Journal Mittwoch/Donnerstag, 7./8. März 2018 – Sportverschiebung

Freitag, 9. März 2018 um 6:52

Am Mittwoch trug ich meinen Sportrucksack spazieren: Kurz vor dem Aufbruch zum Langhanteltraining hatte ich ganz stark keine Lust darauf und ließ es bleiben. Mir macht Sport halt morgens so viel mehr Spaß. Statt dessen kaufte ich auf dem Heimweg im Süpermarket ein – und ergriff die Chance, jemandem einen Gefallen zu tun. Das war sehr schön.

Als Ersatzsport stand ich am gestrigen Donnerstag früher auf und machte eine halbe Stunde Fitnessblender-Hanteltraining, das mir gut tat.

Sonnenbeschienener Arbeitsweg. Auf dem Heimweg brauchte ich nicht mal mehr Handschuhe und genoss in tiefen Atemzügen die Luft.

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Der gestrige 8. März ist Welfrauentag. Hier sprechen Max-Planck-Wissenschaftlerinnen über ihre historischen Vorbilder: Frauen, die Außergewöhnliches für ihre Disziplin geleistet haben, allen Widerständen zum Trotz.
„Frauen in der Forschung“.

Die Interviews sind unter anderem deshalb interessant, weil die Forscherinnen Klartext über die heutigen Bedingungen für ihre Arbeit sprechen.

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In der NZZ ein Kommentar zu:
„Deutsche Abneigung gegen die Bundeswehr“.

In Deutschland ist die Abneigung gegen die Bundeswehr längst identitätsstiftend geworden und wird dementsprechend wenig hinterfragt. Es gibt kaum eine prominente Stimme, die für die Armee Partei ergreift. Wer trotzdem eine Verbindung zwischen militärischer Stärke, wirtschaftlicher Stabilität und globaler Sicherheit herstellt, macht sich verdächtig.

Ich hatte diesen Habitus auch mal, sehe ihn inzwischen aber als kindisch an: Die Bundesrepublik Deutschland hat sich 1950 demokratisch für bewaffnete Streitkräfte entschieden – dann müssen wir uns auch darum kümmern. Gerade und besonders im Bewusstsein des Unheils, das deutsche Soldaten in der Geschichte angerichtet haben. Zudem haben die vergangenen Jahrzehnte meiner Ansicht nach gezeigt (u.a. jugoslawischer Bürgerkrieg, Ruanda, Syrien), dass es Situationen gibt, in denen konsequente Gewaltlosigkeit den Bösen einen verheerenden Vorteil verschafft.

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Jasmin befasst sich viel mit dem Sterben und fotografiert Sternenkinder. Diesmal hat sie sich aber nicht mit besonders jungen, sondern mit einem besonders alten Menschen unterhalten:
„Gerda stirbt.“
via @akkordeonistin

Ich fange an zu begreifen, dass Sterben so verschieden ist wie die Menschen. Dieses zum Beispiel enthielt viele lustige Komponenten.

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„Ross never loved Rachel: rewatching Friends“.
*clutching my pearls* (Aber sie hat natürlich recht.)

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Wie ich hungere nach DDR-Alltagsgeschichten, nach diesen vielen Kleinigkeiten, die ich beim Verständnis für Menschen brauche, die nicht wie ich im Westen groß geworden sind:
„Champions, gefallene
Wie wir untergingen, weil wir keine Helden ertrugen.“

via @hotelmama

die Kaltmamsell

8 Kommentare zu “Journal Mittwoch/Donnerstag, 7./8. März 2018 – Sportverschiebung”

  1. Joe meint:

    „Immer wenn Michael in der Schule Mist gebaut hatte, durfte er sich die Litanei über den hohen Stellenwert der Verantwortung des Einzelnen in der sozialistischen Gesellschaft! anhören“ Das war nicht lustig und konnte die weitere Ausbildung des Kindes beeinflussen. Studium oder nicht? Oder am Ende nur eine Ausbildung im VEB Braunkohlenwerk?

    Um das abzuwenden durfte man seine sozialistische Einstellung dann mit einem freiwilligen Dienst bei den Grenztruppen beweisen, dann klappte es auch mit dem Studium.

