Archiv für Juli 2017

Twitterlieblinge Juli 2017

Montag, 31. Juli 2017

Nachtrag: Die wackere Anne Schüssler hat wieder Lieblingstweetlisten quer durch die Bloggeria zusammengetragen.

Journal Sonntag, 30. Juli 2017 – Lesen drinnen und draußen

Montag, 31. Juli 2017

Der Morgen war bedeckt und kühl. Eigentlich hatte ich eine Schwimmrunde geplant, doch ich war schon vor neun mit Kaffeetrinken und Bloggen fertig und wollte nicht bis zehn Uhr warten. Also radelte ich zum Friedensengel, um an der Isar entlang zu laufen.

Ich sah die Spuren des Hochwassers in der vergangenen Woche, jetzt führte die Isar zwar viel Wasser, aber schön innerhalb ihrer Ufer. Am Ende meiner Runde war die Sonne da, und schlagartig wurde es heiß.

Nach dem mittäglichen Frühstück hatte ich erfreulicherweise die Bettschwere für eine Siesta.
Anschließend Zeitunglesen auf dem Balkon, Buchlesen dann doch lieber im kühleren Drinnen (Paradise von A.L. Kennedy ist heftig. Die Geschichte einer Trinkerin aus ihrer Perspektive – in Kombination mit Kennedys erzählerischer Meisterschaft nicht gerade ein Stimmungsaufheller; die Kurzrezensionen auf dem Umschlag erwähnen fast durchgängig, das Buch sei lustig, doch ich konnte über Alkoholismus noch nie lachen).

Bügeln zu Musik (Songs for Drella – ein Interview mit John Cale hatte mich daran erinnert) aus echten Boxen, da Herr Kaltmamsell technische Dinge mit dem heimischen WLAN gemacht hat, die nun wahrscheinlich endlich unterbrechungsfreies Anhören der Musik von meinem Laptop ermöglichen.

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Eigentlich ist es ja im schwarzen Schlick nur derselbe Mechanismus wie beim Sporteln, wenn ich mich nicht ganz fit fühle, dieses Ausprobieren:
Geht das noch?
Schaffe ich dies noch?

So auch im schwarzen Schlick:
Funktioniere ich trotzdem in der Arbeit?
Schaffe ich die Verabredung?

Weil mir keine Alternative einfällt.

In den schlimmsten Momenten sehne ich mich danach, in das künstliche Koma versetzte zu werden, mit dem der Körper in physischen Ausnahmesituationen vor sich selbst geschützt wird: Könnte man das nicht auch bei Überforderung des Gemüts einsetzen?

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„People have had enough of experts“ 1:
„Ein Schweizer Dorf stimmte zweimal gegen Hochwasserschutz und wurde jetzt überschwemmt“.

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„People have had enough of experts“ 2:
„As a British EU negotiator, I can tell you that Brexit is going to be far worse than anyone could have guessed“.

The Government keeps saying it ‘didn’t realise’ the problems, but they had the experts at Whitehall – they just refused to listen to them. Now we’re facing a breakdown in airline safety, medicine, animal welfare, security, international aid and so much more

(Das ist halt der riesige Unterschied zu: „Im Nachhinein gibt es immer Leute, die es vorher kommen gesehen haben.“)

Journal Samstag, 29. Juli 2017 – Elterntag

Sonntag, 30. Juli 2017

Herr Kaltmamsell sehnte sich nach seinen Eltern und hatte uns zum Mittagessen bei ihnen eingeladen. Meine wundervollen Schwiegers hatten meine Eltern gleich dazu geladen, es gab Köstlichkeiten in Form von Tomatensüppchen (70er-Geschirr!), verwandtschaftlich geschossenem Wildschwein und dem Dessert (süße Kondensmilch und Schlagsahne unten, Maracuja oben), das Herr Schwieger seit dem Kennenlernen auf Madeira regelmäßig nachbaut.

