder wärmer drehen?“

    Ähem. Nein.
    Jahrelang gabs kein bisschen Winter, der den Namen auch nur ahlbwegs verdient hätte. Zwengs mir kann der deswegen schon noch eine Weile bleiben. Mit ordentlich Schnee-Nachschub und dann wieder Sonne satt, bitte.

  9. Sebastian Dickhaut meint:

    Diese Kaffeemühle ist auch hervorragend zum Gewürzemahlen, selbst Zimtstangen macht sie in Nullkommanix zu Pulver, das kräftig-scharf ist im Vergleich zum Vorgemahlenen. Und offenbar gibt es das Modell zumindest äußerlich unverändert (ok, nicht mehr in Farbe) noch zu kaufen – wenn man Krups f20342 googelt

  10. arboretum meint:

    Was für eine großartige Idee von Matthew Hubble und was für ein schönes Kleid!

    Danke, dass Sie diese Geschichte verlinkt haben, ich hatte das damals gar nicht mitbekommen. Wo waren da all die Modeblogger?

  11. SvenM. meint:

    Bei der Berliner Kafferösterei (berliner-kaffeeroesterei.de) gibt es »Spanischer Espresso Azucar«. Ist das evtl. so etwas wie torrefacto?


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