Journal Donnerstag, 3. Januar 2019 – Misslungenes Brot, gelungener Ochsenschwanz

Freitag, 4. Januar 2019 um 9:52

Länger geschlafen (schlimmer Anfang der Nacht, als ich vor Schmerzen nicht schlafen konnte, Herrn Kaltmamsell wegschickte, damit ich genug Platz für eine Unterschenkelstufe hatte, die ich mir aus drei Decken faltete – erst die entlastete meine LWS-Bandscheiben wirkungsvoll), zu einem kalten, grauen Tag aufgewacht.

Programmpunkte für diesen Ferientag: Brotbacken, Schwimmen und Ochsenschwanzkochen.

Ersteres (Schokoladenbrot nach Twitterbeschreibung von @fuchsbrom) war beim Gären schon verdächtig wenig aufgegangen, im Ofen dann aufgerissen – aber doch völlig misslungen. (Vielleicht ist mein neuer Sauerteig nicht triebkräftig genug?)

Zum Schwimmen radelte ich dick angezogen hinaus ins Olympiabad, plauderte mit der Kassendame über den Klimawandel („I schau ja, dass ich koa Plastik mehr verbrauch.“ – hm), schwamm angenehm und fast ungestört meine drei Kilometer. Auf dem Rückweg radelt ich beim Buchladen zum Abholen bestellter Bücher vorbei und bekam Ausflugstipps für den Starnberger See auf der östlichen, also Oskar-Maria-Graf-Seite.

Zum Frühstück ein paar Scheiben klitschiges Brot – muss ja weg.

Da der Ochsenschwanz mindestens drei Stunden Schmorzeit brauchen würde, begann ich frühzeitig das Nachkochen des Rezepts Coda alla vaccinara aus Rachel Roddys Five Quarters: Fleischstücke erst kurz in Wasser gekocht, dann angebraten, mit Karotte, Zwiebel, Sellerie, Rotwein, Pelati geschmort, kurz vor Ende nochmal ordentlich Stangensellerie, ein wenig Rosinen und Pinienkerne dazu. Da Ochsenschwanz gerne mal nicht genug gekocht serviert wird (zum Beispiel bei meiner jüngsten Wirtshausbestellung des Gerichts), kalkulierte ich die Schmorzeit sehr großzügig, ging während dessen Obsteinkaufen in den Süpermarket (Herrn Kaltmamsell für Notfälle daheim wissend), buk eine Portion meines Standard-Granolas, las die Tageszeitung, servierte zum Aperitif einen Cosmopolitan (unsere Standardänderung: 6 cl Cranberrysaft).

Nach gut dreieinhalb Stunden sanftem Schmoren fiel das Ochsenschwanzfleisch tatsächlich so vom Knochen, wie ich das haben wollte, ich servierte.

Mit dem Ergebnis war ich zufrieden. Es schmeckte köstlich, die dezenten Pinienkerne und Rosinen machten sich überraschend gut, wir halten fest: Ich kann Ochsenschwanz.

Abend-Entertainment: Arte zeigte Hitchcocks Bei Anruf Mord. Nun, schon arg deutlich ein verfilmtes Theaterstück, arg dialoglastig in der Informationsvermittlung, die weiblich Hauptrolle fast unerträglich stereotyp feminin hilflos und verschreckt angelegt. Aber hin und wieder originelle Kameraeinstellungen mit interessantem Einsatz von Licht.

Im Bett las ich weiter in Ursula K. Le Guins The Dispossessed, das mich von der ersten Seite an gefangen hatte.

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Seit dem Claas-Relotius-Skandal mit erfundenen Artikeln und Artikel-Teilen wird viel über internen Fakten-Check in Redaktionen nachgedacht. Eva Wolfangel hat als freie Journalistin für große deutschsprachige und englischsprachige Magazine geschrieben und vergleicht deren Fact-Checking-Kulturen an selbst erlebten Beispielen (die des Spiegel kommt dabei nicht gut weg):
„Wie wir JournalistInnen unsere Fakten prüfen“.

via @niggi

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Wundervoller Twitter-Thread, in der Hollywood-Filmstereotypen bestimmter Berufe zusammengetragen werden, beginnend mit:

Ganzer Thread.

via @alexmatzkeit

die Kaltmamsell

3 Kommentare zu “Journal Donnerstag, 3. Januar 2019 – Misslungenes Brot, gelungener Ochsenschwanz”

  1. Hauptschulblues meint:

    H. holt sich immer wieder mal Sauerteig aus der Hofpfisterei oder von seinem Bäcker. Der selbst weitergezogene läßt schon nach.

  2. Sabine meint:

    Rachel Roddy ist eine fantastische Autorin, der ich schon seit den schlichten Blogzeiten folge. Ich koche mindestens zweimal die Woche eines ihrer Rezepte, auch heute abend wieder eine Minestrone, aber auch an Festtagen kommen ihre Gerichte auf den Tisch.

    Und die Ostseite des Starnberger Sees ist wunderschön und bis auf das Ufer selbst überraschend menschenleer. So stimme ich mal wieder dem Blogartikel zu, was ja vielleicht auch ganz schön ist…

  3. Robert meint:

    Ein Brot ganz ohne Weizenmehl erscheint R. möglich, aber sinnlos. 4g Sauerteig – ein Teelöffel voll bei über einem Pfund Roggenmehl?

    Die Idee eines Schokoladenbrotes findet R. durchaus gut, für Menschen, die Brot mit Eszet-Schnitten mögen und sich das Belegen sparen möchten. R. würde hier aber ein bewährtes Brotrezept mit dunklem Kakao und etwas Zucker anreichern, bei etwas weniger Salz.

    Bewährt hat sich bei R. 500 ml Wasser, 400 g Weizenmehl, 400 g Roggenmehl, 20 g Hefe, 40 g Sauerteig, 20 g Salz, 10 ml Sonnenblumenöl – Kümmel, Körner, Kerne nach Geschmack, 2-3 Stunden gehen lassen, 25 min auf 275°C + 35 min auf 180°C, in der Schwade.

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