Journal Mittwoch, 31. Oktober 2018 – Vorm langen Wochenende zum Uiguren

Donnerstag, 1. November 2018 um 8:37

Ein ganz normaler ruhiger Herbsttag, meine Laune war gehoben ob der Aussicht auf die anschließenden vier freien Tage.

Emsiges Arbeiten, darunter ambulante Querschüsse und Hindernisse, die ich flugs und routiniert wegbekam – zwar nicht mit Vergnügen, aber mit der beruhigenden Bestätigung: Ich kann es noch.

Bei Sonnuntergang brannte der Himmel über München.

Zum Abendessen war ich mit Herrn Kaltmamsell beim Uiguren verabredet: Der Ernteanteil war weggegessen, wir hatten frei und waren schon lange nicht mehr im Taklamakan am Bahnhof gewesen.

Das Lokal war überraschend voll, doch wie in Schnellrestaurants üblich wurde immer wieder ein Tisch frei. Ich wünschte mir Din Din Caumian und überließ Herrn Kaltmamsell den Rest: Er bestellte als Vorspeise für uns

Lanpun (kalter Salat aus Mungobohnenmehl mit Soße – eher etwas langweilig), als zweites Hauptgericht

Hackfleischbällchen (Lamm) mit Paprika – chinesisch-orientalisch gewürzt und sehr gut.

Zudem eben noch Din Din Caumian (geschnittene Nudeln und Gemüse mit Lammfleisch gebraten), köstlich wie erhofft.

Wieder früh zum Lesen ins Bett.

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Gestern entdeckte ich das Fräulein Readon auf den Autorenseiten des Dumont-Verlags. Denn: Nächstes Frühjahr wird es Kunstgeschichte als Brotbelag als Buch geben!

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Zur Ankündigung von Angela Merkel, sich aus der Politik zu verabschieden, schreibe ich nichts, weil ich sie immer so mochte. Das macht es mir schier unmöglich, eine Meinung zur Folgen für die Politik zu entwickeln. (Mein Beispiel, warum es eher schädlich ist, persönliche Gefühle gegenüber Politikern und Politikerinnen zu entwickeln. Mit Kanzlerin Merkels Politik stimmte ich keineswegs immer überein.) Lasse ich also andere sprechen.

Evelyn Roll, die Angela Merkels Weg seit Langem journalistisch begleitet, wird in der New York Times zitiert:

“It was a classic Merkel move,” said Evelyn Roll, a journalist and the author of a Merkel biography. “She has not lost her ability to surprise.”

Der ganze Artikel:
„Germany Without Angela Merkel: Unthinkable? Think Again, She Says“.

Eine nachdenkliche Mely Kiyak schreibt in der Zeit:
„Die rote Linie nimmt sie mit“.

Dass Angela Merkel als Politikerin gehen wird, war abzusehen. Aber mit ihr wird auch ein rhetorischer Stil verschwinden, der sich weigert, andere Menschen zu erniedrigen.

die Kaltmamsell

8 Kommentare zu “Journal Mittwoch, 31. Oktober 2018 – Vorm langen Wochenende zum Uiguren”

  1. Frau Klugscheisser meint:

    Schönes Kiyak Zitat!

  2. Frau Irgendwas ist immer meint:

    Ich habe es ja immer sehr gemocht das da eine Wissenschaftlerin und keiner mit einem Laberabschluß (oft Juristen, sorry) an der Spitze der Regierung stand, der pragmatische Ansatz mit eher zu wenigen Worten wird mir fehlen.

  3. Sarah meint:

    Ihre Worte über Angela Merkel haben mich nachdenklich gemacht. Ich kann nicht behaupten, dass ich sie immer mochte. Gerade in den Anfangsjahren war mir ihre Politik nahezu zuwider, so wie mir ihre ganze Partei zuwider war. Aber schon ab der zweiten Amtszeit hatte ich unglaublichen Respekt vor ihr, sie zog ihr Ding durch, wie stark der Gegenwind auch sein mochte. Der Respekt wurde ab 2015 immer größer – und ja, irgendwie wurde sie mir auch immer sympathischer. So sympathisch, dass ich 2017 vielleicht sogar die CDU gewählt hätte, wenn ich im entsprechenden Bundesland gelebt hätte. Die CSU zu wählen habe ich nicht fertig gebracht. Und nach allem was Seehofer und Dobrindt gerade auch in den Wochen nach der Wahl abzogen, war ich mit jedem Tag glücklicher mit meiner Entscheidung. Ich bin sehr gespannt, wer und was nach ihr kommt. Und habe gleichzeitig Angst davor. Sie wird fehlen. Wie sehr, ist den meisten heute wahrscheinlich noch gar nicht bewusst.

  4. Eva meint:

    Interessanter Meinungsaustausch zu Merkel! Ich konnte anfangs gar nichts mit ihr anfangen, doch meine Meinung wurde ueber die Jahre positiver und fand vermutlich im August und September 2015 ihren Hoehepunkt. Und das, obwohl ich mich politisch nicht ansatzweise mit dieser Partei identifiziere! Merkels unaufgeregte, besonnene Art wird mir fehlen.

  5. Andrea meint:

    Vielen Dank auch für den Hinweis auf das Buch zur Kunstgeschichte als Brotbelag und die liebe Read-on. Ich habe das auf Twitter schon mit großem Interesse verfolgt und war begeistert von der Kreativität. Ich selbst bin leider Kunst-Legastheniker.

  6. Hauptschulblues meint:

    @sarah@evi:
    H. geht es auch so. Nie hätte er sie gewählt; Respekt hatte/hat er.
    Söder, Scheuer, Dobrindt und Seehofer: Außer Diskussion.

  7. MissJanet meint:

    Seit dem Moment, als Gerhard Schröder, (aka Don Testersteron) am Wahlabend so widerlich auf sie losging und sie ihn einfach abprallen ließ, blieb mir nichts anderes übrig, als Angela Merkel zumindest menschlich zu schätzen. Ich bin in schwerer Sorge, wer ihr nachfolgen wird. Niemals hatte ich den Eindruck, dass sie sich bereichern oder profilieren will, diese persönliche Integrität gibt es dann wohl nicht mehr.
    Und ihr unvergleichliches Augenrollen, egal ob von Putin oder Trump ihr gerade was ge-mansplained hat, dass war schon wirklich sehr sehr schön.

  8. Trulla meint:

    Ich kann jeden Ihrer Sätze zu Angela Merkel unterstreichen.

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