Journal Freitag, 13. April 2018 – Kalifornischer Besuch und Beifang aus dem Internet

Samstag, 14. April 2018 um 7:06

Statt Donnerstagmorgen also gestern sehr früh aufgestanden und eine gute halbe Stunde Krafttraining mit Hanteln eingeschoben. War anstrengend, und schon am Abend spürte ich Muskelkater heraufziehen – was bewies, dass ich besser mal wieder regelmäßiger sportle.

Sonniger Tag, der Jahreszeit angemessen temperiert: Auf dem Heimweg las ich in der Landwehrstraße (Obsteinkäufe) 16 Grad an einer Apotheke.

Feierabendbier mit Warten auf Besuch aus Kalifornien, der mich ganz arg freute.

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Auch dasnuf hat Gedanken zum Film Embrace aufgeschrieben, sie ähneln meinem Wunsch. Und sie hat ein Wort dafür: Body-Egalness. Ja, das wünsche ich mir.

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Ein interessanter Beitrag zur Kopftuchdebatte (ich bleibe dabei: Redet Frauen nicht rein, wie sie sich zu kleiden haben! Von keiner Seite!): Schon 2006 erinnerte Mary Beard in einem Blogpost an eine Debatte im Großbritannien der 1960er. Auch damals ging es um eine fremdländische Kopftracht, allerdings die einer männlichen Einwanderergruppe – es ging um die traditionellen Turbane der Sikhs.
„Veils, turbans and ‚rivers of blood'“.

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Die existenziell zerstörerischen Auswirkungen von Kindesmissbrauch, im New Yorker von jemandem beschrieben, dessen Meisterwerkzeug Sprache ist, nämlich von Romanautor Junot Díaz:
„The Silence: The Legacy of Childhood Trauma“.

That violación. Not enough pages in the world to describe what it did to me. The whole planet could be my inkstand and it still wouldn’t be enough. That shit cracked the planet of me in half, threw me completely out of orbit, into the lightless regions of space where life is not possible. I can say, truly, que casi me destruyó. Not only the rapes but all the sequelae: the agony, the bitterness, the self-recrimination, the asco, the desperate need to keep it hidden and silent. It fucked up my childhood. It fucked up my adolescence. It fucked up my whole life. More than being Dominican, more than being an immigrant, more, even, than being of African descent, my rape defined me. I spent more energy running from it than I did living.

Mich berührt besonders Díaz‘ Mischung von Englisch und Spanisch. Ich erinnerte mich, dass ich einen seiner Romane gelesen und besprochen hatte: „The Brief Wondrous Life of Oscar Wao“. Richtig, schon damals hatte ich diese Sprachmischung gemocht.

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Und dann gleich nochmal dasnuf: Sie klopft ab, womit sie im Fall der Apokalypse punkten könnte.
„Die degenrierte Akademikerin“.

So fühle ich mich immer, wenn das Kartoffelkombinat um tatkräftige Hilfe bittet – für die Gärtnerei, Lagergebäude, Website, App etc. Ich kann exakt NIX.

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Schon vor einigen Wochen hat Else Buschheuer im Süddeutschen Magazib aufgeschrieben, wie ihr Leben und ihre Selbstsicht von Männern geprägt wurde:
„Die dressierte Frau“.

Einige Aspekte und Analysen überraschten mich, doch insgesamt halte ich ihren Essay für bedenkenswert. Unter anderem Buschheuers Beobachtung, dass auch Frauen, die sich gegen männliche Zudringlichkeit zu wehren wissen, die männlicher Dominanz Paroli bieten – unterm Strich doch nach Männerpfeifen tanzen.

Allerdings ist mir erst seit Kurzem, erst seit #MeToo, klar, dass ich nicht so bin, weil ich eben so bin, sondern dass ich so geworden bin, weil es Männer gibt, weil ich eine Frau bin mit Brüsten und einer Vagina, und weil die Knöpfe von Schwänzen gedrückt werden (wehe, Männer der SZ-Magazin-Chefredaktion, ihr streicht mir dieses schön schiefe Bild raus!).

Ich dachte früher, nee Freunde, nun spring ich nicht mehr über eure Stöckchen, nun springt ihr über meins! Heute weiß ich: Ich sprang immer noch, verdammte Scheiße, ich sprang zwar nun, INDEM ich Männer springen ließ, aber ich war nur von einer Wichsvorlage (süß) zur anderen (sauer) gewechselt.

