Journal Mittwoch, 15. Mai 2019 – Kälte und Erkältung

Donnerstag, 16. Mai 2019 um 6:46

Nebenhöhlenschmerzen, beschwerliches Atmen, unentspanntes Gehen – wahrscheinlich wären andere krank daheim geblieben. Doch ich war dieses Jahr schon zweimal einen Tag krank. Und denke derzeit ohnehin viel über die Grenze zwischen self care und Rücksichtslosigkeit nach.

Es war wieder so kalt draußen, dass ich meinen Ledermantel aus dem Schrank zog und für den Weg in die Arbeit mit Schal trug. Ruhiges, strukturiertes Arbeiten, erst nachmittags machte mir die Erkältung zu schaffen. Auf dem Heimweg kehrte ich in die nächste Apotheke ein, um mir Aspirin-Nachschub gegen die Nebenhöhlenschmerzen zu besorgen. Dass die Apothekerin Vor- und Nachteile verschiedener Schmerzmittel abwog und mich dafür das eine oder andere fragte, fand ich noch gut. Dass sie mir dann irgendwelche Erkältungsmittelchen empfahl („rein pflanzlich!“), obwohl ich klargestellt hatte, dass meine Erkältungen halt sieben Tage bis eine Woche dauern und ich diese Zeit lediglich mit möglichste wenig Leid rumkriegen möchte, befremdete mich bereits. Doch als sie mir zum Medikament (ich handelte sie auf ASS ohne C runter, weil „jetzt hilft Vitamin C doch nicht mehr“ – ich war freundlich und sagte nicht, dass mir das Risiko von Skorbut in unseren Ernährungsbreiten ausgesprochen gering erscheint), Pröbchen von Vitaminpräparaten „zur Stärkung des Immunsystems“ legte, blieb ich zwar weiterhin freundlich und dankte ihr für die Geste, lehnte aber mit dem Hinweis ab, dass die Evidenzlage für die Wirksamkeit von Nahrungsergänzungsmittel wirklich schlecht aussieht. „Und Sie wissen doch, wenn man nicht daran glaubt, wirkt’s noch weniger.“

Nächster Einkaufsstopp Supermarkt: Herr Kaltmamsell hatte einen beruflichen Abendtermin, ich musste mich selbst versorgen. Es sollte ein Abendessen werden, das er sich bei später Heimkehr gut aufwärmen konnte, so kam ich auf Linsen mit Spätzle – in der Fertigversion: Eine Dose Linseneintopf, gestreckt mit einer Dose gekochter Linsen (der fertige Linseneintopf ist mir zu reichhaltig), dazu Fertigspätzle aus der Kühltheke. Schmeckte schon mir gut, erfreute auch ihn beim Heimkommen.

Im Bett las ich das wundervolle Bärenbuch von Kiki Thaerigen aus, das ich mitfinanziert hatte: Der Bär & ich. Die jungen Jahre. Kiki hat noch ein paar Exemplare übrig, meine Empfehlung.

Vor dem Schlafen ein Stamperl Erkältungslikörchen, das ich zum Glück auf Vorrat hatte und mir nicht erst in der Apotheke herbeidiskutieren musste.

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Twitter kann immer noch lustig sein, das wissen wir. Manchmal auf eine eher unbeabsichtigte Art und Weise.
„There were some glorious self-owns by men insisting that women don’t enjoy sex“.

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Technikfasten oder gar IT-Fasten finde ich einschläfernd albern, aber dieses Experiment interessierte mich: Caity Weaver von der New York Times lebt eine Woche lang wie 1994, also vor 25 Jahren.
„1994 was a prison of my own making.“

Das Lustige: Im Gegensatz zu Weaver war ich auch vor 25 Jahren schon erwachsen – und eine Woche in New York! Der Studentenreiseführer Let’s go enthielt alle Informationen, die ich damals benötigte.

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Für Fußball interessiere ich mich weiterhin nicht, aber über den Werbespot der Frauen-Nationalmannschaft freute ich mich schon arg. (Zumal er nicht für Autos wirbt.)

die Kaltmamsell

10 Kommentare zu “Journal Mittwoch, 15. Mai 2019 – Kälte und Erkältung”

  1. Trulla meint:

    Bewunderung für die Geduld im Apothekengespräch: sehr eleganter “Abgang Kaltmamsell“

  2. Christina meint:

    Zum Thema „self care“ – Rücksichtslosigkeit: So richtig rücksichtslos finde ich es, wenn Kollegen den Helden der Arbeit/Märtyrer geben, mit einer dicken Erkältung zur Arbeit gehen, die Hälfte der anderen anstecken und nach drei Tagen doch zuhause bleiben, weil sie feststellen, dass sie am Arbeitsplatz nicht so richtig gesund werden.

  3. adelhaid meint:

    ich schimpfe inzwischen auch recht unbekümmert mit kranken mitarbeitenden, wenn sie schniefend und hustend durch die gänge laufen. mitunter verteile ich sogar kleine fläschchen mit sterilium an büromitsitzende, wenn da ein tropfender erkältungsfall sitzt. das führt meistens zu früherem heimgehen.
    wenn erkrankte aber allein sitzen, wenig kontakt haben, und dinge fertig machen wollen, dann sollen sie, aber dann bitte nach hause.

    meine mitarbeitenden haben keine zeiterfassung.

  4. die Kaltmamsell meint:

    No na, schwer erkältet wäre ich schon auch daheim geblieben, Christina, adelhaid, aber doch nicht wegen Nebenhöhlenschmerzen, die sich mit Aspirin bekämpfen lassen?

  5. adelhaid meint:

    eben. hauptsache es tropft nicht auf andere leute.

    und hauptsache, die schmerzen hindern nicht am arbeiten.

  6. engl meint:

    „herbeidiskutieren“ ; )

  7. lihabiboun meint:

    Liebe verehrte Kaltmamsell, Nebenhöhlen sind unsere Familienkrankheit, ich hab das seit ich ca. 14 war. Mein Tipp: Sinupret, das löst den (Schmerzen verursachenden Schleim) und dann geht es einem deutlich besser. Das Zeug nimmt man dreimal täglich, wirkt so nach 1-2 Tagen effektiv. Viel trinken – auch das löst (verdünnt). Ich wünsche Ihnen gute Besserung!!

  8. Kiki meint:

    Vielen herzlichen Dank für Feedback und Verlinkung, ganz zu schweigen von der Mithilfe bei der Finanzierung! :-)

    „Ich handelte sie auf ASS ohne C runter“ sorgte hier für lautes Lachen, da ich das auch immer ausdiskutieren muss mit meiner Apothekerin – manchmal fragt man sich ja schon, wie solche Leute an ihren Job gekommen sind.

    Gute Besserung weiterhin!

  9. Hauptschulblues meint:

    @“self care – Rücksichtslosigkeit“: H. hat seine Lehrkräfte mit roten Augen und triefenden Nasen und krächzenden Stimmen auf der Stelle heim geschickt, unter Androhung von bestimmten Maßnahmen, die jetzt nicht öffentlich diskutiert werden sollen.
    Nach einiger Zeit waren die KollegInnen von selbst relativ vernünftig.

  10. Berit meint:

    Das ist ja mal ein richtig gelungener Werbespot. Gut gemacht, die Damen!

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