  2. Madame Graphisme meint:

    In meiner Familie gibt es viele Bundeswehrangehörige. Auch immer dabei, wenn es ins Ausland geht. Zwar alle in technischen- oder Offizierspositionen, aber die Geschichten vom Raketenangriff, während mit dem Hubschrauber in Afghanistan herumgeflogen wurde, sind ja karriereunabhängig.
    Im Ausland wird die Bundeswehr anscheinend deutlich positiver wahrgenommen als zu Hause – als Helfer, als Polizeiersatz und als Schutz.
    Und hier in Deutschland … sitzt die Restfamilie und hat jeden Tag ein mulmiges Gefühl, bis die Transportmaschine wieder gelandet ist. Man bekommt, wenn man mit Bekannten ohne Soldatenverwandtschaft über dieses Gefühl spricht, zwar immer ein mitfühlendes Kopfnicken – aber immer auch eine gewisse Reserviertheit. Das „haben sie sich doch selbst ausgesucht“ schwingt unausgesprochen mit.
    Die bedingungslose Liebe, die in den USA auf jeden Soldaten und Angehörigen ausgegossen wird, wäre in Deutschland schon allein vergangenheitsmäßig fehl am Platz. Aber eine Differenzierung „Bundeswehr“ von „Wehrmacht“ hat irgendwie auch noch nicht so wirklich überall stattgefunden.

  3. Frau-Irgendwas-ist-immer meint:

    @Madame Graphisme
    Zitat Anfang:
    Aber eine Differenzierung „Bundeswehr“ von „Wehrmacht“ hat irgendwie auch noch nicht so wirklich überall stattgefunden.
    Zitat Ende
    Wie auch? Kasernen heißen noch heute nach `alten Kameraden`und ähnlich abstruse Dinge. Es gibt im öffentlichen Raum diese Differenzierung nicht, weil diese in der Truppe und der Öffentlichkeit nicht stattgefunden hat. Eine Schande und nicht gut für die Truppe und die Öffentlichkeit!

  4. die Kaltmamsell meint:

    Ich fürchte eher sogar einen Rückschritt, Frau-Irgendwas-ist-immer: Die frühere Bundeswehr mit Wehrpflicht schien mir deutlich präsenter in der Bevölkerung und zugleich deutlich entfernter von ihrer Wehrmacht-Vergangenheit.

  5. Norman meint:

    Die frühere Bundeswehr mit Wehrpflicht schien mir deutlich präsenter…

    Das lag wohl eher an der damaligen Personalstärke, bis in den 90ern viele Kasernen auch in den Städten geschlossen wurden.

  6. Herr Kaltmamsell meint:

    Dass die Bundeswehr mit Wehrpflicht präsenter war, lag sicher nicht nur an der Personalstärke – sondern an den vielen Wochenendheimfahrern in der Bahn, an den feierlichen Gelöbnissen, zu denen die ganze Familie anreiste.

    >Aber eine Differenzierung „Bundeswehr“ von „Wehrmacht“ hat irgendwie auch noch nicht so wirklich überall stattgefunden.

    Das „noch nicht so wirklich überall“ wird leider stimmen. Aber in großen Ausmaß eben schon. Ich war Wehrpflichtiger in den späten 1980ern und fand nichts Wehrmachtartiges an der Bundeswehr (bis auf, in der Tat, die Namen). Aber ich war ja nur Mannschaftsdienstgrad/Wehrpflichtiger, wie das bei den Zeit- und Berufssoldaten war, weiß ich nicht, und nur die gibt es heute ja noch. Mit das erste, was sie uns beibrachten, und was entweder stets betont wurde oder ich mir einfach nur besonders eingeprägt habe, war, dass man illegale, also etwa Befehle nicht befolgen muss oder darf; und das empfand ich als Verpflichtung, Befehle darauf hin zu prüfen.

  7. Norman meint:

    sondern an den vielen Wochenendheimfahrern in der Bahn

    Das war damit auch gemeint.

  8. Maike meint:

    DDR Erinnerungen..

    vielleicht sollte ich darüber mal Bloggen, aber ich denke immer – wer will das hören? (Ich war 1989 14 Jahre alt)

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