Es stellte sich heraus, dass meine Eltern leider nicht mit nach Madrid kommen werden, sie machen da lieber Wanderurlaub in Südtirol. Es ist sehr wahrscheinlich, dass damit die letzte Gelegenheit verstreicht, mit meinem Vater Zeit in seiner Geburtsstadt zu verbringen. Ach, egal. (Ich komme schon noch so weit, dass es mir das ist. Geben Sie mir ein paar Jahre. Ich weiß ja auch nicht, was ich mir davon erhofft hatte. Ich hatte es mir halt lediglich sehr gewünscht.)

Zurück in München sah ich abends ganz, ganz viele Mauersegler weit oben am Himmel, dicht wie ein Fliegenschwarm. Später dann wieder Fledermäuse.

Journal Donnerstag/Freitag, 27./28. Juli 2017 – Schwarze Überschwemmung

Samstag, 29. Juli 2017

Es wird wieder wärmer und trocken, doch die Isar hatte Donnerstag Hochwasser. Ich kam drauf durch einen Warn-Tweet der Münchner Polizei, der auf die Wasserwacht verwies: Warnung vor Schlauchbootfahrten, die bei Hochwasser extrem gefährlich sind.
Mittlerweile hat sich die Lage wohl beruhigt.

Mich überschwemmten ab Donnerstagabend eine so große Schwärze und Angst, dass sie sich wie ein Infekt anfühlte. In der Arbeit funktionierte ich weiter, jedoch mit innerem Wetter, als stünde mir ein qualvoller Foltertod bevor.

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Er war Redakteur in einer sehr großen Illustrierten gewesen, bevor er im Bayernressort der Regionalzeitung angestellt wurde, in der ich mal wieder während der Semesterfreien Urlaubsvertretung machte. Ein leiser Mann mit verhaltenen Bewegungen und eingezogenem Kopf, die wenigen hellen Haare standen in fedrigen Büscheln ab. Ich sah ihn nie außerhalb seines Büro-Ecks, in dem er über seinem Schreitisch kauerte wie ein verletztes Tier, der Blick über den Rand seiner Brille hatte etwas zutiefst Erschrecktes.

Als Springerin unterstützte ich ihn bei einem Sonntagsdienst. Am späten Nachmittag waren die Seiten eigentlich schon fertig, der Vorschau-Ausdruck lag auf dem gemeinsam genutzten Tisch des Ressorts. Da kam über dpa eine wichtige Meldung herein, die noch mitgenommen werden musste. Minutenlang stand er regungslos über die Ausdrucke gebeugt, flach atmend. Seine Schultern schoben sich langsam höher.

Ich stellte mich neben ihn und schlug vor: „Das Bild könnten wir auf zweispaltig verkleinern, die Passau-Geschichte hierhin schieben, dann hätten wir oben Platz. Oder wir kürzen die Überschwemmung auf 90 Zeilen und fassen die beiden Ankündigungen in einer Meldung zusammen.“

Sein gebeugter Blick ging hoch zu mir. Mit großen, müden Augen sagte er: „Wie Sie das… Einfach so… Ganz unbefangen und beherzt… Das ist so toll…“ Er barmte mich, seine Verletztheit und Geschlagenheit schmerzten mich körperlich.

In letzter Zeit, 25 Jahre später, denke ich oft an ihn. Jetzt bin ich dieses gelähmte Wesen, das auf beherzten und unbefangenen Nachwuchs trifft und sich erinnert, dass sie auch mal so war.

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Freitagabend erholte ich mich ein wenig, zumindest die Unerträglichkeit verflog. Ich war mit Herrn Kaltmamsell zum Feiern seiner Ferien verabredet, wir spazierten an die Hackerbrücke ins Il Castagno. Mir wars für einen Tisch im Freien eigentlich zu frisch, doch der Kellner versicherte, der Platz sei geschützt. Es ließ sich dann tatsächlich mit Jacke gut aushalten.

Schöner nächtlicher Spaziergang nach Hause.

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Am Mittwochnachmittag hatte ich im Regen noch zwei Mauersegler vorm Bürofenster flitzen sehen. Doch Donnerstag und Freitag waren auf allen meinen Wegen in Innenstadt und Westend die Himmel zwischen den Häusern leer und still. Dann waren sie wohl zurück in den Süden geflogen, die Saison war vorbei.

