Journal Sonntag, 14. April 2019 – 4000 Meter geschwommen und Beifang aus dem Internet

Montag, 15. April 2019 um 6:54

Wieder ausgeschlafen, aber mit Kopfweh aufgewacht. Ich fürchtete schon, dass ich das Glas Rotwein vom Vorabend mit Migräne würde zahlen müssen, doch eine Aspirin vertrieb das Kopfweh.

Meine Kopfkissen gewaschen: Im frischen Sommerüberzug merkte ich erst, wie verschwitzt und versabbert sie müffelten.

Ich freute mich auf eine Schwimmrunde. Es war kalt geblieben, für die Fahrradfahrt zum Olympiabad trug ich Winterjacke, Mütze und Handschuhe.

Ich schwamm leicht und kraftvoll los. Nach 2000 Metern brauchte ich eine Pinkelpause. Als ich zurück ins Becken kam, fühlte sich das Schwimmen an, als sei ich gerade erst warm geworden. Also testete ich, ob der Spaß auch für nochmal 2000 Meter reichte – jederzeit bereit, wegen Schmerzen (Nacken oder Bandscheibenbein), Verschlucken oder Langeweile aufzuhören. Doch die 4000 Meter waren gar kein Problem. So viel war ich noch nie geschwommen.

Das war ein tolles Gefühl, das den ganzen Tag anhielt – auch als ich abends merkte, dass ich wahrscheinlich einen Muskelkater davontragen würde.

So kam ich natürlich noch später nach Hause, mein Frühstück nahm ich erst nach drei.

Nachmittags bei grauem Himmel gelesen, Wäsche gewaschen. Fürs Abendbrot sorgte Herr Kaltmamsell und servierte „Pizza rustica“ nach Rachel Roddy, eher einen Pie.

Schmeckte sehr gut (wenn auch gar nicht italienisch), nachdem Herr Kaltmamsell große Mühe mit dem Teig gehabt hatte.

Im Fernsehen kam Doctor Strange; ich guckte, bis mein Liebling, der cloak of levitation seinen großen Auftritt hatte.

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Man könnte es nicht schlechter erfinden: Dr. Katie Bouman, die Wissenschaftlerin, die mit ihrem Team hinter dem Algorithmus für die erste Fotografie eines schwarzen Lochs steht, war den Frauenhassern wohl zu sichtbar. Also starteten sie die Verleumdungskampagne, dass der Algorithmus in Wirklichkeit von jemandem anderem stamme (einem Mann).

Mehr dazu.

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Langer Text im New Yorker, aber ausgezeichnet und nahbar geschrieben. Wenn Sie auch nur das leiseste Interesse an Dinosauriern oder Erdgeschichte haben: Empfehlung.
„The Day the Dinosaurs Died“.

Ich habe daraus sehr viel gelernt: Unter anderem, dass die These, Dinosaurier seien durch den Aufprall eines gigantischen Asteroiden ausgestorben, keineswegs so lange Schulmeinung ist, wie ich es angenommen hatte – das ist sie erst seit 2010. Dass sie immer noch umstritten ist, weshalb, und welche Entdeckung sie jetzt tatsächlich belegen könnte.

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Verdammt, wieder eine etablierte Annahme gesprengt:
„Your cotton tote is pretty much the worst replacement for a plastic bag“.

via @kriegundfreitag

Dass dünne Plastiktüten umweltfreundlicher sind (über den gesamten Lebenszyklus gerechnet) als Papiertüten, wusste ich (und bin entsprechend ungehalten, dass mancher Biosupermarkt Papiertüten forciert). Das dänische Umweltministerium hat 2018 alle Transporttaschen für Einkäufe auf ihre Umweltbelastung über den gesamten Lebenszyklus durchgerechnet, also von Herstellung (inklusive Rohstoffbezug) bis Vermüllung. Und alle vorherigen Untersuchungen bestätigt, in denen ausgerechnet die beliebten Baumwolltaschen am schlechtesten abschneiden: Wenn sie auch noch aus Biobaumwolle hergestellt wurden, müsste man sie 20.000 Mal verwenden, bis sie die Umweltbelastung einer dünnen Plastiktüte unterschreiten. Biobaumwolle schneidet deshalb am schlechtesten ab, also noch schlechter als konventionell angebaute, weil weniger Ausbeute pro Quadratmeter Fläche und deshalb höherer Aufwand an Ressourcen wie Wasser.

Und jetzt?

The simplest advice for individuals seems to be this: Whatever you have in your house now — be it a pile of cotton totes, or a jumble of plastic bags — don’t throw them out. Keep using them until they fall apart. Whatever the material, use it as a garbage bag once you can’t use it for other purposes any more. And whatever you do, try not to buy new ones.

Übersetzt: Benutzen sie alles, was sie im Moment schon im Haus haben, so lange wie möglich – egal ob Plastik, Papier oder Stoff. Hauptsache Sie holen sich nichts Neues.

die Kaltmamsell

13 Kommentare zu “Journal Sonntag, 14. April 2019 – 4000 Meter geschwommen und Beifang aus dem Internet”

  1. Melanie meint:

    ******************KOMMENTAROMAT**********************

    Gerne gelesen

    *******************************************************

  2. Roland B. meint:

    Daß es sinnvoll ist, alles bis zum Auseinanderfallen zu benutzen, dafür braucht man aber keine aufwendige Studie.
    Das mit dem Lebenszyklus bei den dünnen Plastiktüten für am Obst- und Gemüsestand und den alternativen Papiertüten verstehe ich nicht so ganz. Ich kenne niemanden, der diese Plastiktüten wieder aufknotet und weiterverwendet – es gäbe wohl auch wenig Anwendungsmöglichkeiten. Lebenszyklus also gleich einmaliger Verwendung. Ist da Plastik wirklich besser als Papier?
    Bei den „richtigen“ Plastiktüten allerdings hat das UBA schon in den Achtzigern festgestellt (okay, die Bedingungen und Werte mögen sich geändert haben), daß sie, sofern sie tatsächlich mehrfach benutzt werden, ökologisch besser abschneiden als kräftige Papiertüten.

