Journal Samstag, 30. Juni 2018 – Sommerfreibadsamstag und Beifang aus dem Internetz

Sonntag, 1. Juli 2018 um 8:46

Jajaja: Alkohol wieder mit Migräne bezahlt. Sie schlug erst um 5 Uhr morgens zu, Triptan half schnell und ließ mich schlafen.

Nachdem der erste Balkonkaffee schon im April passiert war, dauerte es zwei Monate bis gestern zum zweiten: Morgens war es dafür einfach immer zu kühl gewesen.

Eigentlich hatte ich ordentlich Muskelkater in Bizeps, Trizeps und Brustmuskulatur von Freitagmorgen. Aber ich hatte mich halt schon so aufs Schwimmen gefreut und das Wetter war mild und sonnig – also ging ich auch zum Schwimmen (Rücken eingecremt von Herrn Kaltmamsell).

Ich spazierte durchs Glockenbachviertel Richtung Schyrenbad und stellte fest, dass Tag der Hofflohmärkte war, schon um halb elf sehr gut besucht.

Im Freibad selbst war’s eher ruhig, ich zog meine Bahnen bis 3.000 Meter im Sonnenschein gemütlich (nur einmal verschluckt wegen eines Langstreckenertrinkers auf der Nebenbahn, nur einmal Fußtritt in den Oberarm von der Nebenbahn, nur einmal kurz Krampf in der linken Wade).

In der Umkleide trocknete und sonnencremte ich mich, wechselte den Bikini. Das Wärmen und Sonnen mit Musik in den Ohren auf der Liegewiese funktionierte allerdings nicht ganz, da immer wieder große Wolken die Sonne verschatteten.

Auf dem Rückweg (Hofflohmärkte in vollem Schwung) kehrte ich in einen Supermarkt ein, um die Zutaten fürs Abendessen zu besorgen: Herr Kaltmamsell verbrachte den Samstag auf Geschäftsreise, endlich durfte ich mal wieder kochen: Ich plante eine bewährte Ricotta-Tomaten-Quiche mit grünem Salat.

Daheim erst mal Frühstück, dazu Lektüre des freitäglichen SZ-Magazins (übrigens schon wieder ein Männerheft – vielleicht sollte es einfach parallel ein SZ-Frauenmagazin geben?). Sehr berührt hat mich das Portrait von Michael Mronz (€), des Witwers von Guido Westerwelle.

Duschen, körperpflegen, anziehen, Quicheteig zubereiten, dann noch eine Runde Lebensmitteleinkäufe.

Während ich in der Küche werkelte, klingelte es an der Tür: Die Nachbarin fragte, ob wir Beeren aus ihrem Schrebergarten brauchen könnten, sie verreise für ein paar Tage und könne sie nicht verwerten. Aber gerne! Und so kamen wir zu je einer großen Schüssel rote Johanninbeeren und Stachelbeeren. Mal sehen, was aus ihnen wird.

(Jaha, Glasteller.) Das Abendessen wurde gut, wenn auch die Quiche-Füllung stabiler hätte sein können. Den passenden Weißwein dazu verkniff ich mir.

§

Nochmal zurück zu belegbaren Problemen in unserer Gesellschaft, diesmal Wohnungsbau. Christian Holl schreibt fürs Stadtbaumagazin Marlowes:
„Neues vom Herz, der miesen Gegend“.

