Journal Dienstag, 29. Mai 2018 – Durch Dublin mit dem Fräulein und ein Abendessen im Winding Stair

Mittwoch, 30. Mai 2018 um 11:49

Gut und lang geschlafen, Tee getrunken und gebloggt. Und nochmal ein durch und durch strahlend sonniger, warmer bis heißer Sommertag in Dublin.

Wir beide hatten eine Frühstücksverabredung mit einem schrägen Fräulein, das in Dublin an der Uni arbeitet. Die Dame verhalf uns erst mal zu sehr gutem Porridge im Brother Hubbard und zeigte uns dann ihren Teil der Stadt.

Auf dem Weg zum Trinity College kamen wir an vielen kleinen interessanten Läden vorbei, darunter einem Musikalienhandel mit vielen Ukulelen im Schaufenster. Während ich mich mit dem Fräulein unterhielt, ging Herr Kaltmamsell Ukulelen gucken – um kurz aus dem Laden zu schießen und uns die Information weiterzugeben, dass Dienstagabend in einem Pub unweit gemeinschaftliches Ukulelespielen stattfinde. Dann schoss er wieder hinein und kaufte sich eine weitere Ukulele (ich werde ihn künftig daran erinnern, nie ohne eine Ukulele zu verreisen).

Das Fräulein zeigte uns Trinity College mit lange vergangenen und aktuellen Aspekten (demnach kann Dublin hängende Gärten ohne Pflanzen vorweisen), mit schönen und weniger schönen Geschichten.

Ein Glanzstück des Rundgangs war die alte Library: Mit ihrem Mitarbeiterausweis geleitete uns das Fräulein an der (ohnehin nicht schrecklich langen) Schlage vorbei ins Innere, rief der freundlichen Dame am Ticketschalter im Vorbeigehen “two guests” zu, und ich versuchte so nonchalant und so wenig entschuldigend wie möglich zu gucken.

Das berühmte Book of Kells war ein wenig an mich verschwendet, da ich mich mit Mediävistik überhaupt nicht auskenne. Interessanter fand ich da schon die Information des Fräuleins, dass eine Explosion 1922 praktisch alle Quellen über das irische Mittelalter zerstört hat, was die Forschung erheblich behindert. Die wichtigsten Hintergründe zum Book of Kells bekam ich ebenfalls von ihr.

Zum Ausruhen ließen wir uns auf einer der lauschigen Grünflächen des College-Geländes nieder, direkt daneben studierten einige Studentinnen und Studenten Theatertext ein (eine Badewanne spielte eine Rolle).

Auch in die nahegelegene National Gallery führte uns das Fräulein, ihre Quelle für Instanterholung bei Arbeitsärger. Konnte ich sehr gut nachvollziehen, das frisch renovierte Museum strahlt Ruhe aus für die schön gehängten Werke.

Zum späten Lunch nahm uns das Fräulein in die Alliance Française mit – das Café ist wirklich ein Geheimtipp und serviert sehr gute französische Snacks, Salate, Suppen. Da in Wirklichkeit natürlich das Fräulein die Hauptattraktion des Tages war, saßen wir hier lange.

Doch das Fräulein nahm uns auch weiter durch Dublin, verhalf Herrn Kaltmamsell bei Murphy’s zu einem “Brown Bread”-Eis und zeigte mir Läden mit in Irland produzierten Waren. Und jetzt habe ich endlich meine Souvenirs: Handbemalte Email-Schüsseln und dicke irische Wollsocken (meine Haussocken haben gerade eh die Sohlen durch).

Vor allem aber: Stunden über Stunden mit dem wundervollen Fräulein, das nicht aufhört, zu den erfreulichsten Sensationen dieser Welt zu gehören.

Für den Abend hatten wir einen Tisch im Restaurant The Winding Stair reserviert (den Buchladen hatten wir bereits an unserem ersten Tag in Dublin gründlich durchgenommen).

Wir aßen wirklich gut, ich hatte endlich mal Chowder (hier mit scharfer Chorizo als schönem Gegenpol), erfreulich auch die Auswahl von Weinen gläserweise: Wir hatten einen Dereszla Tokaji Furmint zu fischigen Vorspeisen und einen Estezargues Terre de Mistral Côtes du Rhône zu Blackpudding/Schweinebauch (er) und Lamm/Kalbsbries (ich).

Und dann begleitete ich Herrn Kaltmamsell zum Ukulele-Abend im The Stag’s Head, in dessen function room im Obergeschoß gespielt wurde, überließ ihn dort seinem Vergnügen. Beim Weiterspazieren hörte ich durch die geöffneten Fenster (Sie erinnern sich? Sommertemperaturen?) “Look back in anger” auf vielen Ukulenen mit Geigenbegleitung und gemeinschaftlich gesungen.

die Kaltmamsell

15 Kommentare zu „Journal Dienstag, 29. Mai 2018 – Durch Dublin mit dem Fräulein und ein Abendessen im Winding Stair“

  1. Thea meint:

    Was für ein herrlicher Tag. Ich freue mich für Sie beide. Lese sowieso täglich hier, bin aber manchmal “maulfaul”. Weiterhin eine schöne Zeit.

