Journal Samstag, 13. April 2019 – Kalter Frühlingslauf

Sonntag, 14. April 2019 um 8:47

Mein nächtlicher Wechsel in das Bett von Herrn Kaltmamsell hatte Folgen: Er wachte deutlich vor mir auf, kam aber weder an seinen Morgenmantel noch an seine Elektronik, befand sich ja alles in seinem Zimmer. Und Morgenkaffee kriegte er auch keinen, das ist ja mein Job. Als ich mich also wohlig ausgeschlafen aus den Decken schälte, stand ein nur halb gespielt aufgebrachter Herr Kaltmamsell vor mir, der auf all diese Unbillen hinwies und forderte, ich möge deshalb doch bitte ihn wegschicken in sein Bett, wenn er mich am Einschlafen störe.

Ich bloggte gemütlich und ausführlich über dem Morgenkaffee, wusch Bettwäsche (Wechsel von Winter- zu Sommerüberzügen) machte mich dann lauffertig, ging aber erst mal ein Runde Einkaufen auf den Klenzemarkt (verschiedene Almkäsen und -butter, Putenunterkeulen, Ruccola) und beim Bäcker (Semmeln fürs spätere Frühstück). Der Bäcker Wimmer am Klenzemarkt ist ja umgezogen in die westliche Westermühlstraße, an seinem früheren Standort ist jetzt statt dessen ein Bäcker Schmidt (der sich „Brotmanufaktur“ nennt, aber diese Albernheit übersehen wir höflich). Ich begrüße diese Bereicherung der Bäckereilandschaft im Glockenbachviertel. In diesem konkreten Fall war mir die Schlange zu lang gewesen; hätte ich in den Regalen eine Mohn-Challah gesehen, hätte ich mich sogar angestellt, doch da war keine.

Als ich die Einkäufe heimbrachte, sah ich von unserem Vorgarten eine Mönchsgrasmücke abfliegen – und freute mich sehr, direkt bei uns hatte ich noch keine gesehen.

Auf der Einkaufsrunde hatte ich festgestellt, dass es ganz schön kalt war. Von Twitter und instagram wusste ich, dass es woanders in Deutschland sogar schneite, doch in München kam zu meinem Laufstart gegen elf sogar die Sonne heraus.

In der U-Bahn nach Thalkirchen zwei Beispiele für Großstädter, die anscheinend kein eigenes Auto brauchen (wobei der Herr mit Großeinkauf zu zweit war). Der Surfer stieg an der Brudermühlbrücke aus – vielleicht gibt es da doch auch ohne Hochwasser eine Welle?

Vor dem U-Bahnhof Thalkirchen ein AfD-Stand. Ihm gegenüber in drei Meter Abstand ein Grüppchen bunter Menschen mit Schildern wie „München ist bunt“.

Ich lief leicht und mit Genuss über Großhesselohe nach Pullach und zurück, entzückt über die vielen blühenden Bäume und Blumen. Ich sah und hörte Wasseramseln, Buchfinken, Meisen, Buntspechte, Krähen, sah einen Bussard weit oben kreisen.

Die Isar steht immer noch viel zu niedrig. Zwar hat vielleicht einfach die Schneeschmelze noch nicht eingesetzt, aber auch aus unserer Kartoffelkombinat-Gärtnerei in Spielberg kommen Nachrichten, dass die Trockenheit schon wieder Probleme bereitet.

Gemütlicher Nachmittag mit Frühstück, Internetlesen, Zeitunglesen im sonnenbeschienenen Sessel, bis es Zeit war, die Putenkeulen ofenfertig zu machen (würzen mit Salz, Pfeffer, Rosmarin, Knoblauch, in Alufolie in den Ofen).

Sie gelangen gut und schmeckten wunderbar, nur dass manche von uns mit der vielen Arbeit haderten, die die harten Sehnen beim Schneiden bereiten. Für mich gehört das zum Nose-to-tail-Essen dazu, ich werde aber andere Zubereitungsarten recherchieren.

Erkenntnis: Bunter Nagellack sieht bereits nach dem ersten Backblechschrubben nicht mehr vorzeigbar aus.

§

Dr Sarah Taber („Crop scientist“) antwortet in einem Twitter-Strang auf die Frage, in welcher Weise in den USA Baumwollerntemaschinen die „Second Great Migration“ verursacht haben. Kurzfassung: Haben sie nicht, sondern umgekehrt machte erst die Abwanderung von billigen Arbeitskräften den Einsatz von Maschinen rentabel. Taber führt dann weitere Beispiele aus der US-amerikanischen Geschichte bis heute an, in denen erst eine Ende der Ausbeutung von Arbeitskräften Automatisierung bedingt hat. Und räumt bei dieser Gelegenheit mit dem Narrativ auf, dass die Landwirtschaft im Norden der Vereinigten Staaten früher in den Händen kleiner Familienfarmen gelegen habe. Alles sehr aufschlussreich, hier der ganze Strang.

via @TiniDo

§

@fragmente erinnert an eine alte Geschichte von novemberregen, die auch mich nochmal sehr erheiterte. Inklusive der Kommentare.
„Kontrolleur 1: Diiieeeee Fahrkarten bitte.“

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Unser Kartoffelkombinat wird im Fürstenfeldbrucker Lokalteil der Süddeutschen vorgestellt:
„Regional, saisonal, solidarisch“.

Wenn Sie Lust haben, das auch mal auszuprobieren: Wir sind gerade wieder offen für neue Haushalte als Genossenschaftlerinnen und Genossenschaftler. Hier ist erklärt, wie das funktioniert.
Hier kann man herausfinden, wo der nächst gelegene Verteilerpunkt ist.
Und niemand muss überstürzte Entscheidungen treffen: Wir bieten eine sechswöchige Testphase an.

die Kaltmamsell

4 Kommentare zu “Journal Samstag, 13. April 2019 – Kalter Frühlingslauf”

  1. Hauptschulblues meint:

    Die Trockenheit ist schlimm.
    Mauersegler, Spatzen u.a. fanden zum Nestbau keine Pfützen. H. muß zweimal wöchentlich den Obstbäumchen und Beerensträuchern Wasser geben, sonst machen sie Stillstand. Es ist vor allem dieser ständige Wind, der austrocknen lässt. Wir sind schon lange im Klimaumschwung angekommen.

  2. crasycook meint:

    Die Schmidt Brotmanufaktur ist ein größeres Unternehmen mit einigen Verkaufsfilialen in München. Am Viktualienmarkt wird am Stand Bäckerliesl (https://www.sueddeutsche.de/muenchen/baecker-liesl-granteln-fuer-den-verkaufserfolg-1.696155) das Brot „Bauernkruste“ dieses Unternehmens angeboten. Mir schmeckt dieses Brot.

  3. die Kaltmamsell meint:

    Ja, crasycook, ich kenne die Bäckerei seit vielen Jahren, vor allem von ihren Läden in Haidhausen, wo auch die eigentliche Bäckerei liegt – deshalb wusste ich ja auch, dass sie freitags und samstags eine Challah anbietet. Warum sollte ich bei der Bäckerliesl am Viktualienmarkt einkaufen, wenn ich jetzt eine Filiale ums Eck habe? (Erlebe ich gerade klassisches Mansplainig?)

  4. crazycook meint:

    Aufgrund meiner voreiligen und wie sich zeigte unrichtigen Annahme, sie würden über ein großspuriges kleines Bäckerlein Namens Schmidt berichten – (statt dessen ein Bäcker Schmidt (der sich „Brotmanufaktur“ nennt, aber diese Albernheit übersehen wir höflich) – erfolgte der als Info gedachte Kommentar.

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