via @MaikNovotny

Langfristige Stabilität heißt aber nicht nur, Boden zu sichern, es hieße auch, sich nach Bauherren und Anbietern umzusehen, die mit höherer Wahrscheinlichkeit die Gemeinwohlorientierung, die das Baugesetzbuch vorsieht, auch einlösen. Dort heißt es im ersten Paragrafen unter anderem: „Die Bauleitpläne sollen (…) eine dem Wohl der Allgemeinheit dienende sozialgerechte Bodennutzung unter Berücksichtigung der Wohnbedürfnisse der Bevölkerung gewährleisten.“ Die Kommunen müssen gestärkt werden, Genossenschaften, Stiftungen, Vereine, Akteure wie das Mietshäusersyndikat sind mehr zu fördern, neben der Konzeptvergabe gilt es, Instrumente so zu nutzen, dass die Gemeinwohlorientierung auch überprüft werden kann. Eine auf viele kleinere Eigentümer gestützte Struktur ist zudem weniger anfällig gegenüber Marktschwankungen und den unkalkulierbaren Unternehmensentscheidungen – den Markt entsprechend zu diversifizieren hieße auch, die Praxis der Kreditvergabe anzupassen. Die Realität ist freilich die, dass Großinvestoren steuerlich bevorzugt werden – warum eigentlich, Herr Seehofer?

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Antje Schrupp notiert:
„Zehn Fragen und Antworten über Frauen und Politik“.

Ich picke mir daraus diese Antwort auf eine Frage, die auch ich immer noch und ständig höre – selbst von Frauen, die selbst Opfer dieses Systemfehlers sind.

Halten Sie in dem Zusammenhang eine Frauenquote für sinnvoll? Oder sollte nicht in erster Linie die Kompetenz eine Rolle spielen? Ist so eine Quote in der Wirtschaft anders zu beurteilen?

Die Gegenüberstellung von „Kompetenz“ versus „Quote“ ist falsch, weil ohne Quote ja systematisch weniger kompetente Männer bevorzugt werden, allein weil sie Männer sind und besser zum „System“ passen. Eine Quote würde also meiner Ansicht nach eher mehr als weniger Kompetenz in die Parlamente bringen. Trotzdem glaube ich nicht, dass dadurch das grundsätzliche Problem gelöst würde, weil eine Quote dazu tendiert, diejenigen Frauen in Ämter zu bringen, die am wenigsten verändern wollen. Manchmal fordere ich deshalb halb im Scherz eine „Feministinnenquote“.

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Das US-amerikanische Frauenfitness-Magazin Self erscheint mit dem sehr dicken Modell Tess Holliday als Cover, begleitet von der Schlagzeile: “Tess Holliday’s Health Is None of Your Business.” Body positivity-Aktivistin Lesley Kinzel schreibt auf, warum das wirklich ein großer Schritt ist:

„In A World Of Watered-Down ‘Body Positivity,’ The Tess Holliday Self Cover Is A Radical Choice“.

Fat bodies are, after all, still perceived as public property ― reach a certain stage of fatness and you will rapidly learn that people feel entitled if not compelled to tell you what you are doing wrong, even if you are total strangers, because being that fat evidently means you cannot be trusted with your own body and are in need of outsiders to instruct you on the finer points of body-having.

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Gut formulierte Loblieder auf den Lokaljournalismus möchte ich immer mitsingen und verlinken. Doch nach dem Mord an fünf Angestellten der Lokalzeitung Capital Gazette im US-amerikanischen Annapolis haben sie ein ganz neues Gewicht:
„The Capital Gazette Shooting and the True Value of Local Newspapers“.

§

Schöne Bilderserie des Blog-Urgesteins Camp Catatonia:
„Über Zwei- und Dreiräder in Beijing“.

die Kaltmamsell

4 Kommentare zu “Journal Samstag, 30. Juni 2018 – Sommerfreibadsamstag und Beifang aus dem Internetz”

  1. Norman meint:

    weil eine Quote dazu tendiert, diejenigen Frauen in Ämter zu bringen, die am wenigsten verändern wollen.

    Ich nehme an, das ist belegbar?

  2. Duden meint:

    http://www.sueddeutsche.de/thema/Plan_W

  3. die Kaltmamsell meint:

    Stimmt, Duden: Für ihren Männerwirtschaftsteil hat die Süddeutsche schließlich auch irgendwann ein Frauen-Gegenstück geschaffen.

  4. Buchfink meint:

    Wunderschönes Balkonbild

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