Journal Donnerstag/Freitag, 15./16. Februar 2018 – Ein Abend im Broeding

Samstag, 17. Februar 2018 um 9:09

Am Donnerstag schneite es den Nachmittag über, dann regnete es: Der Heimweg auf tauendem, vorher fest getretenem Schnee war unterm Regenschirm eine sehr rutschige und anstrengende Angelegenheit.

Zum einzelnen Nachtmahl (Herr Kaltmamsell war aushäusig) machte ich mir Feldsalat aus Ernteanteil und einen Teller Griesbrei.

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Kräftiger Regen auch Freitagmorgen.

Abends war ich mit Herrn Kaltmamsell im Lieblingsrestaurant Broeding verabredet, diesmal schmeckte es ganz besonders gut, und die Ausführungen von Sommelière Anna Flohr, zum Beispiel zur sich langsam etablierenden Terminologie bei orange wines in Österreich, waren ganz besonders interessant.

Der Gruß aus der Küche vorneweg war ein Lauchgemüse mit getrockneten Tomaten, Balsamico und Mozarella, das wunderbar nach einer wintrigen Caponata schmeckte. Als Aperitiv hatte ich mir ein Glas vom Belsazar Vermouth erbeten, den ich hinter der Theke im Regal erspät hatte: Den Rosé hatte ich noch nirgends in München gefunden. Schmeckte ausgesprochen gut.

Gegrillter Thunfisch und mariniertes Kalb mit besonders interessantem Szechuan-Krautsalat und frittierten Bananenblüten. Dazu im Glas: Ein Heinrich Welschriesling Freyheit, der mir allein etwas zu mostig war, mit dem Thunfisch und dem Kalb aber säure-fruchtig und voll wurde.

Pastinakensuppe mit schwarzen Walnüssen, das Grüne war ein Pistou aus Mairübchengrün. Sehr fein – wir machen ja auch seit Jahren Pastinakensuppe, doch die schmeckt dann immer sehr brachial nach der Wurzel und nie so schön mild. Der Wein dazu: Von Hirsch aus dem Kamptal ein Grüner Veltliner Lamm 2011, der im Holz gereift war – der interessanteste und intensivste Grüne Veltliner, an den ich mich erinnere. (Wenn ich daran denke, dass Grüner Veltliner für mich bis vor 15 Jahren dieser österreichische günstige Sommerwein vom Norma war…)

Fischgang: Loup de mer mit Fenchel und Brokkoligrün, der konventionellste Teller, aber sehr gut. Zum Wein erfuhr ich, dass der Steiermärker Tement seinen Sauvignon Blanc jetzt auch jenseits der Grenze anbaut, als Ciringa. Wir bekamen den Reserve, der überraschenderweise eine Säure-Bombe war, wie ich es von Sauvignon Blancs gar nicht gewohnt bin.

Die schöne Maishendlbrust mit gefüllter Zucchiniblüte und Blumenkohl-Couscous wurde begleitet von einem Wenzel Pinot Noir Kleiner Wald.

Als Käsegang ein Morlacco di Grappa mit Rosmaringelée und Walnussbrot, der die Textur eines Taleggio hatte, im Gegensatz zu diesem aber sehr aromatisch war. Der begleitende Wein war ein rasser Kikelet Tokaji Formint, den ich von einem früheren Besuch kannte und mochte.

Pre-Dessert (sowas gab’s ja früher nicht – vielleicht wird doch alles immer besser?): Mandarinengranité mit Praline.

Pralinenparfait-Bisquit-Törtchen mit Ananas. Fein fand ich vor allem Ananas und Äpfel (hinterm Törtchen) – ich bin weiterhin kein Fan solcher elaborierter Dessert-Teller und habe den Verdacht, dass es nichts gibt, was durch Bisquit besser wird. Weinbegleitung war eine Kracher Scheurebe Trockenbeerenauslese, die ich sehr mochte.

Ein abschließender Espresso, dann brachten wir einander heim. Ich freute mich besonders, dass Herr Kaltmamsell bis zuletzt wach und munter war: Er wird bei solchen ausgedehnten Mahlen oft von Wein und später Stunde schrecklich müde und barmt mich dann sehr in seinem Kampf dagegen.

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Einmal im Jahr wird die Bloggeruhr ein paar Jahre zurückgedreht, und Frau Julie bloggt wie vor zehn Jahren – wenn auch für die LVZ. Dann ist nämlich Berlinale, und Julie blogt darüber aus ihrem Hinterstübchen. Auch dieses Jahr geht es mit dem Eröffnungsfilm los:
„Berlinale 2018 – Hunde, wollt ihr ewig leben?“.

(Ob sie vielleicht für uns Krückstock-schwingende Pleistozän-Blogleserinnen mal ein Update zu Töchtern, Mann, größeren Absurditäten schreibt?)

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Leider immer noch und immer mehr Realität in Deutschland: Antisemitische Angriffe auf Juden. Ein paar der betroffenen Mitbürgerinnen und Mitbürger erzählen von ihrem Alltag.
„Verletzt in Berlin“.

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Als Start ins Wochenende noch was fürs Auge: Supergeschmückte Lkw in Japan und ihre Geschichte.
„The Blinged-Out Work Trucks of Japan Photographed by Todd Antony“.

via @dtfdpr

die Kaltmamsell

2 Kommentare zu “Journal Donnerstag/Freitag, 15./16. Februar 2018 – Ein Abend im Broeding”

  1. Ulla meint:

    Puh, das haben sie alles gegessen! Nach dem zweiten Gang wäre ich satt gewesen evtl. noch ein Dessert. Wir waren gestern Mittag in Geisels Vinothek (unser Lieblingsrestaurant) da schaffe ich gerade 3 Gänge. Abends ins Restaurant ist leider aus den genanntem Grund nicht mehr möglich.

  2. kubelick meint:

    ich fand die heiteren, höchst unterhalsamen ausführungen des sommelières eine perfekt dosierte showeinlage/werbepause (infomercial). wunderbar.

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