Journal Dienstag, 31. Juli 2018 – Vorübergehend ausgeschaltet

Mittwoch, 1. August 2018 um 5:15

Einen Tag gar nichts müssen. Das schafft bei mir kein Wochenende, das schafft kein Urlaub. Das schafft nur Migräne.

Kurz nach dem nächtlichen Moment der Erkenntnis, dass ich mich krank melden musste, weil selbst nach Wirkung des Triptans gar nichts ging, bäumte sich mein Planungszentrum ein letztes Mal auf: Hey, nach Abklingen der schlimmsten Nachwirkungen könnte ich eine Runde Krafttraining einlegen! Und wenn Herr Kaltmamsell Blumenerde besorgte, endlich ein paar Pflanzen umtopfen!

Doch dann saß ich vormittags doch mit hängendem Kopf und Blick einfach bloß da und gab zu: Heute kann ich gar nichts müssen.

Es war ohnehin ein Drinnen-Tag: Das Draußen war so richtig heiß.

Beim Rumsitzen las ich hin und wieder. Im Internet ließ ich allerdings gezielt alle Häme-Tweets aus, egal aus welcher und in welche Richtung.

Mittags schaffte ich Duschen und Nagelpflege (alle 20), Herr Kaltmamsell (Sommerferien!) servierte Lukullität:

Heißes Käsebrot mit Petersilien-Pistazien-Pesto. Es schmeckte sehr gut.
Dann legte ich mich erst mal wieder hin.

Nachmittags kurzer Abstecher nach draußen, um bei der nächst gelegenen Eisdiele einen jahreszeitlich angemessenen Snack zu holen. Ich kam sehr gerne zurück ins kühlere Innen.
Mehr Gucken und Lesen.

In der Abenddämmerung zwei Fledermäuse gesehen, aber den ganzen Tag keine Mauersegler.

§

Geraldine DeRuiter berichtet:
„What Happened When I Tried Talking to Twitter Abusers“.

via @vinoroma

Zusammenfassung ihrer Ergebnisse (für jedes führt sie Beispiele auf):

1. None of these people considered themselves misogynists. I asked them directly, and the responses to this (and to whether or not they considered themselves to be abusers) was a resounding “no.”

(…)

2. They later doubled-down on the sexist insults. When I asked them about their behavior, almost all of these individuals immediately got defensive, tried to obfuscate the issue, and when none of that worked, they doubled down on their attacks.

(Double-down on musste ich nachschlagen, um sicher zu gehen: Heißt verdoppeln – kann mir jemand den Unterschied zum Verb double erklären?)
(…)

3. According to them, all of this was my fault. I was told repeatedly that my choice to be vocal on issues of politics and feminism opened me up to the bevy of insults that I’d received, and if I hadn’t chosen to talk about those issues, then this wouldn’t have happened.

(…)

4. This wasn’t harassment; I’m just too sensitive. As I noted above, women who call out harassment are often told that their situation isn’t abusive or problematic – they’re just perceiving it the wrong way.

(…)

5. They accused me of harassing them.

(…)

6. This was about power. I suppose I should have realized from the start that anyone who appears in your Twitter mentions to tell you that you’re fat, ugly, old and barren (“Who among us is NOT?” is my unanswerable reply) isn’t trying to have a conversation. They are simply trying to chase you off the platform, so your voice won’t be heard anymore. This dynamic became so apparent that I was actually able to predict when they would double-down on their insults, based on when I felt the power dynamic shift.

die Kaltmamsell

4 Kommentare zu “Journal Dienstag, 31. Juli 2018 – Vorübergehend ausgeschaltet”

  1. Chris Kurbjuhn meint:

    „to double down“ kommt m. W. aus dem Blackjack. Man verdoppelt den Einsatz, um lediglich eine weitere Karte zu ziehen. Das tut man, wenn angesichts der im Spiel verbliebenen Karten die Wahrscheinlichkeit entsprechend hoch ist, mit diesem Manöver 21 zu erreichen.

  2. Elfe meint:

    Bei Twitterlieblingen ist es leichter, auf „gerne gelesen“ zu klicken. Wie so oft lohnte es sich sehr, Ihrer Leseempfehlung zu folgen und den Links darin. Es war mir nicht so klar bewusst, dass Hater mit Liebe zu überschütten oder zu ignorieren nicht hilft und zulasten der Angegriffen geht. Aber es erinnert mich an meine Anfänge in Foren, die konsequent moderiert waren, auf deutsch wie englisch, und daraus entstanden wundervolle Diskussionsgemeinschaften. Dumm nur, dass die Argumenten nicht zugängliche Hater-Schar sich ebenfalls eigene Spielplätze gesucht hat. Die frühen Tage des Internets sind eben nicht nur von Hass getrieben, sondern auch Mitgefühl, sich öffnen und Wissen weitergeben. Aber irgendwann fiel die Trennung zwischen diesen Wahrnehmungswelten – und da sind wir nun, 2018, und müssen Wege finden, die friedliche Welt zurückzuerobern, online wie offline.

  3. U. meint:

    Das ist auch das einzige Positive, das ich Migräneanfällen abgewinnen kann: Wenn es etwas besser geworden ist, auf der Couch vor RTL oder VOX verblöden, und zwar ohne schlechtes Gewissen wegen der Zeitverschwendung. Das Niveau der dortigen Sendungen entspricht dann auch in etwa meiner Aufnahmefähigkeit.

  4. Leonie meint:

    Das „double down on“ würde ich als „nochmal nachlegen“, „sich auf eine Position versteifen“ übersetzen. Als Übersetzerin.

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