Journal Freitag, 26. April 2019 – Migräne, bitte nicht wecken

Samstag, 27. April 2019 um 8:02

Bis fünf Uhr morgens konnte ich bei gelegentlichem Aufwachen das Kopfweh ignorieren, doch dann wurde es böse, brachte weitere Symptome mit und machte klar: Migräne.

Also klebte ich einen Zettel „Migräne – bitte nicht wecken“ an meine Schlafzimmertür, um den fürsorglichen Herrn Kaltmamsell davon abzuhalten, mich rechtzeitig für die Arbeit aus dem Bett zu holen, und setzte mein Triptan-Nasenspray ein.

Ich stellte den Wecker auf acht Uhr, stand dann kurz auf, um telefonisch einen morgentlichen Orthopädentermin abzusagen und mich in der Arbeit krank zu melden. Zurück ins Bett, wo ich bis kurz vor zwölf schlief. (Und dann so bald wie möglich bei meiner Hausärztin anrief, um ein neues Rezept für das Migränemittel zu bestellen; ich hatte morgens meine letzte Dosis aufgebraucht.)

Nach zwei Stunden mit blödem Geschau und etwas Kaffee war ich so weit auf der Höhe, dass ich mich duschen und anziehen konnte für einen Einkaufsgang ums Eck. Es war empfindlich kühl geworden, der Himmel versprach Regen. Als ich zurück kam, begann es zu tröpfeln, doch über ein paar ungeübte Spritzer kam der Regen bis abends nicht hinaus.

Gegen Abend hatte mich die Migräne genug von der Leine gelassen, dass ich mich an den Bügelberg machen konnte und ihn zu großen Teilen abtrug. Zum Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell Freitags-Entrecôte vom Herrmannsdorfer mit Ernteanteilspinatkichererbsen, zum Nachtisch gab’s frische Ananas mit Eiscreme.

§

Genau das hatte ich in der vergangenen Sommerwoche gedacht: Passt bitte gerade jetzt auf die depressiven Menschen in eurer Nähe auf. Till Raether schreibt für die SZ auf:
„Frühling ist die grausamste Jahreszeit“.

Was Raether auslässt: Die meisten Suizide passieren eben nicht im November, auch nicht an einsamen Weihnachtstagen, sondern im Frühling. Die dunkle Jahreszeit und ein Weihnachen ohne Familie enthalten nämlich immer noch die Hoffnung, dass es besser werden könnte. Dann kommen Sonne, kommen Wärme, längere Tage – doch die Seele bleibt düster. Jetzt verlieren Depressive oft die letzte Hoffnung, es könnte jemals anders werden.

die Kaltmamsell

2 Kommentare zu „Journal Freitag, 26. April 2019 – Migräne, bitte nicht wecken“

  1. Susann meint:

    Ihr Hinweis auf Depression erinnert mich an Helen Macdonalds „H Is For Hawk“, das Sie, glaube ich, auch hier angesprochen hatten.
    Helen Macdonald verfällt in eine tiefe Depression, und (anders als die diversen gebrochenen Helden, die ihr Heil in der Wildnis suche) sie holt sich tatsächlich medizinische Hilfe, und findet so aus ihrer Depression. Ich finde es so wichtig, sich und andere daran zu erinnern, dass es diese Option gibt, dass man sich Hilfe holen kann und darf, dass man nicht alleine mit sich und seiner Situation fertigwerden muss.

    NB: Migräne ist wirklich das Letzte, tut mir so leid, dass Sie so darunter zu leden haben.

  2. Frau Klugscheisser meint:

    Susann, mit Hilfe annehmen ist es leider nicht getan. Wenn man etwas weiter im entsprechenden SZ Magazin liest, werden die Mißstände um fehlende Hilfsangebote aufgezeigt. Ich denke, da sind wir alle gefragt. Professionell kann ich nicht helfen aber menschlich möglicherweise.

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