Umso mehr erstaunten mich gestern Abend die unverkennbaren Pfiffe, die ich über unserer Vorspeise im Kastaniengarten hörte. Wir suchten den Himmel über den Bahngleisen ab: Tatsächlich, da war ein kleines Geschwader (Fachausdruck) Mauersegler.

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In den vergangenen Wochen hatte ich den Eindruck, dass meine Bauchmuskeln beim Krafttraining zu kurz kommen. Da mich die Angst am Freitagmorgen ohnehin um fünf aus dem Bett gescheucht hatte, legte ich mich nach Langem mal wieder zu einem Fitnessblender-Video vor den Fernseher im Wohnzimmer. Und tatsächlich: Die Übungsfolge, die ich sonst immer mühelos absolviert hatte, kostete mich diesmal große Anstrengung. Ich werde mal besser eine wöchentliche Extrarunde Bauch einplanen.

Journal Mittwoch, 26. Juli 2017 – Aerobic-Nostalgie

Donnerstag, 27. Juli 2017

Durchgehend strömender Regen und so niedrige Temperaturen, dass ich im Büro Strickjacke trug.

Ich wachte trotz später Vornacht schon um fünf auf, Angstkarussell ließ mich nicht wieder einschlafen, also stand ich sehr früh auf. Und wenn ich schon mal auf war, konnte ich ja auch früh in die Arbeit gehen, unterm Schirm. Die Heftigkeit des Regens sorgte dafür, dass ich dennoch reichlich nass ankam.

Der Schlafmangel benebelte mich den ganzen Vormittag (zumindest erledigte sich die eine oder andere Sorge), erst am Nachmittag fühlte ich mich richtig wach. Also sprach nichts dagegen, das mitgebrachte Sportzeug wie geplant zu nutzen: Ich nahm eine S-Bahn in mein Sportstudio am Hauptbahnhof (U-Bahn fiel wegen Personen im Gleis aus), strampelte dort auf dem Crosstrainer und probierte eine Stunde „Latin Dance“ aus: Es werden Latinostücke gespielt (sehr, sehr laut, ich stopfte mir schnell Taschentuchfetzen in die Ohren), dazwischen vergeht Zeit, bis sich für das nächste Stück entschieden wurde, dazu tanzt die Vorturnerin einfache Latino-Tanzschritte, die Turngruppe macht nach, was sie vormacht. Erinnerte mich an meine wenigen Zumba-Erlebnisse, fühlte sich nicht so recht wie Training an. Die derzeitige Sportstudiomode hat Cardiostunden fast abgeschafft, hier sind es unter 45 Stunden in der Woche nur noch vier. Ich sehne mich sehr nach Aerobic und Step-Aerobic zurück.
(Außerdem kam die Vorturnerin zehn Minuten zu spät, damit kann ich sehr schwer umgehen.)

Daheim wartete Herr Kaltmamsell mit einer großen Portion bestellter Sushi.

Journal Montag/Dienstag, 24./25. Juli 2017 – Regentage

Mittwoch, 26. Juli 2017

Regentage, am Montag noch mit langen trockenen Abschnitten, ab Dienstagvormittag regnete es praktisch durch – unangenehmerweise mit Wind, was den Einsatz von Regenschirmen erschwerte.

Montag nach Feierabend auf dem Heimweg Teevorräte nachgefüllt: In letzter Zeit mag ich entweder eine Tasse English Classic vom Bremer Teekontor (mit viel Milch und Zucker), oder den Darjeeling Blatt von Lebensbaum (nur gesüßt).

Dienstagmorgen Langhanteltraining, Dienstagabend Verabredung in Neuhausen – fürs Radeln regnete es mir zu stark.

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Ui! Frau Marmitelover war in Swansea. Dort habe ich ja mein Auslandsjahr verbracht, und wenn ich mir Kerstins Erzählung so anschaue, hat sich in den vergangenen 25 Jahren nicht allzu viel geändert – weder kulinarisch noch die Make-up-Präferenzen der Einheimischen.
„A few days in Swansea: Welsh cakes, Joe’s icecream, laver bread and cockles“.

Mein Rezept für Welsh Cakes finden Sie übrigens hier.

