Journal Samstag, 9. Juni 2018 – Gemischter Sommersamstag ohne Sport

Sonntag, 10. Juni 2018 um 7:46

Und allso geschah es: Der am Freitagabend noch so schön entspannende Alkohol schlug zurück. Zwar nicht mit den Extremen der Migränehölle, aber mit migränoidem Kopfweh. Ich wollte nicht zum zweiten Mal in einer Woche den Triptan-Hammer ziehen und versuchte es mit Ibu, langem Schlafen, Streichen der geplanten Schwimmrunde.

Kartoffelsalat fürs Abendessen gemacht – die letzten genossenschaftlichen Lagerkartoffeln von gemischten Sorten ergaben einen lustigen Salat, in dem die eine Sorte zerfiel, die andere noch in sehr bissfesten Stücken mitspielte.

Einkaufsrunde mit Herrn Kaltmamsell in kräftiger Sonne. Auch wir versuchen immer konsequenter Plastik zu vermeiden, z.B. wird die jetzige die letzte Flasche Duschgel sein, danach steigen wir auf die gute alte Seife um – von der ich beim Händewaschen noch nie abgewichen bin. Beim Überlegen haben wir auch festgestellt, dass die plastikärmsten Pralinen die handgemachten, offen verkauften sind. Tja, da mussten wir dann also durch.

Die Klangsteine in der Gasse neben dem jüdischen Gemeindezentrum klingen wieder!

Daheim mittägliches Frühstück mit Laugenzöpferl, Brotzeitspeck vom Hermannsdorfer (dicke Empfehlung, es gab ihn eine Zeit lang nicht und er wurde sehr vermisst), Erdbeeren und Banane.

Nochmal eine Einkaufsrunde, dann bügeln. Ich ließ mir in einer Folge Wrint von Frau Diener erzählen, wie es in Myanmar war.

Abends gab es zum Kartoffelsalat Fleischpflanzerl und zum Nachtisch Pralinen.

§

Heribert Prantl konstatiert:
„Europa macht für Flüchtlinge dicht“.

Die Zeit des Flüchtlingsschutzes in Europa geht zu Ende. Siebzig Jahre nach Beginn der Arbeiten am Grundgesetz, 69 Jahre nach der Verkündung des Asylgrundrechts und 67 Jahre nach Verabschiedung der Genfer Flüchtlingskonvention ist das Bewusstsein für den Wert von Asyl und Flüchtlingsschutz verschwunden. Es ist vom Gewicht der Zahlen und der Angst vor den populistischen Extremisten erdrückt worden. Es gibt keine Regierung in Europa mehr, die das Asylrecht offensiv verteidigt. Die Flüchtlinge werden nur noch numerisch registriert; ihre Geschichte, ihr Schicksal interessiert immer weniger.

Und das, wo ich auch nur von einem deutschen Bürger, einer deutschen Bürgerin lesen muss, die durch die bisherige Aufnahme von Flüchtlingen schlechter gestellt ist. Die Rechte mag in der politischen Landschaft noch eine Minderheit sein: Die gesellschaftlichen Themen und die Politik bestimmt sie schon lange.

Statt daran zu arbeiten, wie Aufnahmeverfahren und Integration verbessert werden können, statt aus den Fehlern der vergangenen Jahre für die langfristige Zukunft zu lernen, geht die Energie jetzt in Maßnahmen zum Fernhalten von Menschen in Not – einer Not, zu der auch deutsche Politik und deutsches Wohlstandsstreben massiv beigetragen haben. Prantl nennt das „Zurückweisungspolitik“. Während das Sterben im Mittelmeer weitergeht.

§

Vor Kurzem las ich einen Artikel über das zeitgenössische Phänomen, dass die meisten Menschen Berühmtheiten erst genauer kennenlernen, wenn sie gestorben sind: Weil ihre Fans auf allen Kanälen Erinnerungen an diese Berühmtheiten posten.

Das geht mir durchaus auch so. Zum Beispiel mit Anthony Bourdain.
Aus erster Hand kannte ich bis zu seinem Tod nur Texte von ihm. Was er fürs Fernsehen gemacht hat, wusste ich so ungefähr, hatte es aber nie gesehen. Ein wenig davon hole ich jetzt nach.

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https://youtu.be/cX_kbIVxl_o

die Kaltmamsell

8 Kommentare zu “Journal Samstag, 9. Juni 2018 – Gemischter Sommersamstag ohne Sport”

  1. Chris Kurbjuhn meint:

    Jede „Zurückweisungspolitik“ ist zum Scheitern verurteilt. Mir hat Aman, ein Mann aus Eritrea, von seinem Fluchtweg nach Berlin erzählt. Als er sich zusammen mit zehn Freunden auf den Weg gemacht hat, wussten sie, dass mindestens die Hälfte von ihnen auf dem Weg durch die Wüste sterben wird und dass nochmal die Hälfte von ihnen vermutlich im Mittelmeer ertrinken wird. Tatsächlich ist Aman der einzige, der es nach Deutschland geschafft hat, er hat alle seine Freunde sterben sehen. Er erzählte ganz ruhig, dass alles, auch der beinahe sichere Tod, besser sei als das Leben in Eritrea. Menschen die derart verzweifelt sind, kann man nicht aufhalten. Mit einer „Zurückweisungspolitik“ schon gar nicht.
    Zu den Zuständen in Eritrea: http://www.faz.net/aktuell/politik/fluechtlingskrise/massenflucht-nach-europa-das-elend-in-eritrea-13850121.html

  2. kecks meint:

    ich möchte immer weinen, wenn ich ernsthaft anfange, über ‚unsere‘ (meine ist es ganz sicher nicht) flüchtlingspolitik nachzudenken, dann werde ich wütend, dann ist mir wieder zum weinen. danke für ihre konzise zusammenfassung und das äußerst passende prantl-zitat.