Ich holte mir die Macht, aber egal ob schnurrend oder fauchend, ich war von Männern gezeugt, geformt, gezähmt. Ich hatte nur eine einzige Wahl, nämlich die, mich zu diesem Fakt zu verhalten: Claqueurin oder Kriegerin zu sein. Ich hab mich, nach einigem Rumgeeier, für die Kriegerin entschieden.

(Bitte auch das Autorinnenprofil unterm Text lesen.)

die Kaltmamsell

10 mal Beifall zu “Journal Freitag, 13. April 2018 – Kalifornischer Besuch und Beifang aus dem Internet”

  1. Philine Meyer-Clason meint:

    Liebe Frau G., dann empfehle ich Ihnen dringend das Buch von Valeria Parrella: Enzyklopädie der Frau- Update zu lesen. Eine sehr gute Lektüre zur Me Too Debatte, allerdings ganz anders als man es erwarten würde.

  2. Hauptschulblues meint:

    @zur Kopftuchdebatte (ich bleibe dabei: Redet Frauen nicht rein, wie sie sich zu kleiden haben! Von keiner Seite!):
    Erwachsene Frauen ok. Hauptschulblues ist aber grundsätzlich anderer Meinung. Elfjährige Mädchen reißen sich im Schullandheim das Tuch vom Kopf, tanzen ausgelassen, tragen Halterneck-Tops usw.
    Am Tag der Heimreise sinken sie in sich zusammen.

  3. die Kaltmamsell meint:

    Aber das heißt doch, Hauptschulblues, dass diesen Mädchen jemand reingeredet und sie zu einer Kleidung gezwungen hat: Genau das halte ich für falsch.

  4. Hauptschulblues meint:

    Da haben Sie recht. Aber H. überreagiert bei diesem Thema. Da hat er zuviel Negatives erlebt und das wird dann emotional gleich verknüpft mit bestimmten Bildern.

  5. Joël meint:

    Danke für den Link vom Film Embrace. Es ist zum ersten mal dass ich das aus der Sicht einer Frau richtig verstehe. Ich möchte aber auch dazu sagen dass Bodyshaming auch bei Männern vorkommt und zwar sehr viel öfters als man denken mag.

  6. Sabine meint:

    Sehe erfeut, dass Du Stanislaw Lem liest und dann auch noch in der exakt gleichen Ausgabe, die ich hier habe. Hoffe, ich werde Deine Eindrücke hier lesen können. Schönen Sonntag noch :)

  7. Trulla meint:

    Natürlich wird den kleinen Mädchen das Kopftuch aufgezwungen. Der Grund ist u.a. die Gewöhnung an die Unterwerfung. Wenn ohnmächtiges Duldenmüssen zum Lebensgefühl der heranwachsenden Mädchen gehört, darf man sich über die von den entsprechend sozialisierten Müttern gestützten sich fortsetzenden patriarchalen Strukturen nicht wundern.
    Ich bin mittlerweile zu dem Schluss gekommen, dass wir mit Toleranz allein nicht weiterkommen. Es muss unser Interesse sein, diese Mädchen, die wieder zu erziehenden Müttern werden, zu stützen in ihrem Streben, an unseren nicht vom Himmel gefallenen Rechten teilzuhaben. Dazu gehört Durchsetzen der Teilhabe an allen Schulfächern, also keine Möglichkeit der Befreiung vom Schwimm- und Sportunterricht durch z.B. väterliche Intervention.

  8. Hauptschulblues meint:

    @Trulla: Ja.

  9. adelhaid meint:

    von wegen: nix können!
    brot backen
    sugo kochen
    stark sein (starke menschen werden postapokalyptisch sicherlich für das bewegen unhandlicher dinge gebraucht)
    schwimmen (für ein wasser-basiertes zombies, run…äh..swim!)
    klar denken
    joghurt machen
    sicherlich wird der eine oder andere life-hack des herrn papa dazu kommen?

    sicherlich, degenerierte akademikerinnen sind sicherlich nicht die ersten, die irgendwas bauen werden, aber vielleicht doch diejenigen sein, die mit aufbauen können.

  10. Farbenfreundin meint:

    ach, schön herzerfrischend geschrieben. Dankeschön

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