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Derzeit kommen immer mehr unsaubere Praktiken der deutschen Automobilindustrie an die Öffentlichkeit. Mich überrascht nichts davon. Erstaunlich finde ich lediglich wieder so manche Reaktion in seriösen Medien, zum Beispiel die von Thomas Fromm in der Süddeutschen Zeitung:
„Den deutschen Autokonzernen droht der Identitätsverlust“.

Ingolstadt, München, Stuttgart, Wolfsburg – in kaum einem anderen Land sind sich so viele grosse und erfolgreiche Autokonzerne so nah wie in Deutschland. Deshalb legte man, zumindest nach aussen, immer grossen Wert auf größtmögliche Differenzierung. Marken-Claims wie «Freude am Fahren» sollen den Kunden sagen: Wir sind ganz anders als die anderen. Deshalb musst du ein Auto von uns kaufen.

Man muss diese Strategie der Abgrenzung vor Augen haben, um zu verstehen, warum die jüngsten Kartellvorwürfe die Branche ins Mark treffen. Denn wenn der Verdacht zutrifft – Deutschlands Autokonzerne sollen sich seit den 90er-Jahren in geheimen Arbeitskreisen über ihre Technologien abgesprochen haben –, dann hätten die Hersteller nicht nur ihre Kunden geblendet. Sie hätten auch ihre Marken-Claims und ihre Konzernidentität ins Absurde geführt.

(Hervorhebung von mir.) SONST NICHT?! Die Marken-Claims und Verkaufsargumente der Automobilindustrie wären sonst keine kompletten Kunstgebilde? Aber selbstverständlich sind die austauschbar, schon seit Jahrzehnten. Weswegen ich mich ja auch amüsiere, wenn ein Modell mit „passt in keine Schublade“ beworben wird. (Ich bin die, die dann den Fernseher anblafft: „SCHUBLADE ‚AUTO‘!“) Die Unterschiede innerhalb der Fahrzeugklassen bestehen rein im Image, über das verkauft wird. Was gerade im VW-Konzern auch niemand bestreiten würde: Piëchs Baukasten-Strategie zielte ja explizit darauf ab, in der Entwicklung und der Herstellung Geld zu sparen, indem VW-, Audi- und Porsche-Autos möglichst viele gleiche Bauteile haben. Dann jeweils ein anderes Logo draufpappen, Millionen in Marketing investieren – und schon fühlt sich die Porschekäuferin als sportlich-kapriziöse Leistungsträgerin und der VW-Käufer als vernünftiger Entscheider, der für seine Familie sorgt.

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Im Gegensatz dazu gibt es Firmen, die aus etwas völlig Erwartbarem etwas Unerwartetes und Charmantes machen:

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https://youtu.be/YCoQwZ9BQ9Q

Journal Sonntag, 23. Juli 2017 – Persönlichlichkeitsveränderung durch Digitalisierung

Montag, 24. Juli 2017

Morgens/vormittags Brot (Häusemer Bauerekrume) gebacken, das ganz ausgezeichnet gelang.

Wenn man bedenkt, dass das Backtriebmittel dieses Riesenlaibs nur aus 30 Gramm Anstellgut (also Sauerteig) und 2 Gramm Hefe besteht!

Der gewaltige Trieb zeigte sich auch in der Krume, die größere Poren aufwies als die letzten Male.
Aus dem Ofen holen ließ ich das Brot Herrn Kaltmamsell, selbst ging ich vor Ende der Backzeit an die Isar zum Laufen.

Es war bewölkt und angenehm temperiert, ich fühlte mich an Sommer in Brighton erinnert. (Ich vermisse Brighton.)

Wegen einer aktuellen PokémonGo-Aktion drehte ich nach dem späten Frühstück mit Herrn Kaltmamsell noch eine Runde um den Block. Wir schlossen uns sogar einem Raid am Sendlinger Tor an – inklusive Interaktion mit fremden Menschen. Diese Persönlichkeitsveränderungen durch Digitalisierung: Es ist alles wahr.

Nachmittags ließ Herr Kaltmamsell am Balkon einen neuen Meisenknödel springen. Er war noch nicht wieder im Wohnzimmer, als schon ein Kleiber dran hing und zwei Meisen anflogen.