  3. Trulla meint:

    Zu Prantl
    Es ist nicht nur traurig, nein, es ist geradezu widerwärtig, den Egoismus einer Gesellschaft zu erfahren, die das Glück hatte, seit Ende 1945 Frieden, Aufstieg mit wachsenden Wohlstand, demokratische Freiheit auf der Basis eines nahezu perfekten Grundgesetzes zu erleben. Teile dieser Gesellschaft nehmen nur noch zur Kenntnis, was in ihr Weltbild passt. Aufgehetzt von populistischen Meinungsmachern werden Fakten und Zahlen einfach als falsch unterstellt, Gefühle bar jeder Realität zählen mehr. Und verantwortungslose Politiker springen auf diesen Zug auf (ich nenne das “södern“) im alleinigen Denken an das nächste Wahlergebnis.

    Da sagt eine ehemalige Mitschülerin beim Klassentreffen (aktiv in ihrer christlichen Gemeinschaft!), sie “hasse Flüchtlinge, die alles bekämen, ohne Leistung .“
    Auf meine Nachfrage “nein, kennen täte sie keinen, und nein, sie persönlich hätte auch keine materielle Einbuße erfahren, aber…..“

    Und das ist nur ein kleines Beispiel, manches mag man gar nicht weitergeben, so gruselig hört es sich an.

    Bei mir macht sich Ratlosigkeit breit: was ist so falsch gelaufen, wo haben wir versagt (zweifellos haben wir an mancher Stelle die richtigen, rechtzeitigen Maßnahmen versäumt), es wurde und wird doch aufgeklärt, noch nie standen so viele Informationen zur Verfügung.
    Geht es uns insgesamt einfach zu gut? Macht das träge und dumm?

    Natürlich weiß ich um die vielen vernünftigen Menschen, die noch die Mehrheit stellen, dennoch wird mir angst und bange.

  4. Elisabeth meint:

    Gute Besserung für die Kopfschmerzen, möge der nächste Wein ein gnädiger sein! Der Tod von Tony Bourdain macht mich übrigens auch deshalb so traurig, weil er sich stets für Minderheiten und gegen deren Diskriminierung engagiert hat, z.B. für die „unsichtbaren“ mexikanischen und afoamerikanischen Küchenchefs, ohne die Amerikas Restaurantszene zusammenbrechen würde. Oder seine Unterstützung der MeToo-Debatte. Und er hat mir eine der fundamentalsten Weisheiten über Essen nahe gebracht: es ist das wichtigste soziale Bindemittel, noch vor Musik und Kunst. Der Kerl wird uns echt fehlen:-(.

  5. Steffi meint:

    Ich bedanke mich herzlich für Frau Kaltmamsells auf den Punkt gebrachten Kommentar zur Zurückweisungspolitik und die Kommentare in diesem Zusammenhang. Ich empfinde diese als sehr wohltuend in einer Zeit, in der diese Themen öffentlich von „Gutmenschen“-, „links versifftes Antifapack“- und „Nazi“-Geschrei begleitet sind. Es ist beruhigend zu sehen, dass es auch anders geht.

  6. Micha meint:

    Die Flüchtlingsdebatte aber mehr noch der Tatbestand wie viele Menschen auf der Flucht sind vor grauenhaften Lebensbedinungen mit der Hoffnung Zuflucht in Europa zu finden, empfinde ich als so belastend, dass ich mir kaum Gedanken dazu machen mag. Wo bleibt das rigorose politische Eingreifen – diesem Elend kann man doch nicht wissend zuschauen, oder doch? Wo ist der Wille im großen Stil Lösungen zu finden? Ich finds niederschmetternd…

    Und eines noch: es leuchtet mir nicht ein, warum Sie wider besseren Wissens nicht einfach generell auf Alkohol verzichten – ist der kurze Genuß/ kleine Rausch das wirklich wert?

  7. Defne meint:

    Was Micha geschrieben hat habe ich mir beim Lesen schon oft gedacht. Ich würde wenn Schmerzen drohen keinen Alkohol mehr trinken. Bei mir ist es zwar einfach darauf zu verzichten weil ich sehr sensibel darauf reagiere und bei einem Schluck Wein schon große Veränderung an meinem Körper spüre. Also laß ich es lieber. So ca. 50ml Wein wäre bei mir die äußerste Grenze.

  8. die Kaltmamsell meint:

    Aus demselben Grund, Micha, aus dem ich zwei-, dreimal im Jahr zur Saison reife Zwetschgen schlemme, obwohl ich fast immer üble Bauchgrimmen davon bekomme: Der Genuss überwiegt (noch?).

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