  2. Julia meint:

    Wie schön, dass es mit dem Winding Stair geklappt hat und es dort auch gut war. Das Chowder hatte ich auch und war begeistert. Und dann der Blick auf die Half-Penny-Bridge! Danke, dass Sie uns mit durch Dublin nehmen. Ich habe große Sehnsucht!

  3. arboretum meint:

    Auf dieser sehr schönen Reise war der Tag eindeutig der Höhepunkt!

  4. Micha meint:

    Eine denkbar gute Kombi, das Fräulein samt Vorspeisenplatte :-)

  5. Kiki meint:

    Das Fräulein ist das Allerbeste. Aber Ukulelenshopping ist auch ganz großes Kino! :-)

  6. marie.sophie meint:

    Das Fräulein ist natürlich heiß entzückt über Euren Besuch und ganz erfüllt von einem wunderbaren, strahlend schönem Tag! Danke.

  7. Eva meint:

    Wie schön, von dieser Begegnung zu lesen.

  8. Hauptschulblues meint:

    Schön, dass Sie das Fräulein getroffen haben. Das allein war doch Irland schon wert.

  9. Cecilia meint:

    Welch schöne Sätze über das einzigartige Fräulein. Danke dafür und für Ihre wunderbaren Irland-Schilderungen!

  10. vered meint:

    Ein wunderschöner Bericht. Er hat 1) mir den Tag gemacht, 2) meinem Unverständnis für das Irlandfaible meiner Schwester ein Ende gesetzt und 3).mich in Grübeleien versinken lassen: Was ist ein schräges Fräulein??? Ich meinte, die Fräuleins wären kurz nach dem 2. Weltkrieg ausgestorben, und sollte es irgendwo noch ein Restexemplar geben, wäre es wohl altmodisch und verstaubt, aber schräg? Kannitverstan. Bittebitte, Frau Kaltmamsell, geben Sie mir meine Ruhe zurück! Schönen Dank schon jetzt. Vered (halt schon mehr als 50 Jahre weg aus Europa)

  11. allegra meint:

    Wie hat denn Herrn Kaltmamsell das gemeinsame Ukulelenspiel gefallen? Kannte er denn die Musik, die da gespielt wurde?

  12. Herr Kaltmamsell meint:

    Beim Ukulelespiel war es leider so voll, dass ich nur zuschauen konnte. Es gab viele Touristen, aber ich hatte einen Stehplatz einigermaßen vorn, so dass ich etwas sah (und hinter mir eine Menschenmenge) – aber vor mir waren auch noch etliche mit Ukulele, für die kein Platz war. Ich hätte meine Ukulele auspacken und im Stehen spielen können, aber dafür war es mir zu eng, und überhaupt – zu viel.

    Die Lieder kannte ich, ich hatte auch das Songbook dabei. Ich bin in München in einer ähnlichen Gruppe, wir treffen uns einmal im Moment, auch mit eigenem Songbook, aber die Songbooks der anderen, bekannten Gruppen kennt man auch – tatsächlich hatten wir dort schon mal ein Video der Dubliner Gruppe angeschaut: https://www.youtube.com/watch?v=63VeqzqRK8g

    Die Songbooks sind sich alle ähnlich: Lagerfeuerlieder, und Pop der letzten zwanzig Jahre, dazu Klassiker aus den 1940er und 1950er Jahren.

    Gelernt: Das mit dem Beamer machen die wie wir, haben Geige und Kazoo als Begleitung (wir: Kazoo, Mundharmonika, Percussion); sie spielen hier allerdings verstärkt, wir nicht. Und wir haben nicht so viele Zuschauer. Aber wenn München das wollte und die GEMA nicht wäre, eine Attraktion könnten wir schon auch werden.

  13. Myriade meint:

    Eine Dublin-Tour mit diesem guide ist natürlich ein absolutes highlight. Da wär ich auch gerne dabeigewesen

  14. Joël meint:

    (…Vor allem aber: Stunden über Stunden mit dem wundervollen Fräulein, das nicht aufhört, zu den erfreulichsten Sensationen dieser Welt zu gehören….)

    Genauso stelle ich mir das Fräulein vor, wenn ich ihr “Read on” Blog lese.

  15. allegra meint:

    Ganz lieben Dank für diese ausführliche Antwort. Dieser Ukulele Tuesday ist ja riesig! Eine sehr schöne Sache. Ich wünsche Ihnen in Ihrem heimischen Spielclub viel Freude und mögen Sie entdeckt werden. Ich bin sicher, dass das eine bereichernde Attraktion wäre.

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