Journal Mittwoch, 24. Januar 2018 – Erster Trainingsversuch

Donnerstag, 25. Januar 2018 um 6:54

Ein Mittwoch, an dem mir mehrfach mit Erschrecken klar wurde, dass erst! Mittwoch! ist!

Bevor ich es von Twitter erfahren musste, nahm mich Herr Kaltmamsell beim morgendlichen Kaffekochen in die Arme: „Ursula Le Guin ist gestorben.“ Nun hatte ich sie ja praktisch eben erst entdeckt und noch nicht viel gemeinsame Geschichte, doch ich fand es schon traurig, dass ich nun nur rückwirkend ihr Wirken würde erleben dürfen. Die New York Times zeigt genau die Ausgabe Left Hand of Darkness, die auch im Regal des Hauses Kaltmamsell steht! (Nebensache: Le Guin war einer der Menschen, die im Alter immer besser aussahen. Eine wunderschöne alte Frau – im Gegensatz zu Frauen, die sich die beleidigende Beobachtung gefallen lassen müssen, sie seien sichtlich einmal schön gewesen.)

Anlässlich ihres Todes wurde ich auf einen wundervollen Artikel von Margaret Atwood (die ja auch Literaturwissenschaftlerin ist) über Ursula K. Le Guin 2002 im New Yorker hingewiesen:
„The Queen of Quinkdom“.

Abends ging ich in föhnigstem Abendrot zum Gerätetraining im MTV und holte mir mein nun fertiggestelltes Programm ab – heilige Scheiße, da hat der junge Mann mir ja was aufgehalst. Wir hatten eigentlich vereinbart, dass ich ein 90-Minuten-Training möchte, doch zwei von drei Seiten ausgedrucktem Programm (die ich ohnehin abgekürzt hatte, weil Geräte belegt waren – oder weil ich Blackroll-Geschichten wegen Schmerzen nicht durchgehalten hatte) dauerten bereits 100 Minuten. Ich war verabredet und brach ab.

Auf meine Kosten kam ich trotzdem: Ein Aufsichtstrainer (der mich immer wieder sehr nützlich und nachvollziehbar korrigierte) meinte am Seilzug (Zug stehend beidhändig von ganz oben seitlich am Körpervorbei bis unten – die Kraul-Schwimmbewegung halt), uh ah, das sei aber zu viel Gewicht – na ja, ich könne ja mal gucken, wie viele Wiederholungen ich damit schaffe und dann reduzieren. Mit dem Lächeln des Kouros blickte ich ihm in die Augen, bis ich alle Wiederholungen absolviert hatte. Und wies nicht mal darauf hin, dass das bereits mein dritter Satz war. (Hatte der mich gerade schwach genannt?)

§

Der Deutschlandfunk über die steigende Obdachlosigkeit in Berlin und dem Rest Deutschlands:
„Leben am unteren Rand“.

In der Tat geht es vielen obdachlosen Osteuropäern im deutschen Hilfesystem mit Suppenküchen, Wärmestuben und Notübernachtungen immer noch besser als zu Hause.

Diese bittere Erkenntnis geht mir jeden Tag durch den Kopf, wenn ich an den Übernachtern und Übernachterinnen in der Theresienwiesenunterführung vorbei komme: Wie schlimm haben diese Menschen es wohl erst daheim.

§

Es muss sich nicht jeder und jede Nicht-Betroffene mit Intersexualität auseinandersetzen, aber alle sollten genug darüber wissen, dass sie blöde Bemerkungen meiden. Dabei hilft vielleicht diese Geschichte im Zeit Magazin:
„Hallo, ich bin die dritte Option“.

Maxi Bauermeister ist keine Person, die in den Vordergrund drängt. Im Gegenteil. Es war kompliziert, Bauermeister überhaupt zu finden, denn kaum eine intersexuelle Person in Deutschland möchte über sich sprechen, schon gar nicht unter richtigem Namen und mit einem Foto. Interessensverbände wie der Verein für Intersexuelle Menschen halten für Journalisten einen umfangreichen Katalog an Fragen und Auflagen bereit, bevor sie gewillt sind, sich ihre Anfragen anzuschauen. Dies sagt viel über den Grad an Ächtung, Hohn, Ablehnung und Unverständnis aus, dem Intersexuelle begegnen.

(…)

… abgenommen hat die Häufigkeit genitalplastischer Eingriffe an Kindern unter zehn Jahren nicht. Zwischen 2005 und 2014 fanden durchschnittlich 1.729 davon pro Jahr statt.

die Kaltmamsell

6 Kommentare zu „Journal Mittwoch, 24. Januar 2018 – Erster Trainingsversuch“

  1. Annette meint:

    Das Lächeln des Kouros ist ein schönes Bild am Morgen. Mal sehen, ob ich es heute auch nutzen kann. Vielen Dank dafür!

  2. streckenweise meint:

    grandioses Foto
    Und danke für den letzten Link.

  3. lihabiboun meint:

    Was für eine berührende Geschichte. Danke für den link!

  4. Brigitte Novacek meint:

    ******************KOMMENTAROMAT**********************

    Gerne gelesen

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  5. Sigourney meint:

    ******************KOMMENTAROMAT**********************

    Gerne gelesen

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  6. Micha meint:

    Die eine Gruppe wird geschmäht mit Beobachtungen wie *sie seien früher bestimmt einmal schön gewesen* furchtbarer noch finde ich die Bezeichnung *Wirtschaftsflüchtling* (um zwei ihrer Abschnitte gegeneinander zustellen)

    *gerne gelesen*

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