  3. Vinni meint:

    @Roland B.

    Ich verwende die dünnen Plastikgemüsetüten immer als Badmüllbeutel (wenn ich nicht grad eine Ananas transportiert habe und das Ding zerfetzt ist).

    Ich bin also schon mal „jemand“ :)

  4. die Kaltmamsell meint:

    Ich verwende die dünnen Plastiktüten ebenfalls mehrfach weiter, Roland B., Vinni: Vor allem für Brotzeit, aber auch um Bundkräuter im Kühlschrank frisch zu halten, Teig kühl zu stellen (statt Frischhaltefolie). Fünf- bis zehnmal kommt die Obst- und Gemüsetüte bei mir sicher nochmal zum Einsatz – im Gegensatz zu Papiertüten, für die ich keine weitere Verwendung habe.

  5. Trulla meint:

    Ist schon schwierig, Kartoffeln, Tomaten usw. unverpackt einzukaufen. Was spricht gegen die generelle Nutzung recycelbaren Papiers?
    Ananas, Kohlköpfe etc. brauchen eigentlich gar keine Verpackung, wenn der Einkauf selbst mit dem guten alten geflochtenen Henkelkorb gemacht wird, evtl. mit waschbarer Stoffeinlange bzw. Geschirrtuch dazwischen. Geschickt gestapelt braucht man kaum Verpackung. Der Korb kann gut auf dem Fahrrad transportiert werden – so ist jedenfalls meine Erfahrung. Und ansonsten habe ich immer in meiner ohnehin großen Handtasche noch eine faltbare Stofftasche dabei.

  6. Anne meint:

    Interessanter Vergleich zwischen Baumwollbeutel und Plastiktüte. Mir fällt da sofort ein weiterer möglicher Vergleich ein: Baumwollshirt und Polyestershirt. Kann man da wohl auch davon ausgehen, dass die Umweltbelastung beim Baumwollshirt höher ist als beim Plastikteil, wenn man es nicht 20.000 mal trägt? Sollten Leute, die unbedingt immer die neuesten Trends tragen, lieber Polyester wählen, wenn sie die Klamotten bald wieder loswerden (vielleicht sogar wegschmeißen)?
    Eher theoretische Überlegung für mich, ich mag keine Polyesterkleidung tragen, aber man findet unglaublich viel in den Läden, also irgendwe kauft sie dann wohl.

  7. adelhaid meint:

    aber steht nicht in der studie oben, dass sie alles gemessen haben, außer dem impact auf das meer? und da landen die plastiktüten halt. und da machen sie ärger. am besten wäre es also, wenn sie gar nicht mehr produziert würden, denn dann würden a) alle ihre baumwollbeutel auch nutzen, b) papiertüten auf dem markt eingesetzt werden, die dann letztlich wenigstens verrotten können, und c) eben weniger plastik ins meer gelangen (und damit im prinzip überall hin). die einzige möglichkeit, plastikmüll auf der welt zu reduzieren, ist kein plastik zu produzieren.

  8. Hauptschulblues meint:

    Hin und her – her und hin. Jede/r mag ihr/sein individuelles Gewissen auf irgendeine Art beruhigen. Schädlich ist letzten Endes alles: Der der Mensch mit seinen Auswirkungen ist das Grundübel.

  9. Christine meint:

    Ich binde immer eine Schleife, dann kann ich sie gut wieder aufmachen. Zu Hause kommt die leere Plastiktüte direkt wieder in die Handtasche fürs nächste Mal.

  10. Croco meint:

    Nicht wegwerfen ist ein prima Ansatz. Doch sollte man auch den Hygieneaspekt beachten. Oder man spült jede Plastiktüte aufwändig aus.
    Landen unsere gebrauchten Plastiktüten tatsächlich im Meer? Sie landen im gelben Sack und werden verbrannt oder recycelt. Es betrifft eher Länder, die keine Müllverwertung haben. Mikroplastik in Kosmetik finde ich sehr heimtückisch. Die Liste des BUND hat mich umgehauen.
    Darf ich einen Link setzen?
    Wenn nicht, bitte löschen.
    https://www.bund.net/fileadmin/user_upload_bund/publikationen/meere/meere_mikroplastik_einkaufsfuehrer.pdf

  11. Berit meint:

    Auch nett dazu

    https://www.incipedia.de/mikroplastik-in-kosmetik/

    Interessant dabei wie man bei gleicher Faktenlage unterschiedliche Resumes zieht. Ich finde es gut hier die Wahl zu haben ob ich diesen Aspekt für mich als Verbraucher nun als relevant einschätze oder nicht.

  12. Bobbie meint:

    Nach 2000m brauchte ich eine Pinkelpause- wie herzerfrischend

  13. Sanddorndiva meint:

    Hier ist noch eine dünne Plastikbeutelaufknoter- und wiederverwenderin

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