Nachtmahl war Salade niçoise mit Ernteanteilanteil, während draußen das regnerische Wetter einsetzte, das die Wettervorhersage für die nächsten Tage angekündigt hatte. Als Gärtnereimitbesitzerin kann ich ja jetzt sagen: Wir Bauern brauchen den Regen.

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Es ist schon ein bisschen her, dass in meinem Internet ein indischer Ariel-Werbungespot diskutiert wurde, in dem es vordergründig um die Beteiligung von Männern im Haushalt geht. Wie fundamental die gezeigten Bilder von der indischen Realität abweichen, setzt Mademoiselle ReadOn auseinander, die in Indien gelebt hat:
„’A maid’s load oder Haushaltsschatten.’“

was in diesem Video völlig fehlt ist das Rückgrat jeder indischen Familie, die zur unteren, mittleren oder oberen Mittelschicht gehört. Jede indische Familie der Mittel- oder Oberschicht hat „Help.“ In jeder dieser indischen Familien sind mindestens drei Personen beschäftigt. Oft aber noch viel mehr.

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Extreme Ernährungsideologien nenne ich schon lange halb scherzhaft „Essstörungen“. Beispiel für: Moanst du sogst wos Bleeds – triffst‘!
„‚Clean eating is ugly, malevolent, and damaging!, says eating disorder specialist“.

“At best, clean eating is nonsense dressed up as health advice. At worst, it is embraced by those with underlying psychological difficulties and used to justify an increasingly restrictive diet — with potentially life-threatening results,” he writes.

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Florian Zinnecker hält sich für verschroben, weil er gerne in die Oper geht, vor allem in Festspiele:
„Persönliche Noten“.

Es ging damit los, dass ich als Kind in den Kessel mit dem Zaubertrank gefallen bin: »Tannhäuser«, Bayreuther Festspiele, ein Tag im August, ich war acht Jahre alt, Sommerferien. Ich war nie ein großer Freibadgänger. Und die Festspiele waren einfach da: Ich bin in Bayreuth aufgewachsen, aus meiner Achtjährigensicht gehörte es selbstverständlich zum Erwachsensein dazu, sich bei den Festspielen regelmäßig einer dieser Fünf-Stunden-Opern auszusetzen. Also saß ich da, ein Achtjähriger in einem kleinen Anzug, die Musik kam von allen Seiten und hörte einfach nie auf, mein Vater, der neben mir saß, schaute gelegentlich, ob ich schon schliefe, aber wer schläft denn in der Achterbahn?

Quirkiness ist doch super! Andere interessieren sich für Autos!
Ich freue mich ganz besonders, dass Tannhäuser der Auslöser von Zinneckers lebenslange Begeisterung war. Weil ich’s genau andersrum erlebt habe: Mit zwölf nahmen mich die Opern-begeisterten Eltern einer Mitschülerin mit in die Münchner Staatsoper. Da hatte ich erst kürzlich durch die Schule klassische Musik für mich entdeckt und war schwindlig vor Vorfreue. Ich war sicher, dass mir ein erhebendes Musikerlebnis bevorstand: ECHTE! OPER! Und dann fand ich’s ganz schrecklich. Konnte nichts damit anfangen. War befremdet. Fand die Musik doof, das Stehen unbequem. Und das, obwohl ich von meinem Platz aus links ganz oben sogar in den Orchestergraben sehen konnte.

Ich war am Boden zerstört und nahm zum ersten Mal eine schmerzhafte Konstante in meinem Leben wahr: Dass ich nicht so war, wie ich gerne gewesen wäre, dass mein ideales Selbstbild sehr weit entfernt von der Wirklichkeit war. Während meiner Gymnasialzeit beteiligte ich mich noch öfter an den Opernfahrten, die unser Musiklehrer organisierte, und lernte dabei einiges. Doch die erhoffte sublime Erfahrung blieb mir verwehrt.

Selbst verbrachte ich als Studentin heiße Sommertage nie im Freibad, sondern besonders gern in klimatisierten Kinos: Back to the Future 1-3, Highlander 1-3, alle bis dahin erschienenen Star Trek-Kinofilme liefen bevorzugt in der cineastischen Saure-Gurken-Zeit des Hochsommers.


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